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Command and Conquer 3

System:
PC DVD-ROM

Genre:
Echtzeit-Strategie

Note: 3+
COMMAND & CONQUER 3: TIBERIUM WARS (KANE EDITION)

Eigentlich müsste ich zu diesem Spiel gar nichts schreiben, außer vielleicht, dass alles so ziemlich beim Alten geblieben ist. Bis auf eine neue Story, eine neue Partei und interessante neue Einheiten/Gebäude ist dies praktisch das gleiche Spiel, das ich inzwischen schon x-mal gespielt und auch schon zweimal kurz vorgestellt habe – siehe Generäle und Alarmstufe Rot 2.

Wie immer vorab: Die vorhandenen Mehrspieler-Optionen (Online und LAN) nutze und bewerte ich nicht.

Story

Die Erde ist immer noch in verschiedene Zonen eingeteilt, die sich untereinander durch eine unterschiedlich hohe Kontamination mit Tiberium unterscheiden, jenen seltsamen Kristallen, die eine Bedrohung für jegliches Leben darstellen, gleichzeitig aber extrem wertvoll sind. Während die Globale Defensiv-Initiative (GDI) die noch weitestgehend intakten blauen Zonen kontrolliert, muss die Bruderschaft von Nod sich mit den mehr oder weniger stark verseuchten gelben Zonen zufrieden geben. Kane, der charismatische Führer der Bruderschaft, ist nicht tot. Er ist vielmehr höchst lebendig und aktiv, genauer gesagt ist er dabei, Nod wieder zu einer Atommacht zu machen. Im Jahre 2047 verübt die Bruderschaft einen Anschlag auf die GDI-Orbitalstation Philadelphia, die dabei vernichtet wird. Gleichzeitig greift die Bruderschaft alle blauen Zonen an.

Doch dieser Krieg, so erbittert er auch geführt wird, ist nur ein Ablenkungsmanöver. Kane hat Hinweise auf die Existenz von Außerirdischen entdeckt und plant jetzt, diese Wesen zur Erde zu locken, um ihre Technologie für Nod nutzen zu können. Zu diesem Zweck bringt er die GDI dazu, mit einer Ionenkanone auf eine riesige Ansammlung von Flüssig-Tiberium zu schießen. Es kommt zu einer gewaltigen Explosion, durch die tatsächlich die Scrin auf den Plan gerufen werden, ein hoch entwickeltes extraterrestrisches Volk, das sich sofort anschickt, die Erde zu erobern. Die Scrin haben eine besondere Beziehung zum Tiberium, das sie als Ichor bezeichnen – man könnte fast sagen, dass es ihnen als Nahrung dient.

Diese Story wird nicht nur in Form von kleinen Botschaften während der Missionen erzählt, sondern – wie es für die C&C-Serie typisch ist - in Realfilm-Sequenzen. Namhafte Schauspieler wie Michael Ironside, Billy Dee Williams sowie Grace Park und Tricia Helfer (die beiden letzteren sind bekannt aus der neuen Battlestar Galactica-Serie) agieren vor echten und CGI-Kulissen, tragen aufwändig gearbeitete Kostüme und benutzen detailreiche Requisiten. Ich habe schon öfter gelesen, diese Szenen hätten B-Film-Niveau. So ganz kann ich das nicht nachvollziehen, immerhin leisten die Schauspieler gute Arbeit. Da sie sich direkt an den Spieler wenden, d.h. in die Kamera sprechen, fühlt man sich außerdem ganz gut in die Ereignisse hineinversetzt. Ausschnitte aus fiktiven Talkshows und Nachrichtensendungen runden das Ganze ab, und die reinen CGI-Tricksequenzen sind allererste Sahne. Der Schauspieler, der schon in früheren Spielen die Rolle von Kane übernommen hat, ist übrigens auch wieder mit von der Partie.

