Zurück zu den Spielen

Call of Duty 2

System:
PC DVD-ROM

Genre:
Egoshooter

Note: 2
CALL OF DUTY 2

Zur Story dieses Egoshooters muss ich ausnahmsweise mal nichts sagen, denn es gibt praktisch keine. Das heißt - natürlich gibt es eine: Ihr kämpft euch durch 10 Kampagnen des zweiten Weltkriegs, wobei ihr die Rollen jeweils eines russischen, britischen und amerikanischen (in dieser Reihenfolge) Infanteriesoldaten übernehmt. Eine zusammenhängende Geschichte wird dabei aber nicht erzählt, es geht praktisch in jeder der ziemlich wahllos aneinander gereihten Missionen - pro Kampagne gibt es 1 bis 4 davon - einfach nur darum, ein bestimmtes Gebiet zu erobern und zu sichern. Zwischensequenzen gibt es so gut wie nicht (lediglich historische Filmaufnahmen zwischen den Kampagnen), eure Missionsziele erhaltet ihr über Funk oder von Kameraden, die mit euch unterwegs sind.

Die Missionen führen euch an verschiedene Kriegsschauplätze. Die Briten haben vor allem in Nordafrika zu tun. Die Amerikaner sind, wie sollte es auch anders sein, gerade bei Pointe du Hoc in der Normandie gelandet und kämpfen sich allmählich bis nach Vallendar vor. Die erste Mission ist eine kurze Lehrstunde, in der ihr die Grundlagen der Steuerung erlernt. Da diese kleine Lektion mitten in Stalingrad stattfindet, dauert es aber nicht lang, bis ihr euch mitten im wütenden Gefecht wieder findet. Und von diesem Moment an gibt es praktisch keine ruhige Minute mehr in diesem Spiel...

Steuerung

Auch zu diesem Punkt muss ich kaum was sagen, denn es herrscht Egoshooter-Standard. Ein paar Ausnahmen gibt es allerdings, die man beachten muss:

Waffenwechsel
Ihr könnt jeweils nur zwei Schusswaffen und zusätzlich einige Granaten tragen. Die Waffen könnt ihr nur wechseln, indem ihr die, mit denen ihr gerade ausgerüstet seid, fallen lasst und andere aufhebt. Normalerweise schießt ihr aus der Hüfte, ihr könnt euer Ziel aber auch durch rechten Mausklick mit jeder Waffe genauer über Kimme und Korn anvisieren. Dann bewegt ihr euch aber automatisch langsamer und müsst erst einen weiteren Rechtsklick ausführen, um die Waffe wieder zu senken. Gefallene Gegner und Kameraden lassen ihre Waffen fallen. Habt ihr die gleiche Waffe, dann erhöht sich euer Munitionsvorrat automatisch, sobald ihr über eine herumliegende Waffe hinweglauft. Immer am Mann ist das Fernglas, das ihr mit der B-Taste aktiviert.

Granatenanzeige
In Call of Duty 2 (CoD2) werden ziemlich viele Handgranaten durch die Gegend geschmissen. Landet eine in eurer Nähe, wird ein Symbol angezeigt, dem ihr entnehmen könnt, wo sie ungefähr liegt. So könnt ihr euch - vorausgesetzt, ihr reagiert schnell genug - in der Regel noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Schafft ihr das nicht, seid ihr bei der Explosion der Granate sofort tot. Das führt mich direkt zum nächsten Punkt, nämlich zur

Gesundheitsanzeige
Eine solche gibt es in diesem Spiel nicht! Wenn ihr mehrmals getroffen werdet, setzt stattdessen ein hörbarer Herzschlag ein, der Soldat fängt an zu keuchen und zu schwanken, außerdem färbt sich das Gesichtsfeld rötlich. Bei nahen Explosionen kann es sogar vorkommen, dass ihr erstmal einige Sekunden lang hilflos am Boden liegt und gar nichts mehr hört, bis der Soldat sich wieder erholt hat. Wird ein schwer verletzter Soldat nochmals getroffen, ist er hinüber - aber wenn ihr es schafft, eine Deckung aufzusuchen, erholt ihr euch sehr schnell wieder vollständig, und zwar egal, wie schwer verletzt ihr gewesen seid. Es ist also nicht nötig, Medipacks oder etwas ähnliches aufzusammeln, d.h. so etwas gibt es bei CoD2 nicht. Wenn ihr jetzt glaubt, es sei deshalb ganz einfach, das ganze Spiel unbeschadet durchzuzocken, dann habt ihr euch geschnitten, denn ihr liegt meist unter extrem heftigem Beschuss. Besonders bei MG-Feuer könnt ihr gar nicht schnell genug in Deckung rennen.

