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Westworld Westworld (USA, 1973)

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 85 Minuten

Extras
Keine

Regie:
Michael Crichton

Hauptdarsteller:
Richard Benjamin (Peter Martin)
James Brolin (John Blane)
Yul Brynner (Gunslinger)




Inhalt:

Delos ist ein Vergnügungspark der besonderen Art. In drei voneinander abgegrenzten Bereichen, die bis ins kleinste Detail verschiedenen historischen Epochen nachempfunden sind (römisches Imperium, Mittelalter, "Wilder Westen"), können besonders zahlungskräftige Gäste selbst am Geschehen teilnehmen. Ausstaffiert als Römer, Ritter oder Cowboy erleben sie diese längst vergangenen Zeiten, als wären sie echt. Die "Bevölkerung" der drei Welten besteht hauptsächlich aus Robotern, die fast nicht von Menschen zu unterscheiden sind - nur an ihren nicht ganz perfekt designten Handflächen kann man sie erkennen. Ansonsten sehen sie aus und verhalten sich wie echte Menschen, so dass man ganz normal mit ihnen interagieren, sich in sie verlieben oder sie töten kann. Beschränkungen gibt es nicht: Der Gast kann alles tun und lassen, was er will. "Getötete" Roboter werden in der Nacht eingesammelt und repariert. Ganz Delos wird permanent überwacht. Kontrolltrupps halten die Anlagen und Roboter instand, von unterirdischen Kontrollräumen aus wachen die Betreiber über das Wohl ihrer Gäste und steuern das Verhalten der Kunstmenschen. Sie beobachten zwar eine zunehmende Anzahl unerklärlicher Ausfälle bei den Robotern, die sich wie eine Krankheit von einer Welt zur anderen zu verbreiten scheinen, glauben aber, alles im Griff zu haben.

Peter Martin und John Blane besuchen Westworld, wo sie sich mit Kneipenschlägereien, leichten Mädchen und dergleichen vergnügen. Eine besondere Attraktion ist der "Gunslinger", ein Roboter in der Gestalt eines grimmigen Revolverhelden, mit dem man sich duellieren kann. Peter ist zwar ein blutiger Anfänger im Umgang mit Schusswaffen, besiegt den Gunslinger aber zweimal. Dass er damit keine Probleme hat, liegt natürlich an der Programmierung des Roboters und an einer Besonderheit der Waffen: Sie erkennen die Körperwärme echter Lebewesen und können nicht abgefeuert werden, wenn sie auf einen Menschen gerichtet sind. Peter, der zuerst skeptisch war, beginnt den Aufenthalt in Westworld zu genießen. Doch da wird John von einem Klapperschlangen-Roboter gebissen - ein ungeheuerlicher Vorgang, zu dem es nie hätte kommen dürfen. Die Kontrollmannschaft ist alarmiert, reagiert aber zu spät. Weitere schwere Funktionsstörungen treten auf, dann wird ein Gast der Mittelalterwelt im Zweikampf getötet. Die Techniker kappen die gesamte Energieversorgung, schließen sich damit aber nur selbst in ihrem Kontrollraum ein, dessen Türen elektrisch betrieben werden. Die Roboter funktionieren weiter, solange ihre körpereigenen Batterien noch Strom haben, und metzeln die Gäste nieder, wie es ihrer Programmierung entspricht.

Peter und John, noch völlig ahnungslos, werden nach einer durchzechten Nacht vom Gunslinger gestellt. Diesmal nimmt John die Herausforderung an und wird erschossen - die Sicherungen der Waffen funktionieren ebenfalls nicht mehr. Peter flieht und wird vom Gunslinger erbarmungslos verfolgt. John erreicht die unterirdischen Versorgungstunnels und Labors. Er attackiert den Gunslinger mit Säure und setzt damit dessen optische Wahrnehmung außer Gefecht. Der Gunslinger hat zwar noch Infrarotsicht, wird aber durch die Fackeln in der Mittelalterwelt abgelenkt, zu der John flieht. Es gelingt John, den hartnäckigen Killer in Brand zu setzen und ihn so zu vernichten.

