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titans

System:
PC CD-ROM

Genre:
Echtzeit- Strategie

Note: 2
AGE OF MYTHOLOGY und Add-on THE TITANS

Dieses Echtzeit-Strategiespiel ist zwar kein eigentlicher Nachfolger der berühmten Age of Empires-Serie, stammt aber von den gleichen Entwicklern und wer die Klassiker der genannten Serie kennt, der wird sich sofort wie zu Hause fühlen. Spielprinzip, Gameplay und die perfekte Steuerung sind nämlich in den meisten Punkten gleich. Dennoch ist Age of Mythology kein müder Aufguss eines alten Spiels, sondern doch noch mal was neues, schon allein wegen der Hintergrundgeschichte. Diese Review dreht sich sowohl um die Basisversion als auch um das Add-on mit dem Titel The Titans. Wenn Einheiten der Atlanter beschrieben werden, dann bezieht sich das auf die Titans-Erweiterung, denn nur in dieser kann der Spieler das Volk der Atlanter steuern. In der Basisversion steuert man nacheinander die Griechen, die Ägypter und die Nordmänner. Auch sollte beachtet werden, daß ich beide Spiele gepatcht habe.

Die Story handelt vom mythischen Kampf des Arkantos, Held von Atlantis, gegen den Zyklopen Gargarensis. Letzterer versucht die Titanen aus der Unterwelt zu befreien. Arkantos muss dies verhindern und reist dabei durch Griechenland, Ägypten, die Nordlande und den Tartaros. Er nimmt am trojanischen Krieg teil, findet mächtige Verbündete und hat mancherlei Verrat zu erdulden. Nur mit Hilfe der olympischen Götter wird es Arkantos gelingen, die Tore zur Unterwelt endgültig zu verschließen. Im Add-on Titans ist Atlantis nach dem Sieg des Arkantos untergegangen. Die überlebenden Atlanter müssen unter der Führung von Kastor, Sohn des Arkantos, eine neue Heimat suchen. Dabei machen sie unliebsame Bekanntschaft mit einigen Titanen, denen es inzwischen doch noch gelungen ist, aus der Unterwelt zu entkommen.

Aus der Story kann man schon die wesentlichen Unterschiede dieses Spiels zu Age of Empires herauslesen, denn Age of Mythology findet in der Sagenwelt statt. Zum einen stehen deshalb neben regulären Militäreinheiten auch besonders starke mythische Wesen zur Verfügung, die jeweils "landestypisch" sind: Zentauren, Zyklopen, Mumien, Anubiten, Frostriesen, Walküren und viele, viele mehr, wobei jede Einheit ihre besonderen Stärken und Schwächen hat. Im Add-on kann man außerdem riesige Titanen steuern, denen nur mit anderen Titanen beizukommen ist. Zum anderen ist man auf die Gunst der Götter angewiesen. "Gunst" ist denn auch neben Nahrung, Holz und Gold der vierte zu sammelnde "Rohstoff" in diesem Spiel, sie wird insbesondere für mythologische Einheiten und Weiterentwicklungen benötigt. Jedesmal, wenn man den Schritt zum nächsten Zeitalter macht, muss man sich für einen Gott entscheiden, den das Volk künftig anbeten soll. Jeder Gott stellt dann unterschiedliche militärische und/oder wirtschaftliche Weiterentwicklungen sowie besondere göttliche Zauber zur Verfügung. Letztere kann man in der Regel nur ein einziges Mal nutzen.

Durch die unglaubliche Vielzahl dieser verschiedenen Features eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten und Strategien – wenn man sie denn nutzen will. Möchte man sich nämlich nicht so viele Gedanken machen bzw. die ganzen Beschreibungen lesen (sehr vorbildlich: Ausführliche Texte sind jederzeit im Spiel durch Rechtsklick abrufbar), kann man sich meistens auch ganz auf die konventionellen Streitkräfte konzentrieren und nur ab und zu spaßeshalber mal ein Fabelwesen bauen. Welche göttlichen Zauber man haben will, sollte man sich allerdings gut überlegen. Den Fabelwesen tritt man am besten mit Helden entgegen. Fabelwesen und Helden haben bestimmte individuelle Spezialfähigkeiten, manche können auch ihre Lebensenergie regenerieren. Jedes Volk hat einen oder mehrere dieser Heroen – bei den Griechen sind das z.B. Odysseus, Rehakles – äh – Herakles und Konsorten. Die Ägypter haben ihre Pharaonen, die Nordmänner verfügen über spezielle Heldensoldaten (die Hersen) und bei den Atlantern kann jeder zum Helden werden. Ansonsten findet man in Age of Mythology alles, was man schon aus Age of Empires kennt, auch Befestigungsanlagen können wieder gebaut werden. Türme erweisen sich allerdings gegen mythologische Einheiten als nicht ganz so wirkungsvoll wie gegen normale Soldaten.

