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Wilsberg Wilsberg: Und die Toten lässt man ruhen (D, 1995) / In alter Freundschaft (D, 1997)

DVD - Regionalcode 0, Polar Film
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 88 Minuten / ca. 82 Minuten

Extras
- Morgenmagazin
- Hallo Deutschland
- Porträt Münster

Regie:
Dorothea Neukirchen / Dennis Satin

Hauptdarsteller "Und die Toten lässt man ruhen":
Joachim Krol (Georg Wilsberg)
Heinrich Schafmeister (Manni Höch)
Stefan Wigger (Hermann Pobradt)
Karin Anselm (Wilma Pobradt)
Katja Studt (Katharina Pobradt)
Hans Martin Stier (Merschmann)
Volkmar Kleinert (Kurt Hillerich)
Rene Toussaint (Hans Bebber)
Maximilian Wigger (Uwe Pobradt)

Hauptdarsteller "In alter Freundschaft":
Leonard Lansink (Georg Wilsberg)
Barbara Rudnik (Ines Koeppen)
Marie Zielcke (Tanja Rabenalt)
Heinrich Schafmeister (Manni Höch)
Rita Russek (Anna Springer)
Thorsten Nindel (Karl Hermann Rabenalt)
Thomas Schücke (Detelf Hinz)
Georg Martin Bode (Droste)




Inhalt "Und die Toten lässt man ruhen":

Seit Georg Wilsberg seine Zulassung als Rechtsanwalt verloren hat, betreibt er ein Briefmarkengeschäft in Münster und betätigt sich als Privatdetektiv. Da er chronisch knapp bei Kasse ist, nimmt er selbst die merkwürdigsten Aufträge an. Ein gewisser Hermann Pobradt bittet ihn eines Tages, den Tod seines Bruders Karl aufzuklären. Die Sache liegt allerdings schon 16 Jahre zurück und die Polizei geht von Selbstmord aus. Pobradt glaubt, sein Bruder sei von seiner Frau ermordet worden. Beweisen kann Pobradt zwar nichts, aber er kann zahlen. Also stellt Wilsberg Nachforschungen an. Als Wilsberg Katharina (die Tochter des Toten, in die er sich allmählich verliebt) befragt, weist die ihn darauf hin, dass Hermann Pobradt wegen Wahnvorstellungen in einer psychiatrischen Anstalt behandelt wird. Wilsberg wirft den Fall trotzdem nicht hin, denn Pobradt behauptet, Kommissar Merschmann habe damals die Ermittlungen geführt und Beweismaterial unterschlagen - Merschmann ist Wilsbergs Intimfeind; ihm hat er den Verlust seiner Anwaltslizenz zu verdanken. Außerdem wird Wilsberg von einem Unbekannten zusammengeschlagen, der ihn auffordert, die Toten ruhen zu lassen. Im Krankenhaus sieht Wilsberg, wie Merschmann sich mit Kurt Hillerich trifft, dem Münsteraner Baudezernenten. An der Sache scheint also doch etwas dran zu sein.

Von seinem Freund Manni Höch, der beim Bauamt arbeitet, erfährt Wilsberg, dass Karl Pobradt Chef eines Tiefbauunternehmens war. Pobradt hat eine Woche vor seinem Tod den Grundstein für ein von Hillerich initiiertes Bauprojekt gelegt. Der Boden, auf dem eine ganze Siedlung errichtet wurde, ist jedoch mit Giftstoffen verseucht. Diese Tatsache muss damals schon bekannt gewesen sein und soll immer noch vertuscht werden. Wilsberg bricht ins Personalbüro der Firma Pobradt ein, um an die Adresse eines gewissen Bruno Stein heranzukommen, der damals vom Sanitäter am Ort des Geschehens gesehen worden ist. Wilsberg besucht Stein in Köln. Stein erzählt, er habe ein Verhältnis mit Wilma Pobradt gehabt und gibt Wilsberg einige Fotos, die er damals von seiner Geliebten gemacht hat. Sie beweisen, dass die Frau jahrelang von ihrem Mann misshandelt worden ist. Durch den Einbruch wird allerdings Merschmann darauf aufmersam, dass Wilsberg in der Vergangenheit herumschnüffelt. Hans Bebber, ein mit Wilsberg befreundeter Polizeibeamter, blättert die alten Akten durch und stößt auf eine fehlende Seite. Manni findet heraus, dass Merschmann mehrere sehr teure Rennpferde besitzt, die er sich eigentlich nicht leisten kann.

