Zurück zu den Spielen

Age of Empires III

System:
PC CD-ROM

Genre:
Echtzeit-Strategie

Note: 3
AGE OF EMPIRES III

Eines der genialsten Echtzeit-Strategiespiele geht in die nächste Runde. Age of Empires und die Fortsetzungen, zu denen ich auch Age of Mythology zähle, waren gut durchdachte, spielerisch einwandfreie Titel. Abgesehen von einem kleinen Ausflug in die antike Mythenwelt wurde in dieser Serie die europäische Geschichte nacherzählt, wobei man es mit den historischen Fakten nicht immer so ganz genau genommen hat. Im dritten Teil der Serie wird das Szenario in die Neue Welt verlagert in diesem Spiel sind es Kreuzfahrer und Mitglieder eines dubiosen Ordens, die Amerika auf der Suche nach der Unsterblichkeit entdecken.

Diese Review bezieht sich ganz auf die Einzelspielerkampagne.

Story

Die Singleplayer-Kampagne von Age of Empires III (AoE III) besteht aus drei Akten mit insgesamt 24 Missionen, die jeweils in unterschiedlichen Jahrhunderten spielen. Im ersten Akt verfolgt der Kreuzfahrer Morgan Black einen Osmanen in die Neue Welt. Er ahnt nicht, dass er nur ein Werkzeug eines Geheimbunds ist, der den geheimnisvollen Mondsee sucht. Dieser See soll der Legende nach ein Jungbrunnen sein und er steht auch im Zentrum der Auseinandersetzungen, die die Geschehnisse in Akt 2 und 3 prägen. Der Zeitsprung des zweiten Aktes führt direkt in die Zeit der amerikanischen Unabhängigkeitskriege Ende des 18. Jahrhunderts, diese spielen aber für die Geschichte selbst keine Rolle. Wieder wird die Familie Black Ziel der Angriffe eines Geheimbunds. Akt 3 dürfte in der Zeit des spanischen Unabhängigkeitskriegs, also zu Beginn des 19. Jahrhunderts, stattfinden. Tatsächliche historische Ereignisse spielen aber auch hier wieder nur am Rande eine Rolle. Amelia, jüngster Spross der Black-Familie, will eigentlich nur eine Handelsgesellschaft aufbauen, wird aber in die Machenschaften des Geheimbunds hineingezogen, denn die Legende vom Jungbrunnen ist immer noch lebendig.

Gameplay-Grundlagen

Die bekannten Elemente von Echtzeit-Strategiespielen sind auch in AoE III wieder vorhanden, bis auf zwei Ausnahmen gibt es da nichts Neues zu berichten. Man errichtet eine Siedlung, entwickelt verschiedene Technologien, stellt eine Armee auf, erforscht die verborgenen Gebiete der Karte und vernichtet die gegnerische Basis oder erfüllt (in der Einzelspieler-Kampagne) diverse Missionsziele. Alles wie gehabt. Aus der Story geht schon hervor, dass die Einheiten diesmal ein wenig anders aufgebaut sind, d.h. es gibt Soldaten mit Schusswaffen und eine ganze Menge Artillerie. Die Gewichtung liegt also etwas mehr auf Fernkampf.

Für den Basisaufbau, die Forschung usw. braucht man Rohstoffe, und zwar Münzen, Nahrung und Holz. Nur letzteres kann ausschließlich durch Abbau der Ressourcen, die auf der Karte zu finden sind (also Wälder), gewonnen werden. Münzen und Nahrung können auch in Gebäuden, die ihr in eurer Siedlung errichten könnt, gewonnen werden. Mühlen sind zum Beispiel eine unerschöpfliche Nahrungsquelle, auf Plantagen "verdient" ihr Münzen. Anders als bisher braucht ihr zur Nahrungsgewinnung im Grunde nur eine einzige Mühle, wodurch ihr viel Platz spart. Dort können maximal zehn Siedler arbeiten und ihr müsst euch auch nicht mehr um die Neubestellung der Felder kümmern. Insgesamt spielt dieses "Wirtschaftssystem" praktisch keine Rolle, noch nicht mal unter strategischen Gesichtspunkten. Der Gegner kann schließlich ebenfalls Plantagen bauen - es nützt also nicht viel, Minen zu erobern und vor dem Gegner auszubeuten.

