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Twin Peaks Season 2.2 Twin Peaks - Zweite Season Teil 2 (USA, 1991)

DVD - Regionalcode 2, Paramount
FSK: 16
Laufzeit: ca. 45 Minuten pro Episode, insg. ca. 495 Minuten

Extras:
Log Lady Intros, Interviews

Regie:
Caleb Deschanel, Todd Holland, Uli Edel, Diane Keaton, Lesli Linka Glatter, James Foley, Duwayne Dunham, Jonathan Sanger, Stephen Gyllenhaal, Tim Hunter, David Lynch

Hauptdarsteller:
Kyle MacLachlan (Special Agent Dale Cooper)
Michael Ontkean (Sheriff Harry S. Truman)
Heather Graham (Annie Blackburne)
Kenneth Welsh (Windom Earle)
Lara Flynn Boyle (Donna Hayward)
Sherilyn Fenn (Audrey Horne)
Piper Laurie (Catherine Martell)
Don Davis (Major Garland Briggs)
Michael Parks (Jean Renault)
David Lynch (Gordon Cole)
Catherine E. Coulson (Margaret Lanterman, die Log Lady)
Miguel Ferrer (Albert Rosenfield)
David Duchovny (Dennis / Denise Bryson)
Jack Nance (Pete Martell)
James Booth (Ernie Niles)
David Warner (Thomas Eckhardt)
Dan O'Herlihy (Andrew Packard)




Inhalt:

Die Box enthält die zweite Hälfte der zweiten Staffel der Fernsehserie Twin Peaks. Unten stehen die englischen Titel der Episoden in Klammern.

19: Die schwarze Witwe (The black Widow)

Audrey Horne revanchiert sich bei Cooper für ihre Rettung, indem sie Bobby Briggs einige brisante Fotos abluchst, die dieser für ihren Vater gemacht hat. Die Bilder zeigen Jean Renault und einige Spießgesellen bei einem konspirativen Treffen - mit von der Partie ist jener kanadische Polizist, der Cooper Drogenhandel anhängen will. Kurz zuvor hatte Cooper bei der Besichtigung von Immobilien in der Dead Dog Farm Spuren von Kokain gefunden, und genau dort hat besagtes Treffen stattgefunden. Cooper und Agent Bryson knöpfen sich den ebenfalls abgebildeten Ernie Niles vor (Normas frischgebackenen Stiefvater) und bringen ihn dazu, bei einem fingierten Drogendeal mitzuspielen. Auf diese Weise wollen sie die Intrige zerschlagen und Cooper entlasten. Am gleichen Abend taucht Major Briggs, der seit zwei Tagen vermisst wird, aus dem Nichts wieder auf. Cooper hat zuvor erfahren, dass die Signale, die das Militär aufgefangen hat, und die seinen Namen enthalten, keineswegs aus dem All stammen, sondern aus den Wäldern bei Twin Peaks.

20: Schachmatt (Checkmate)

Cooper und Truman vernehmen den zurückgekehrten Major Briggs, der jetzt eine seltsame Narbe hinter dem rechten Ohr hat. Er ist kurz davor, etwas über die Weiße Hütte zu sagen, die dem Militär offenbar bekannt ist, doch dann wird er von zwei Soldaten abgeholt. Der fingierte Drogendeal schlägt fehl. Weil Ernie so stark schwitzt, fängt seine "Verkabelung" Feuer. Cooper wird als Geisel genommen, doch Agent Bryson lenkt Jean Renault und den kanadischen Polizisten ab. Es kommt zu einem Schusswechsel, bei dem Renault getötet wird. Während eines unerklärlichen Stromausfalls ereignen sich mehrere unerwartete Dinge: Es kommt zu einer Explosion im Wald, Leo Johnson kommt wieder zu sich und bedroht seine Frau, und in der Polizeistation wird eine Leiche gefunden, die vor einem Schachbrett sitzt: Dies ist Windom Earles nächster Zug...

