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Wer früher stirbt ist länger tot Wer früher stirbt ist länger tot (D, 2006)

DVD - Regionalcode 2, EuroVideo
FSK: 6
Laufzeit: ca. 101 Minuten

Extras
Audiokommentar von Marcus H. Rosenmüller und Christian Lerch, "Hinter den Kulissen", Interviews, Making of (Spezialeffekte), Nicht verwendete Szenen, Trailer, Hörfilm-Fassung

Regie:
Marcus H. Rosenmüller

Hauptdarsteller:
Markus Krojer (Sebastian Schneider)
Fritz Karl (Lorenz Schneider)
Jule Ronstedt (Veronika Dorstreiter)
Jürgen Tonkel (Alfred Dorstreiter)
Saskia Vester (Frau Kramer)




Inhalt:

Der elfjährige Sebastian, Sohn des Kandlerwirts im oberbayerischen Dorf Germringen, hat nicht mehr, aber auch nicht weniger Unsinn im Kopf als jeder andere Junge. So ist es kein Wunder, dass sich auf seinem Sündenkonto insgesamt 2713 ungesühnte Verghen ansammeln. Das macht ihm nichts weiter aus, aber eines Tages, als die Kaninchen seines älteren Bruders Franz durch seine Schuld das Zeitliche segnen, ändert sich alles. Franz macht Sebastian klar, dass sein Geburtstag mit dem Todestag seiner Mutter identisch ist. Sie ist keineswegs bei einem Unfall, sondern bei Sebastians Geburt gestorben. Sebastian glaubt nun, seine eigene Mutter ermordet zu haben und wird künftig jede Nacht von Alpträumen geplagt, in denen er zu zwanzig Jahren Fegefeuer verurteilt wird. Für Sebastian ist klar, dass es nur einen Weg gibt, diesem grauenhaften Schicksal zu entgehen: Er muss unsterblich werden. Anregungen dafür, wie man das anstellen könnte, holt er sich zunächst bei den Stammtischgästen des Kandlerwirts.

Experimente mit dem christlichen Glauben, der Wiederbelebung der Kaninchen sowie mit Katzen, die ja angeblich sieben Leben haben, erweisen sich als ebenso wenig erfolgreich wie Sebastians Versuch, die Weiterexistenz seiner Gene durch Fortpflanzung sicherzustellen. Da erfährt er vom lokalen Radiomoderator Alfred, dass Musik einen Menschen unsterblich machen kann. Und so übt der Junge bald jede Nacht mit der alten Gitarre seiner Mutter. Infolge des Schlafmangels werden seine schulischen Leistungen aber so schlecht, dass seine Lehrerin Veronika (Alfreds Frau) ein ernstes Wort mit seinem Vater sprechen muss. Sebastian versucht derweil, seine Schandtaten wieder gut zu machen. Er gesteht einige Sünden öffentlich und kommt dann auf die glorreiche Idee, eine neue Frau für seinen Vater zu suchen, der noch immer unter dem Verlust leidet. In verschiedenen vermeintlich himmlischen Zeichen glaubt Sebastian zu erkennen, dass seine tote Mutter mit diesem Vorhaben einverstanden ist.

Nun versucht Sebastian, verschiedene Kandidatinnen zu finden. In Betracht käme Frau Kramer, die alleinstehende Mutter von Sebastians Freundin Evi. Ein von Alfred angeleitetes schamanisches Ritual zeigt unerwartete Wirkung: Sebastians Vater Lorenz und Veronika verlieben sich ineinander. Als Sebastian Wind davon bekommt, ist ihm klar: Alfred muss aus dem Weg geräumt werden. Bewaffnet mit einem echten Revolver dringt der Junge in den auf einem Berg gelegenen Sender ein. Dort allerdings baumelt Alfred bereits am Strick, denn auch er hat bemerkt, dass seine Frau einen anderen liebt. Im letzten Moment hatte er es sich zwar anders überlegt, war dann aber von der Lehne des Stuhls gerutscht, auf den er sich, den Kopf schon in der Schlinge, gestellt hatte. Sebastian zielt gut und zerschießt das Seil, so dass Alfred gerettet ist. Der vom Rennen erhitzte Junge trinkt ein Glas Wasser aus und bemerkt nicht, dass Alfred zuvor eine Überdosis Tabletten darin aufgelöst hatte. Doch alles geht gut aus, Sebastian ist bald wieder auf den Beinen. Nun ist er ein Held. Wahre Unsterblichkeit gewinnt er, als Alfred ihn im Radio live Gitarre spielen lässt.