Speicherpunkte
Sehr beliebt, gerade bei Egoshootern, ist das Sichern des Fortschritts nach jedem kleinen Erfolg per Quicksave. Das könnt ihr euch bei CoD2 abschminken! Ihr könnt keine Spielstände manuell speichern. Allerdings gibt es während jeder Mission zahlreiche Speicherpunkte, und zwar nicht nur dann, wenn ihr bestimmte Missionsziele erfüllt habt, sondern auch kurz vorher und an vielen anderen Stellen. Das ist also sehr fair, ihr könnt aber stets nur den letzten Speicherstand laden und keinen früheren.

Atmosphäre

In CoD2 wird euch die womöglich realistischste Kriegsatmosphäre vermittelt, die es zurzeit in einem PC-Spiel gibt. Das liegt vor allem daran, dass ihr nie allein unterwegs seid (Alleingänge sind zwar möglich, aber keineswegs empfehlenswert). Aber auch der ständige Ansturm zahlreicher Gegner und der pausenlose Kugelhagel um euch herum, die Explosionen von Artilleriefeuer usw. tragen dazu bei, dass ihr das Gefühl habt, ihr wärt tatsächlich selbst im Kampfgeschehen. Eure Kameraden rufen euch zu, wo die Gegner sich ungefähr befinden, gleichzeitig werdet ihr von den Deutschen beschimpft. Hinzu kommen die Schmerzensschreie der Getroffenen und das Geröchel der Sterbenden. Diese unglaublich bombastische Geräuschkulisse (dieses Spiel ist LAUT!) und diese permanenten hektischen Kampfhandlungen, in denen ihr mittendrin steckt, sorgen für eine extrem packende Atmosphäre. Ich habe mehr als einmal bemerkt, dass ich mich an die Wand eines Schützengrabens gekauert habe und nicht mit den Kameraden raus wollte, weil ich genau wusste, dass ich nicht weit kommen würde.

Typische Situationen:

Häuserkampf. Ihr geht vorsichtig durch die Räume diverser teilweise zerstörter Gebäude in Städten und Dörfern, wisst aber nie, wo die Deutschen sich verstecken. Also erstmal eine Granate in den nächsten Raum geworfen und gewartet, bis ein Kamerad sich zur Sicherung neben der Tür postiert hat. Dann nix wie rein und in alle Richtungen gleichzeitig geguckt!

Sturmangriff. Ihr rückt mit eurer Kampfgruppe in feindliches Gebiet vor. Die Deutschen haben sich in der Regel gut verschanzt und beharken euch mit MG-Feuer oder aus dem Schutz von Bunkern heraus. Also deckt ihr euer Vorrücken mit einer Nebelgranate und stürmt mit Todesverachtung zusammen mit euren Leuten voran, um die Gegner zu überrennen. Die erhalten aber immer wieder massenhaft Verstärkung. Solltet ihr versuchen, eine solche Situation allein zu bewältigen, werdet ihr euch schnell unterhalb der Radieschen wiederfinden - ihr müsst bei der Gruppe bleiben, die übrigens auch immer wieder verstärkt wird, wenn eure Kameraden fallen.

Verteidigung. Habt ihr ein Gebiet erst einmal erobert, müsst ihr ab und zu auch dafür sorgen, dass die Gegner es nicht zurückgewinnen. Ihr steht dann meist selbst an einem MG oder lauft in Schützengräben herum und wehrt den wütenden Ansturm der Deutschen ab.

In diesem Zusammenhang ein paar Worte zur KI: Die Soldaten suchen selbständig Deckung, Gegner weichen auch schon mal zurück, wenn sie sich einer Übermacht gegenübersehen, und es kommt auch vor, dass Handgranaten zurückgeworfen werden. Allzu schlau stellen sich zwar weder die Gegner noch die Kameraden an, aber auch nicht besonders dumm. Situationen, in denen sich Kontrahenten blind und tatenlos gegenüberstehen oder in denen die KI-Soldaten irgendwo "festhängen", kommen nicht vor. Manchmal laufen die Leutchen aber recht stur ins Feuer, wahrscheinlich, weil ein gescriptetes Ereignis es verlangt.