21: Doppelspiel (Double Play)

Obwohl die gegen Cooper erhobenen Beschuldigungen fallen gelassen werden, bleibt die Suspendierung in Kraft. Allerdings hat Sheriff Truman ihn zu seinem Deputy gemacht, so dass er doch wieder tätig werden kann. Beide befürchten, dass Windom Earle für jede Schachfigur, die er schlägt, einen Mord begehen wird - und Cooper ist es noch nie gelungen, Earle zu besiegen. Jetzt endlich rückt er auch mit den Gründen für diese Fehde heraus. Cooper und Earl hatten vor einigen Jahren den Auftrag, eine wichtige Zeugin zu schützen. Cooper hatte sich in sie verliebt, war jedoch von einem Unbekannten verwundet worden, der die Frau dann ermordet hatte. Für Cooper steht fest, dass Earle dieser Unbekannte war, denn die Zeugin war dessen Frau Caroline - und er war vermutlich auch der Täter in dem Fall, den sie bezeugen sollte. Cooper nimmt weiter an, dass Earles Wahnsinn nur vorgetäuscht war. Leo Johnson attackiert Shelly und Bobby, wird jedoch vertrieben und irrt durch den Wald. Er stößt auf eine einsame Hütte, in der ein Fremder ihn willkommen heißt. Es ist Windom Earle.

22: Sklaven und Meister (Slaves and Masters)

Windom Earle bereitet seinen nächsten Schachzug vor, wobei er Leo Johnson als williges Werkzeug missbraucht - er hat den seit dem Erwachen aus dem Koma geistig retardierten Mann mit einem Elektroschock-Halsband gefügig gemacht. Noch aber ist Cooper am Zug. Er versichert sich der Hilfe Pete Martells, der ein begnadeter Schachspieler ist. Pete soll das Spiel in die Länge ziehen, und gleichzeitig verhindern, dass Earle eine von Coopers Figuren schlagen kann. Cooper erhält auch von anderer Seite Hilfe: Agent Albert Rosenfield wurde zu seiner Unterstützung abgestellt. Rosenfield bringt beunruhigende Nachrichten. Earle hat Teile von Carolines Hochzeitskleidung an FBI-Dienststellen im ganzen Land geschickt. Cooper findet Carolines Totenmaske und ein Tonband mit einer Nachricht Earles in seinem Hotelzimmer, die klar macht, dass es um Rache für Carolines Tod geht. Derweil bittet Catherine Martell den in Twin Peaks eingetroffenen Verbrecherboss Thomas Eckhardt zu sich, um ihm Josie auszuliefern.

23: Die Verdammte (The condemned Woman)

Pete Martell übernimmt Coopers nächsten Schachzug. Er meint, Windom Earle könne jetzt erst einmal keine weitere Figur schlagen. Derweil werden Josie und Eckhardt von Catherine Martell und Andrew Packard gegeneinander ausgespielt. Agent Rosenfield präsentiert einige Ermittlungsergebnisse, die keinen Zweifel mehr daran lassen, dass Josie es war, die Cooper niedergeschossen und auch einen von Eckhards Gangstern getötet hat. Cooper zögert aber noch, sie festzunehmen, da Sheriff Truman sie immer noch liebt. Deshalb kommen die beiden zu spät ins Great Northern Hotel: Josie, die sich von Eckhardt bedroht fühlt, erschießt ihren Peiniger. Dann bricht sie zusammen und stirbt in Trumans Armen. Cooper hat wieder eine Vision: Er sieht "Bob" und den tanzenden Kleinwüchsigen. Der Dämon fragt Cooper, was wohl mit Josies Seele geschehe - wie es scheint, ist sie in dem Hotelzimmer gefangen.

24: Wunden und Narben (Wounds and Scars)

Sheriff Truman kommt nicht über Josies Tod hinweg und ertränkt seinen Gram im Alkohol. Annie Blackburne, Norma Jennings' Schwester, kommt nach Twin Peaks. Sie war Nonne, hat das Kloster jetzt jedoch verlassen und arbeitet im "Double R Diner" ihrer Schwester. Dort fällt sie Cooper auf, der sich umgehend in sie verliebt. Windom Earle sucht sich die zu schlagende gegnerische Königin unter den jungen Frauen von Twin Peaks aus: Donna Hayward, Shelly Johnson und Audrey Horne kommen in Frage. Die Entscheidung soll bei der anstehenden Wahl zur "Miss Twin Peaks" fallen. Es bleibt Earle nicht verborgen, dass Cooper sich fremde Hilfe für das Schachspiel geholt hat, und darüber ist er gar nicht erfreut. Cooper erfährt, dass die Log Lady ähnliche Narben hat, wie Major Briggs sie seit seinem Verschwinden trägt...

