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Twin Peaks Season 2.1 Twin Peaks - Zweite Season Teil 1 (USA, 1990)

DVD - Regionalcode 2, Paramount
FSK: 12
Laufzeit: ca. 45 Minuten pro Episode (Episode 8 ca. 90 Minuten), insg. ca. 541 Minuten

Extras:
Keine

Regie:
David Lynch, Lesli Linka Glatter, Todd Holland, Graeme Clifford, Caleb Deschanel, Tim Hunter, Tina Rathborne, Duwayne Dunham

Hauptdarsteller:
Kyle MacLachlan (Special Agent Dale Cooper)
Michael Ontkean (Sheriff Harry S. Truman)
Lara Flynn Boyle (Donna Hayward)
James Marshall (James Hurley)
Sherilyn Fenn (Audrey Horne)
Richard Beymer (Benjamin Horne)
Ray Wise (Leland Palmer)
Sheryl Lee (Madeleine Ferguson / Laura Palmer)
Royal Dano (Richter Clinton Sternwood)
Piper Laurie (Catherine Martell / Mr. Tojamura)
Don Davis (Major Garland Briggs)
Lenny Von Dohlen (Harold Smith)
Al Strobel (Phillip Michael Gerard / "Mike", der Einarmige)
Michael Parks (Jean Renault)
David Lynch (Gordon Cole)
Michael Horse (Deputy Tommy Hill - "Hawk")
Chris Mulkey (Hank Jennings)
Catherine E. Coulson (Margaret Lanterman, die Log Lady)
Miguel Ferrer (Albert Rosenfield)
David Duchovny (Dennis / Denise Bryson)




Inhalt:

Die Box enthält die erste Hälfte der zweiten Staffel der Fernsehserie Twin Peaks. Unten stehen die englischen Titel der Episoden in Klammern.

8: Der Riese sei mit dir (May the Giant be with you)

Agent Cooper ist von drei Kugeln getroffen worden, doch er trägt eine kugelsichere Weste. So überlebt er den Anschlag, wird aber verwundet. Während er blutend auf dem Boden seines Hotelzimmers liegt, hat er eine Vision von einem Riesen, der ihm einige kryptische Hinweise gibt. Der unerschrockene Agent ist bald wieder auf den Beinen, wird aber mehr als zuvor von seinem unausstehlichen Kollegen Rosenfield unterstützt, da er noch sehr geschwächt ist. Es zeigt sich, dass alle Hinweise des Riesen zutreffen. Unter anderem stellt sich heraus, dass Leo Johnson ein Alibi für den Mord in Coopers früherem Fall hat. Jetzt liegt Johnson im Koma - Hank Jennings hat es zu Benjamin Hornes Verärgerung nicht geschafft, diesen Zeugen endgültig zu beseitigen. Die letzte Nacht hatte noch andere Folgen: Auch Nadine Hurley liegt nach ihrem Selbstmordversuch im Koma, Catherine Martell und Jocelyn Packard sind spurlos verschwunden. Während man Catherine für tot hält, stellt sich später heraus, dass Jocelyn lediglich verreist sein soll. Leland Palmer scheint Lauras Tod nach dem Mord an Jacques Renault überwunden zu haben, aber seine Haare sind über Nacht weiß geworden. Audrey ist im "One eyed Jack's" gefangen und kann sich nur mit viel Glück einem "Stelldichein" mit ihrem Vater entziehen. Donna und Madeleine ermitteln auf eigene Faust weiter. So meldet Donna sich wie Laura freiwillig bei "Essen auf Rädern".

Nachdem Cooper alle neuen Informationen verarbeitet hat, rekonstruiert er Laura Palmers letzten Abend und kommt zu dem Ergebnis, dass weder Jacques Renault noch Leo Johnson sie ermordet haben können. Es muss einen dritten Mann geben, der Laura nach den Geschehnissen in der Waldhütte zum eigentlichen Tatort, einem alten Eisenbahnwaggon, gelockt hat. In der Nacht haben sowohl Cooper als auch Ronette Pulaski, die wenigstens teilweise zu sich kommt, neue Träume. Cooper sieht erneut den Riesen, der behauptet, dass es jemanden gibt, der den Mörder gesehen hat. Ronette scheint diese Person zu sein, denn sie erinnert sich an die Mordnacht und an eine dämonische Gestalt, bei der es sich um den gleichen Mann handelt, den sowohl Sarah Palmer als auch Agent Cooper in ihren Visionen gesehen haben.

