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Tropic Thunder Tropic Thunder (USA / GB / D, 2008)

DVD Regionalcode 2, Paramount
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 102 Minuten

Extras
Audiokommentar, "Blowing Shit up", "The Hot LZ", "The Cast of Tropic Thunder", Make-up-Test mit Tom Cruise, "Full Mags", "Rain of Madness"-Trailer, MTV Movie Awards - Tropic Thunder

Regie:
Ben Stiller

Hauptdarsteller:
Ben Stiller (Tugg Speedman)
Robert Downey Jr. (Kirk Lazarus)
Jack Black (Jeff Portnoy)
Jay Baruchel (Kevin Sandusky)
Brandon T. Jackson (Alpa Chino)
Nick Nolte (John "Four Leaf" Tayback)
Matthew McConaughey (Rick Peck)
Tom Cruise (Les Grossman)
Steve Coogan (Damien Cockburn)
Danny R. McBride (Cody Underwood)
Brandon Soo Hoo (Tran)




Inhalt:

Tugg Speedman, einst Actionfilm-Superstar, hat ein Problem. Die x-te Fortsetzung seines Erfolgsfilms "Scorcher" ist ein Flop, aber noch katastrophaler war "Simple Jack", Speedmans einziger "ernsthafter" Film. Für seine Darstellung eines Behinderten hat er nicht den Oscar erhalten, sondern nur Hohn und Spott. Sein nächstes Werk mit dem Titel "Tropic Thunder", die Verfilmung der gleichnamigen Memoiren des Vietnam-Veteranen Four Leaf Tayback, muss unbedingt ein Erfolg werden, andernfalls wäre Speedmans Karriere endgültig beendet. "Tropic Thunder" wird deshalb mit gewaltigem Aufwand an Originalschauplätzen gedreht. Four Leaf Tayback ist persönlich vor Ort und alle Rollen sind hochkarätig besetzt. Neben Speedman in der Hauptrolle wurden der fünffache Oscar-Preisträger Kirk Lazarus, der Comedy-Star Jeff Portnoy und der berühmte Rap-Musiker Alpa Chino verpflichtet. Auch Nachwuchsschauspieler Kevin Sandusky gehört mit zur Stammbesetzung. Lazarus treibt sein Method-Acting so weit, dass er sich sogar die Haut dunkel pigmetieren lässt, da er den afroamerikanischen Soldaten Lincoln Osiris spielt. Doch als es Nachwuchs-Regisseur Damien Cockburn nicht gelingt, all diese Diven unter Kontrolle zu behalten (obwohl man ihnen praktisch jeden Wunsch von den Augen abliest), und als Pyrotechniker Cody Underwood schon am fünften Tag der Dreharbeiten eine millionenschwere, gigantische Explosion zündet, die wegen der Zickigkeiten der Stars gar nicht gefilmt wird, zieht der zwar stinkreiche, aber nicht besonders umgängliche Produzent Les Grossman die Notbremse. Cockburn muss die Sache in den Griff bekommen, sonst wird das Projekt gestoppt.

Tayback bringt Cockburn auf die Idee, die Schauspieler realen Gefahren auszusetzen, um echte Reaktionen von ihnen zu erhalten. So werden Speedman, Lazarus, Portnoy, Alpa Chino und Sandusky mitten im Dschungel sich selbst überlassen. Cockburn erklärt ihnen vor Ort, dass sie sich zum in einiger Entfernung wartenden Hubschrauber durchschlagen sollen. Überall an den Bäumen sind versteckte Kameras installiert, die das Geschehen aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufnehmen. Dass Underwood und Tayback vom Hubschrauberlandeplatz aus vorbereitete Sprengladungen zünden sollen, um den Schauspielern die Hölle heiß zu machen, verrät der Regisseur nicht. Im nächten Moment tritt er auf eine alte Landmine und wird in winzige Fetzen gesprengt. Speedman glaubt an einen Trick und spielt seine Rolle weiter. Auch die anderen Schauspieler nehmen an, dass sie immer noch gefilmt werden und benehmen sich wie die ultraharten Kämpfer, die sie dem Drehbuch zufolge darstellen sollen. Damit beeindrucken sie, ohne es zu wissen, eine Patrouille der asiatischen Drogengang "Flaming Dragon". Es kommt zu einem Schusswechsel - dass die Waffen der Schauspieler nur mit Platzpatronen geladen sind, ahnen die Gangster nicht, und als Underwood die ersten Pyrotechnik-Effekte abfackelt, ergreifen die Asiaten die Flucht. Nun führt Speedman seine Männer in den Dschungel, dummerweise aber in die falsche Richtung und mitten hinein ins so genannte "Goldene Dreieck" der Drogenhändler.

