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Wächter des Tages Wächter des Tages - Director's Cut Edition (Russland, 2006)
- Dnevnoy Dozor -

DVD - Regionalcode 2, Fox Home Entertainment
FSK: 16
Laufzeit: ca. 140 Minuten

Extras
Making of ("Aus dem Zwielicht treten"), Russischer Trailer

Regie:
Timur Bekmambetov

Hauptdarsteller:
Konstantin Khabenskiy (Anton Gorodetsky)
Mariya Poroshina (Svetlana Nazarova)
Galina Tyunina (Olga)
Vladimir Menshov (Geser)
Viktor Verzhbitsky (Zavulon)
Dima Martynov (Yegor)
Zhanna Friske (Alisa Donnikowa)




Inhalt:

Zur Vorgeschichte siehe: Wächter der Nacht

Bei einem Routineeinsatz wird Anton mit seinem zu den Dunklen Anderen übergelaufenen Sohn Yegor konfrontiert, der ohne Lizenz wildert. Während der Verfolgung wechselt Svetlana, die als Praktikantin bei den Wächtern der Nacht arbeitet, mühelos in die zweite Ebene des Zwielichts über. Nun ist endgültig klar, dass auch sie bald zu einer Großen Anderen werden wird. Anton bleibt deshalb auf Distanz, obwohl er Svetlana, die sich in ihn verliebt hat, ebenfalls insgeheim liebt. Yegor entkommt zwar, verliert aber seine Mütze. Zavulon, der Yegor unter seine Fittiche genommen hat, schickt Galina Rogova zu Anton, um ihn zu bitten, das Beweisstück zu vernichten. Andernfalls würde Yegor angeklagt und womöglich getötet werden, ohne zu jenem Großen Anderen geworden zu sein (dies wird erst an seinem nächsten Geburtstag geschehen), den Yegor gern für einen neuen Krieg gegen die Wächter der Nacht einsetzen würde. Um seinen Sohn zu retten, den er eigentlich längst verloren hat, bricht Anton ins Büro der Nachtwache ein und vernichtet das Beweismaterial. Dabei findet er Hinweise auf die legendäre Kreide des Schicksals, ein magisches Artefakt, das einst von dem mongolischen Eroberer Tamerlan geraubt worden ist.

Zur gleichen Zeit verübt ein unbekannter Anderer Morde in Moskau, unter anderem an Galina Rogova. Alisa Donnikowa, ein Mitglied der Tagwache und Zavulons Geliebte, sammelt Indizien, die darauf hindeuten, dass Anton der Täter sein könnte. Um ihn zu schützen, versetzt Geser Antons Geist in Olgas Körper und umgekehrt. Als Frau getarnt versteckt Anton sich bei Svetlana, gesteht ihr jedoch bald die Wahrheit. Die beiden kommen sich näher und gehen gemeinsam essen, doch dabei läuft Anton in eine Falle Zavulons. Ein weiterer Mord wurde verübt und Anton wird am Tatort gesehen. Zavulon klagt Anton offiziell an, Anton flieht. Die Inquisition schaltet sich ein und verkündet, dass Anton bestraft werden wird, wenn keine Gegenbeweise erbracht werden können. Nachdem er seinen Körper zurückerhalten hat, sucht Anton den einstigen Berater Tamerlans auf, einen Anderen, der noch immer lebt. Von ihm erhält er die magische Kreide, die er benutzen will, um sein Schicksal zu verändern. Er will die fatale Entscheidung rückgängig machen, die letzten Endes dazu geführt hat, dass Yegor die Dunkle Seite für sich gewählt hat. Doch Yegor stiehlt die Kreide und bringt sie Zavulon, der sie bei Alisa in Verwahrung gibt, da er sie nicht selbst verwenden darf.

