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Wanted Wanted (USA, 2009)

BluRay, Universal
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 110 Minuten

Extras
Alternative Eröffnungsszene, Erweiterte Szene, Featurettes ("Besetzung und Rollen", "Stunts im Zug", "Special Effects: Die Kunst des Unmöglichen", "Innovative Visuelle Effekte: Von der Idee zur Ausführung", "Die Entstehung von Wanted: Der grafische Roman wird zum Leben erweckt", "Aus der Sicht des visionären Regisseurs Timur Bekmambetov"), Wanted-Comicfilme, Making of "Wanted The Game", Bild-im-Bild-Features, BD-Live-Features

Regie:
Timur Bekmambetov

Hauptdarsteller:
James McAvoy (Wesley Allan Gibson)
Morgan Freeman (Sloan)
Angelina Jolie (Fox)
Thomas Kretschmann (Cross)
Terence Stamp (Pekwarsky)




Inhalt:

Wesley Gibson ist ein Versager, der sein Leben nur unter dem Einfluss von Beruhigungsmitteln erträgt. Als Verwaltungssachbearbeiter kommt er beruflich auf keinen grünen Zweig und wird täglich von seiner zickigen Chefin terrorisiert. Er ist ständig pleite und auch mit der Freundin läuft's nicht, sie treibt es stattdessen mit seinem bestem Freund. Eines Tages wird Gibson im Supermarkt von einer Frau angesprochen, die behauptet, seinen Vater gekannt zu haben. Damit weckt sie seine Neugier, denn er kennt seinen Vater nicht; der Mann hat Gibsons Mutter kurz nach der Geburt verlassen. Die schöne Unbekannte (ihr Name ist Fox, wie Gibson später erfährt) behauptet, sein Vater sei einer der besten Killer der Welt gewesen, und der Mann, der ihn getötet habe, sei jetzt hinter Gibson her. Tatsächlich werden die beiden prompt von jemandem beschossen und es kommt zu einer Verfolgungsjagd, bei der sowohl Fox als auch ihr Verfolger unglaubliche Fahr- und Schießkünste unter Beweis stellen. Fox bringt Gibson im Hauptquartier der so genannten "Bruderschaft" in Sicherheit. Von deren Oberhaupt Sloan erfährt Gibson, dass diese Organisation seit 1000 Jahren existiert und ausschließlich Menschen tötet, die durch einen versteckten Code vom "Webstuhl des Schicksals" bekanntgegeben werden. Die Killer sind davon überzeugt, vom Schicksal dazu ausersehen zu sein, durch die Elimierung ihrer Zielpersonen weit schlimmeres Übel zu verhindern, obwohl sie nichts über ihre Opfer wissen. Gibsons Vater hat zur Bruderschaft gehört und wurde von Cross ermordet, einem Verräter, der sich von der Bruderschaft losgesagt hat und jetzt einen Feldzug gegen sie führt. Wie sein Vater ist Gibson in der Lage, seinen Metabolismus so zu beschleunigen, dass er übermenschliche Kräfte entwickelt. Sloan bietet ihm an, diese schlummernde Fähigkeit zu erwecken und Gibson die Gelegenheit zu geben, den Tod seines Vaters zu rächen. Dessen beträchtliches Vermögen wird ihm zur Verfügung gestellt.

Gibson lässt sein altes Leben hinter sich und durchläuft eine unmenschlich harte Ausbildung, in der er lernt, Schmerzen zu ignorieren, seine besonderen Fähigkeiten einzusetzen, jede erdenkliche Waffe zu nutzen und sein Ziel niemals zu verfehlen. Seine Lehrmeisterin ist Fox, die an die Rechtmäßigkeit ihrer Taten glaubt, seit sie erfahren hat, dass der Name des Mannes, der ihren Vater vor ihren Augen brutal ermordet hatte, vom Webstuhl des Schicksals ausgegeben worden war - das auf ihn angesetzte Mitglied der Bruderschaft hatte es aber nicht über sich gebracht, ihn zu töten. Nachdem Gibson zum vollwertigen Mitglied der Bruderschaft geworden ist, muss er zunächst einige "Routinemissionen" erfüllen. Bei einer scheinbar zufälligen Begegnung mit Cross wird Gibson angeschossen. Cross hat erstmals ein Projektil verwendet, das sich zurückverfolgen lässt. Sloan erteilt Gibson nun den Auftrag, Cross zu töten. Fox folgt ihm, denn auch Gibsons Name wurde vom Webstuhl ausgegeben. Die Spur des Projektils führt zu Pekwarsky, einem Waffenschmied, den Gibson zwingt, ein Treffen mit Cross zu arrangieren. In einem Zug, der im Verlauf der Ereignisse in einen Abgrund stürzt, kommt es zum Kampf. Als Gibson abzustürzen droht, rettet Cross ihm das Leben. Gibson erschießt ihn dennoch. Bevor er stirbt, behauptet Cross, er sei Gibsons Vater. Fox bestätigt das - tatsächlich wurde Gibson nur rekrutiert, weil er der einzige Mensch ist, den Cross niemals getötet hätte. Fox will Gibson nun erschießen, doch der springt in den Abgrund und versinkt im Wasser.

