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Twin Peaks Fire walk with me Twin Peaks - Fire walk with me (USA, 1992)

DVD - Regionalcode 2, Paramount
FSK: 16
Laufzeit: ca. 129 Minuten

Extras
Keine

Regie:
David Lynch

Hauptdarsteller:
Sheryl Lee (Laura Palmer)
Chris Isaak (Special Agent Chester Desmond)
Ray Wise (Leland Palmer)
Moira Kelly (Donna Hayward)
Kyle MacLachlan (Special Agent Dale Cooper)
Dana Ashbrook (Bobby Briggs)
James Marshall (James Hurley)
Phoebe Augustine (Ronette Pulaski)
Pamela Gidley (Teresa Banks)




Inhalt:

Special Agent Chester Desmond wird mit der Untersuchung des Mordes an Teresa Banks beauftragt. Bei der Autopsie wird ein kleines Stück Papier mit dem Buchstaben "T" unter einem Finger der Leiche gefunden. Auffällig ist, dass der Ring der Toten fehlt und nicht bei ihren asservierten Besitztümern ist. Seine Ermittlungen führen Desmond zum Wohnwagenpark, wo Teresa Banks gelebt hat. Er findet ihren Ring unter einem Wohnwagen. Als er ihn an sich nimmt, verschwindet er spurlos. Special Agent Dale Cooper übernimmt den Fall. Mit seinen intuitiven Fähigkeiten ist er in der Lage, den nächsten Mord vorherzusagen, aber den Mord an Teresa Banks kann er nicht aufklären. Noch ahnt Cooper nicht, dass der von ihm vorhergesagte Mord ihn eines Tages in die Kleinstadt Twin Peaks führen wird.

Teresa Banks hat als Prostituierte gearbeitet und wurde von ihrem in Twin Peaks wohnenden Kunden Leland Palmer erschlagen. Palmer ist ein Opfer des Dämons "Bob", der Menschen in seine Gewalt bringen kann, um sie dazu zu bringen, grausame Gewalttaten zu verüben. Bob und seinesgleichen, die ihren Sitz in der "Schwarzen Hütte" (einem eigenartigen, jenseitigen Ort) haben, ernähren sich von den Angstgefühlen der Menschen. Palmers Tochter Laura, die ein ziemlich wildes Leben führt, kokainabhängig ist und sich im "One Eyed Jack's" als Prostituierte betätigt, ist ein weiteres Opfer des Dämons. Sie wird schon seit ihrem zwölften Lebensjahr von ihm bedrängt. Ein Jahr nach dem Mord an Teresa Banks erkennt sie, dass der Dämon Besitz von ihrem Vater ergriffen hat, um sie in dessen Körper zu vergewaltigen. Laura ist hilflos und verzweifelt; Hilfe findet sie weder bei James Hurley, der sie zu lieben glaubt, noch bei Bobby Briggs, der sie mit Drogen versorgt. Sie gerät immer tiefer in einen Strudel der Gewalt und kann gerade noch verhindern, dass auch ihre beste Freundin Donna Hayward hineingezogen wird.

Laura hat immer wieder Visionen von "Bob" und den anderen Bewohnern der "Schwarzen Hütte", bei denen auch der dort gefangene Dale Cooper und Teresas Ring eine Rolle spielen. Eines Abends ist Laura mit James unterwegs. Sie weiß jetzt, dass es keinen Zufluchtsort mehr für sie gibt, und läuft in den Wald. Dort trifft sie Ronette Pulaski, eine "Kollegin" aus dem "One Eyed Jack's", und lässt sich auf eine Orgie mit Jacques Renault und Leo Johnson ein. Danach schleppt der von "Bob" besessene Leland Palmer die beiden Mädchen in einen verlassenen Eisenbahnwaggon, wo er sie grausam misshandelt. Ronette entkommt zwar (Mike, der Einarmige, öffnet die Tür des Waggons), wird aber zuvor von Leland ins Koma geprügelt. Als Laura sich dem Versuch des Dämons widersetzt, Besitz von ihr zu ergreifen, tötet er sie. Ihr Geist wird in die "Schwarze Hütte" gebracht, wo Dale Cooper und ein Engel ihr beistehen.

Der Film:

Eine Warnung vorab: Diesen Film sollte man sich nur anschauen, wenn man zuvor die TV-Serie Twin Peaks gesehen hat. Wer die beiden Staffeln dieser Serie nicht kennt, wird bei diesem Film weniger als "Bahnhof" verstehen - er ist ja selbst für Leute, die die Serie kennen, teilweise schwer zu durchschauen. Obige Zusammenfassung ist eine extrem eingedampfte Version des groben Handlungsgerüsts. Der Film enthält so viele Nebengeschichten, Andeutungen und rätselhafte Szenen, dass es unmöglich wäre, alles wiederzugeben - da könnte ich auch gleich eine Kopie des Drehbuchs ins Internet stellen. "Fire walk with me" erzählt mehr oder weniger die Vorgeschichte der TV-Serie und konzentriert sich sehr auf Laura Palmers letzte Tage, ihren Absturz und ihr Ende. All das ist nicht neu, diese Geschehnisse wurden im Verlauf der Serie bereits rekonstruiert. Man hat sie nur nie gesehen. Ob das jetzt nachgeholt werden musste? Ich weiß es nicht. Jedenfalls versteht man Laura jetzt besser.

