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Arcania

System:
Sony
Playstation 3

Genre:
RPG

Kurzreview
ARCANIA - THE COMPLETE TALE

ArcaniA ist Bestandteil der Gothic-Rollenspielserie. Die schon etwas ältere PC-Version von ArcaniA kommt für mich wegen der Pflicht zur Online-Aktivierung nicht in Frage. Ich musste deshalb auf die PS3-Version warten. Darin ist das Add-On The Fall of Setarrif enthalten.

Die Story von ArcaniA ist eine Fortsetzung von Gothic 3 (incl. Add-On Götterdämmerung). Dort nimmt der vom Spieler gesteuerte namenlose Held am Ende den Titel Rhobar III. an. Dieser König vereint Myrtana unter seiner Herrschaft. In ArcaniA plant Rhobar III. die Eroberung der Nachbarinsel Argaan. Etwas stimmt nicht mit dem König, er scheint von einer bösen Macht besessen zu sein. Die ihm hörigen Paladine verbreiten Angst und Schrecken, unter anderem rotten sie die gesamte Bevölkerung eines Dorfes auf der kleinen Insel Feshyr aus. Nur ein Mann - ein neuer namenloser Held - überlebt. Mit Diegos Hilfe reist er nach Argaan, um sich am König zu rächen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Held Zutritt zu einem Tempel erlangen, denn dort steht ein Amboss, mit dem Rhobar III. die ultimative Waffe schmieden könnte.

Diego ist nur einer von mehreren bekannten NPCs aus der Gothic-Reihe, denen man im Verlauf des Spiels begegnet. Zum Wiedererkennungswert trägt außerdem der deftige Umgangston bei. Die Spielwelt dagegen ist ganz anders aufgebaut als in den älteren Games. Es handelt sich nicht um eine freie, von Anfang an komplett zur Verfügung stehende Welt. Stattdessen werden einzelne vergleichsweise kleine Areale nach und nach freigeschaltet, und manche Gebiete sind nichts anderes als eng begrenzte, nur gering verzweigte Korridore. Man kann zwar jederzeit in zuvor besuchte Gebiete zurückkehren, aber das ist sinnlos, weil es dort dann nichts mehr zu tun gibt. In den Arealen kann man zwischen zwei Teleporterplattformen hin und her reisen. Reisen zu Plattformen in anderen Arealen sind nicht möglich, und somit tendiert der Nutzen dieser Einrichtung gegen Null.

Es treiben sich diverse aus Gothic bekannte Kreaturen wie Scavenger, Snapper und Blutfliegen sowie Orks und menschliche Gegner in der Gegend herum. Pflanzen können gepflückt werden und dergleichen mehr. Insgesamt macht die Spielwelt dennoch einen eher leblosen Eindruck und es lohnt sich kaum, sie abseits der Quests zu erkunden. Außerdem sind fast alle Interaktionsmöglichkeiten sinnlos: Man kann Bratspieße drehen, sich an Lesepulte stellen, in Kochtöpfen herumrühren, Alchemietische, Schleifsteine usw. benutzen, an Adanos-/Beliar-Schreinen beten, sich ins Bett legen. Aber daraufhin passiert gar nichts! Waffen schmieden, Fleisch braten, Tränke brauen und dergleichen - das findet alles lediglich in einem Menü statt. Dass man im genau richtigen Winkel vor einem Objekt stehen muss, um es aufheben oder damit interagieren zu können, macht die Sache nicht besser.

Charakterentwicklung, Quests und Kampf bieten ein Minimum an RPG-Standard. Nur eine Handvoll Fähigkeiten, darunter drei Angriffszauber, lassen sich schrittweise verbessern, wodurch einzelne Spezialfähigkeiten freigeschaltet werden. HP, Ausdauer und Mana erhöhen sich beim Level-up automatisch. Schleichen ist überflüssig, denn selbst wenn man Truhen direkt vor den Augen der NPCs knackt, ist keine Strafe zu befürchten. Besitzt man die entsprechenden Rezepte/Baupläne, kann man Nahrungsmittel und diverse Tränke zubereiten, Waffen/Rüstungen schmieden und Amulette herstellen. Viele Waffen, Rüstungen und sonstige Items können gekauft und Gegnern abgenommen werden. Das Inventar ist unbegrenzt, aber unübersichtlich. Manche Beschreibungen sieht man nur im Händler-Menü, dort wiederum fehlen Vergleichsmöglichkeiten.