Der Film:

Man könnte diesen Film als Vorläufer von Jurassic Park bezeichnen. Die Ähnlichkeiten sind kein Zufall, schließlich war Michael Crichton Regisseur und Drehbuchschreiber von "Westworld" und hat die Romanvorlage zu "Jurassic Park" verfasst. Beide Filme nehmen die ungehemmte Sensationsgier der Menschen aufs Korn, die sich gern in die unmöglichsten Situationen begeben, um sich einen Adrenalinkick zu holen, und die dabei doch sehr viel Wert darauf legen, dass die Gefahr kontrolliert ist oder gar nicht wirklich existiert. Wahrscheinlich soll gezeigt werden, dass eine echte Kontrolle nicht möglich ist, und dass aus Spaß schnell Ernst werden kann. Dass das (Freizeit-)Paradies ausgerechnet durch den Biss einer Schlange entzaubert wird, ist wahrscheinlich auch kein Zufall.

In "Westworld" ist die Kritik eine ganze Ecke böser als in "Jurassic Park". Natürlich wird auch die Vergnügungssucht der Menschen kritisiert. In "Westworld" wird sie dadurch auf die Spitze getrieben, dass die Gäste von Delos es für besonders spaßig halten, absolut menschenähnliche Roboter nach allen Regeln der Kunst zu quälen, zu demütigen, zu missbrauchen und zu töten. Sadisten und Leute mit anderen üblen Neigungen dürften also die besten Kunden von Delos sein. Moralische Bedenken gibt es nicht, denn die Opfer sind ja nur Roboter. Dummerweise wünschen die Kunden sich vermutlich insgeheim, dass die Opfer echte Menschen sein sollen. Seitenhiebe werden verteilt, wenn Szenen so montiert werden, dass Menschen und Roboter in einer bestimmten Situation genau dasselbe tun (Peter erwacht im selben Moment, in dem auch die Roboter morgens aktiviert werden), oder wenn die Grenzen aus anderen Gründen verschwimmen. So hält Peter eine im Kerker der Mittelalterwelt schmachtende Gefangene für einen Gast, aber in Wahrheit ist es ein Roboter, den er auch noch versehentlich zerstört, weil er ihm Wasser einflößt...

"Westworld" ist also ein Science Fiction - Film mit einer Botschaft. Er funktioniert aber auch als spannende Unterhaltung, denn Yul Brynner macht seine Sache als wortkarger, unmenschlicher und unheimlicher Gegner hervorragend. Wenn er mit seinen silbern glitzernden Augen und einem sanften Lächeln auf den Lippen Peters Spur folgt, könnte man fast glauben, er sei tatsächlich ein künstliches Geschöpf. Sehr nett in diesem Zusammenhang übrigens: Die Szenen, in denen man seinen Blickwinkel einnimmt. Ich habe gelesen, dass das pixelige Bild, das man dann sieht, der erste echte CGI-Effekt in einem Film gewesen sein soll. Er nimmt damit die Predator-Sicht vorweg. Der Gunslinger ist ein früher Vorläufer des Terminator: Eine ebenso unaufhaltsame wie gefühllose Tötungsmaschine, die man nicht als böse bezeichnen kann, weil sie einfach ihrer Programmierung folgt. Die Maschinen rächen sich also nicht etwa, sie tun vielmehr nur weiterhin das, wofür sie erschaffen wurden. Diesmal aber ohne eingebaute Sicherung oder Ausschalt-Knopf!

Die DVD:

Es ist sehr schade, dass man sich für die DVD-Veröffentlichung dieses Klassikers nicht etwas mehr ins Zeug gelegt hat. Bild und Ton sind zwar für einen Film dieses Alters in Ordnung, aber es sind immer wieder mal Artefakte oder andere Störungen zu sehen. Eine VHS-Cassette hätte wahrscheinlich kein wesentlich schlechteres Bild. Extras sucht man vergebens, es gibt nicht mal eine Kapitelwahl. Man muss wahrscheinlich schon froh sein, dass der Film wenigstens in deutscher und englischer Sprachfassung vorliegt.

J. Kreis, 09.12.2007
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