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Wall-E Wall E - Der Letzte räumt die Erde auf - Special Edition (USA, 2008)
- Wall E -

DVD - Regionalcode 2, Disney DVD
FSK: Keine Altersbeschränkung
Laufzeit: ca. 95 Minuten

Extras
Audiokommentar von Andrew Stanton, Kurzfilme "Presto" und "Burn-E", Featurette "Sounddesign im Animationsfilm: Welten aus Tönen erschaffen", Zusätzliche Szenen, "Hinter den Kulissen" (6 Featurettes), "WALL-E's Schätze & Schmuckstücke", Buy-n-Large-Kurzfilme, "Viele Bots-Abenteuerbuch", Bot-Dateien, "Die Pixar-Story" von Leslie Iwerks

Regie:
Andrew Stanton




Inhalt:

In ihrem ungehemmten Konsumwahn verschmutzen die Menschen die gesamte Erde derart, dass sie zu Beginn des 22. Jahrhunderts evakuiert werden muss. Zu diesem Zeitpunkt wird die Welt vom Mega-Konzern "Buy-n-Large" (BnL) regiert, der praktisch alles herstellt, was es zu kaufen gibt. BnL verfrachtet die gesamte Menschheit in gewaltige Raumschiffe, die fünf Jahre lang im All bleiben sollen, während unzählige kleine Roboter vom Typ WALL-E (Waste Allocation Load Lifter-Earth Class) die Erde aufräumen. Da es sich um vollautomatische Luxusliner handelt, in denen die Menschen nur ihren Vergnügungen nachgehen und ansonsten keinen Finger rühren müssen, läuft der Exodus problemlos. So ist die Erde bald menschenleer. Der Plan schlägt jedoch fehl: Im Jahre 2110 wird die Erde endgültig für unbewohnbar erklärt. Die Autopiloten der Schiffe erhalten den Befehl, für immer im Weltraum zu bleiben. Die Menschen an Bord werden rundum von Robotern betreut, bewegen sich praktisch nicht mehr, nehmen nur noch flüssige Nahrung zu sich und vergessen ihre Vergangenheit im Verlauf der Jahrhunderte unter der medialen Dauerberieselung fast völlig. Die AXIOM ist das Flaggschiff dieser Raumschiffsflotte. Die Roboter der AXIOM entsenden immer wieder Forschungsdrohnen zur Erde, doch nie werden Anzeichen dafür gefunden, dass auf dem Planeten wieder Leben möglich wäre.

Ungefähr 700 Jahre später gibt es auf der öden, von Ruinenstädten und Schutt bedeckten Erde nur noch einen einzigen WALL-E-Roboter, der tagein tagaus unverdrossen seiner Tätigkeit nachgeht, Müll zu kleinen Würfeln presst und diese sorgfältig zu riesigen Gebilden auftürmt, während er einzelne Dinge aussortiert, die er für nützlich hält. Diese sammelt er in seiner Unterkunft, einem wracken Transportfahrzeug. Ersatzteile für sich selbst entnimmt er seinen auf der Strecke gebliebenen "Artgenossen". Sein einziger Gefährte ist eine unverwüstliche Küchenschabe. Im Verlauf der Zeit hat WALL-E ein eigenes Bewusstsein entwickelt und, inspiriert vom Film "Hello, Dolly", auch Emotionen. Eines Tages, kurz nachdem WALL-E eine winzige Pflanze gefunden und in einem alten Schuh eingetopft hat, landet wieder ein Beiboot der AXIOM auf der Erde. Es setzt den Roboter EVE (Extraterrestrial Vegetation Evaluator) ab, bevor es wieder startet. EVE beginnt mit der Suche nach Leben, findet aber nur WALL-E, der sich auf den ersten Blick in "sie" verliebt. EVE interessiert sich jedoch zunächst nur für ihre Aufgabe. WALL-E zeigt ihr verschiedene Stücke aus seiner Sammlung, darunter auch die Pflanze. Dadurch wird EVE in einen inaktiven Modus versetzt, ein Funksignal wird ausgesandt. Einige Zeit später erscheint das Beiboot wieder und holt EVE ab; WALL-E hängt sich an die Außenhülle des Schiffes. So erreichen die beiden die AXIOM.