Pekwarsky rettet Gibson und bringt ihn in Sicherheit. Es stellt sich heraus, dass Cross seinen Sohn immer beobachtet und insgeheim beschützt hat. Er hatte herausgefunden, dass Sloans Name schon vor vielen Jahren vom Webstuhl ausgegeben worden ist. Seitdem hat Sloan alle Zielpersonen der Bruderschaft nach eigenem Gutdünken ausgewählt. Cross hatte versucht, Sloan aufzuhalten und die Bruderschaft daran zu hindern, seinen Sohn in die Fänge zu bekommen. Gibson tritt in die Fußstapfen seines Vaters, obwohl dieser sich ein Leben ohne Gewalt für seinen Sohn gewünscht hatte. Indem er unzählige in lebende Bomben verwandelte Ratten ins Hauptquartier der Bruderschaft schleust, sorgt Gibson für genügend Ablenkung und wirft sich dann selbst in den Kampf. Dabei wird der Webstuhl vernichtet. Gibson wird zwar umzingelt, kann aber die Wahrheit enthüllen. Sloan streitet seine Behauptungen nicht ab, sondern eröffnet Fox und den anderen Meister-Killern, dass auch ihre Namen längst vom Webstuhl ausgegeben worden sind. Er behauptet, er habe ihr Leben gerettet und könne die Bruderschaft zu ungeahnten Höhen führen. Er stellt die Killer vor die Entscheidung, sich dem Schicksal zu beugen und Selbstmord zu begehen, oder aber Gibson zu erschießen. Als Fox begreift, dass die höhere Bestimmung, der sie zu folgen glaubte, eine Lüge ist, tötet sie die anderen Killer und sich selbst. Sloan verschwindet spurlos.

Einige Zeit später spürt Sloan Gibson auf, der zu seinem alten Bürojob zurückgekehrt zu sein scheint. Er fällt jedoch auf einen Lockvogel herein, geht Gibson in die Falle und wird von ihm erschossen.

Der Film:

Meine Güte, was war das denn? Verfolgungsjagden, die allen Naturgesetzen spotten? Um die Kurve fliegende Pistolenkugeln? Ein Webstuhl, der in einem merkwürdigen Code mit den Menschen kommuniziert und Namen von Personen ausgibt, die in der Zukunft schreckliche Taten begehen werden? Übermenschlich starke Killer, die diese Tötungsaufträge mit teilweise recht bizarren Waffen vollstrecken und sich, wenn sie verwundet werden, innerhalb von Stunden mittels eines Bades in flüssigem Wachs (oder so) heilen lassen? Nun, wer Timur Bekmambetovs frühere Filme Wächter der Nacht und Wächter des Tages kennt, der wird ungefähr wissen, was ihn bei "Wanted" erwartet. Während man die gnadenlos übertriebenen Action-Szenen in den "Wächter"-Filmen akzeptieren konnte, weil die "Anderen" nun einmal keine Menschen sind, sondern Wesen mit magischen Fähigkeiten, fällt die Erklärung in "Wanted" wenig glaubwürdig aus: Angeblich können die Killer willentlich so viel Adrenalin ausschütten, dass sich der Zeitablauf ihrer Umgebung für sie quasi verlangsamt. Allerdings müssten sie schon telekinetische Fähigkeiten besitzen, um z.B. das Kunststück mit den herumkurvenden Kugeln fertigzubringen und auch der Sprung von einem Hochhaus zum anderen quer über eine Straßenschlucht lässt sich mit höherer Adrenalinausschüttung kaum erklären... Somit artet das Ganze in reine Effekthascherei aus, und natürlich verzichtet der Regisseur auch nicht auf optische Spielereien wie Zeitraffer oder extreme Zeitlupe.

