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Assassin's Creed

System:
Sony Playstation 3

Genre:
Action-Adventure

Note: 4
ASSASSIN'S CREED

Dieses bereits 2007 erschienene Action-Adventure habe ich mir einerseits wegen des vielen Lobs zugelegt, das es in den einschlägigen Medien erhalten hat, andererseits auch deshalb, weil es in der preisgünstigen "Platinum"-Reihe erschienen ist. Und ich muss sagen: Den vollen Preis hätte ich für dieses überraschend magere Spiel ungern zahlen wollen...

Story

Desmond Miles wird entführt und als Versuchskaninchen des Konzerns Abstergo Industries missbraucht. Abstergo hat ein revolutionäres Verfahren entwickelt, mit dem es möglich ist, die Erinnerungen eigener Vorfahren quasi nachzuerleben. Dabei wird man in einen virtuellen Körper (den Animus) versetzt, der sich in einer von der Realität fast nicht unterscheidbaren Umgebung bewegt - die virtuelle Realität und der Animus werden aus den im genetischen Code gespeicherten Erinnerungen des Vorfahren erschaffen. Miles ist nur eine von mehreren Testpersonen, die in den Erinnerungen ihrer Ahnen nach Hinweisen auf ein mächtiges Artefakt suchen sollen. Miles hat keine Ahnung, wofür Abstergo dieses Artefakt benötigt, aber er hat keine Wahl, als sich den Forderungen seiner Entführer zu beugen. Allmählich wird ihm jedoch klar, dass diese ihn unabhängig von seinen Erfolgen mit dem Animus keinesfalls am Leben lassen werden...

Über den Animus erhält Miles Zugang zu den Erinnerungen seines Vorfahren Altair, eines in der Zeit des dritten Kreuzzugs im Heiligen Land lebenden hochrangigen Assassinen. Altair wird von seinem Meister Al Mualim degradiert, als er das Scheitern einer wichtigen Mission verschuldet. Altair hat aus Stolz gegen das Credo der Assassinen verstoßen und muss sich nun wie ein Novize neu bewähren, um Ehre und Privilegien zurückzugewinnen. Al Mualim beauftragt ihn mit der Beseitigung der neun Statthalter des Königs Richard Löwenherz. Diese Männer missbrauchen ihre Machtposition während der Abwesenheit des Königs, der gegen Sultan Saladin kämpft. Bei seinen Ermittlungen, durch die er jeden der neun Morde vorbereitet, kommt Altair einer Verschwörung des Templerordens auf die Spur. Robert de Sable, Oberhaupt des Ordens, ist Altairs Erzfeind.

Soweit der Beginn der ungewöhnlichen und durchaus spannenden Story, die im weiteren Verlauf mit einigen überraschenden Wendungen aufwartet und, soviel sei verraten, ein offenes Ende hat. Genau genommen hat sie gar kein Ende - das Spiel schreit geradezu nach einer Fortsetzung, und tatsächlich gibt es deren bereits zwei. Die Geschichte wird hauptsächlich durch (manchmal ermüdend lange) Dialoge fortgeführt. Zwischensequenzen gibt es nur ganz selten, aber viele Dialoge sind so ähnlich gestaltet wie Cutscenes, d.h. man kann Altair dann nur noch sehr eingeschränkt steuern und beobachtet aus verschiedenen Kameraperspektiven, was geschieht.

Ich habe gelesen, die Story sei historisch weitgehend korrekt. Gut, dass Richard Löwenherz und Saladin keine fiktiven Figuren sind, dürfte jedem klar sein. Aber jedes Opfer Altairs hat angeblich wirklich gelebt und ist im Jahre 1191 gestorben oder verschwunden...