Die Pflanze muss nun in den Holodetektor der AXIOM gebracht werden. Sobald dieser sie als lebensfähig erkennt, wird das Schiff vollautomatisch zur Erde zurückkehren, damit diese neu besiedelt werden kann. Doch die Pflanze ist verschwunden. Es stellt sich heraus, dass der Autopilot dafür verantwortlich ist; er folgt seiner alten Programmierung und will die Rückkehr zur Erde verhindern. WALL-E und EVE retten die Pflanze davor, mit einer Rettungskapsel ins All geschossen und vernichtet zu werden, wobei sie zwar selbst in Gefahr geraten, sich aber auch näher kommen. Bei ihrem ersten "Kuss" funkt es buchstäblich zwischen ihnen. Sie befreien einige defekte und "verrückt" gewordene Roboter, so dass ein Chaos ausbricht, in dem sie sich dem Holoprojektor nähern können. Nur mit der Hilfe des kleinen Putzroboters M-O und des menschlichen Captains kommen sie schließlich ans Ziel. Der Captain hat erkannt, dass nur die Menschen die Erde wieder bewohnbar machen können. Er trickst den Autopiloten aus und deaktiviert ihn. Die AXIOM geht auf Überlichtgeschwindigkeit und landet alsbald auf der Erde, wo die an Niedrigschwerkraft gewöhnten Menschen ihre ersten zaghaften Schritte machen und das Schiff verlassen. Nach all den überstandenen Gefahren ist WALL-E praktisch nur noch Schrott. EVE flickt ihn aus zahlreichen Ersatzteilen wieder zusammen, doch danach ist er nicht mehr er selbst, sondern nur noch ein stupider Roboter. EVE gibt ihm einen "Kuss" in Form eines Funkens, und dadurch wird WALL-Es Persönlichkeit wieder zum Leben erweckt.

Nun können die Menschen mit Hilfe der Roboter darangehen, auf der Erde einen Neuanfang zu wagen.

Der Film:

Ein CGI-Animationsfilm mit vermenschlichten Robotern? Maschinen, die kichern oder von romantischen Gefühlen überwältigt seufzen? Automaten, die sich lieben und Händchen halten? Früher hätte ich das einfach nur grauenhaft gefunden. Heute sehe ich das nicht mehr so eng, vor allem dann nicht, wenn es sich um solch uneingeschränkt liebenswerte Kerlchen wie WALL-E oder seine süße Freundin EVE handelt, und wenn sie die Hauptdarsteller eines der besten SF-Filme der letzten Jahre sind. Der Film "funktioniert" auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Er ist sowohl buntes Kinovergnügen für die ganze Familie als auch romantische Liebesgeschichte, Parodie anderer SF-Filme und bissige Gesellschaftskritik. Natürlich kann man sich einfach von den abenteuerlichen Erlebnissen des sympathischen kleinen WALL-E verzaubern lassen und mitfiebern, wenn er und EVE in größte Gefahr geraten. Man kann genau wie WALL-E während der Reise zur AXIOM staunend die Wunder des Alls betrachten oder mit ihm leiden, wenn er es wieder mal nicht schafft, mit seiner Angebeteten Händchen zu halten. SF-Fans werden sich über unzählige Anspielungen auf und Zitate aus anderen SF-Filmen freuen: Der Autopilot der AXIOM gleicht nicht von ungefähr dem Compter HAL aus 2001, WALL-Es Kopf ist praktisch identisch mit dem des Roboters aus "Nummer 5 lebt" (der ja auch Gefühle entwickelt), die AXIOM ist sowas wie das Kreuzfahrtschiff Fhloston Paradise aus Das 5. Element und die Szenen auf der Erde, die übrigens fast ganz ohne Dialog auskommen, erinnern teilweise an I am Legend.

Bei alldem übersieht man leicht, dass hier ein ziemlich böses, düsteres Szenario entworfen wird: Die Menschheit beutet die Erde restlos aus und müllt sie derart zu, dass sie unbewohnbar wird. Nur Insekten können hier überleben. Die von WALL-E und seinen Kameraden aufgeschichteten Mülltürme sind höher als die höchsten Wolkenkratzer. Und auf dem Mond verkündet eine Holo-Werbetafel, dass auch hier bald ein schönes neues Buy-n-Large-Outlet-Center eröffnet werden soll. Auf der AXIOM dösen die zu unbeholfenen, aufgedunsenen Babys degenerierten, gleichgeschalteten Menschen vor sich hin, unterhalten sich via Holo-Internet mit ihren Freunden über Nichtigkeiten (und zwar sprechen sie selbst dann nur zum Bildschirm, wenn ihr Gesprächspartner im Schwebesessel direkt neben ihnen sitzt), nehmen von ihrer Umwelt so gut wie nichts wahr und können gerade noch so eben die stark vereinfachten, bonbonbunten Piktogramme verstehen, die überall zum Einsatz kommen - ohne zu begreifen, was wirklich dahintersteckt. Sie spielen nicht einmal mehr, sondern überlassen es den Robotern, den für sie entworfenen Freizeitbeschäftigungen nachzugehen. Wie man ein gedrucktes Buch benutzt, muss dem staunenden Captain erst vom Bordcomputer vorgeführt werden. Wer sich schonmal über die Entmündigung der PC-Benutzer durch simplifizierende grafische Oberflächen aufgeregt hat, wird solche Szenen ganz besonders zu schätzen wissen... Allerdings wird der Gesellschaftskritik dadurch ein wenig die Spitze genommen, dass die Menschen im Grunde gutherzig sind, sehr schnell aus ihrer Lethargie aufwachen und sich praktisch übergangslos bessern.