Das sieht zwar alles irgendwie ganz nett aus, aber auf die Dauer wird's fast langweilig, denn die Story kann nicht so recht überzeugen. Die zugrunde liegende Idee ist ja eigentlich nicht schlecht: Die sprichwörtlichen Schicksalsfäden werden von einem Webstuhl verknüpft und zeigen an, welcher Mensch irgendwann böse Taten begehen wird. Der Code wird vom Oberhaupt der Bruderschaft interpretiert und an die Killer weitergegeben. Diese töten die Zielperson, bevor sie sich überhaupt schuldig gemacht hat. Dieses Konzept erinnert an die Polizeieinheit "Precrime" aus Minority Report. Allerdings sind die Killer keine Polizisten, sondern schlicht und ergreifend Mörder. Sie hinterfragen das Ganze nicht und machen sich gar nicht erst die Mühe, irgend etwas über ihre Opfer herauszufinden. Man könnte auch versuchen, diese Menschen zu ändern, so dass sie sich bessern oder so - stattdessen werden sie einfach ausgeknipst. Gibson nimmt das alles kritiklos hin und findet es einfach nur toll, so einer coolen Organisation anzugehören. Erst als er sein erstes Opfer erlegen soll, kommen ihm leise Zweifel. Hallo? Welche Aufgabe sollten Killer wohl haben? Das hätte er sich früher überlegen können. Durch die von Fox erzählte Geschichte lässt er sich aber schnell vollends überzeugen. Da bleibt einem das Lachen schonmal im Halse stecken. Zum Glück wird dieser ins Unerträgliche gesteigerten, menschenverachtenden Selbstjustiz dadurch die Spitze genommen, dass das System eben doch nicht funktioniert, sondern von seinen Nutzern pervertiert wird.

Natürlich macht der Film auf einer ziemlich primitiven Ebene doch zumindest zeitweise Spaß. Man sollte das eigene Hirn vielleicht zu Beginn des Films mit Hilfe einiger Biere ein wenig dimmen, dann kann man die temporeiche Action durchaus genießen. Es fällt auf, dass die Gewalt zwar viel zu sehr ästhetisiert, aber nicht unbedingt verharmlost wird. Man sieht schon sehr deutlich, was Schuss- und Stichwaffen anrichten können. Dennoch dürfte die Art der Gewaltdarstellung bei unseren Sittenwächtern einiges Stirnrunzeln verursacht haben, schließlich wird brutalste Gewalt durchweg positiv bewertet - die 18er-Altersfreigabe geht jedenfalls völlig in Ordnung. Gemein: Dutzende von niedlichen Ratten explodieren. Aber das sind natürlich keine echten Tiere. Was man leider überdeutlich sieht, denn nicht alle CGI-Effekte sind gelungen. Die Schauspieler machen ihre Sache ordentlich, viel Zeit zur Entfaltung ihrer Fähigkeiten bleibt ihnen bei der stakkatoartigen Action aber nicht. James McAvoy stellt Wesleys Wandlung vom Büro-Nerd zum Superkiller glaubwürdig dar. Obwohl der Schauspieler nicht dem üblichen Heldenklischee entspricht, macht er auch in Actionszenen eine gute Figur. Leider hat Thomas Kretschmann nicht genug gute Szenen, seiner Rolle hätte etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden können. In seinen seltenen Auftritten stiehlt er allen anderen die Show.

Vielleicht hätte ich den Film akzeptabler gefunden, wenn sich die Geschehnisse am Ende als Allmachtsphantasien eines gefrusteten Büroangestellten herausgestellt hätten. Humor fehlt zwar nicht, aber etwas mehr Selbstironie hätte dem Film gutgetan. Immerhin lohnt sich der Film wegen einer bestimmten Szene doch: Wenn Gibson seiner Schreckschrauben-Chefin die Meinung sagt, möchte man ihm gern applaudieren...

Die BluRay-Disc:

Nachdem ich mir jetzt doch schon ein halbes Dutzend BluRays reingezogen habe, kristallisiert sich heraus, dass ich bestimmte Features - genau wie bei den Games - nicht bewerte, weil ich sie nicht nutze. Das sind einmal die BD-Live-Features, die ich mangels Internetverbindung nicht nutzen kann, außerdem sind das die Bild-im-Bild-Features, die ich mangels Interesse nicht nutzen will. Ich will entweder den Film sehen oder das Bonusmaterial, nicht beides zusammen. So bleibt es auch hier bei der Erwähnung, dass diese BluRay beides enthält. Über eine jederzeit einblendbare Kontroll-Leiste kann man z.B. animierte Sequenzen des zugrunde liegenden Comics, Hinter-den-Szenen-Material und ähnliches parallel zum Film aktivieren.

