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Wächter der Nacht Wächter der Nacht (Russland, 2004)
- Nochnoi Dozor -

DVD - Regionalcode 2, Fox Home Entertainment
FSK: 16
Laufzeit: ca. 109 Minuten

Extras
Audiokommentar des Regisseurs, Trailer, Bonus-DVD zum Kinofilm "Krabat"

Regie:
Timur Bekmambetov

Hauptdarsteller:
Konstantin Khabenskiy (Anton Gorodetsky)
Dmitri Martynov (Yegor)
Vladimir Menshov (Geser)
Mariya Poroshina (Svetlana Nazarova)
Galina Tyunina (Olga)
Viktor Verzhbitsky (Zavulon)
Anna Dubrovskaya (Larisa)




Inhalt:

Überall auf der Welt gibt es die Anderen, Menschen mit magischen Kräften. Sie ziehen ihre Macht vor allem aus dem Zwielicht, einer Art Zwischenwelt, die nur für sie wahrnehmbar ist und in die sie Kraft ihres Willens überwechseln können. Die Anderen haben sich in zwei Lager gespalten: Die des Lichts und die der Dunkelheit. Die Lichten Anderen stehen für das Gute, die Dunklen folgen nur ihren eigenen Interessen und nehmen keine Rücksicht auf ihre Opfer. Die Mächte des Lichts und der Dunkelheit führen seit Ewigkeiten Krieg gegeneinander, aber sie sind gleich stark. Um zu verhindern, dass die Welt wegen des immerwährenden Kampfs im Chaos versinkt, haben die Mächte des Lichts und der Dunkelheit vor langer Zeit einen Pakt geschlossen. Seitdem soll jeder Andere frei bestimmen dürfen, welcher Seite er sich anschließen will, vor allem aber ist es keinem Lichten oder Dunklen Anderen mehr erlaubt, eigenmächtig magische Kräfte einzusetzen zu welchem Zweck auch immer. Jede magische Intervention muss beantragt und genehmigt werden, ansonsten droht schlimmstenfalls die Auslöschung des Übeltäters. Die Wächter der Nacht und die Wächter des Tages wurden als Hüter dieses Vertrags eingesetzt. Die Nachtwache kontrolliert die Dunklen Anderen und weist ihnen die Opfer zu, ohne die sie nicht existieren können. Die Lichten und die Dunklen versuchen immer wieder, ihre jeweiligen Gegner zu überlisten, die Menschen für ihre eigenen Zwecke einzuspannen und neue Andere zu initiieren. Dennoch bemühen beide Seiten sich stets um die Bewahrung des Gleichgewichts. Einer Prophezeiung zufolge soll eines Tages ein Großer Anderer geboren werden, der jener Seite zum Sieg verhelfen wird, für die er sich entscheidet.

Anton Gorodetsky gehört zu den Wächtern der Nacht. Er wurde als Erwachsener initiiert, als er während eines traumatischen Erlebnisses ins Zwielicht eintrat. Er hatte die Hilfe einer Hexe in Anspruch genommen, um seine untreue Frau zurückzugewinnen. Er hatte der Hexe außerdem erlaubt, das ungeborene Kind seiner Frau zu töten - die Hexe hatte behauptet, das Kind sei nicht von ihm. Diese magische Intervention war nicht lizensiert, deshalb hatte die Nachtwache eingegriffen und das Ritual unterbrochen. Dabei war Anton ins Zwielicht eingetreten; er hatte sich für die Seite des Lichts entschieden. Zwölf Jahre später wird Anton, der bisher als Programmierer für die Nachtwache tätig war, erstmals in den Außeneinsatz geschickt. Er soll ein Vampirpärchen aufstöbern, das ohne Lizenz in Moskau wildert. Diesen Auftrag erledigt er zwar, wird dabei aber schwer verletzt und lässt die Vampirin Larisa entkommen. In Yegor, einem zwölfjährigen Jungen, der zum Opfer der Vampire hätte werden sollen, erkennt Anton einen potentiellen Anderen mit extrem starkem magischem Potential. Außerdem wird er auf Svetlana Nazarova aufmerksam, über der sich ein Unheil ganz besonderer Art zusammenbraut. Nachdem er von seinem Mentor Geser, dem Oberhaupt der Moskauer Nachtwache, geheilt worden ist, macht Anton sich auf die Suche nach Yegor. Olga, Antons neue Partnerin, ist keine große Hilfe, denn wegen eines lange zurückliegenden Vergehens wurde sie dazu verurteilt, in Gestalt einer Eule zu leben. Anton vermutet zu Recht, dass die Vampirin nach Yegor suchen wird. Sie tut dies im Auftrag Zavulons, des Oberhaupts der Dunklen Anderen, der Yegor auf seine Seite ziehen will, denn bei dem Jungen handelt es sich vermutlich um den prophezeiten Großen Anderen, der die Entscheidung im Kampf zwischen Licht und Dunkel bringen soll.