Gameplay-Neuigkeiten

Heimatstadt / Karten / Erfahrungspunkte
AoE III spielt in der Neuen Welt, die gerade erst von Europa aus besiedelt wird. Für jedes Volk richtet ihr euch eine Heimatstadt ein, die euch während des Spiels Nachschub schicken kann und die ihr mit der Zeit modifizieren könnt. Die Heimatstadt ist allerdings keine Siedlung wie jene, die ihr in den Missionen aufbaut, d.h. ihr könnt dort nichts errichten oder produzieren. Sie befindet sich noch nicht einmal in der "Spielwelt". Ihr klickt während des Spiels lediglich auf das Heimatstadt-Symbol und gelangt so auf einen Bildschirm, der ein belebtes Bild dieser Stadt zeigt (das Spiel läuft im Hintergrund weiter). Hier könnt ihr entscheiden, welche Ressourcen euch in die Neue Welt geschickt werden sollen: Rohstoffe, Soldaten, Siedler, Technologie-Upgrades oder andere hilfreiche Dinge. Nach kurzer Zeit erscheinen die angeforderten Einheiten bei eurem Dorfzentrum. Welche Güter usw. euch zur Verfügung stehen, hängt einerseits vom erreichten Zeitalter ab, zum anderen braucht ihr Erfahrungspunkte, um den Nachschub freizuschalten.

Für praktisch jede Aktion in AoE III gibt es Erfahrungspunkte. Ihr erhaltet sie für jeden besiegten Gegner, für jede produzierte Einheit, für jedes errichtete Gebäude und für jedes erreichte Missionsziel. Habt ihr genug Punkte gesammelt, steigt eure Heimatstadt in die nächst höhere Entwicklungsstufe auf. Und für jeden Level-Aufstieg erhaltet ihr eine Karte. Diese Karte spielt ihr aus, um eine von vielen Ressourcen zu aktivieren. Diese Karten bzw. die so aktivierten Ressourcen könnt ihr zu Decks zusammenstellen, und diese Decks entsprechen dann den oben beschriebenen Schiffsladungen, die ihr euch im Spiel schicken lassen könnt. Die Anzahl der Karten pro Deck ist begrenzt, d.h. ihr müsst vor Beginn eines Spiels selbst entscheiden, welche ihr verwenden wollt (gilt nur für Mehrspielermodus und Singleplayer-Gefecht, nicht für die Kampagne).

Darüber hinaus erhaltet ihr bei jedem Level-Aufstieg einen Punkt, mit dem ihr euch Modifikationen der Heimatstadt aussuchen könnt. Ihr könnt auf diese Weise das optische Erscheinungsbild verschiedener Gebäude der Stadt verändern oder kleine animierte Figuren einfügen und so weiter. Auf den eigentlichen Spielverlauf hat das keinerlei Auswirkungen.

Helden / Entdecker / Schätze
Wie schon in Age of Mythology stehen euch besonders mächtige Einzelfiguren zur Verfügung. Diese Entdecker oder Helden haben verschiedene Spezialfähigkeiten, die sie immer wieder einsetzen können, und können eine Menge Schaden einstecken. Werden sie getötet, erholen sie sich nach einer Weile wieder. Sie können aber erst wieder "auferstehen", wenn mehr eigene als gegnerische Einheiten in ihrer Nähe sind. Die Helden/Entdecker können zwar nicht (wie in Warcraft III) aufgelevelt oder mit Wafffen usw. ausgerüstet werden, aber sie können Schätze heben, die überall auf der Karte verteilt sind. Das können Rohstoffe sein, Siedler, Krieger und so weiter für manche Schätze erhält man aber auch einfach nur Erfahrungspunkte. Die Schätze werden fast immer von recht starken Gegnern bewacht, die erst alle besiegt werden müssen, bevor der Schatz gehoben werden kann. Die Schätze kann man mit den Reliquien vergleichen, die es früher schon gab.