Die sechs Featurettes sind zwischen ca. 2 und ca. 20 Minuten lang (Laufzeit insgesamt: ca. eine Stunde) und liegen komplett in HD-Qualität vor. Sie ermöglichen ganz gute Einblicke in den Produktionsprozess, obwohl sie - passend zum Film - teilweise ziemlich hektische Schnittfolgen haben. Es wird auch auf die Unterschiede zum Comic eingegangen, dabei kommt auch der Autor dieser Graphic Novel zu Wort. Über einen weiteren Menüpunkt kann man sich die animierten und vertonten Comicsequenzen, die zu den Bild-im-Bild-Features gehören, auch gesondert anschauen. Das finde ich sehr lobenswert, zumal diese Sequenzen wirklich sehenswert sind. Ich kenne die Graphic Novel nicht, aber anhand der insgesamt ca. 14 Minuten langen Ausschnitte kann man erkennen, dass der Film im Vergleich zur Graphic Novel noch relativ zahm ist. Im Comic wird anscheinend von Anfang an kein Zweifel daran gelassen, dass die Killer-Bruderschaft eigentlich böse ist; z.B. erschießt Fox bei der ersten Begegnung mit Wesley im Supermarkt einfach ein paar unschuldige Menschen, weil sie meint, er fühle sich nur in der Gesellschaft dieser Leute stark genug, um sich ihr zu widersetzen. Umso unschöner kommt es einem dann vor, wenn Wesley sich für die Bruderschaft zu begeistern beginnt, weil die Mitgliedschaft in dieser Organisation es ihm erlaubt, alles zu tun, was er möchte. So erschießt er den Typen, mit dem seine Freundin ihn betrogen hat. Soviel zum Thema "wir töten nur Ziele, die uns vom Webstuhl des Schicksals benannt werden"!

Neben einer verlängerten Szene (Wesleys Schießtraining mit echten Leichen) ist auf der BluRay auch eine alternative Eröffnungsszene zu finden. Sie ist ca. 3 Minuten lang und zeigt eine Episode aus der Vergangenheit der Bruderschaft. Die Szene spielt irgendwann im Mittelalter und zeigt einen Assassinen, der den Auftrag erhält, den König zu ermorden. Er fragt sich zunächst, warum er das tun sollte (der König ist offensichtlich ein allseits beliebter Monarch und erfolgreicher Feldherr), doch dann sieht er, dass der Mann von der Pest befallen ist. Er tötet ihn mit der Armbrust (der Bolzen fliegt um eine unschuldige Zuschauerin bei einer Parade herum) und verhindert so den Tod von Tausenden. Die Szene ist gut gemacht und aufwändig produziert (Kostüme, mittelalterliche Stadt usw.), dem Film hätte sie aber eher geschadet. Es ist besser, wenn man erst im Verlauf des Film erfährt, was es mit der Bruderschaft eigentlich auf sich hat.

Eine Werbe-Featurette für das Wanted-Computerspiel rundet das Bonusmaterial ab. Gegen Werbung dieser Art habe ich nichts einzuwenden, denn man bekommt viele Spielszenen zu sehen - und da konnte ich schon gut erkennen, dass dieses Spiel nichts für mich ist...

J. Kreis, 02.12.2009


Gastkommentare


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Gastkommentar von kidgforce (07.12.2009):

Hm, ein Film, den ich im Kino ziemlich gut fand, obwohl ich von jemandem reingeschleppt wurde, der Action-Filme im Prinzip gut findet. Sind auch exzellent overdone, die Effects.
Und ein Film, der einem doch mehr zu denken gibt... Denn:

Das Systm des Webstuhls wurde, wie du schreibst, "pervertiert", das heißt aber auch, dass es vorher funktioniert haben muss, was auch die mir unbekannte Szene mit dem mittelalterlichen König beweist.

Das ist eigentlich brilliante... hmm, Science Fiction? (Immerhin ist es eine Maschine, die entscheidet, nicht magische Kräfte:-) Ein früher Computer?)

Die Konsequenzen des "Was wäre wenn" werden dann vor allem in der Endphase durchgespielt: Was, wenn jemand an der Spitze die Botschaften des Webstuhls für eigene Interessen missbraucht?
Dafür gibt es dann unsere Heldenstory von dem Loser, der zum Superkämpfer wird und das stoppt. Für die Actionfans.

Aber: das Ding funktioniert im Prinzip und funktionierte über Jahrtausende. Was jetzt, wenn der Killerorden ausgelöscht ist und all die schlimmen Dinge, die er früher verhindert hat, jetzt einfach passieren???

Das gibt eine Katastrophe.
Oder es erklärt, warum wir schon jetzt hier in der Gegenwart in so chaotischen Zeiten leben.

Trotz einer Oberfläche aus Auto-, Schießerei- und Fight-Stunts ein irgendwie genialer Film.



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