9: Koma (Coma)

Ronette Pulaski erwacht aus dem Koma. Sie kann zwar noch nicht sprechen, aber als Cooper ihr ein Phantombild des Mannes aus seiner Vision zeigt, reagiert sie mit äußerstem Entsetzen. Das Phantombild wird in der Zeitung veröffentlicht. Als Leland Palmer es sieht, erkennt er den Mann. Er kennt ihn aus seiner Kindheit. Donna erhält durch ihren Job bei "Essen auf Rädern" Hinweise auf einen gewissen Harold Smith, der mehr über Laura wissen soll. Sie stellt fest, dass ihr Freund James fasziniert von Lauras "Doppelgängerin" Maddie ist und wird eifersüchtig. Maddie hat ihrerseits beunruhigende Visionen von Lauras Mörder. Es gelingt Audrey, Cooper anzurufen, doch bevor sie ihm sagen kann, wo sie ist, wird sie von ihrer Chefin überrascht. Cooper erfährt, dass sein wahnsinnig gewordener ehemaliger Partner Windom Earle spurlos verschwunden ist. Noch beunruhigender ist jedoch womöglich eine Nachricht, die Major Briggs (Bobbys Vater) ihm überbringt. Zu den Aufgaben des Majors gehört es, Signale aus dem All zu überwachen. In der Nacht, als auf Cooper geschossen wurde, konnten anstelle von Funksalat verständliche Worte aufgezeichnet werden: Coopers Name und der Satz "The Owls are not what they seem" - diesen Satz hat Cooper schon von dem Riesen gehört...

10: Der Mann hinter Glas (The Man behind Glass)

Jemand hat einen Anschlag auf Ronette verübt: Eine Chemikalie wurde in ihren Tropf gespritzt. Unter ihrem Fingernagel wird ein Papierschnipsel mit einem Buchstaben gefunden - genau wie bei Laura Palmer. Also war der Mörder vermutlich im Krankenhaus, aber niemand hat ihn gesehen. Durch Leland Palmers Hinweise kann der Mann auf dem Phantombild als ein gewisser Mr. Robertson identifiziert werden. Die unter den Fingernägeln der bisherigen Opfer gefundenen Buchstaben kommen alle in seinem Namen vor. Derweil freundet Donna, deren Eifersucht auf Maddie wächst, sich mit Harold Smith an. Der junge Mann, der nie sein Haus verlässt und Orchideen züchtet, war offenbar ein enger Freund Lauras. Donna findet Lauras geheimes Tagebuch in Smiths Haus. Audrey wird unter Drogen gesetzt. Jean Renault will ihren Vater erpressen und außerdem den Mörder seines Bruders finden. Dr. Jacoby identifiziert Leland Palmer als Jacques Renaults Mörder. Leland wird daraufhin festgenommen.

11: Lauras geheimes Tagebuch (Laura's secret Diary)

Leland Palmer gesteht den Mord an Jacques Renault - einer von vielen Fällen, mit denen sich Richter Clinton Sternwood befassen muss, der zusammen mit seiner Sekretärin in Twin Peaks eintrifft. Harold Smith liest Donna aus Lauras geheimem Tagebuch vor. Erneut muss Donna feststellen, dass ihre Freundin recht unschöne Geheimnisse vor ihr hatte. Sie möchte das Tagebuch dem Sheriff übergeben, aber Harold ist dagegen. Jocelyn Packard kehrt zurück, angeblich war sie nur auf Einkaufstour. Tatsächlich arbeitet sie mit einem Mr. Eckhardt aus Hong Kong zusammen, dessen Beauftragte in Twin Peaks erscheinen. Einer von ihnen bedroht Hank Jennings. Jean Renault spielt Benjamin Horne eine Videoaufnahme Audreys vor und fordert ein hohes Lösegeld, das von Agent Cooper überbracht werden soll. Horne zieht Cooper ins Vertrauen, und der versichert sich der Hilfe eines "Bookhouse-Mannes", um diese gefährliche Sache durchzuziehen: Sheriff Truman wird ihm zur Seite stehen.