Wilsberg durchstöbert daraufhin die Wohnung des Kommissars und findet ein Schreiben Karl Pobradts an Hillerich. Pobradt hatte die Verseuchung entdeckt und Hillerich aufgefordert, das Grundstück zurückzukaufen. Er hatte gedroht, die Sache öffentlich bekanntzumachen. Damit hat Merschmann Hillerich erpresst. Inzwischen ist die Polizei Wilsberg auf den Fersen. Er entzieht sich der Verhaftung und will sich mit Hillerich treffen, den er schon telefonisch mit der Wahrheit konfrontiert hat. Doch als Wilsberg eintrifft, ist Hillerich tot. Diesmal ist es wirklich Selbstmord; Hillerich hat keinen anderen Ausweg mehr gesehen. Merschmann will es so aussehen lassen, als sei Wilsberg der Täter. Bebber trifft rechtzeitig ein, um Wilsberg zu retten und Merschmann zu verhaften. Der Fall scheint klar zu sein, doch Wilsberg findet heraus, dass Uwe, Katharinas Bruder, in der Mordnacht zu Hause gewesen sein muss - seine Mutter hatte immer behauptet, er sei in England gewesen. Wilsberg stellt Frau Pobradt zur Rede und erfährt die Wahrheit. Karl Pobradt hatte seine Frau mit Stein inflagranti erwischt und fast zu Tode geprügelt. Da hatte ihr Sohn Uwe zum Gewehr gegriffen und seinen Vater erschossen. Merschmann, ihre Jugendliebe, hatte ihr geholfen, die Sache wie Selbstmord aussehen zu lassen. Wilsberg lässt die Toten nun endlich ruhen, denn die Polizei hat einen Täter und Hermann Pobradt ist auch zufrieden.

Inhalt "In alter Freundschaft":

Wilsberg erledigt einen Auftrag zur Zufriedenheit seines Kunden, des alleinerziehenden Bauern Rabenalt, indem er dessen entlaufene Adoptivtochter Tanja aus Holland zurückholt. Von Karl Hermann, Rabenalts leiblichem Sohn, erhält er gleich den nächsten Job. Karl Hermann würde den Hof am liebsten verkaufen, aber sein Vater hat davon bis jetzt nichts wissen wollen. Neulich hat er sich aber mit einer Frau getroffen, mit der er seitdem öfter telefoniert. Karl Hermann fürchtet nun um sein Erbe. Wilsberg soll herausfinden, was sein Vater und die Unbekannte zu besprechen hatten. Wie sich wenig später herausstellt, kennt Wilsberg die Dame sehr wohl: Es ist Ines Koeppen, seine große Liebe aus der Schulzeit, die vor 16 Jahren plötzlich die Stadt verlassen und sich seitdem nie wieder gemeldet hat. Jetzt ist sie nach Münster zurückgekehrt und trifft sich mit Wilsberg, verrät aber nicht, was sie bei Rabenalt wollte - auch nicht, als dieser ermordet wird. Karl Hermann wird als Verdächtiger festgenommen. Wilsberg muss jetzt nicht nur herausfinden, ob Ines etwas mit dem Fall zu tun haben könnte, sondern hat außerdem noch die lästige Tanja am Bein. Er bringt sie vorübergehend bei seinem Freund Manni unter und entwickelt mit der Zeit sogar väterliche Gefühle.

Karl Hermann kommt mit Hilfe seines Anwalts Detlef Hinz schnell frei, zumal bei der Obduktion nachgewiesen wird, dass Rabenalt nicht ermordet wurde. Trotzdem braucht Karl Hermann immer noch Wilsbergs Hilfe. Er hat von Hinz einen Vorschuss auf das Erbe bekommen - unter der Voraussetzung, dass er den Hof nach dem Tod seines Vaters an Hinz verkauft. Laut Testament steht ihm aber nur der Pflichtteil zu, Haupterbin ist Tanja. Somit kann er den Vorschuss nicht zurückzahlen. Hinz war seinerzeit Wilsbergs Nebenbuhler, jetzt vertritt er Ines. Wie das Ganze zusammenhängen könnte, erfährt Wilsberg von Manni: Rabenalts Hof liegt genau in einem Gebiet, das für den Bau einer Umgehungsstraße vorgesehen ist. Die Pläne für dieses Großprojekt sind eigentlich noch geheim, aber über Ines könnte Hinz an Stadtrat Droste (einst Ines' Klassenlehrer) und somit an Insiderinformationen herangekommen sein, die es ihm ermöglichen, an der Trasse liegende Grundstücke günstig aufzukaufen und zu gegebener Zeit teuer weiterzuveräußern. Da Ines behauptet, es gehe um eine ganz andere Sache, versucht Wilsberg noch einmal mit ihr zu sprechen. Doch sie ist tot - sie wurde wahrscheinlich ermordet und Wilsberg gerät unter Tatverdacht.

Von seiner alten Freundin Kommissarin Anna Springer erfährt Wilsberg Details über die Autopsie. Demnach hat Ines vor langer Zeit ein Kind zur Welt gebracht. Mit dieser Information kann Wilsberg weitere Informationen aus Frau Koeppen herausholen. Die Sache mit dem Kind war damals der Grund für Ines' plötzliches Verschwinden und ihre jetzige Rückkehr. Das Mädchen war zur Adoption freigegeben worden. Jetzt hat Ines ihre Tochter mit Hinz' Hilfe wiedergefunden - es ist Tanja. Allerdings wusste das Mädchen nichts davon. Sie erfährt es erst jetzt, als sie heimlich ein Telefongespräch Wilsbergs mithört, in dem er Anna bittet, Hinz zu verhaften, da er ihn für den Mörder hält. Tanja klaut Wilsbergs Revolver und stellt Hinz zur Rede, erfährt von diesem jedoch, dass Droste ihr Vater ist. Damit haben Ines und Hinz den Politiker erpresst. Als Tanja ihm die Waffe an den Kopf hält, gesteht Droste, dass er Ines getötet hat, da sie gedroht hat, alles auffliegen zu lassen. Tanja lässt ihn am Leben. Etwas später macht sie Wilsberg ein verlockendes Angebot. Sie will mit ihrem Erbe als Teilhaberin bei Wilsbergs Antiquariat einsteigen, dafür soll er ihr Vormund werden...