Gameplay-Grundlagen

Das Spiel ist in mehrere "Erinnerungssequenzen" unterteilt, in denen ihr Altairs Rolle übernehmt. Dazwischen verlässt Miles den Animus immer mal wieder, und dann könnt ihr kaum mehr machen, als in dem Forschungslabor herumzugehen, in dem Miles gefangen gehalten wird, und euch Monologe des leitenden Wissenschaftlers anzuhören. Während der Erinnerungssequenzen reist ihr zwischen der Burg der Assassinen und den Städten Akkon, Damaskus und Jerusalem hin und her. Jede Stadt hat drei Stadtviertel, und in jedem Viertel müsst ihr einen Statthalter finden und töten. Die Viertel werden nach und nach freigeschaltet. Nach jedem erfolgreichen Attentat kehrt ihr zu Al Mualim zurück, der euch zur Belohnung Waffen oder Spezialfähigkeiten zurückgibt, die Altair wegen seiner Degradierung verloren hat. In der Burg könnt ihr trainieren und die neu erworbenen Fähigkeiten ausprobieren.

Zu Fuß oder mit einem Pferd (herrenlose Pferde stehen außerhalb der Städte überall herum) macht ihr euch dann auf den Weg zu einer der drei Städte. Ihr seid zunächst im Königreich außerhalb der Städte unterwegs, und dort gibt's wieder nur wenig zu tun: Flaggen sammeln, Templer töten usw. (das sind Nebenquests, auf die ich später noch zu sprechen komme), aber nichts, was für die Story relevant wäre. Später müsst ihr diesen Umweg nicht mehr machen, sondern könnt euch direkt von der Burg in die Nähe der gewünschten Stadt teleportieren. Bevor ihr dort ein Attentat durchführen könnt, müsst ihr erst Informationen über die Zielperson sammeln. Zu diesem Zweck erklimmt ihr zuallererst bestimmte Aussichtspunkte, also besonders hohe Türme und dergleichen. Von dort aus verschafft ihr euch per Dreieck-Taste einen Überblick über Teile des Stadtviertels, und danach erscheinen auf der jederzeit abrufbaren Stadtkarte Symbole für Informationsquellen. Ihr müsst Gespräche belauschen, Taschendiebstähle begehen, Informanten unter Druck setzen und so weiter, um mehr über die Gewohnheiten eurer Opfer herauszufinden.

Hat Altair drei von je sechs Informationen gesammelt, kann er das örtliche Assassinen-Büro aufsuchen und sich die Freigabe für den Mord holen. Er kann auch die noch fehlenden Infos beschaffen, aber das hat für den weiteren Ablauf keine Bedeutung. Sobald der Mordauftrag freigegeben wurde, erscheint ein Symbol für die Zielperson auf der Karte. Nach dem Mord wird Alarm gegeben. Dann muss Altair seine Verfolger abschütteln und unbemerkt zum Assassinen-Büro zurückkehren. Hat er das geschafft, war der Mord erfolgreich und es geht weiter zum nächsten Auftrag oder zurück zu Al Mualim.

Das Problem bei der ganzen Sache ist: Der Ablauf ist immer derselbe. Sobald man den ersten Mordauftrag erledigt hat, könnte man den weitaus größten Teil des folgenden Spiels praktisch überspringen, denn man wiederholt alles nur noch mehrmals in kaum merklicher Variation: Neues Stadtviertel betreten, Aussichtspunkte erklimmen, immer dieselben Methoden der Informationsbeschaffung anwenden, Opfer töten und fertig. Nur ganz am Ende verläuft das Gameplay etwas anders, aber auch nicht besser: Das Finale besteht aus einer nicht enden wollenden Abfolge von Kämpfen. So schleicht sich ziemlich schnell Langeweile ein.