Natürlich spielt auch der Tod von Teresa Banks eine Rolle, und die Hintergründe dafür sind interessant, denn in der Serie wurde nicht näher darauf eingegangen. Vermutlich hat Leland/Bob sie ermordet, weil sie wusste, dass eine der anderen Prostituierten aus dem "One Eyed Jack's" seine Tochter war, und ihn damit erpresst hat. Es gibt eine ganze Reihe weiterer Informationshäppchen, die Teile des Twin Peaks - Universums verständlicher machen, soweit das überhaupt möglich ist. So wird deutlicher, in welcher Beziehung z.B. Mike, Bob und der Kleinwüchsige zueinander stehen: Der Kleinwüchsige ist die Personifizierung von Mikes Arm, Mike ist ein Bewohner der Schwarzen Hütte (oder des Red Room), der von Bob mit den geraubten Gefühlen der Menschen versorgt wird. Es wird sogar ein Name dafür eingeführt: Die Bewohner der jenseitigen Welt nennen es "Garmonbozia" und ernähren sich davon. Dale Coopers "gute Seite" ist noch immer im Red Room gefangen und wird dort vermutlich mindestens 25 Jahre lang bleiben.

Es werden auch neue Fragen aufgeworfen: Was genau ist mit Chester Desmond geschehen? Wer ist Phillip Jeffries (gespielt von David Bowie)? Vermutlich sind beide auf die eine oder andere Weise in die Schwarze Hütte versetzt worden. Dass beide (wie auch Cooper) im weiteren Verlauf des Films keine Rolle mehr spielen, d.h. dass es nach Desmonds Verschwinden zu einem Bruch in der Handlung kommt, macht den Film nicht gerade leichter zugänglich. Möglicherweise war das einer der Gründe dafür, dass der Film sehr ungnädig aufgenommen wurde. Ein anderer Grund war sicher auch die Erwartungshaltung der Fans, denn wer gehofft hatte, zu den Hauptpersonen und -orten der Serie zurückgeführt zu werden, der wurde enttäuscht. Sobald sich die Handlung nach Twin Peaks verlagert, hat man zwar sofort einige Momente von hohem Wiedererkennungswert (das Ortsschild und die Titelmusik), aber Cooper hat nur wenige Auftritte, der Sheriff (sowie der ganze Mikrokosmos seines Büros), Audrey, Pete usw. haben keine, Donna wird von einer anderen Schauspielerin verkörpert (in meinen Augen eine Fehlbesetzung), im "Double R Diner" sind wir nur ganz kurz zu Gast und im Great Northern Hotel gar nicht. Der Film ist außerdem weit düsterer als die Serie und enthält praktisch keine einzige humorvolle Szene, was aber durchaus zum Thema passt. Wir sind schließlich in Laura Palmers Welt der Qualen, und dort gibt es einfach nichts zu lachen. "Fire walk with me" zeigt also quasi das volle Ausmaß des Bösen, das in Twin Peaks herrscht und wovon man in der TV-Serie meist nur Andeutungen gesehen hat.

Dann gibt es da noch die verstörenden "typischen Lynch-Szenen": Die Visionen von Phillip Jeffries, die extrem seltsame junge Frau, die Nachrichten von Gordon Cole durch Körperhaltung und Gesichtsausdruck vermittelt, die Szenen im Red Room und so weiter. Alle Symbole dieser surrealen Szenen verstehen zu wollen, dürfte unmöglich sein. Es gibt für so manches vermutlich überhaupt keine rationale Erklärung. Traum und Realität, Wirklichkeit und jenseitige Welt vermischen sich, künftige Ereignisse spielen in die Vergangenheit hinein. Wer sich auf so etwas nicht einlassen kann, hat mit diesem Film garantiert ein Riesenproblem. Das gleiche gilt, wenn man den Film als frauenfeindlich und voyeuristisch versteht, was er meiner Meinung nach trotz der dargestellten Gewalt und der Thematik (Kindesmissbrauch, Inzest, Drogenkonsum) nicht ist. Das ist nicht zuletzt den tollen schauspielerischen Leistungen zu verdanken, die übrigens erheblich unter der deutschen Synchronisation leiden.

Ich habe gelesen, dass der Film um fast eine Stunde gekürzt werden musste. Ich hoffe deshalb, dass es eines Tages einen "Director's Cut" mit den fehlenden Szenen geben wird. Vielleicht würden sie den etwas "unrunden" Eindruck verbessern, den "Fire walk with me" hinterlässt.

Die DVD:

Tja, zur DVD gibt's nicht viel zu sagen, denn es ist keinerlei Bonusmaterial vorhanden. Schade, gerade bei einem so "erklärungsbedürftigen" Film hätte man sich doch wenigstens ein paar Interviews gewünscht. Von den bereits erwähnten entfallenen Szenen ganz zu schweigen.

J. Kreis, 04.11.2007
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