12: Der Fluch der Orchideen (The Orchid's Curse)

Agent Cooper findet eine Notiz von Audrey Horne, die er bisher übersehen hatte. So erfährt er endlich, wo sie gefangen gehalten wird, und kann den Erpressern einen Strich durch die Rechnung machen. Zusammen mit Sheriff Truman dringt er ins "One Eyed Jack's" ein und befreit das immer noch mit Drogen sedierte Mädchen. Sie werden zwar von einem Bewaffneten gestellt, doch "Hawk" kommt ihnen unerwarteterweise zu Hilfe. Jean Renault entkommt und schnappt sich Hank Jennings, der draußen alles beobachtet hat. Währenddessen versuchen Donna und Madeleine, Lauras geheimes Tagebuch an sich zu bringen. Donna lenkt Harold Smith mit einer Erzählung aus ihrer und Lauras Vergangenheit ab (der Mann ist geradezu süchtig nach den Lebensgeschichten seiner Mitmenschen), aber Maddy ist nicht schnell genug. Smith kommt den beiden auf die Schliche, wird zornig über den Verrat und bedroht die Mädchen mit einem Gärtnerwerkzeug.

13: Dämonen (Demons)

Als Donna und Maddy das geheime Tagebuch nicht zurückgeben wollen, wird Harold Smith handgreiflich. Bevor er die Mädchen verletzen kann, erscheint James und holt die beiden aus dem Haus. Harold, der sein Haus nie verlässt, folgt ihnen nicht, entwindet ihnen aber noch das Buch. Donna berichtet dem Sheriff von dem Vorfall. Er verspricht, sich darum zu kümmern. Derweil bekommt Cooper Besuch von Gordon Cole, einem Supervisor vom FBI. Cole wirft Cooper eine zu tiefe Verstrickung in den aktuellen Fall vor - das hat schon früher für Probleme gesorgt. Er überbringt Cooper einen Brief, der beim FBI eingegangen ist. Der Brief enthält Angaben zu einem Schachzug, mit dem Windom Earle seine Partien stets eröffnet hat. Jocelyn Packard bricht auf, um nach Hong Kong zurückzukehren, zuvor holt sie sich ihren Anteil vom Gewinn, den Benjamin Horne eingestrichen hat. Dann wird Phillip Gerard, der Einarmige, verhört. Als man ihm die Einnahme seines Medikaments verweigert, gewinnt eine andere Persönlichkeit die Kontrolle über ihn, die sich Mike (eine Gestalt aus Coopers Traum) nennt. Mike hält sich für einen Geist, der verschiedene Wirtskörper in Besitz nehmen kann. Er jagt den Dämon "Bob", der ähnliche Fähigkeiten besitzt und sich von der Angst der Menschen nährt. Aus Mikes Hinweisen entnimmt Cooper den Aufenthaltsort des Dämons: Es ist das Great Northern Hotel...

14: Einsame Seelen (Lonely Souls)

Harold Smith dreht durch, verwüstet sein Haus und erhängt sich. Lauras Tagebuch wird sichergestellt, aber viele Seiten wurden vernichtet, so dass Cooper nur Andeutungen daraus entnehmen kann, die Benjamin Horne und Lauras Vater in ein schlechtes Licht rücken. Außerdem enthält das Tagebuch Aufzeichnungen, die erkennen lassen, dass Laura den Dämon "Bob" seit ihrer frühen Jugend kannte. Als Cooper von Audrey erfährt, dass Horne der Besitzer des "One Eyed Jack's" ist, lässt er ihn festnehmen. Cooper folgt einem Hinweis der Log Lady und sucht die Roadhouse-Bar auf. Dort erscheint ihm erneut der Riese. Der Riese sagt, "genau das gleiche" geschehe erneut. Damit meint er den Mord: "Bob" ergreift Besitz von Leland Palmer und erschlägt Maddy, die am nächsten Tag abreisen wollte, mit unglaublicher Brutalität.

15: Spazierfahrt mit einer Toten (Drive with a dead Girl)

Ben Horne sitzt im Gefängnis, aber das ist nicht sein einziges Problem: Die totgeglaubte Catherine Martell lebt noch und hat ihn in der Verkleidung eines japanischen Geldgebers übers Ohr gehauen. Da nur sie Ben ein Alibi für die Mordnacht verschaffen könnte (die beiden waren in dieser Nacht zusammen), kann sie ihn erpressen. Er soll ihr das Sägewerk und sein Immobilienprojekt überschreiben. Leland Palmer, immer noch vom Dämon besessen, deponiert Maddys Leiche bei einem Wasserfall, wo sie noch in derselben Nacht aufgefunden wird. Niemand ahnt, dass er der Mörder ist, und so gelingt es ihm, Ben Horne weiter zu belasten.