Zur Feier von Yegors Geburtstag und der Initiation zum Großen Anderen veranstaltet Zavulon eine große Feier im Hotel Kosmos. Anton dringt in das Hotel ein, wird aber von Zavulon gedemütigt und vergiftet. Zuvor jedoch entlarvt er den wahren Mörder: Es war ein Vampir, der Vater seines Freundes und Nachbarn Kostya, der sich durch die Morde Zavulons Gunst erkaufen wollte; dieser sollte Kostya wieder zu einem Menschen machen. Die Inquisitoren erscheinen und nehmen den Vampir mit, Anton wird für unschuldig erklärt. Voller Zorn stürzt Kostya sich auf Zavulon, wird aber von diesem getötet. Antons Freunde von der Nachtwache treffen ein und stürmen das Hotel. So kommt es zur Konfrontation zwischen Yegor und Svetlana, durch die der Waffenstillstand gebrochen wird. Ein neuer Krieg zwischen Licht und Dunkelheit bricht aus, bei dem Moskau völlig zerstört wird. Anton nimmt Alisa die Kreide des Schicksals ab. Sie hatte versucht, ihr Schicksal umzuschreiben, da sie sich in Kostya verliebt hatte. Da sie nicht die Schuld an seinem Tod trägt, hat sie aber keinen Erfolg - man kann nur sein eigenes Schicksal umschreiben. Dann droht Anton zwischen Yegor und Svetlana, die die Zerstörung überlebt haben, zerrissen zu werden. Da greift Geser ein und hält die Zeit an. Anton kann nun zu der Wohnung der Hexe zurückkehren, in der er einst zum Anderen geworden ist.

Mit der Schicksalskreide schreibt er nur ein einziges Wort an die Wand: "Nein". Damit ändert er sein eigenes Schicksal in der Vergangenheit: Er befindet sich nun wieder im Jahre 1992 und lehnt das Angebot der Hexe ab, die das ungeborene Kind seiner untreuen Frau (Yegor) töten wollte. So verändert er den gesamten Verlauf der Geschichte; alle Ereignisse ab diesem Moment werden ungeschehen gemacht. Doch ein Rest von Erinnerung bleibt offenbar erhalten, denn als Anton draußen zufällig Svetlana begegnet, erinnert er sich an sie und spricht sie an. Dies wird aufmerksam von Geser und Zavulon beobachtet, die sich genau an alles erinnern können.

Der Film:

Schon Wächter der Nacht ist keine wirklich werksgetreue Umsetzung des gleichnamigen Romans von Sergej Lukianenko. Er gibt die Handlung eines Teils dieses Buchs aber doch recht gut wieder, obwohl ein zentrales Handlungselement neu hinzugedichtet wurde: In den Romanen ist keine Rede davon, dass Yegor Antons Sohn ist. "Wächter des Tages" hat nun aber bis auf den Titel kaum noch etwas mit Lukianenkos Werk zu tun, und selbst den Titel verdient es eigentlich nicht, denn außer der Tatsache, dass Alisa sich verliebt, kommt praktisch nichts aus dem zweiten zweiten Roman in diesem Film vor. Fast das ganze Intrigenspiel Gesers und Zavulons (im Roman: Sebulon) fällt weg, die Handlung wird beinahe vollständig auf den Vater-Sohn-Konflikt reduziert und mündet in einem apokalyptischen Endkampf, der im Roman überhaupt nicht vorkommt und noch dazu mit Hilfe der Schicksalskreide "auf Null zurückgesetzt" wird, so dass alle Ereignisse beider Filme negiert werden. Dass die Intrigiererei komplett auf Gesers Mist gewachsen ist und völlig andere Ziele hatte, wird höchstens angedeutet: Geser hat das ganze Gezerre um die potentiellen Großen Anderen Yegor und Svetlana nur angezettelt, um seine ehemalige Geliebte Olga zu rehabilitieren. Der Subplot mit Kostja und seinem Vater ist ebenfalls eine Neuerfindung des Films; im Roman mordet ein "wilder" Anderer, aus dem am Ende ein Inquisitor wird.