Indianerstämme / Handelswege
Auf den meisten Karten sind Dörfer verschiedener Indianerstämme verteilt. Wenn ihr dort einen Handelsposten errichtet, verbündet sich der Stamm mit euch. So erhaltet ihr Zugriff auf Krieger und Technologie-Upgrades dieses Stammes. Erstere könnt ihr selbst dann noch produzieren, wenn euer Bevölkerungs-Limit schon erreicht ist, letztere wirken sich teilweise auf eure eigene Siedlung aus, indem sie zum Beispiel die Kosten für Weiterentwicklungen senken.

Handelswege verlaufen auf vorgegebenen Bahnen, die Planwagen (später auch Eisenbahnen) könnt ihr nicht angreifen oder steuern. Ihr könnt aber an vorgegebenen Punkten Handelsposten bauen, die dann für einen ständigen Zuwachs an Erfahrungspunkten sorgen. Andere Vorteile könnt ihr aus diesen Handelswegen nicht ziehen, d.h. sie versorgen euch nicht etwa mit Rohstoffen.

Steuerung

Auch an der Steuerung hat sich wenig geändert, und wenn, dann handelt es sich eher um Einschränkungen. So ist es jetzt nicht mehr möglich, bestimmte Formationen einzunehmen. Gruppen von Einheiten machen das automatisch, aber immer auf die gleiche Weise. Priester heilen verletzte Einheiten nicht mehr automatisch und obwohl euch in einer Übersicht Icons für verschiedene Einheitentypen einer Gruppe angezeigt werden, ist es nicht möglich, einzelne Typen über diese Icons direkt anzuwählen. Also schnappt man sich meist doch nur die ganze Gruppe und lässt sie im Pulk angreifen, über irgendwelche strategischen Feinheiten macht man sich dabei keine Gedanken. Ist auch gar nicht nötig.

Nett: Soldaten können jetzt auch auf manchen Schiffen ausgebildet werden so müsst ihr z.B. nicht erst eine neue Siedlung errichten oder ständig neue Soldaten heranschaffen, wenn ihr eine Insel erobern wollt und Nachschub braucht. Die Siedler müssen die Rohstoffe nicht zum Dorfzentrum oder zu anderen Gebäuden bringen, stattdessen werden die abgebauten Rohstoffe sofort eurem Konto gutgeschrieben.

Nicht so nett: Man kann maximal sieben Türme errichten. Tore können nicht mehr verschlossen werden. Die Einheiten können durch Mauern hindurchschießen (ein Bug?), sehr widerstandsfähig sind Mauern ohnehin nicht. Man kann keine Schützen mehr in Türmen einquartieren.

Sonstiges

Alle bekannten Schwächen älterer Spiele finden sich auch wieder im neuesten Titel der Serie. Die Wegfindung ist nach wie vor katastrophal. Die Einheiten bleiben an unpassierbaren Stelle hängen oder sie schlagen sinnlose Umwege ein. Wenn man eine große Gruppe auf den Weg schickt, dann dauert es erstmal eine Weile, bis die Idioten damit aufhören, chaotisch umeinanderzuwuseln und sich selbst im Weg zu stehen. Bis sie endlich in die richtige Richtung marschieren, ist ihre Gruppe unter Umständen schon aufgerieben worden, denn sie wehren sich solange nicht gegen Angriffe. Werden sie unterwegs angegriffen, dann ignorieren sie das ebenfalls so lange, bis sie am Ziel angekommen sind.

Werden Einheiten aus einer Entfernung angegriffen, die ihre eigene Sichtweite überschreitet, dann bleiben sie stur stehen und lassen sich niedermetzeln. Das gleiche geschieht, wenn eine benachbarte Einheit oder ein Gebäude angegriffen wird, das sie eigentlich beschützen sollten. Manchmal machen einzelne Soldaten sich auch selbständig und verfolgen den Gegner bis zu dessen Basis, so dass sie in ihr Verderben rennen. Man muss also ständig aufpassen, was die Leutchen gerade machen.