Fahrzeuge

Fahrzeuge steuert ihr nur im Ausnahmefall selbst. Ihr dürft zwar mit einem britischen Panzer herumkurven und damit gegen andere Panzer kämpfen, das findet aber nur an einer Stelle statt. Ansonsten seid ihr manchmal Beifahrer auf einem Lkw oder so und müsst gegnerische Panzerfaust-Schützen ausschalten. In einer Mission dürft ihr sogar das eigene Artilleriefeuer dirigieren.

Grafik / Leveldesign

Mit ausreichend leistungsfähiger Hardware bekommt ihr optisch einiges geboten. Die Soldaten sehen sehr realistisch aus und haben ein individuelles, der jeweiligen Situation angepasstes Mienenspiel. Alle Uniformen und Waffen haben einen hohen Detailgrad und die Figurenmodelle bewegen sich sehr lebensecht, wenn auch der Leichen-Weitflug nach Granatenexplosionen eher unfreiwillig komisch aussieht. Am auffälligsten sind aber die Nebel- und Partikeleffekte. Hochspritzende Erde nach Bombeneinschlägen, aufwallende Nebel- und Staubwände - und alles nicht etwa in Form unerreichbarer Textur-Tapeten, sondern in Echtzeit berechnet, was verdammt gut aussieht. Auch die Darstellungen von Flammen und Wasser (mit Echtzeit-Spiegelungen) sind sehr gut gelungen.

Die Levels sind zwar recht groß und weitläufig oder verzweigt, aber im Grunde macht eine Erkundung keinen Sinn, denn wie ich schon schrieb, solltet ihr euch nie zu weit von eurem Trupp entfernen. Außerdem müsst ihr sowieso nur bestimmte Stellen erreichen (hier eine Flak-Stellung erobern, dort ein Haus oder einen Bunker räumen usw.), d.h. alternative Lösungsmöglichkeiten gibt es nicht. Ihr könnt euch euren Zielen aber aus verschiedenen Richtungen nähern. Die Umgebungen sind sehr abwechslungsreich gestaltet, am eindrucksvollsten ist die Situation vielleicht am Pointe du Hoc. Dort landet ihr erst mit Booten am Strand, klettert eine hohe Klippe hinauf und kämpft euch dann über eine weite, durch Bombentrichter und Schützengräben zernarbte Hochebene bis zu den feindlichen Bunkern vor. Dahinter liegt ein kleines zerstörtes Dorf, hinter dem sich wiederum Felder erstrecken. Reine Innenlevels gibt es nicht. Insgesamt muss man sagen: Irgendwie hat man das alles schon in anderen Spielen so oder so ähnlich gesehen.

Multiplayerpart

Vorhanden, aber von mir nicht genutzt. Daher wie immer kein Kommentar.

Fazit

CoD2 ist ein Kriegsspiel. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Ihr spielt einfach einige Situationen des zweiten Weltkriegs nach, eine Geschichte oder eine "Moral" gibt es dabei nicht. Dazu kann man nun stehen, wie man will, aber die Atmosphäre des Krieges, das totale Chaos, das bei einem Sturmangriff herrscht, wurde hervorragend eingefangen. Zwangsläufig liegt der Schwerpunkt bei CoD2 somit auf pausenloser Action, es gibt weder irgendwelche Rätsel zu lösen noch muss man sich eine strategische Vorgehensweise überlegen.

Der größte Schwachpunkt, der dem Spiel die Spitzenwertung verwehrt, ist die viel zu kurze Spielzeit. Maximal 10 Stunden dauert es auf dem zweiten von vier Schwierigkeitsgraden, bis man die Credits sieht. Die sollte man übrigens nicht gleich abbrechen, denn es läuft gleichzeitig ein kleiner Film in Spielgrafik ab, in dem man die Spielumgebung in anderen Perspektiven sieht als im Spiel selbst.

Hier noch ein kleiner Screenshot mit einem Spruch, auf den man im Game immer wieder stößt:

Call of Duty 2

Meine Rede seit Jahren...

Seitenanfang