Klettern und kämpfen, tarnen und täuschen

Ein Assassine sollte eigentlich stets im Verborgenen agieren und heimlich töten. Deshalb kann Altair geschickt an allen Wänden hinaufklettern und unbemerkt von Dach zu Dach springen. Nur die höchsten und glattesten Wände stellen ein Hindernis für Altair dar, ansonsten kann er sich selbst an kleinen Vorsprüngen in die Höhe ziehen. Überall sind Wachen unterwegs, die schnell Verdacht schöpfen und Altair verfolgen, wenn er zu viel Aufsehen erregt. Er muss es also vermeiden, beim Lauf durch die Menge jemanden anzurempeln oder sich bei Verbrechen beobachten zu lassen. Sollten ihn die Wachen dennoch verfolgen, kann er in der Menge untertauchen oder in verschiedenen Verstecken abwarten, bis wieder Ruhe eingekehrt ist. Das ist aber nur möglich, wenn er zunächst aus dem direkten Blickfeld der Wachen verschwindet. Auch die normalen Bürger, die sich recht zahlreich in den Städten bewegen, können sich gegen Altair wenden oder ihn durch ihre schiere Masse an der Flucht hindern.

Anders als z.B. in Splinter Cell ist es aber nicht unbedingt notwendig, unauffällig vorzugehen. Man kann ebenso gut mit der Tür ins Haus fallen und die herbeieilenden Wachen einfach töten, denn sie erhalten nicht unbegrenzt Verstärkung. Außerdem kann Altair von noch so vielen Gegnern umzingelt sein: Die greifen nicht alle gleichzeitig an, d.h. man kann relativ bequem einen nach dem anderen erledigen. Eine echte Herausforderung ist das nicht. Gegen Ende des Spiels sind Kämpfe sowieso an der Tagesordnung, denn die Wachen werden immer aufmerksamer und aggressiver, so dass die ganze Schleicherei zu einem größeren Geduldsspiel wird als der Kampf, zumal die Steuerung bei weitem nicht so präzise ist, wie man es sich für ein Spiel dieser Art wünschen würde. Manchmal weigert sich Altair beharrlich, beim Erklettern einer Mauer nach dem nächsten Halt zu greifen oder in die gewünschte Richtung zu springen. Das kann an einzelnen Stellen des Spiels für großen Frust sorgen. Immerhin stürzt Altair nicht blind in sein Verderben: An Dachkanten bleibt er stehen, wenn man ihm nicht den Befehl zum Sprung gibt.

Ansonsten ist die Steuerung schnell erlernt. Wechselt man per Schultertaste zwischen unauffälligem und aggressivem Modus, stehen jeweils andere Interaktionsmöglichkeiten zur Verfügung. Das gilt für die Fortbewegung, für das Durchqueren von Menschenmengen und auch für den Kampf, der sich allerdings meist auf eine Kombination aus Abblocken und Kontern beschränkt. Einzelne Gegner könnt ihr per Meuchelmord ohne langes Gefecht ausschalten, wenn es euch gelingt, euch unbemerkt anzuschleichen. Die Waffenauswahl ist minimal: Ein Langschwert, ein Kurzschwert, eine verborgene Klinge für den Meuchelmord und Wurfmesser - das ist alles. Es steht immer nur die Standard-Ausrüstung zur Verfügung, ein Inventar oder dergleichen ist nicht vorhanden.

Nebentätigkeiten

Es gibt zwar Möglichkeiten, sich abseits der neun Mordaufträge zu betätigen, aber die sind völlig irrelevant für die Story, bringen dem Spieler keinerlei Vorteile und können deshalb nur als sinnlos bezeichnet werden. Ich habe sie deshalb komplett ignoriert. Zum Beispiel sind überall Flaggen der verschiedenen Templerorden aufgestellt. 400 soll es geben, und sie sind zum Teil gut versteckt. Außerdem treiben sich insgesamt 100 Templer im Heiligen Land herum, die es zu töten gilt. Flaggen und Templer findet man nicht nur innerhalb der Städte, sondern auch im Königreich (Aussichtspunkte gibt's dort ebenfalls) - aber wie gesagt: Man hat einfach nichts davon, sie zu suchen - außer vielleicht, dass sich die Lebensenergie-Anzeige verlängert, wenn man eine bestimmte Anzahl optionaler Nebenziele erreicht hat.