Und, nebenbei bemerkt, das Ende ist offen. C&C Teil 4 ist also wahrscheinlich vorprogrammiert…

Gameplay

Parteien

Der Spieler muss sich zu Beginn zwischen GDI und Nod entscheiden. Er übernimmt die Rolle eines Commanders, der den Feldzug für die jeweilige Seite führt. Dieser Feldzug beginnt vor der Scrin-Invasion, und sobald man alle GDI-/Nod-Missionen (es gibt über 30) durchgespielt hat, wird eine aus vier Missionen bestehende Scrin-Kampagne freigeschaltet, bei der man deren Seite übernimmt. Auf einer Weltkarte sind die einzelnen Einsatzziele verteilt, meist erledigt man eine nach der anderen, d.h. Wahlmöglichkeiten gibt es nicht. Die Missionsziele werden vorab und durch kurze Einblendungen während der Missionen erläutert, manchmal nehmen auch die von den Schauspielern verkörperten Figuren über das kleine Fenster, auf dem sonst die Map zu sehen ist, Kontakt mit dem Spieler auf.

Freies Gefecht

Möchte man die Kampagnen nicht spielen, stehen auch zahlreiche Maps für freie Gefechte zur Verfügung, bei denen man von Anfang an alle Einheiten und Gebäude zur Verfügung hat und bei denen man diverse Einstellungen verändern kann. In der Kampagne ist das ein wenig anders, da sind die Baumöglichkeiten zunächst noch eingeschränkt. In manchen Kampagnenmissionen kann man auch gar nichts produzieren und ist auf eine begrenzte Anzahl von Einheiten angewiesen. Replays können in diesem Modus gespeichert werden.

Spielablauf

Wie bereits zu Anfang erwähnt, gibt es kaum Neuerungen im Gameplay: Basis aufbauen, Tiberium sammeln, Technologien upgraden, Einheiten produzieren, derweil gegnerische Angriffe abwehren und dann selbst angreifen. Nach diesem Schema laufen die meisten Missionen ab. Viele Missionsziele bestehen einfach darin, gegnerische Bauten zu zerstören oder eigene zu verteidigen. Manchmal muss man auch irgendwelche Transporte eskortieren. Immerhin bleiben die Kampagnenmissionen durch unvorhergesehene Ereignisse, neu hinzukommende Einsatzziele, geländebedingte Einschränkungen usw. durchweg interessant, so dass die Motivation bis zum Schluss hoch bleibt. Leider kann man keine Mauern bauen und auch sonst hat es kaum Sinn, großen Wert auf Basisverteidigung zu legen. Einfach Massen von Einheiten produzieren und angreifen – ob der Gegner derweil eure Basis platt macht ist egal, solange ihr das Einsatzziel erfüllt. Man ist fast immer gezwungen, schnell und offensiv zu spielen. Das finde ich ein wenig schade.

Steuerung

Auch die Steuerung ist weitgehend die alte, man findet sich also sofort zurecht. Wie schon in den letzten Spielen stehen wieder Spezialfähigkeiten zur Verfügung, diesmal kosten sie Geld, können dafür aber beliebig oft eingesetzt werden. Neu ist, dass man mehr Einheiten als bisher miteinander oder mit Gebäuden kombinieren kann. Bestimmte Panzer von Nod können zum Beispiel die beliebten Obelisken des Lichts aufladen und deren Feuerkraft verstärken.

Walker

Die mächtigsten Waffen jeder Partei sind Kampfläufer. Die GDI verfügt mit dem "Juggernaut" über eine mobile Artillerie, die (kombiniert mit Scharfschützenteams) über die ganze Map hinweg gezielt feuern kann. Nod hat den "Avatar", einen Walker, der sich selbst upgraden kann, indem er andere Nod-Fahrzeuge zerstört und ihre Bewaffnung übernimmt. Der "Annihilator-Tripod" der Scrin kann mit einem Energieschutzschirm aufgerüstet werden und hat Tentakelarme, mit denen er in alle Richtungen gleichzeitig feuern kann. Diese Walker sind schon fast zu mächtig – die eine oder andere Mission habe ich allein mit ihnen erledigen können.

KI?

Eigentlich hatte ich gedacht, die schon seit Anbeginn der Serie bekannten Schwächen seien endlich mal ausgeräumt worden. Aber nein. So kann zum Beispiel ein Juggernaut eine ganze Basis zerlegen, ohne dass die direkt neben den angegriffenen Gebäuden stehenden Verteidiger ausrücken. Soldaten rennen immer noch stur auf direktem Weg zum Ziel durch Tiberiumfelder oder mitten in feindliches Feuer hinein, und ein Sammler flieht auch dann nicht selbständig zur Basis zurück, wenn er schon so gut wie vernichtet ist. Von einer KI kann also keine Rede sein. Im freien Gefecht kann man wenigstens einstellen, welche Strategie die Computergegner verfolgen, d.h. wie offensiv sie vorgehen sollen.