Grafik

AoE III protzt mit wunderschönen Landschaftsdetails, realistischen Animationen und einer neuen Physik-Engine. Einige Beispiele: Musketenschützen laden ihre Flinten mit Ladestock nach, bevor sie erneut feuern können. Mörser werden von vier Soldaten herumgeschleppt, die das Ding erst im Boden verankern müssen, bevor es feuern kann. Siedler sitzen in einem Baum, während unten ein Leopard lauert oder sie wurden an Marterpfähle gebunden, vor denen einige Indianer um ein Lagerfeuer herumsitzen. Bäume wiegen sich im Wind, werfen veränderliche Schatten und fallen um, wenn sie "verbraucht" sind. Man kann sehen, wie Soldaten von Kanonenkugeln umgemäht werden und wenn diese Kugeln auf Gebäude treffen, dann entstehen an den entsprechenden Stellen Schäden, Mauerwerk bröckelt ab. Bei Schiffen werden Segel durchlöchert und Masten abgeknickt. Die Wasseroberflächen sind genial gestaltet: Man sieht kleine Wellen und Echtzeit-Spiegelungen, man kann Fische und Pflanzen unter der Wasseroberfläche sehen, Wale kommen manchmal an die Oberfläche. Zoomt man näher an das Geschehen heran, dann stellt man fest, dass Einheiten und Gebäude inzwischen einen so hohen Detailgrad haben, wie man es noch vor wenigen Jahren nur bei Rollenspielen oder Action-Adventures kannte.

Man braucht allerdings schon einen sehr leistungsfähigen Rechner, um alle Grafikdetails auch wirklich darstellen zu können. Die Maps sind alle relativ klein, dennoch wird das Geschehen schnell unübersichtlich, weil man nicht mehr so weit hinauszoomen kann wie früher.

Fazit

AoE III ist sicher kein schlechtes Spiel, ganz und gar nicht. Mir ist jedoch unangenehm aufgefallen, dass sich in den entscheidenden Kritikpunkten nichts verbessert hat. Im Gegenteil spielerisch hat man jetzt sogar noch weniger Freiheiten als vorher. In der Einzelspielerkampagne kommt noch hinzu, dass der Schlüssel zum Erfolg darin besteht, einfach nur so schnell wie möglich eine schlagkräftige Armee aufzustellen und früh anzugreifen. Eine überlegtere Vorgehensweise wird sogar bestraft, denn lässt man sich mehr Zeit, kann das fatal sein, weil der Gegner bereits zu stark geworden ist. Nicht selten gibt es ohnehin ein Zeitlimit für das Erreichen bestimmter Ziele.

Das Gameplay ist also viel aggressiver geworden und man hat weder die Muße, eine durchdachte Siedlung aufzubauen, noch kann man es sich leisten, längere Zeit mit ihrer Weiterentwicklung zu verbringen. Auf diese Weise wird aus den Missionen der Einzelspielerkampagne so abwechslungsreich die zu erreichenden Ziele auch gestaltet wurden ein immer gleich ablaufendes Gemetzel von meist recht kurzer Dauer.

Ich hatte von AoE III deutlich mehr erwartet. Bis auf die eigentlich recht überflüssige Heimatstadt gibt es aber keine echten Neuerungen und selbst das altbekannte Spielprinzip macht wegen der vielen Einschränkungen auf die Dauer nicht mehr so viel Spaß. Sehr schade, denn optisch ist das Spiel ohne Frage ein Genuss.

Noch ein Manko: Das Handbuch ist extrem mager. Es gibt zwar noch einige Hinweise in der Ingame-Hilfe, aber dass man die Karte drehen kann, wenn man auf STRG und die Pfeiltasten drückt (oder SHIFT und Mausrad), habe ich nur durch Zufall herausgefunden. Auch sonst wird kaum etwas erklärt.

Seitenanfang