16: Selbstjustiz (Arbitrary Law)

Nach Maddys Tod beschließt Agent Cooper, endlich ganz auf seine Intuition, seine Visionen und Träume zu vertrauen. Er versammelt seine Freunde und alle Tatverdächtigen im Roadhouse, wo er eine weitere Vision des Riesen hat. Plötzlich erinnert er sich daran, was er in seinem Traum erfahren hat: Laura Palmer wurde von ihrem eigenen Vater ermordet. Jetzt passen alle Hinweise zusammen, die Cooper bisher erhalten hat. Durch einen Trick gelingt es Cooper und Sheriff Truman, Leland Palmer in eine Gefängniszelle zu sperren (Ben Horne wird freigelassen). Kaum ist die Tür hinter Leland zugefallen, beginnt er zu toben - aber eigentlich ist es der Dämon "Bob", der Besitz von ihm ergriffen hat. Jetzt verlässt "Bob" seinen Wirt. Leland wird wieder er selbst, begreift das volle Ausmaß seiner Schuld und rennt sich den Schädel an der Stahltür der Zelle ein. Bevor er stirbt, gesteht er alle Taten, die er unter "Bobs" Einfluss begangen hat. Er war auch der Täter in Agent Coopers früherem Fall. Leland zufolge gibt es mehrere Dämonen, und sie hätten auch Laura in Besitz nehmen wollen. Sie habe sich dem jedoch widersetzen können, und deshalb sei er gezwungen worden, sie zu töten. Nach Lelands Tod stellt sich für Cooper die unangenehme Frage, von welchem Einwohner Twin Peaks "Bob" jetzt wohl Besitz ergriffen haben mag...

17: Bruderzwist (Dispute between Brothers)

Der Mordfall Laura Palmer ist geklärt, somit nähert sich Agent Coopers Aufenthalt in Twin Peaks dem Ende. Sheriff Truman nimmt ihn offiziell in die Gemeinschaft der "Bookhouse-Männer" auf. Da taucht ein Mitarbeiter des FBI auf, der von einem kanadischen Polizisten begleitet wird. Wegen seiner unautorisierten grenzüberschreitenden Aktivitäten, in deren Verlauf nicht nur Menschen gestorben, sondern auch die Bemühungen der kanadischen Polizei vereitelt worden sind, den Drogenring zu sprengen, wird Cooper vom Dienst suspendiert. Er ahnt nicht, dass Jean Renault dahintersteckt. Der kanadische Polizist ist ein Komplize Renaults und will Kokain in Coopers Auto verstecken, um ihn weiter zu belasten. Trotz dieser ärgerlichen Sache macht Cooper zunächst einmal ein paar Tage Angelurlaub, wobei Major Briggs ihn begleitet. Briggs erzählt ihm von der "Weißen Hütte", doch bevor er mehr darüber berichten kann, verschwindet er spurlos in den Wäldern.

18: Maskenball (Masked Ball)

Major Briggs bleibt verschwunden. Als Cooper den Sheriff und Deputy Hawk nach der "Weißen Hütte" befragt, reagieren die beiden entsetzt. Hawk erzählt von einer indianischen Legende, der zufolge die "Weiße Hütte" eine Art Übergang zur jenseitigen Welt ist, und dass es auch eine "Schwarze Hütte" gibt, die man durchqueren muss, um ihr weißes Gegenstück zu erreichen. In der "Schwarzen Hütte" könne man seinem "Schatten-Selbst" begegnen, aber auch seine Seele verlieren. Zunächst einmal muss Cooper sich aber mit der Untersuchungskommission auseinandersetzen. Agent Dennis Bryson (der inzwischen seine weibliche Seite entdeckt hat) trifft ein. Er soll herausfinden, ob Cooper in den lokalen Rauschgifthandel verwickelt ist. Zum Glück sind Cooper und Bryson alte Freunde. Derweil gehen die Intrigen um die Packard-Sägemühle weiter. Es zeigt sich, dass Jocelyn Packard gezwungenermaßen für Mr. Eckhardt aus Hong Kong gearbeitet hat und mitverantwortlich für den vermeintlichen Tod ihres Mannes Andrew war - der ist allerdings quicklebendig und schmiedet zusammen mit seiner Schwester Catherine Rachepläne. Jocelyn, die zurückgekehrt ist, muss sich von Catherine demütigen lassen und als Dienstmädchen für sie arbeiten.

Die Serie:

Ich wiederhole mich ungern. Wenn ihr meine Meinung zu dieser Serie wissen wollt, dann lest in meiner Review zu Season 1 nach.

