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cod

System:
PC CD-ROM

Genre:
Egoshooter

Note: 2
CALL OF DUTY

Stalingrad, Januar 1943: Die Rote Armee bereitet der 6. Armee der Wehrmacht in Stalingrad eine vernichtende Niederlage. Frankreich, Juni 1944: Operation Overlord. Gleichzeitig mit der Landung alliierter Truppen in der Normandie werden Fallschirmjäger und Luftlandeeinheiten im Hinterland abgesetzt, um dort wichtige strategische Punkte unter Kontrolle zu bringen. Dies ist das historische Setting für den actionorientierten Egoshooter Call of Duty aus dem Hause Activision. Der folgende Text bezieht sich wie immer auf die Singleplayerkampagne. Das Spiel enthält zwar auch eine Multiplayeroption, aber die nutze ich nicht. Die gut zwei Dutzend Singleplayermissionen laufen eine nach der anderen ab, d.h. man hat nicht die Möglichkeit, eine bestimmte Mission vorzuziehen oder sich für eine der kriegsführenden Parteien zu entscheiden. So fängt man nach dem Absolvieren eines Trainingsparcours mit einigen Einsätzen als amerikanischer GI an, kämpft dann als britischer Soldat und hat danach die Ehre, in der Roten Armee zu dienen und ganz am Ende dabei mitzuhelfen, die Rote Fahne auf dem Reichstagsgebäude zu hissen! Die Missionen führen den Spieler an historische Schauplätze in Frankreich, Deutschland und Rußland wie Stalingrad, Berlin, die Edertalsperre, die Alpen und sogar das Schlachtschiff Tirpitz.

Für Spiele dieses Genres ist es eigentlich typisch, daß man allein unterwegs ist. Nicht so bei Call of Duty. Wichtigste Eigenart dieses Shooters ist es nämlich, daß man fast immer zusammen mit Kameraden vorgeht und zwar nicht nur mit einem oder mit zweien, sondern in der Regel mit einem ganzen Trupp! Das ist aber auch nötig, denn die Gegner treten auch nicht vereinzelt auf, sondern in Scharen. Sowohl Verbündete als auch Gegner verhalten sich dabei mehr oder weniger geschickt und intelligent, nutzen jede Deckung und versuchen sich von den Socken zu machen, wenn sie merken, daß sie an einer bestimmten Stelle nicht weiterkommen oder nicht sicher sind. Man muß auch ein wenig darauf achten, daß man bei der Gruppe bleibt und sich nicht zu weit allein vorwagt oder zu sehr zurückfällt, denn nur dann kann man sich gegenseitig Deckung geben. Macht man das nicht, sind bald alle Kameraden tot und man ist doch auf sich allein gestellt... Sehr viel von dem, was um den Spieler herum abläuft, ist bei diesem Spiel gescriptet und nicht wirklich das Ergebnis einer KI-gesteuerten Aktion. Das bedeutet zwar einerseits, daß der Ablauf der Missionen immer gleich ist, d.h. alternative Lösungswege muß man gar nicht erst suchen und man kann die Verhaltensweisen der NPCs nicht beeinflussen, dafür passiert aber auch wirklich was und die Leute stehen nicht nur dumm als Kanonenfutter in der Gegend herum.

Gleich zu Anfang wird man darauf hingewiesen, daß man in diesem Spiel keine einzige Tür öffnen muß, und das ist auch gut so. Man muß also nicht ständig irgendwelche Schlüssel finden, um weiterzukommen. Vor jeder Kampagne gibt es ein kurzes Briefing oder eine Textinformation, ab und zu untermalt durch reale Fotos und Filmaufnahmen aus dem zweiten Weltkrieg. Die Missionsziele sind jederzeit im Spiel wieder abrufbar, Sichern ist übrigens glücklicherweise jederzeit möglich. Die Missionen laufen meistens nach dem gleichen Schema ab: Laufe von A nach B und bekämpfe alle Gegner, beschütze Person XY, sammle Geheiminformationen ein oder zerstöre gegnerische Einrichtungen. Das kann ein wenig eintönig werden. Abwechslung bieten dann solche Einsätze, bei denen man etwa auf der Ladefläche eines LKW mitfahren und Verfolger abwehren muß oder bei denen man Stukas mit einer Flak-Kanone abzuwehren hat. Ein kleines Highlight war für mich die Fahrt mit einer Panzerkolonne, bei der man einen solchen stählernen Koloß selbst lenken und mit ihm schießen kann.

Prägend bei Call of Duty ist die unglaublich packende Atmosphäre. Man wird richtig in die Geschehnisse hineingezogen und möchte gar nicht mehr aufhören. Besonders beklemmend ist die Atmosphäre in den russischen Missionen. Da rennen die Kameraden mutig voran, nur um gleich reihenweise niedergemäht zu werden, aber eine Wahl haben sie nicht, denn hinter den Linien warten die Politkommissare nur darauf, jeden "Feigling" zu erschießen. Man liegt praktisch permanent unter Feuer, MG-Nester und Panzer schießen, was das Zeug hält, Granaten pfeifen heran und schlagen ein, Stukas stürzen sich heulend vom Himmel, Panzer rücken mit lautem Kettengerassel näher diese Soundkulisse kann so laut werden, daß man die gebrüllten Befehle oder auch die Schmerzensschreie der Verbündeten nicht mehr richtig verstehen kann und daß eure Nachbarn sich besorgt fragen, was denn bei euch eigentlich los ist. Zum Realismus dieses Spiels gehört es übrigens auch, daß ihr nicht das bei anderen Shootern übliche riesige Waffenarsenal mit euch herumschleppen könnt, sondern nur zwei Langwaffen, eine Faustfeuerwaffe und Granaten. Waffen gefallener Soldaten könnt ihr aufsammeln und eure Ausrüstung dadurch ersetzen. Medipacks liegen überall in ausreichender Menge herum.

Die Grafik ist zweckmäßig, wenn auch nicht unbedingt überwältigend. Die verwendete Quake 3 Grafikengine ist inzwischen doch schon etwas betagt. Schön anzuschauen sind die Wassereffekte, Explosionen und Umgebung wirken dagegen etwas spartanisch. Das Leveldesign bietet kaum etwas anderes als die üblichen Umgebungen, die man aus anderen Spielen dieses Genres schon hinlänglich kennt. Aber da man bei all der pausenlosen Action überhaupt keine Zeit hat, auf sowas zu achten, stört das nicht. Ein besonders netter Effekt: Schlägt eine Granate in eurer unmittelbaren Nähe ein, dann schaltet das Spiel in eine Art Zeitlupe um, der Sound wird dumpf und die Sicht wird getrübt. Dadurch soll euch die Benommenheit vermittelt werden, die einem solchen Trauma folgt. Erst nach ein paar Sekunden könnt ihr euch dann wieder normal bewegen.

Die Steuerung ist in Ordnung und geht schnell in Fleisch und Blut über. Strafing, Waffenwechsel, Wechsel zwischen drei Körperhaltungen sollte man wegen der pausenlosen Action beherrschen, ohne nachdenken oder die Finger sortieren zu müssen. Das läuft dann alles sehr flott und flüssig, nur leider bleibt man manchmal an engen Durchgängen hängen, was besonders beim hektischen Häuser- oder Bunkerkampf tödlich ist. Zweiter Kritikpunkt ist der Umfang des Spiels: Nach 10 bis 15 Spielstunden hat man Call of Duty im Singleplayermodus selbst dann durch, wenn man sich viel Zeit läßt.

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