Es ist nicht möglich, sich einer Fraktion anzuschließen (d.h. es gibt keine, Trainer übrigens auch nicht). Man erledigt einfach eine der üblichen "Sprich mit Person X, besorge Gegenstand Y, dann erhältst du Belohnung Z"-Quests nach der anderen, um zum nächsten Areal zu gelangen. Die wenigen Nebenquests lohnen sich eigentlich nur, wenn man viel EP sammeln möchte. Das Kampfsystem ist grundsätzlich OK. Schlagcombos, Blocks und Angriffszauber lassen sich sinnvoll kombinieren. Dummerweise dreht sich die Spielfigur beim ersten Schlag immer automatisch vom Gegner weg, wenn man diesen nicht fixiert. Die Gegner wiederum erscheinen manchmal plötzlich hinter der Spielfigur, wenn davor kein Platz mehr ist. Diese beiden Bugs nerven ungemein! Trotzdem sind die Kämpfe auf der Schwierigkeitsstufe "Normal" viel zu leicht. Auf "Schwer" bekommt man nur Probleme, wenn man es mit mehr als zwei starken Gegnern zu tun hat.

Grafik und Sound könnten so schön sein: Üppige Vegetation, abwechslungsreiche Landschaften mit verwinkelten Städten, nebligen Sümpfen, dichten Wäldern, Tag-Nacht-Wechsel, gut gemachter Regen und dergleichen, stimmungsvoller Soundtrack. Nur leidet die Grafik unter massiven Clippingfehlern, Pop-ups und anderen Problemen, die wenigen Zwischensequenzen sind sehr ruckelig. Texturen bauen sich stets (sogar in Dialogen) nur ganz langsam stufenweise auf, und zwar in unmittelbarer Nähe der Spielfigur! Die Fernsicht ist sowieso minimal. Die NPCs ähneln sich wie ein Ei dem anderen, die Dungeons sind langweilig gestaltet und sehen immer gleich aus. Der Musikgenuss wird andauernd durch Tonaussetzer gestört und manchmal werden einzelne Bestandteile der Dialoge verschluckt. Die professionellen Sprecher machen gute Arbeit. Nur das Kauderwelsch der Orks ist teilweise kaum zu verstehen.

Sonstiges: Der Umfang ist ordentlich, zumindest wenn man wirklich jeden Winkel absucht. Gegen Ende wirkt das Ganze aber sehr in die Länge gezogen, da habe ich mir irgendwann nur noch gewünscht, es möge bald vorbei sein. Speichern ist jederzeit möglich, zusätzlich wird nach jedem Questerfolg automatisch gespeichert. Bis auf die erwähnten seltsamen Reaktionen im Kampf hatte ich nur selten mit Bugs zu kämpfen. In zwei Situationen, die ich zum Glück umgehen konnte, hängte sich das Spiel jedes Mal auf und ich musste die Konsole per Netzschalter ausschalten. Beim Erkunden der Gegend sollte man vorsichtig sein, denn es gibt Stellen, an denen man unwiderruflich hängenbleibt oder die Kontrolle über die Spielfigur verliert, so dass diese in den Tod stürzt.