In den Städten kann man außerdem Zivilisten vor bösen Soldaten beschützen. Zur Belohnung nehmen an derselben Stelle entweder Partisanen Aufstellung, die Altairs Verfolger aufhalten, oder Gruppen von Gelehrten ermöglichen es ihm, sich zwischen ihnen zu verstecken. Insgesamt sind die Betätigungsmöglichkeiten so eintönig, dass man sich ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch wünscht, das Spiel möge bald vorbei sein. Also konzentriert man sich völlig auf die Mordaufträge. Assassin's Creed ist dann in maximal zwei Wochen Spielzeit beendet - auch nicht gerade berauschend.

Grafik

Nicht einmal die sehr nette Grafik sorgt für Abwechslung. Auf den ersten Blick sehen die Städte, die NPCs und sonstigen Objekte wirklich toll aus, und man muss zugeben, dass eine überzeugende Atmosphäre entsteht. Passende Hintergrundgeräusche verstärken diesen Eindruck noch. Die Gebäude wirken stimmig und haben einen hohen Detailgrad. Jede Stadt sieht ein wenig anders aus, und wenn man sich von einer hohen Turmspitze aus einen Überblick verschafft, dann entfaltet sich ein beeindruckendes Panorama.

Die ebenfalls detailreich designten, schön animierten NPCs haben zwar keinen echten Tagesablauf, aber so dichte Menschenmengen wie in Assassin's Creed habe ich noch in keinem anderen Spiel gesehen. Wenn man sich durch die engen Gassen bewegt und jemanden anrempelt, der daraufhin einen Tonkrug fallen lässt, so dass die Wachen aufmerksam werden, was man schon an ihrer Körperhaltung erkennen kann, dann entsteht dadurch ein guter Eindruck von Lebendigkeit.

Jetzt das große "ABER": So eindrucksvoll die Grafik auch sein mag - alle Elemente wiederholen sich doch ziemlich oft. Außerdem hat es keinen Sinn, die Umgebung zu erkunden, weil es schlicht und ergreifend nichts zu entdecken gibt.

Sonstiges

Den Todesstoß erhält Assassin's Creed durch einen schweren Fehler, den ich fast bei jeder Spielsitzung mindestens einmal hatte: Regelmäßig hängte sich das Spiel entweder komplett auf, so dass ich die Konsole über den Netzschalter ausschalten musste, oder Altair hing plötzlich in der Luft fest. Die Kamera konnte dann noch bewegt werden, aber es ging einfach nicht weiter. Das Spiel musste verlassen und neu gestartet werden.

Dass nicht manuell gespeichert werden kann, wirkt sich dagegen überhaupt nicht störend aus. Es wird sehr oft automatisch gespeichert, z.B. jedes Mal, wenn eine Flagge eingesammelt, ein Aussichtspunkt erreicht oder irgendeine Haupt- oder Nebenmission erfüllt wird.

Fazit

Die endlose Wiederholung des immer Gleichen macht Assassin's Creed zu einem Geduldsspiel. Immer derselbe Ablauf, keine echte Abwechslung, keine Entscheidungsspielräume - jedenfalls keine, die irgendwie relevant wären, denn das Ergebnis ist immer dasselbe. Warum sollte ich mich um Unauffälligkeit bemühen, wenn es mir nicht den geringsten Vorteil bringt? Warum sollte ich alle verfügbaren Informationen einholen, wenn ich die zur Vorbereitung der Attentate gar nicht brauche?

Assassin's Creed nutzt das grundsätzlich vorhandene große Potential nicht aus. Es ist nicht zu fassen, wie banal und eintönig das Gameplay gestrickt wurde! Im Grunde ist das Spiel nicht viel mehr als ein Jump 'n' Run in einer dreidimensionalen Umgebung.

Gähnende Langeweile, unpräzise Steuerung und technische Probleme - das rechtfertigt beim besten Willen nur die Note 4.

J. Kreis, 12.12.2010





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