Geser setzt derweil alle Hebel in Bewegung, um den Fluch aufzuheben, der auf Svetlana lastet. Dieser Fluch ist so stark, dass er Katastrophen im Umfeld Svetlanas auslöst: Menschen sterben, ein Flugzeugabsturz droht, ein Kraftwerk explodiert und ein Tornado nähert sich Moskau. Außerdem könnte der Fluch, den Geser unter dem Namen "Wirbel der Verdammnis" kennt, eine erneute Entscheidungsschlacht zwischen den Lichten und den Dunklen Anderen herbeiführen. Es gibt aber keinerlei Hinweise darauf, wer Svetlana verflucht haben könnte. Anton und Olga spüren Yegor noch rechtzeitig auf. Der Junge tritt aus Angst vor ihnen ins Zwielicht ein. Anton riskiert sein eigenes Leben, um ihn zu retten. Nun ist auch Yegor initiiert und muss sich für eine Seite entscheiden. Anton findet ein Bild, das Yegor mit dessen Mutter zeigt - das ist niemand anderer als Antons ehemalige Frau. Dann wird Anton abberufen. Er muss versuchen, Svetlanas Fluch aufzuheben. Eher zufällig findet er heraus, dass sie sich selbst verflucht hat, weil sie sich die Schuld daran gibt, dass ihre Mutter bald sterben wird. Nun ist zwar der Fluch aufgehoben, aber inzwischen hat Larisa Yegor in ihre Gewalt gebracht. Anton hat inzwischen erkannt, dass die Hexe damals gelogen hat: Yegor ist sein eigener Sohn. Er eilt ihm zu Hilfe und befreit ihn aus den Klauen der Vampirin, doch da taucht Zavulon auf. Er sorgt dafür, dass Yegor erfährt, dass Anton vor zwölf Jahren seinen Tod wollte, und dass er den Vampiren von der Nachtwache als Opfer zugeteilt worden ist. Yegor glaubt nun, dass die Wächter der Nacht schlimmer sind als die Dunklen Anderen und entscheidet sich für Zavulons Seite. Dass Zavulon all das schon lange so geplant hat (Anton begreift das erst jetzt), ändert nichts an dieser Tatsache.

Der Film:

Dies ist die Verfilmung eines Teils des gleichnamigen Romans von Sergej Lukianenko. Der Roman besteht aus drei zusammenhängenden Einzel-Geschichten, und der Film gibt nur die Handlung der ersten dieser drei Episoden wieder. Was die Vorgeschichte angeht - also den immerwährenden Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, den Großen Vertrag usw. - hält der Film sich recht genau an die Vorgaben des Romans. In einigen nicht ganz unwesentlichen Punkten weicht der Film aber auch davon ab, und damit meine ich nicht die unterschiedliche Schreibweise mancher Namen und die abweichende Charakterisierung mancher Personen. So ist im Roman "Wächter der Nacht" nicht die Rede davon, dass Yegor Antons Sohn ist. Anton ist im Roman kein Seher. Nicht Yegor, sondern Svetlana ist die prophezeite Große Andere. Nicht Zavulon hat im Hintergrund die Fäden gezogen, sondern Geser - und zwar aus ganz anderen Gründen. Die Szene mit dem Besuch bei der Hexe kommt im Roman nicht vor, sondern erst in "Wächter des Tages", und da ist es nicht Anton, der die Alte um Hilfe in Liebesdingen bittet. Was es mit dem ganzen Hin und Her wirklich auf sich hat, wird in der ersten Geschichte noch nicht verraten. Und so verwundert es nicht, dass auch der Film kein echtes Ende hat: Fortsetzung folgt! Mit diesen Abweichungen und mit dem offenen Ende kann ich leben. Warum ich den Film trotzdem nicht für gelungen halte, obwohl er durchaus nicht langweilig ist, hat andere Gründe.

Zunächst mal wird die Geschichte einfach nicht gut erzählt. Wer den Roman nicht kennt, wird irgendwann den Durchblick verlieren. Die Geschichte wird auf einen platten Kampf zwischen "Gut" und "Böse" reduziert, wie man es aus -zig anderen Filmen schon kennt. Dabei besteht einer der Kernpunkte des Romans doch gerade in der Aussage, dass es eine solche Schwarz-Weiß-Zeichnung eben nicht gibt, sondern nur eine endlose Palette von Grautönen. Außerdem hebt der Film sich im Gegensatz zum Roman nicht so schön von anderen vergleichbaren Werken ab, denn hier fehlt die im Roman so verblüffende Vermischung echter Fantasy-Elemente mit dem alltäglichen Leben bzw. der "Institutionalisierung des Phantastischen". Gut, man erfährt, dass ein Vampir nicht einfach so auf Beutefang gehen kann, sondern sich vorher eine Lizenz besorgen muss. Hat er keine Lust dazu, muss er damit rechnen, dass die "Polizei" ihm auf die Finger pardon Fangzähne klopft. Im Roman wird aber viel besser verdeutlicht, dass jeder unerlaubte Einsatz magischer Fähigkeiten genau kategorisiert, protokolliert und hinterher abgerechnet wird. Dass die Wächter beider Seiten Organisationen sind, die alle Charakteristika von typischen Behörden aufweisen, zugleich aber mit ganz anderen, übernatürlichen Mitteln arbeiten, dabei aber starre Dienstvorschriften peinlich genau einhalten müssen, wird im Film höchstens angedeutet. Svetlanas Fluch wird im Film zu einer Nebenhandlung, die leider viel zu schnell und wenig überzeugtend beendet wird.

Außerdem wird der unkundige Zuschauer mit all den Nebenfiguren (Kostja, Tigerjunges und Bär, Olga, Semjon, Alissa und andere) wenig bis nichts anfangen können. Immer wieder taucht irgendwer auf, hat eine oder zwei Dialogzeilen und verschwindet dann wieder. Man fragt sich: Wer war das jetzt? Welchen Sinn hatte der Auftritt? Auch was es mit dem Zwielicht auf sich hat, bleibt weitgehend unklar. Zugegeben: Man kann sich in einem Film nicht so viel Zeit mit Erklärungen lassen wie in einem Buch. Dennoch hätte eine bessere Charakterzeichnung nicht nur den Nebenfiguren, sondern auch den Hauptpersonen gut getan. Man kann sich bestenfalls mit Anton identifizieren, die meisten anderen Figuren bleiben blass und verzichtbar. Und selbst im Fall von Anton wird zu wenig getan, jedenfalls bleiben seine im Roman gut ausgearbeiteten inneren Konflikte und sein allmähliches Begreifen der tieferen Zusammenhänge weitgehend außen vor. Man muss zugeben, dass die meisten Schauspieler ihre Sache ganz gut machen. Es gibt aber einige Rollen, die in meinen Augen fehlbesetzt sind. Olga hätte ich mir jedenfalls mit erheblich mehr Sex-Appeal vorgestellt, Tigerjunges wirkt im Film völlig inkompetent, Svetlana wird allzu sehr als graue Maus dargestellt. Es geht aber noch schlimmer: Zevulon (bzw. Sebulon) ist im Roman eine undurchschaubare dämonische Figur. Davon bleibt im Film nichts übrig. Wer ist eigentlich auf die Schnapsidee gekommen, ihn mit einem PS2-Controller vor einem Videospiel herumfuchteln zu lassen?