Fazit: ArcaniA ist trotz der furchtbaren Grafikfehler und sonstigen Schwächen kein schlechtes Spiel. Das größte Problem neben der eng begrenzten Spielwelt und der stark reduzierten Charakterentwicklung ist die Einfallslosigkeit. RPGs müssen wenigstens eine einzige Besonderheit bieten, um mich vom Hocker zu reißen. Beispiele dafür sind die tolle Gruppendynamik in Dragon Age Origins, die epischen Bosskämpfe in Dragon's Dogma, die riesengroße, wunderschöne und lebendige Spielwelt mit geschichtlich-kulturellem Hintergrund in Skyrim, oder das lustige Piraten-Szenario in Risen 2. Nichts davon findet ihr in ArcaniA. 08/15-Rollenspielkost dieser Art hat es einfach schon zu oft gegeben!

Besonders viel spielerische Freiheit hat man in ArcaniA nicht, dafür bietet das Spiel unkomplizierte, einsteigerfreundliche Action sowie derben, selbstironischen und oft tiefschwarzen Humor. Es macht durchaus Spaß, den namenlosen Helden allmählich zu einer Kampfmaschine aufzuwerten und Monster zu schnetzeln. ArcaniA ist sozusagen die Light-Version eines RPG, gut geeignet, um es mal zwischendurch zu zocken. Wer stattdessen so richtig in eine andere Welt eintauchen möchte, greift lieber zu Skyrim.

Add-On "The Fall of Setarrif": Wenn man ArcaniA durchgespielt hat, startet The Fall of Setarrif nach den Credits von selbst. Dabei wird die Spielfigur aus ArcaniA automatisch importiert, d.h. man kann mit derselben Figur weiterspielen - mit allen freigeschalteten Skills und dem gesamten Inventar! Diese Figur kann dann wie gewohnt weiter hochgelevelt werden. Es ist aber auch möglich, ein neues Spiel aus dem Hauptmenü heraus zu starten. Dann stehen von Beginn an einige Skillpunkte zur Verfügung, die frei verteilt werden können.

Die Story ist eine direkte Fortsetzung von ArcaniA. Das Hauptspiel endet nach dem Sieg über Xesha mit der Befreiung des Königs Rhobar III. von dämonischer Besessenheit. Rhobars Feinde versuchen die Kontrolle über den Dämon zu gewinnen, aber das geht schief. The Fall of Setarrif beginnt damit, dass Rhobar III. beunruhigende Nachrichten aus Setarrif erhält. Der Dämon ist dort erschienen und hat das Gebiet vom Rest Argaans abgeschottet. Die Freunde des Königs sind nach Setarrif aufgebrochen, um nach dem Rechten zu sehen. Der namenlose Held folgt ihnen, um den Dämon höchstpersönlich zu bekämpfen.

Meiner obigen Kurzreview zu ArcaniA habe ich eigentlich nichts hinzuzufügen, denn Gameplay, Charakterentwicklung, Grafik usw. sind im Add-On absolut identisch. Man bewegt sich jetzt auf der anderen Seite der Insel, die im Hauptspiel nicht erreichbar war. Besonders viel Abwechslung findet man dort nicht vor, zumal das Areal insgesamt sehr klein ist und man sich oft in den schon aus dem Hauptspiel bekannten, immer gleichen Dungeons bewegt. Überhaupt ist der Umfang des Add-Ons sehr gering (ich habe es an zwei langen Abenden durchgespielt), es wirkt wie eine uninspirierte, stark geschrumpfte Kopie des Hauptspiels. Ich war deshalb nicht überrascht, dass der Endgegnerkampf gegen den Erzdämon ganz genauso abläuft wie der gegen Xesha. Nebenquests fehlen völlig und auf das Minispiel zum Schlösserknacken wurde komplett verzichtet.

Neue Gegner und dergleichen gibt's zwar nicht, aber einige neue Waffen, Rüstungen und sonstige Gegenstände. Ein paar Szenen mit dem für die Gothic-Spiele typischen derben Humor sorgen immerhin für Erheiterung. Grund zur Klage hat man natürlich nicht, schließlich ist das Add-On in The Complete Tale schon enthalten. Hätte ich dafür nochmal Geld ausgegeben, dann hätte ich mich allerdings ganz schön geärgert.

J. Kreis, 21.08.2013 / 24.11.2013





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