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X-Men 3 X-Men 3: Der letzte Widerstand - Special Edition (USA, 2006)
- X-Men: The last Stand -

DVD - Regionalcode 2, Fox Home Entertainment
FSK: 12
Laufzeit: ca. 100 Minuten

Extras
Audiokommentare von Brett Ratner, Zak Penn, Simon Kinberg, Avi Arad, Lauren Shuler Donner und Ralph Winter
Nicht verwendete Szenen, Brett Ratners Produktionstagebuch, "X-Men: Evolution einer Trilogie", "X3: Die Faszination hält an", Featurettes, Animatics, Produktions-Clips, Blogs, Bildergalerien, Trailer

Regie:
Brett Ratner

Hauptdarsteller:
Patrick Stewart (Prof. Charles Xavier)
Ian McKellen (Eric Lensherr/Magneto)
Hugh Jackman (Logan/Wolverine)
Halle Berry (Ororo Munroe/Storm)
Famke Janssen (Dr. Jean Grey/Phoenix)
Kelsey Grammer (Dr. Hank McCoy/Beast)
Ellen Page (Kitty Pryde/Shadowcat)
James Marsden (Scott Summers/Cyclops)
Anna Paquin (Marie/Rogue)
Rebecca Romijn-Stamos (Raven Darkholme/Mystique)
Ben Foster (Warren Worthington III/Angel)
Michael Murphy (Warren Worthington II)
Cameron Bright (Jimmy/Leech)




Inhalt:

Cyclops trauert um Jean Grey, die sich für ihn und die anderen X-Men geopfert hat. Doch sie ist nicht tot. Ein verborgener Teil ihrer Psyche hat die Kontrolle übernommen und verhindert, dass sie durch die über ihr zusammenschlagenden Wassermassen getötet wurde. Diese zweite Identität nennt sich selbst "Phoenix" und war jahrelang hinter mentalen Sperren verborgen, die Prof. Xavier in Jeans Bewusstsein errichtet hatte, um sie vor sich selbst zu schützen. Denn Phoenix ist destruktiv und unkontrollierbar, sie folgt nur ihren Instinkten. Jean Grey ist der mächtigste Mutant, den es je gegeben hat. Würde der immer stärker werdende Phoenix-Anteil von Jean Greys Bewusstsein endgültig die Kontrolle übernehmen, dann wären die Folgen katastrophal. Dass die Gefahr sehr real ist, bekommen Cyclops und Xavier zu spüren: Phoenix lockt Cyclops zu dem See, in dem sie fast gestorben wäre, und tötet ihn dort. Wolverine und Storm finden später nur noch die bewusstlose Jean vor. Sie nehmen sie mit in die Mutantenschule, können sie dort aber nicht festhalten, denn Phoenix übernimmt erneut die Kontrolle. Als Xavier versucht, die Gedankenblockade neu zu errichten, tötet Phoenix auch ihn.

Kurz zuvor wird die Entdeckung eines "Heilmittels" für die Mutanten verkündet. Warren Worthington, der Inhaber der Worthington Labs, hält den jungen Mutanten Jimmy gefangen, der die Gabe besitzt, andere Mutanten zu "normalen Menschen" zu machen. Den Worthington Labs ist es gelungen, aus seinem Blut ein Mittel zu synthetisieren, mit dem das X-Gen dauerhaft unterdrückt werden kann. Mit diesem Mittel wollte Warren Worthington seinen eigenen Sohn "heilen", der ebenfalls ein Mutant ist und aufgrund seiner Flügel "Angel" genannt wird. Allerdings war Angel nicht bereit, sich "heilen" zu lassen. Viele Mutanten empfinden ähnlich, denn schließlich sind sie nicht krank, außerdem wird das Mittel auch als Waffe eingesetzt. Es gibt aber zahlreiche Mutanten (zu denen auch Rogue gehört), die das Mittel dennoch nehmen wollen, um ein normales Leben führen zu können - denn noch ist die Gleichberechtigung der Mutanten nicht erreicht. So kommt es zu einer Spaltung der Mutantengemeinschaft. Magneto gründet eine schnell wachsende Bruderschaft, die das "Heilmittel" ablehnt und darüber hinaus in den offenen Kampf gegen den Homo Sapiens eintreten will. Erstes Angriffsziel sind die Worthington Labs. Für diesen Kampf sucht Magneto eine mächtige Waffe, und die glaubt er in Phoenix gefunden zu haben. Er benötigt auch dringend Verstärkung für seine Truppe, denn Mystique ist dem "Heilmittel" zum Opfer gefallen.