In der zweiten Staffel werden die Phantastik-Elemente der Serie stärker in den Vordergund gerückt. Konnte man sich die seltsamen Phänomene in den Episoden der ersten Staffel noch damit erklären, dass es sich eben doch nur um Träume, Halluzinationen und dergleichen gehandelt haben könnte, so ist jetzt anscheinend kein Zweifel mehr möglich: In Twin Peaks sind übernatürliche Mächte am Werk. Spätestens in Episode 16 (eigentlich schon in Episode 14) wird die Frage nach Laura Palmers Mörder beantwortet. Betrachtet man die Serie nur als Krimi, in dem es um die Aufklärung dieses Mordes geht, dann gibt es eigentlich keinen Grund, sie noch fortzusetzen. Aber der Mord an Laura Palmer ist nur der Aufhänger für Agent Coopers Erlebnisse in und um Twin Peaks. Ich kann mir gut vorstellen, dass so mancher Zuschauer von diesem Themenwechsel zumindest irritiert war. Vielleicht war das der Grund für die relative Erfolglosigkeit der Serie hierzulande, denn wenn ich mich recht erinnere, wurde sie seinerzeit immer als Thriller mit der zentralen Frage "wer tötete Laura Palmer?" angepriesen.

In der obigen kurzen Zusammenfassung habe ich viele der unzähligen parallel verlaufenden Handlungsebenen gar nicht erwähnt: Die Probleme von Shelly und ihrem Lover mit dem halbkomatösen Leo, die geistig in ihre Teenagerzeit zurückgefallene Nadine Hurley, Lucys Baby und die Frage nach dem Vater, der Auftritt des geheimnisvollen Mr. Tojamura und dergleichen - all diese verwickelten Geschichten und Intrigen beeinflussen sich gegenseitig, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben. Es bleibt weiter schwierig, die Charaktere einzuschätzen. Selbst Agent Cooper, neben Sheriff Truman eine der wenigen rein positiven Hauptfiguren, hat irgendwelche dunklen Geheimnisse, die ihn nun in der Gestalt seines ehemaligen Partners allmählich einholen. Die zweite Staffel enthält auch einige äußerst beunruhigende Szenen, zu erwähnen sind vor allem Ronettes Erinnerungen an die Mordnacht, der Mord an Maddy und die Visionen, die sie von "Bob" hat. Diese Szenen gehören zum Beeindruckendsten, was es im Fernsehen je gegeben hat.

Quasi zum Ausgleich gibt es immer wieder eine gute Portion Humor, die das Ganze etwas auflockert. Und damit meine ich nicht die doch recht aufgesetzt wirkenden Slapstick-Elemente, die Deputy Andy in die Serie einbringt, sondern eher Momente wie die genialen Auftritte von David Lynch persönlich, der einen schwerhörigen Vorgesetzten Coopers spielt. Honi soit qui mal y pense! Auch noch zu erwähnen: David Duchovny als transsexueller FBI-Agent. Tja, seine Rolle als Fox Mulder hatte er da noch nicht...

Die DVD:

Über die Veröffentlichungspolitik von Paramount kann man sich nur wundern. Da wird die zweite Staffel in zwei Boxen aufgeteilt (ab Ende Oktober gibt es die beiden kompletten Staffeln plus den Prequel-Film "Fire walk with me" in einer einzigen Box), von denen die erste - also diese hier - dann kein Bonusmaterial enthält. Und zwar wirklich gar keines, nicht einmal irgendwelche Texttafeln, Audiokommentare oder dergleichen sind vorhanden, auch das interessante Menüdesign der ersten Box wurde nicht beibehalten. Und das, obwohl es durchaus noch weiteres Bonusmaterial gibt, schließlich enthält Box Nr. 2 wenigstens Interviews und die Einführungen der Log Lady. Das ist sehr ärgerlich, aber es gibt immer noch genug Idioten wie mich, die es einfach nicht abwarten können und ihr Geld für sowas ausgeben. Schließlich musste man ja auch 5 Jahre (!) auf die DVD-Veröffentlichung der 2. Staffel warten...

Bild- und Tonqualität sind für eine so alte Fernsehserie akzeptabel. Die Farben sind noch ausreichend kräftig, auch die Bildschärfe stimmt meistens. Aber insbesondere der deutsche Ton ist teilweise so dumpf, dass man zwar die Dialoge noch verstehen kann, von der Musik dann aber nur noch eine Art rhythmisches Rauschen hört. Die deutsche Tonspur liegt außerdem nur in Mono vor. Also sollte man sich auf den englischen Ton konzentrieren, was sowieso schon deshalb empfehlenswert ist, weil die deutsche Synchronisation nicht in allen Fällen gelungen ist. Agent Coopers deutsche Stimme ist zwar okay, aber die meisten anderen Sprecher klingen viel zu gekünstelt.

J. Kreis, 01.10.2007
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