Der Film:

Unglaublicherweise ist dieser Film vor einiger Zeit an einem Samstagabend um 20:15 Uhr in der ARD gelaufen, auf einem Sendeplatz also, der üblicherweise vom Musikantenstadel und vergleichbaren Veranstaltungen mit Beschlag belegt wird. Ich weiß nicht, was die Verantwortlichen da geritten hat... oder wussten sie nicht, dass "Wer früher stirbt ist länger tot" zwar irgendwie auch ein Heimatfilm ist, aber in einer völlig anderen Liga spielt als alles, was man in diesem Genre sonst so geboten bekommt? Alles fängt so an, wie man es vielleicht von einem typischen Heimat- oder Familien-Herzschmerz-Film erwartet: Kamerafahrt über eine schöne, üppig grüne Landschaft in den Bergen bis hinein in ein gemütliches Dörfchen und zum urigen Kandlerwirtshaus. Dort dann der pfiffig-niedliche Elfjährige, der mit dem schnöden Schicksal der Mutter konfrontiert wird. Das Ganze übrigens in bayerischer Sprache - wer das nicht versteht, schaltet die hochdeutschen Untertitel hinzu.

Gut. Damit aber genug der Idylle, denn schon sehr bald zeigt sich, dass hier eher der Geist von Monty Python oder wenigstens Terry Gilliam weht: Elemente der Phantastik brechen ein. Immer wieder werden Sebastians Alpträume visualisiert, bei denen sich Höllenvisionen auf geradezu geniale Weise mit den von Sebastian belauschten Proben der kauzigen Stammtischler mischen, die ein volkstümliches Theaterstück aufführen wollen. Damit nicht genug des schwarzen Humors. Sebastians Experimente sind nicht minder starker Tobak: Da wird ein totes Kaninchen mit Elektroschocks zur Explosion gebracht (so ein kleines Tier braucht halt weniger Saft als Frankensteins Monster), dann muss Sebastian leider feststellen, dass die von ihm ertränkte Katze ihre sieben Leben offenbar schon verbraucht hat... Die absurden Versuche Sebastians, Unsterblichkeit zu gewinnen, prägen den Film auf eine Weise, dass alle, die mit dieser Art des Humors nichts anfangen können, sich womöglich sogar angewidert abwenden werden. Dabei ist durch die vielleicht etwas zu übertriebene Naivität des Jungen sichergestellt, dass das Geschehen nicht die Grenze zur Geschmacklosigkeit überschreitet.

Trotz aller Gags wird auch immer noch eine durchaus stimmige, anrührende Geschichte erzählt - man muss sich nur klar machen, dass sie eher aus dem Blickwinkel eines Kindes erzählt wird, so dass die bizarren, surrealen Elemente durchaus sinnvoll sind. Der Humor beschränkt sich ja auch nicht auf explodierende Kaninchen oder eine im Sterben liegende Großmutter, die bei der (natürlich von Basti verschuldeten) halsbrecherischen Talfahrt des Pflegebetts Visionen ihrer Jugend hat. Nein, auch die Dialoge sind einfach köstlich; sie wären übrigens nur halb so witzig, hätte man sie ins Hochdeutsche "übersetzt". Eigentlich hätte der Film dann wahrscheinlich gar nicht funktioniert. Alle Schauspieler machen ihre Sache bestens, auch das ist ein Garant dafür, dass man den Film immer noch ernst nehmen kann. Das Highlight ist natürlich Markus Krojer als Sebastian. Kaum zu glauben, dass er es tatsächlich allein schafft, den Film zu "tragen", wie man so sagt. Für meinen Geschmack ist die eigenwillige, aber charmante Mixtur aus urbayerischem Dorfleben, Familienproblematik, schwarzem Humor und Phantastik genau richtig. Ich finde den Film einfach köstlich.

Die DVD:

Das Bonusmaterial beläuft sich insgesamt auf ca. 80 Minuten und besteht hauptsächlich aus Interviews des Produktionsstabs und der Schauspieler. Hinzu kommen Filmausschnitte und leider eher wenige (unkommentierte) Blicke hinter die Kulissen, sowie einige nicht verwendete Szenen und kurze Erläuterungen zur digitalen Bildbearbeitung. Insgesamt erfährt man eigentlich mehr über den Regisseur und dessen Arbeitsweise als über den Film...

J. Kreis, 29.12.2008


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