25: Auf den Schwingen der Liebe (On the Wings of Love)

Nachdem Sheriff Truman knapp einem von Eckhardts Assistentin verübten Mordanschlag entronnen und wieder zur Besinnung gekommen ist, wird Cooper von Gordon Cole offiziell wieder als FBI-Agent eingesetzt. Von Annie, mit der Cooper sich jetzt öfter trifft, erfährt er zufällig, dass es in der "Eulenhöhle" eine Felszeichnung gibt, die ähnlich aussieht wie die Narben der Log Lady und des Majors. Als Cooper, Truman und die zwei Deputys die Höhle untersuchen, werden sie von einer Eule angegriffen. Andy schlägt mit seiner Spitzhacke nach dem Tier, die Hacke bleibt in einem Symbol der Felszeichnung stecken. Dadurch wird ein Mechanismus ausgelöst, der eine Art Griff freisetzt. Auch Windom Earle kommt später zur Höhle. Als er den Griff dreht, beginnt die Erde zu beben...

26: Beziehungsvariationen (Variations on Relations)

Durch Earles Manipulationen sind Teile der Höhlenwand eingestürzt. Man kann jetzt die vollständige Zeichnung sehen; sie ergibt eine Art Bildergeschichte. Da Earle nach FBI-Informationen einst am selben UFO-Forschungsprojekt gearbeitet hat, in das auch Major Briggs involviert ist, zieht Cooper letzteren zu Rate. Cooper und Annie werden ein Paar. Earle ermordet einen Rocker und positioniert seine Leiche in der Nähe des Ortes, an dem Cooper und Annie sich zuletzt getroffen haben - der Tote steckt in einer Schachfigur aus Pappmaché.

27: Der Weg zur schwarzen Hütte (The Path to the Black Lodge)

Windom Earle ist Cooper und Truman immer einen Schritt voraus, da er das Büro des Sheriffs verwanzt hat. Er plant zwar weiterhin, sich an Cooper zu rächen und seine "Königin" (d.h. die Gewinnerin der "Miss Twin Peaks" - Wahl) zu ermorden, aber sein eigentliches Ziel ist es, die Schwarze Hütte zu erreichen. Er hält diesen Ort, der die Quelle jener bösen Kraft ist, gegen die die Bookhouse-Männer seit Generationen kämpfen, für einen Quell unermesslicher Macht. Er entführt Major Briggs, um weitere Informationen aus ihm herauszufoltern, aber er weiß bereits, dass die Felszeichnung in der Eulenhöhle einen Lagplan von Twin Peaks darstellt. Sie zeigt, wann und wo die Schwarze Hütte gefunden werden kann. Annie Blackburn beschließt, ebenfalls an der Misswahl teilzunehmen.

28: Die Nacht der Entscheidung (Miss Twin Peaks)

Leo Johnson, Earles Sklave und Gefangener, befreit Major Briggs. Dieser warnt Cooper und Truman vor Earles Plänen. So findet die Wahl der Miss Twin Peaks unter Polizeischutz statt. Die Gewinnerin ist ausgerechnet Annie Blackburn, und es gelingt Earle trotz der Sicherheitsmaßnahmen, sie zu entführen.

29: Jenseits von Leben und Tod (Beyond Life and Death)

Es gelingt Windom Earle, mit Annie in die Schwarze Hütte einzudringen. Cooper folgt ihm allein und muss sich den Geistern der Toten stellen. Sowohl er als auch Earle versagen. Der Dämon Bob nimmt Earles Seele, lässt Cooper jedoch laufen. Cooper flieht vor den Geistern und vor seiner eigenen dunklen Seite. Zwar kommen er und die verletzte Annie wieder in die Realität zurück, doch Bob hat Besitz von Cooper ergriffen...

Die Serie:

Ich wiederhole mich ungern. Wenn ihr meine Meinung zu dieser Serie wissen wollt, dann lest in meinen Reviews zu Season 1 und Season 2.1 nach.