Die Filme:

Georg Wilsberg ist die Hauptfigur einer Reihe von Kriminalromanen des Münsteraner Autors Jürgen Kehrer. Der nach dem gleichnamigen Roman gedrehte Film "Und die Toten lässt man ruhen" bildet den Auftakt zu einer erfolgreichen Krimiserie - diese Krimis gehören zu den wenigen Fernsehsendungen, die ich immer wieder gern mal gucke. Allerdings gibt es nur diesen einen einzigen Wilsberg-Krimi mit Joachim Krol in der Hauptrolle. Schon im zweiten Film hat Leonard Lansink die Hauptrolle übernommen, und er spielt den Wilsberg heute noch. Der Wechsel von Krol zu Lansink war die richtige Entscheidung, denn Krol ist einfach nicht Wilsberg. In den Romanen wird Wilsberg als zynischer, auf brummige Art trotzdem sympathischer, vom Leben gezeichneter, unter ständigen Geldsorgen leidender Einzelgänger beschrieben. Krol macht aus dieser Figur einen leicht trotteligen, zappeligen Tolpatsch. Seine ganze Körpersprache drückt Unbeholfenheit und Unterwürfigkeit aus. Ganz anders Lansink, der aus Wilsberg zwar auch nicht gerade einen knallharten Philip Marlowe macht (das ist er ja auch nicht), aber doch sehr viel selbstsicherer wirkt, und dem man die Rolle des sympathischen Lebenskünstlers im Gegensatz zu Krol wirklich abnimmt. Krol guckt mit seinen Knopfaugen meist harmlos-verschmitzt aus der Wäsche, während Lansinks Knautschgesicht einfach perfekt zur Rolle passt. Ich wage sogar zu behaupten, dass der Serie kein langes Leben beschieden gewesen wäre, wenn Krol die Hauptrolle behalten hätte.

Beide Filme bieten solide TV-Krimi-Kost ohne viel Action und Gewalt, dafür mit umso mehr solider Ermittlungsarbeit. Während sich "Und die Toten lässt man ruhen" noch recht eng an die Romanvorlage hält, nimmt sich "In alter Freundschaft" so viele Freiheiten heraus, dass man die Story des Romans kaum noch wiedererkennt. Aus den schmutzigen Machenschaften Carlo Pontis, für den Wilsberg im Roman inkognito als Aufpasser in einer Disco arbeiten muss, werden im Film Immobiliengeschäfte mit korrupten Politikern - wahrscheinlich war die Romanhandlung doch zu brisant für gemütliche Samstagabend-Fernsehunterhaltung. Ines ist zwar auch im Roman Wilsbergs große Liebe, aber er soll sie im Auftrag ihres Freundes suchen. Wilsbergs Gehilfe Willi, Ines' Freundin Claudia Kummer und Hauptkommissar Stürzenbecher kommen im Film ebenso wenig vor, wie im Roman Manni Höch und Anna Springer vorkommen. Was aber gut umgesetzt wurde, ist der ironische Grundton der Romane. Neben dem trockenen Humor wird außerdem ein bisschen Lokalkolorit geboten. Wilsbergs Antiquariat gibt es wirklich (natürlich mit anderem Besitzer), man kann dort einkaufen. Außerdem werden in Münster Wilsberg-Stadtführungen angeboten, bei denen ihr zu verschiedenen Schauplätzen der Reihe geführt werdet.

Die DVD:

Sowohl im Morgenmagazin (3:29 Minuten) als auch in "Hallo Deutschland" (3:00 Minuten) wird über die Entstehung des Drehbuchs zum vierten Wilsberg-TV-Krimi berichtet. Das durfte damals online von Fans mitgestaltet werden. Einer davon wird interviewt, außerdem sieht man ein paar Szenen von den Dreharbeiten. Hinzu kommt ein 3:54 Minuten langes Stadtporträt über Münster, in dem Wilsberg aber gar nicht erwähnt wird.



Wilsberg

Wilsbergs Laden für Briefmarken und Münzen im ersten Film.


Wilsberg

Die Hamsterbacke rechts soll Wilsberg sein? Nie im Leben. Links: Manni Höch.


Wilsberg

Wilsbergs Antiquariat ab dem zweiten Film. Sieht heute noch genauso aus.


Wilsberg

Wilsberg muss sich ein Gutenachtlied für Tanja ausdenken. Scheint Schwerstarbeit zu sein!


J. Kreis, 09.08.2010


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