Magneto ist zugegen, als Phoenix seinen alten Freund Xavier zerfetzt. Auch Wolverine und Storm können das Verhängnis nicht abwenden. Magneto bringt Phoenix dazu, sich seiner Bruderschaft anzuschließen, aber auch er kann sie nur schwer kontrollieren. Wolverine, der Jean immer noch liebt und daran glaubt, dass sie gerettet werden könnte, folgt ihrem mentalen Ruf und dringt in das Lager der Bruderschaft ein. Er kann aber nichts ausrichten; Magneto wirft ihn wieder hinaus. Magneto bereitet den Angriff auf Alcatraz vor, wo die vom Militär abgesicherten Worthington Labs untergebracht sind. Als Transportmittel reißt er kurzerhand die Golden Gate Brücke aus ihrer Verankerung. Die X-Men verbünden sich mit Dr. Hank McCoy, genannt "Beast", Berater des Präsidenten in Mutantenangelegenheiten, und fliegen nach Alcatraz, um der Bruderschaft entgegenzutreten. Gemeinsam mit den dort stationierten Soldaten halten sie Magnetos Mutanten-Armee in Schach, Shadowcat bringt Jimmy in Sicherheit. Wolverine, der endlich gelernt hat, dass er auf die Hilfe seiner Freunde angewiesen ist, greift Magneto nicht allein an. Er lenkt ihn lediglich ab, so dass Beast Magneto einen Schuss des "Heilmittels" verpassen kann. So verliert Magneto all seine Kräfte.

Unüberlegterweise feuern die Soldaten auf Phoenix, bevor Wolverine sie zur Besinnung bringen kann. Sie wehrt sich mit der vollen Kraft ihrer überwältigenden Mutantenfähigkeiten und richtet ein Gemetzel auf der einstigen Gefängnisinsel an. Während die X-Men alle Überlebenden evakuieren, stellt Wolverine sich Phoenix entgegen. Durch seine Selbstheilungskräfte ist er vor der sofortigen Vernichtung geschützt. Als Phoenix erkennt, dass er sich für sie opfern würde, hält sie kurz inne - Wolverine hat keine Wahl, als sie zu töten. Die X-Men halten an ihrer Entscheidung fest, die Mutantenschule auch nach dem Tod des Professors weiter geöffnet zu halten. Das ist auch gut so, denn möglicherweise ist die Wirkung des "Heilmittels" doch nicht permantent. Beast wird zum UN-Botschafter der USA ernannt - ein wichtiger Schritt für die Gleichberechtigung der Mutanten.

Der Film:

Hier erst noch eine kleine Ergänzung zur Inhaltsangabe: Nach dem Ende des Abspanns kommt noch eine kurze Szene, in der man das Krankenzimmer des hirntoten Mannes sieht, über den Prof. Xavier in einer Vorlesung berichtet hatte. Er dreht den Kopf zur Pflegerin und murmelt ihren Namen - mit der Stimme von Patrick Stewart. Man darf also annehmen, dass es Xavier gelungen ist, sein Bewusstsein in den Körper dieses Mannes zu transferieren. Vielleicht ist diese Szene ja schon als Überleitung auf den nächsten Film der X-Men-Reihe gedacht... es wäre schön, wenn es nach dem Ende der Trilogie noch nicht zu Ende wäre, denn obwohl Teil 3 in mancherlei Hinsicht schwächer ist als die beiden Vorgänger, so bietet der Film doch allerbeste Unterhaltung, die auch nicht ganz anspruchslos ist. Außerdem hat man die eine oder andere Figur inzwischen ins Herz geschlossen und würde sich über ein Wiedersehen freuen. Bei dieser Gelegenheit kann ich auch gleich gestehen, dass meine Lieblingsmutanten - abgesehen von Wolverine - weiblich sind: Gemeint sind die akrobatische Mystique und die pfiffige Shadowcat, die am Schluß Juggernaut austrickst. Natürlich gehören auch Magneto und Xavier zu meinen Favoriten, das allerdings wegen der wie immer tollen schauspielerischen Leistungen McKellens und Stewarts. Lustig: In der ersten Szene, in der es um einen Rückblick in Jean Greys Vergangenheit geht, wurden die Gesichter der beiden Schauspieler anscheinend digital "verjüngt"...