Bleibt noch die "technische" Seite. Der Film enthält eine ganze Reihe gut gelungener Spezialeffekte, ungewöhnlicher Blickwinkel usw., auch weiß der realistische, finstere Look zu gefallen. Leider wird das alles nicht richtig eingesetzt. Ich will nur einzelne Dinge nennen, die aber symptomatisch für den ganzen Film sind. Gemeint ist z.B. die Szene, in der Zevulon das Einsatzfahrzeug der Nachtwache per Telekinese (oder so) einen Salto über ihn hinweg machen lässt. Andere Beispiele sind die CGI-Einstellungen im Inneren des Motors und der lange Sturz einer Schraube von einem Flugzeug bis zur Kaffeetasse Svetlanas. Welchen Sinn hat das alles? Keinen, außer der Zurschaustellung dessen, was man tricktechnisch trotz des geringen Budgets von vier Millionen Euro zustande gebracht hat. Es gibt viele ähnliche Szenen, die nichts anderes sind als Effekthascherei und manchmal sogar eher lächerlich wirken. Schnelle Schnitte, Sequenzen in Zeitraffer oder Zeitlupe nach Matrix-Vorbild, Verfremdungen und dergleichen sollen wohl zeigen: "Hey, wir können mindestens genauso coole Filme machen wie die in Hollywood!" Dummerweise funktioniert das dann doch nicht so richtig. Die wirr durcheinander gemixten Elemente passen einfach nicht zusammen. Das "Sahnehäubchen" im negativen Sinn ist der Soundtrack: Orchestrale Stücke und Metal wechseln sich ab, passen aber entweder nicht zur Szene oder wirken viel zu übertrieben. Es entsteht keine Atmosphäre, und hinterher fragt man sich, welche Art Film der Regisseur eigentlich machen wollte. Action? Drama? Herausgekommen ist dabei jedenfalls etwas, das weder Fans der Romane zufrieden stellen, noch "Neulinge" begeistern kann.

Die DVD:

Diese DVD enthält die internationale Kinoversion. Ich kenne nur diese. Habe aber gelesen, dass sie in einigen Punkten von der russischen Version abweicht. Sie ist zum Beispiel ca. 10 Minuten kürzer. Es fehlt eine Nebenhandlung, die auch im Roman vorkommt. Darin wird zunächst ein anderer Wächter der Nacht zu Svetlana geschickt, der sie verführen soll. Außerdem gibt es in der russischen Version eine ganze Nebenhandlung um Geschehnisse in dem abstürzenden Flugzeug.

An Bonusmaterial zum Film gibt es einen Audiokommentar des Regisseurs und Trailer. Anlässlich des Kinostarts von "Krabat" wurde der DVD noch Werbe-Material zu diesem Film beigelegt. Das DVD-Cover ist identisch; dass es sich um die "Krabat-Edition" handelt, erkenn man nur an einem Aufkleber. Es liegt ein zweiter Silberling bei, der ein Making of, Interviews und Filmausschnitte von "Krabat" sowie Hör- und Leseproben aus dem Roman von Otfried Preußler enthält.

J. Kreis, 16.12.2008


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