Grafik

Der Look von GDI- und NOD-Einheiten erinnert an alte Zeiten. Neu im C&C-Universum sind die außerirdischen Scrin: Eine völlig neue Partei mit eigenem Technologiebaum. Die Scrin haben wie oben erwähnt eine enge Bindung ans Tiberium. Ihre Einheiten erinnern an eine Mischung aus Insekten und Robotern, und ihre Gebäude sehen ziemlich bizarr aus. Produzierte Einheiten erscheinen zum Beispiel aus einem "Wurmloch". So exotisch ihre Einheiten und Gebäude auch sein mögen – ihre Eigenschaften, Stärken und Schwächen gleichen denen von GDI und Nod. Trotzdem lockern sie das Spielgeschehen natürlich nicht unerheblich auf.

Die Grafik-Effekte wissen zu gefallen: Explosionen, wabernde Teleportsphären der Scrin, Partikeleffekte, in mehrere Fragmente zerfallende Gebäude usw., Hitzeflimmern und lodernde Flammen, nett animierte Fahrzeuge, und wundervoll detailreich gestaltete Maps – das sieht alles sehr schön aus. Aber nur aus einer gewissen Entfernung. Zoomt man näher heran, dann ist man von den groben Texturen nicht mehr so erfreut.

Besonderheiten der Kane-Edition

Die Kane-Edition hat im Gegensatz zur normalen Version keine Jugendfreigabe erhalten. Das liegt vermutlich daran, dass die "Sprengmeister" dort "Fanatiker" heißen und sich tatsächlich selbst in die Luft sprengen, und natürlich auch an den Atomwaffen, die in der jugendfreien Version "Aurora" heißen.

Darüber hinaus enthält die Kane-Edition einiges an Bonusmaterial auf einer zweiten Disc:

Behind the Lines: Ca. 21 Minuten langes "Making of" der Realfilmszenen. Diese schnell geschnittene Featurette enthält vor allem Interviews und kurze Blicke hinter die Kulissen. Die Schauspieler lassen sich über ihre Rollen aus, man erfährt etwas über die Entstehung der Kostüme und dergleichen. Ein "Making of" des Spiels selbst ist allerdings nicht dabei.

Strategy Videos: Insgesamt ca. 50 Minuten lang demonstrieren die Entwickler anhand von Ingame-Spielszenen, welche Stärken und Schwächen die Einheiten haben, wie man sie miteinander kombinieren kann und welche typischen Vorgehensweisen es im Single- und Multiplayermodus gibt.

Deleted Scenes: Ca. 6 Minuten mit nicht verwendeten Ingame- und Werbevideos, sowohl Realfilm als auch CGI.

Blooper Reel: Ca. 7 Minuten mit schiefgegangenen Szenen – echt witzig!

Wallpapers: Diverse Konzeptzeichnungen in verschiedenen Auflösungen.

Fazit

Freunde schneller Echtzeitstrategie, die noch nie ein Spiel der C&C-Reihe gezockt haben, werden von Tiberium Wars wahrscheinlich begeistert sein: Viele verschiedene Einheiten mit ganz individuellen Stärken und Schwächen bei ausgeglichenem Balancing, ein interessantes Szenario und nette Videofilme sowie abwechslungsreiche, auf rasches Vorgehen ausgelegte Kampagnenmissionen machen das Spiel zu einem gelungenen Vergnügen, an dem man recht lange seine Freude haben kann.

Wer die älteren Spiele schon kennt, wird vielleicht eher gedämpfte Freude empfinden, denn alle alten Schwächen sind wieder vorhanden und entscheidende Neuerungen im Gameplay sucht man vergebens. Dennoch: Obwohl ich alle Spiele dieser Reihe kenne (außer Renegade), hat mir auch Tiberium Wars wieder Spaß gemacht und ich war durchaus motiviert, die Kampagne bis zuletzt durchzuspielen. Note 2 verdient das Spiel meiner Meinung nach trotzdem nicht ganz.

J. Kreis, 20.08.2007

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