Eigentlich habe ich an "X-Men 3" nur eines auszusetzen: Der Film ist zu kurz. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf beinahe pausenloser Action, es wird ein Feuerwerk genialer Spezialeffekte abgebrannt, das es in sich hat. Dabei kommt die Charakterentwicklung etwas zu kurz. Das liegt natürlich auch daran, dass wieder eine ganze Reihe neuer Figuren vorgestellt wird; da bleibt kaum Zeit für Einzelschicksale. Man muss aber zugestehen, dass bedeutendere Figuren, wie z.B. "Beast", durchaus ihre Momente haben, und dass es dem Regisseur ganz gut gelingt, wichtige Charakteristika durch kurze Szenen und kleine Andeutungen deutlich zu machen. Außerdem werden lobenswerterweise einzelne Handlungsfäden aus den vorhergehenden Filmen nicht nur weitergesponnen, sondern auch schlüssig in die Handlung integriert. Dazu gehört Rogues Entschluss, das "Heilmittel" einzunehmen. Es bleibt nur eben nicht so viel Zeit für all das, wie man es sich als Zuschauer wünscht. Mutig finde ich, dass zwei der Hauptfiguren schon gleich in der ersten Hälfte des Films eliminiert werden, wobei wie gesagt bei Prof. Xavier doch noch ein Hintertürchen offen bleibt.

Wie es sich für einen X-Men-Film gehört, wird bei aller Action auch eine moralische Frage behandelt, die sich leider keineswegs nur im fiktiven X-Men-Universum stellt: Warum wird immer alles, was irgendwie von der Norm abweicht, sofort als "krank" bezeichnet? Und mehr noch: Warum glauben Leute, die gar nicht davon betroffen sind, die vermeintlich Kranken unbedingt "kurieren" zu müssen - wenn nötig auch mit Gewalt? Die X-Men halten sich nicht für krank. Sie definieren sich ja gerade erst über ihre Eigenschaften und Fähigkeiten, durch sie werden sie erst zu etwas Besonderem. Ohne das X-Gen würden sie in der Masse verschwinden, so wie Magneto, der am Ende des Films wie ein einsamer alter Mann im Park sitzt. Sehr passend, dieses Bild, wo doch Ian McKellen aufgrund seiner Homosexualität ebenfalls zu jenen Menschen gehört, die von gewissen Leuten für "krank" gehalten werden. Dass es reale Parallelen zu den Mutanten gibt, die sich wegen des ständig auf ihnen lastenden Drucks dennoch für eine "Heilung" entscheiden, die sie gar nicht wollen, ist ebenfalls eine traurige Tatsache...

Die DVD:

Die Special Edition ist im schicken Steelbook mit zwei DVDs erhältlich. Einige Extras befinden sich schon auf der ersten Disc. Legt man diese ein, wird man (nach den nervenden Raubkopierer-Spots und Werbetrailern) gefragt, ob man sich Magnetos Bruderschaft oder Xaviers Widerstand anschließen möchte. Je nach Auswahl haben die animierten Menüs ein anderes Design, das Bonusmaterial hat dann anderen Inhalt. Es handelt sich hauptsächlich um Audiokommentare des Regisseurs, der Drehbuch-Autoren und der Produzenten sowie um insgesamt 25 nicht verwendete Szenen, wobei allerdings eine doppelt vorkommt. Diese Szenen haben einen optionalen Audiokommentar des Regisseurs und der Autoren. Sie sind teilweise sehr interessant, zum Beispiel gibt es mehrere alternative Enden. In einem davon kehrt Logan in die Kneipe zurück, in der Rogue ihm in Teil 1 erstmals begegnet ist, in einer anderen hat Rogue sich gegen die Einnahme des "Heilmittels" entschieden. Man bekommt auch erweiterte und deutlich brutalere Kampfszenen zu sehen. Lobenswert: Alle Szenen wurden sogar deutsch synchronisiert. Es gibt auch zwei "Ostereier" zu finden. Sie verbergen sich hinter einem kleinen "x" auf der 3. Auswahlseite der Deleted Scenes und in der Kapitelauswahl für Kap. 10-12. Es handelt sich im Grunde auch um nicht verwendete Szenen.

Der Hauptanteil des Bonusmaterials ist natürlich auf der zweiten Disc zu finden, allerdings täuscht die lange Auflistung über den mangelnden Tiefgang dieses Materials hinweg. "Brett Ratners Produktionstagebuch" ist ca. 41 Minuten lang. In typischer Videoclip-Manier werden zahlreiche Szenen von der alltäglichen Arbeit eines Regisseurs chronologisch zusammengestellt: Von der ersten Begehung der Drehorte über die Dreharbeiten bis hin zur Filmpremiere in Cannes. Es wird ein wenig herumgealbert - Höhepunkt ist Ratners Auftritt im Wolverine-Kostüm, komplett mit Klauen. Er spielt eine ganze Szene selbst! Ansonsten enthält dieser Beitrag kaum irgendwelche interessanten Informationen. Ähnlich ist es mit "X-Men: Evolution einer Trilogie". Das Ding läuft zwar ca. 43 Minuten lang, ist aber im Grunde nur ein Zusammenschnitt dreier kürzerer Featurettes, die wahrscheinlich jeweils zum Kinostart von Teil 1, Teil 2 und Teil 3 gezeigt worden sind. Darsteller, Produzenten usw. erzählen die Handlung nach und stellen die verschiedenen Charaktere vor. Dazu sieht man diverse Ausschnitte aus den Filmen. Fast wie eine Wiederholung von Teilen dieses Beitrags wirkt "X3: Die Faszination hält an". Darin geht es dann ausschließlich um Teil 3 (ca. 20 Minuten). Diese drei Beiträge sind eigentlich nicht interessant, sie vermitteln keine tiefer gehenden Informationen.

Weit besser gelungen ist da z.B. "X-Men ganz nah". Jeder Mutant wird mit Texttafeln, kurzen Film-/Interviewclips und Bildergalerien vorgestellt. Man findet hier endlich auch Infos und Bilder aus den Comics, so dass man sich sehr gut über die Hintergründe, den Werdegang, die Fähigkeiten usw. der einzelnen Mutanten informieren kann. Auch Stan Lee kommt mehrmals zu Wort. Die Texte sind allerdings komplett englisch. Betrachtet man "Analyse einer Szene" (Entstehung der Szenen mit der Golden Gate Bridge) und "Produktions-Clips" (Herstellung von Requisiten, Masken, Kostümen usw.) zusammen, dann entsteht wenigstens ansatzweise der Eindruck, man hätte mal echte Informationen über den Produktionsprozess erhalten. Allerdings ist das alles viel zu kurz geraten (ca. 12 bzw. 26 Minuten). Ein paar zusammengestoppelte Beiträge, die vermutlich fürs Internet produziert worden sind, findet man unter "Blogs" (ca. 14 Minuten). Besonders interessant dabei: Die Gastauftritte von Stan Lee und Chris Claremont sowie ein Blick auf die Arbeit der Cutter, die einer Szene durch eine andere Schnittfolge einen völlig anderen Charakter verleihen können. Den Abschluss machen "Animatics" (ca. 25 Minuten, einige CGI-Storyboards), Bildergalerien und Trailer.

J. Kreis, 26.03.2007
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