Die Geschichte des schmutzigen Underdogs, der sich in eine unerreichbare, makellose Schönheit verliebt, wurde schon in unzähligen Filmen erzählt; WALL-E und EVE fügen dieser uralten Story aber doch noch ihre ganz eigenen Aspekte hinzu. Kann eine Schaltplatine Gefühle erzeugen? Wie küsst man sich, wenn man weder Lippen noch überhaupt irgend etwas hat, das als Gesicht gelten könnte? Es ist kaum zu glauben, wie sehr einem so ein zerschrammter Blechkaten wie WALL-E, der seine Gefühle nur durch die Stellung seiner Augen, die Körperhaltung oder elektronische Geräusche ausdrücken kann und noch nicht mal real, sondern nur in Form von Pixeln existiert, ans Herz wachsen kannn... Hier haben die Magier von Pixar sich erneut selbst übertroffen, ohne in Effekthascherei abzugleiten. Wieder einmal zeigt sich, dass man unbelebte Objekte mit CGI besonders gut gestalten kann. Das gilt vor allem für WALL-E mit seinen wunderbar durchdachten mechanischen Bestandteilen, aber auch für solche wie die Roboter der AXIOM mit ihrem schicken, glatten, weißen iPod-Design, das Innere der AXIOM und die verwüstete Planetenoberfläche. Detailgrad und Realismus lassen zunächst mal absolut nichts mehr zu wünschen übrig - das kann man inzwischen nur noch als "atemberaubend" bezeichnen. Dummerweise entsteht genau dadurch auch wieder ein Problem, denn die Menschen in der AXIOM sind im Gegensatz zu diesem realistischen Look geradezu cartoon-artige Figuren, die alles andere als "echt" wirken. Das passt irgendwie nicht ganz zusammen.

Egal: "Wall-E" ist ein bis in den Abspann hinein wundervoller, spannender und phantastisch anzuschauender Film mit einem unverwechselbaren "Helden", den man einfach lieben muss. Den Abspann sollte man sich natürlich schon wegen der Musik von Peter Gabriel nicht entgehen lassen, vor allem aber wird das weitere Schicksal der Erdbevölkerung in Bildern gezeigt, die den aufeinander folgenden Epochen entsprechen: Von Höhlenmalereien über Hieroglyphen usw. bis hin zu frühen Computergrafiken. Übrigens: Mein heimlicher Held ist ja der kleine Putzroboter M-O. Die Szene, in der er es nach einer gewaltigen Willensanstrengung schafft, die Linien zu verlassen, die seinesgleichen die Bewegungsrichtung vorschreiben, und der danach ganz verblüfft darüber ist, dass sich keine Katastrophe ereignet, ist ein typisches Beispiel für den Hintersinn dieses genialen Films.

Die DVD:

Äh - Moment mal - habe ich da irrtümlich die BluRay-Version gekauft? Mal schnell nachgucken... nein, es ist tatsächlich "nur" die DVD. Warum ich mich so wundere? Na, die Bildqualität ist so klasse, dass man meinen könnte, einen Film in HD-Auflösung zu sehen. Die beiden Silberlinge der Special Edition stecken in einem ungewöhnlich gestalteten Pappschuber. Man kann an jeder Seite eine Art Umschlag herausziehen, den man dann aufklappt und in dem die Discs stecken. So ergibt sich viel Platz für zahlreiche Infos und Szenenfotos. Leider neigt die Pappe auch zur Knickbildung, außerdem muss man aufpassen, dass die Discs nicht aus den Laschen herausfallen.