Allerdings gilt für die zweite Hälfte der zweiten Staffel nicht mehr alles so, wie ich es seinerzeit geschrieben habe. Seit der Aufklärung des Mordes an Laura Palmer und dem Ende ihres Vaters Leland hat die Serie mehr oder weniger ihre Existenzberechtigung verloren - zu sehr war diese Kriminalgeschichte bis dahin das Zentrum der Serie, um das sich alles drehte. Wahrscheinlich war die Serie auf eine längere Laufzeit angelegt, möglicherweise war Lauras Tod nur als Aufhänger dafür gedacht, dass Cooper den eigentlichen Geheimnissen von Twin Peaks auf die Spur kommen sollte. Das hat nicht funktioniert. Die zweite Hälfte der zweiten Season enthält viel zu viele völlig bedeutungslose Nebenhandlungen, die ich in den obigen Episoden-Zusammenfassungen gar nicht erst erwähnt habe. James Hurley und seine Verstrickung in eine Intrige, die lächerliche Slapstick-Farce mit Super-Nadine, Ben Hornes Wahnsinn und späterer Saulus-Paulus-Wandel... dieser Unsinn macht den Eindruck, als hätten die Drehbuchschreiber ebenso verzweifelt wie vergeblich nach einem neuen Sinn für die Serie gesucht. Über einen langen Zeitraum hinweg soll Windom Earle als neuer Gegenspieler aufgebaut werden (Bob spielt bis fast zuletzt keine Rolle mehr), aber auch das schlägt fehlt, denn der Schauspieler führt sich die meiste Zeit wie ein Clown auf. Auch die anderen Schauspieler bringen nicht immer die brillanten Leistungen, die man bisher von ihnen kannte.

Nach dem Bruch in der Handlung ist die Serie nur noch ein einziges Durcheinander. Der besondere Geist der früheren Serie, der eindringliche Stil, das Gefühl, in Twin Peaks quasi zu Hause zu sein - all das ist verloren gegangen oder flackert zumindest nur noch selten auf. Man merkt auch recht deutlich, dass gegen Ende hin, als vermutlich feststand, dass es keine dritte Staffel geben würde, alle (oder wenigstens die wichtigsten) Handlungsfäden mit aller Gewalt zusammengeführt und zu einem halbwegs akzeptablen Abschluss gebracht werden sollten. Es ist David Lynchs Verdienst, der Regie bei der letzten Folge geführt hat, dass es zwar ein Ende mit Schrecken, aber ein äußert beeindruckendes Ende für die Serie gibt. Episode 29 ist Lynch pur: Genial und ohne jegliche Zurückhaltung wird alles demontiert. Cooper im "Red Room", konfrontiert mit bedrohlichen Gestalten (bei Laura Palmers Kreischen stellen sich mir immer die Nackenhaare auf) und mit seiner eigenen dunklen Seite - allein das ist schon sehenswert. Und dann das Ende. Die Verwandlung der Hauptfigur, dieser durch und durch integren, sympathischen und positiven Person in ihr absolutes Gegenteil... das geht unter die Haut, das vergisst man nicht so schnell. Das tut mehr weh als die Tode einiger anderer Hauptfiguren, die man nicht erwartet hätte.

Insgesamt muss man leider sagen, dass es besser gewesen wäre, die Hälfte der Episoden der zweiten Staffel einfach wegzulassen. Viele Nebenhandlungen tragen wie gesagt nichts zur Serie bei, viele der sorgfältig aufgebauten Geheimnisse und Andeutungen bleiben unerklärt. Man hätte Annie früher in die Handlung einbauen und Cooper schneller den Weg zur Schwarzen Hütte finden lassen sollen. Dann gäbe es an der Serie absolut nichts auszusetzen. So aber muss man sagen, dass die zweite Hälfte der zweiten Staffel weitgehend verzichtbar ist.

Die DVD:

Über die Veröffentlichungspolitik von Paramount kann man sich nur wundern. Da wird die zweite Staffel in zwei Boxen aufgeteilt (die für Ende Oktober vorgesehene Veröffentlichung der beiden kompletten Staffeln plus Prequel-Film "Fire walk with me" in einer einzigen Box wurde verschoben), von denen die erste kein Bonusmaterial enthält. Die zweite Box - also diese hier - enthält dann wenigstens wieder die Log Lady - Intros (diesmal in englischer Sprache mit Untertiteln) sowie Interviews mit einigen Regisseuren, Schauspielern und anderen Beteiligten, die insgesamt vielleicht eine Stunde oder so laufen, jedoch in kleine Häppchen unterteilt sind. Man erfährt wieder einiges über den Entstehungsprozess, insbesondere darüber, wie die Schauspieler gecastet wurden und wie sich die Zusammenarbeit mit David Lynch gestaltet hat. Insgesamt ist die Ausbeute an Bonusmaterial aber enttäuschend gering. Immerhin hat sich die Bild- und Tonqualität noch etwas verbessert, d.h. am Bild gibt es diesmal rein gar nichts mehr auszusetzen.

J. Kreis, 01.11.2007
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