Die Geschichte schreitet in 32 sehr abwechslungsreichen Einzelspielermissionen (12 weitere im Add-on) voran, alle Cutscenes sind in Spielgrafik gehalten. Die Missionen beschränken sich nicht auf das Basis-aufbauen-Angriffe-abwehren-Gegner-vernichten – Schema. In zwei Missionen muss man beispielsweise verhindern, dass die Tore der Unterwelt aufgebrochen werden. Oder man muss eine Ausgrabungsstelle beschützen, bis ein wertvolles Artefakt geborgen wurde, ein Weltwunder bauen usw. – die Schwerpunkte liegen immer wieder woanders. Manchmal ist man auch ohne Nachschub nur mit den namhaften Helden unterwegs. Oft erhält man Zusatzaufgaben und neue Missionsziele oder es kommt zu Script-Ereignissen, so dass es nie langweilig wird. Bauen kann man praktisch überall auf den Maps, lediglich die Dorfzentren, die man zur Ausbildung von Arbeitern benötigt, können nur an bestimmten vordefinierten Stellen errichtet werden. Sehr nützlich: Nordmänner und Atlanter haben mobile Lagerstätten für Rohstoffe, d.h. wenn sie angegriffen werden, können sie sich in Sicherheit bringen.

Die 3D-Grafik ist um einiges schöner als die gewohnte Age of Empires – Optik, sie ist frei drehbar aber leider nicht zoombar. Man sollte sich mal die Zeit nehmen und all die netten Details bewundern, die es überall zu entdecken gibt. Achtet mal auf das Meer: Dort schwimmen Fischschwärme (manchmal kommen sogar Wale an die Oberfläche), unter Wasser wachsen Pflanzen, Wellen rollen langsam auf den Strand... Jede Kultur hat ihre eigene Architektur, die Animationen der Einheiten sind flüssig und gut ausgearbeitet. Die Farben sind vielleicht einen Tick zu bunt, aber daran gewöhnt man sich schnell. Besonders sehenswert sind die göttlichen Zauber. Wenn ein Meteoritenschauer eine Siedlung in Schutt und Asche legt, ein Waldbrand übers Land tobt oder eine Implosion ganze Truppenverbände ins Nichts saugt, dann sind das schon echte Augenöffner. Die Geräuschkulisse ist nichts besonderes, aber sie ist durchaus in Ordnung, das Spiel hat Sprachausgabe.

Besonders schwer sind die Einzelspielermissionen nicht, jedenfalls auf der zweiten von vier Stufen, für die ich mich meistens entscheide. In der dritten Stufe kommt man aber schon regelmäßig ins Schwitzen! Zum Glück kann man den Schwierigkeitsgrad vor jeder Mission neu auswählen. Auch auf Stufe zwei können sich die Missionen aber schon mal über Stunden hinziehen – wie es sich gehört, bekommt man bei Age of Mythology sehr viel Spiel fürs Geld.

Schwächen bestehen auch in diesem Game noch bei KI und Wegfindung. Man muss seine Einheiten schon gut im Auge behalten oder durch entsprechende Befehle dazu zwingen, sich passiv zu verhalten. Sonst kann es leicht passieren, dass ein ganzer Trupp blind hinter einem Späher her rennt (was völlig sinnlos ist) und sich in den gegnerischen Abwehranlagen aufreiben lässt. Ähnliche Situationen gibt es bei Angriffen: Macht ihr euch über eine Siedlung her, hacken eure Soldaten gerne mal stur auf Wohnhäusern oder harmlosen Arbeitern herum, während sie selbst von den feindlichen Soldaten aufs Korn genommen werden. Warum wenden sie sich denen nicht automatisch zu? Und warum konzentrieren sich die verschiedenen Militäreinheiten nicht auf die Gegner, gegen die sie besonders stark sind? Es nervt ein wenig, wenn man z.B. seinen Belagerungstürmen immer wieder sagen muss, dass sie doch bitte die Festung beschießen sollen und nicht den Ochsenkarren, der daneben steht…

Neben dem "Endlosspiel", für das viele ganz unterschiedliche Maps zur Verfügung stehen, und dem üblichen Multiplayermodus (online oder im LAN) ist auch noch ein Editor vorhanden, mit dem man kinderleicht eigene Maps mit allen Landschaften und Objekten erzeugen kann, die im Spiel vorkommen.

Auf der offiziellen Homepage zum Spiel kann man sich übrigens noch die 10 MB große kostenlose Minikampagne "The Golden Gift" mit vier relativ leicht zu lösenden Missionen runterladen. Darin geht es um die Geschichte der Zwerge Brokk und Eitri, denen Arkantos auf seiner Reise begegnet ist.

Age of Mythology ist zwar inzwischen vielleicht nicht mehr "state of the Art", aber es ist immer noch sehr spaßig und hat eine enorme Spieltiefe.

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