Das Bonusmaterial lässt keine Wünsche offen. Abgesehen von einem Audiokommentar des Regisseurs (habe ich mir noch nicht zu Gemüte geführt) gehört zu den Extras auf Disc 1 zunächst mal der ca. 5 Minuten lange CGI-Animationsfilm "Presto", der auch im Kino als Vorfilm gezeigt worden ist. In diesem köstlichen kleinen Meisterwerk bekommt ein Bühnenzauberer es mit dem Kaninchen Alec zu tun, das sich beharrlich weigert, sich aus dem Zylinder hervorzaubern zu lassen, solange es keine Möhre zur Belohnung bekommt. Noch schöner, weil im direkten Bezug zum Hauptfilm stehend, ist "Burn-E", ein zweiter CGI-Film mit einer Laufzeit von knapp 7 Minuten. Hier sehen wir den etwas anders als sonst verlaufenden Arbeitstag des kleinen Montageroboters, den WALL-E und EVE unabsichtlich aussperren, als sie in die AXIOM zurückkehren. Hinzu kommt die 18 Minuten lange Featurette "Sounddesign", in der gezeigt wird, wie die unzähligen, teils völlig neuen Geräusche für den Film erschaffen worden sind. Es werden auch Beispiele für das Sounddesign alter Disney-Filme gezeigt. Es ist interessant zu sehen, wie damals gearbeitet wurde und wo "Tonmeister" Ben Burtt sich das "Rohmaterial" für den futuristischen Sound des Films hergeholt hat. Beide Discs enthalten nicht verwendete Szenen mit optionaler Einführung durch den Regisseur. Es handelt sich um Abwandlungen bekannter Szenen, teilweise sind sie nicht richtig fertig gestellt, zwei sind auch nicht mehr als animierte Storyboards.

Disc 2 ist ein wahres Füllhorn weiterer Extras. Hinter dem Menüpunkt "Hinter den Kulissen" verbergen sich sechs Featurettes mit einer Gesamt-Laufzeit von ca. 50 Minuten. Es wird insbesondere auf den Soundtrack sowie auf die Bemühungen eingegangen, dem Film durch Tiefen-Unschärfe und andere "Fehler" einen realistischen Look zu verleihen, außerdem erfährt man, dass die Story ursprünglich ganz anders hätte verlaufen sollen. So hätte die AXIOM gar keine menschlichen Passagiere gehabt, stattdessen wären es glibberige Aliens gewesen! Am Beispiel einer einzigen kurzen Szene wird gezeigt, wie viele Personen am Produktionsprozess beteiligt waren: Jeder erklärt, was er im Einzelnen dazu beigetragen hat, und wenn es nur die Texturen irgendwelcher Gegenstände waren, die auf dem Boden liegen. Auch wird deutlich gemacht, welcher Aufwand betrieben wurde, um die beiden Hauptfiguren unverwechselbar und glaubwürdig zu machen. Lustig: Bei WALL-Es Raupenketten hat ein Rollstuhl Pate gestanden, den der Benutzer mit genau solchen Dingern ausgestattet hat! Die "Buy-n-Large"-Kurzfilme sind "Werbefilme" für diese Mega-Firma, bei denen in reißerischem, enthusiastischem Tonfall Dinge wie die Geschichte des Konzerns, die "Operation Aufräumen", die Annehmlichkeiten auf der AXIOM usw. präsentiert werden. Davon sind im Hauptfilm immer nur ganz kurze Ausschnitte zu sehen. "WALL-E's Schätze & Schmuckstücke" (ca. 5 Minuten) ist eine Zusammenstellung kurzer Szenen, in denen WALL-E mit diversen Objekten spielt und diese natürlich zweckentfremdet. Kleiner Wermutstropfen: Auf dem Schuber wird ein weiteres Extra mit dem Titel "Vorschau: WALL-E's Tour durchs Universum" erwähnt. Das ist aber auf keiner Disc zu finden.

Den größten Batzen erwähne ich zuletzt, um ihn hervorzuheben, denn bei "Die Pixar-Story" handelt es sich um einen klasse gemachten und mit ca. 85 Minuten Laufzeit sogar abendfüllenden Dokumentarfilm über den Werdegang der Pixar-Studios. Dieser äußerst interessante Film ist gleichzeitig ein fast schon nostalgisch verklärter Rückblick auf die Anfangszeit der CGI-Tricktechnik. So werden zahlreiche Beispiele aus alten Filmen gezeigt, in denen diese Technik erstmals zum Einsatz gekommen ist. Ich wusste gar nicht, dass eine computeranimierte Hand in "Futureworld" als erste CGI-Szene im Film gilt. Der Werdegang von Pixar wird von Beginn an erzählt: John Lasseters Studienzeit in den Siebzigerjahren, seine Arbeit bei Disney und die Probleme, die die CGI-Pioniere mit Leuten hatten, die sich vor der neuen Technik fürchteten, dann die allmähliche Entstehung von Pixar während der Arbeit für Lucasfilm, der Einstieg von Steve Jobs, diverse Rückschläge - und dann der Durchbruch mit dem Film "Toy Story". Der Rest ist eine Geschichte praktisch ununterbrochener Erfolge.

J. Kreis, 20.08.2009


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