Auch diesmal werden wieder alle Fehler gemacht, die schon den ersten Film für mich zu einem Flop gemacht haben. Dass die Geschichte nicht gut erzählt wird (obwohl wenigstens eine klarere Linie erkennbar ist als in Teil 1), wird noch durch den Umstand verschärft, dass man den ersten Film gesehen haben muss, um auch nur ansatzweise zu verstehen, um was es in "Wächter des Tages" überhaupt geht. Ohne diese Vorgeschichte versteht man von A bis Z nur Bahnhof. Immerhin: Der Prolog mit dem Raub der Schicksalskreide durch Tamerlan ist ein richtiger Hingucker, für mich sind diese Szenen ganz zu Beginn schon gleich der Höhepunkt des Films, nach dem es nur noch bergab geht. Der Angriff auf die Hüter der Schicksalskreide ist toll inszeniert. Hier sieht man wenigstens auch einmal, welche Fähigkeiten die Anderen im Kampf einsetzen können: Krähen verwandeln sich in Kämpfer und umgekehrt. Ansonsten werden magische Kräfte in den Kämpfen zwischen Lichten und Dunklen Anderen - ganz im Gegensatz zu den Romanen - im Film nur selten eingesetzt. Was ich auch noch besser finde als im ersten Film ist die Charakterisierung Antons. Endlich werden seine inneren Konflikte mal genauer thematisiert, wenn sie auch nie die Tiefe der Ausarbeitung in den Romanen erreichen. Schön gemacht fand ich auch die Sache mit dem Körpertausch, wenn mir auch nicht einleuchten will, warum Anton in Olgas Körper zunächst noch seine Männerstimme hat. Jedenfalls darf Galina Tyunina mal zeigen was sie kann: Man nimmt ihr jederzeit ab, dass in ihrem Körper ein männlicher Geist stecken soll. Mit Zavulon (Sebulon) bin ich aber immer noch unzufrieden, um es mal gelinde auszudrücken. Mit der undurchschaubaren dämonischen Romanfigur hat dieser dauernd zu "lustiger" Musik durchs Bild tänzelnde dickbäuchige Lebemann jedenfalls nichts zu tun.

Der Film enthält noch mehr zugegebenermaßen sehr gut gelungene Spezialeffekte, ungewöhnliche Blickwinkel usw. als Teil 1, auch weiß der realistische, finstere Look zu gefallen. Leider wird das alles nicht richtig eingesetzt und stört oft nur. Alles soll offenbar noch schneller, lauter und spektakulärer sein als im ersten Film. Zeitlupen- und Zeitraffersequenzen werden bis zum Erbrechen eingesetzt, und sinnfreie Momente wie Alisas Fahrt mit dem Sportwagen über die Hotelfassade machen wieder mehr als deutlich: Hier soll nur zur Schau gestellt werden, was man tricktechnisch trotz des geringen Budgets zustande gebracht hat. Diese Effekthascherei gipfelt in der totalen, exzessiv zelebrierten Zerstörung Moskaus. Ich kann erneut nur sagen: So funktioniert das einfach nicht, die technischen Spielereien passen nicht zum Film und gehen zu Lasten der Handlung. Ich war jedenfalls von all den Vernichtungsorgien, Verfolgungsjagden usw. zuletzt nur noch gelangweilt.

Die DVD:

Die DVD enthält nicht die internationale Kinoversion, sondern den 18 Minuten längeren Director's Cut, der vermutlich der russischen Kinoversion entspricht. Besonders wichtig sind die "neuen" Szenen nicht, es handelt sich um Kleinigkeiten wie Alisas Befragung der kleinen Tochter Galinas, eine Gesangseinlage Antons bei der Party, einige Gewaltszenen und so weiter.

Das ca. 26 Minuten lange "Making of" ist genauso chaotisch und hektisch wie der Film selbst und bietet nicht mehr als die übliche inhaltsarme Mixtur aus Interviews, Filmschnipseln und Hinter-den-Kulissen-Material. Wenigstens kommt Sergej Lukianenko selbst zu Wort und es ist ganz interessant zu sehen, wie Yegors "Geburtstagsfeier" entstanden ist: Da wurden offenbar zahlreiche russische Stars und Sternchen eingeladen, die wirklich eine Trinkparty gefeiert haben - es gab Schnittchen und Alk. Als die Stimmung auf dem Höhepunkt war, haben sich einfach die Schauspieler in die Menge gemischt. Für die Zerstörung des Ganzen wurde dann tatsächlich mit Gewehren in den Raum geschossen! Die Darsteller wurden natürlich erst danach digital eingefügt...

J. Kreis, 13.01.2009


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