Als Underwood und Tayback nach dem Rechten sehen wollen, werden sie von den Gangstern gefangen genommen und in deren Lager eingesperrt. Es stellt sich heraus, dass Tayback nie in Vietnam war; seine Memoiren sind reine Fiktion. Auch Speedman, der sich wegen eines Autoritätsproblems von der Gruppe getrennt hat, fällt den Gangstern in die Hände. Tran, ihr jugendlicher Führer, erkennt ihn als Hauptdarsteller von "Simple Jack" und zwingt ihn, diese Rolle in bizarren Theateraufführungen mehrmals am Tag zu spielen. Die Gangster lieben diesen Film, denn der ist die einzige Abwechslung, die sie in ihrem harten Leben bisher hatten. Speedman verliert allmählich den Bezug zur Realität. Die Gangster kontaktieren Grossman, um Lösegeld zu erpressen, aber der verhandelt nicht mit Terroristen. Viel lieber würde er die Versicherungssumme kassieren und Speedmans Schicksal werbewirksam ausbeuten. Auch Speedmans Agent und Freund Rick Peck soll sich an diesem finsteren Geschäft beteiligen. Derweil bereiten Speedmans "Kameraden" den Sturm auf das Drogenlager vor, wobei sie sich immer noch ans Drehbuch halten. Die Flucht gelingt trotz zusätzlicher Probleme: Lazarus muss Speedman in die Realität zurückholen, wobei er begreift, dass er sein Method-Acting derart übertrieben hat, dass er selbst nicht mehr weiß, wer er wirklich ist, und Portnoy hat im Dschungel seine Drogenvorräte verloren, so dass er sich der Verlockung des im Lager gefundenen Heroins nur schwer entziehen kann. Auch Underwood und Tayback werden befreit.

Nach wildem Kampf erreichen die Männer endlich den Hubschrauber, aber die Flaming-Dragon-Gangster sind ihnen dicht auf den Fersen. Als Tran mit einer Panzerfaust auf den Helikopter schießt, scheint das Ende gekommen zu sein, doch da taucht der leicht ramponierte Peck aus dem Dschungel auf. Er ist eigens angereist, um Speedman einen Festplattenrekorder zu bringen, der dem Star laut Vertrag zusteht. Den schleudert er nun in die Höhe. Das Ding fängt das Bazooka-Geschoss ab, alle sind gerettet. Die versteckten Kameras haben tatsächlich alles aufgezeichnet. Daraus wird ein Dokumentarfilm gemacht, der äußerst erfolgreich in den Kinos läuft und mit Preisen überhäuft wird. Auch Speedman erhält nun endlich einen Oscar.

Der Film:

Betrachtet man diesen Film als grotesk überdrehte, niemals ernst gemeinte und mit verrückten Ideen, Anspielungen, Seitenhieben, Cameo-Auftritten und Insider-Gags vollgepackte Komödie, dann kann man sich prächtig amüsieren und über die alberne Handlung hinwegsehen, die eigentlich nur dazu da ist, um diverse nur lose miteinander verknüpfte Szenen zusammenzukitten. Man sollte ihn aber keinesfalls als Kritik an der Filmindustrie und erst recht nicht als Kriegsfilm-Parodie verstehen. Dazu verläuft die Handlung viel zu irrwitzig - und was da so alles passiert, ist auch nicht durch den Umstand zu erklären, dass die durch den Dschungel irrenden Schauspieler angeblich glauben, während der ganzen Zeit gefilmt zu werden. Was ja offensichtlich auch tatsächlich passiert, sonst hätte der Dokumentarfilm, für den Speedman den Oscar erhält, nie entstehen können.

Der Film beginnt, ganz wie im Kino, mit Werbung und Trailern - aber natürlich nicht mit echter Werbung und mit Trailern zu realen Filmen. Auch hierbei handelt es sich wieder um die Veralberung echter Vorbilder: Tugg Speedman hat, wie diverse bekannte Actionhelden, schon die x-te Fortsetzung des Films gedreht, der ihn berühmt gemacht hat. Kirk Lazarus kommt in einer Mittelalter-Version von "Brokeback Mountain" vor, sein Parter ist Tobey Maguire (köstlich). Auch sonst ist Downey, der den "dude playin' the dude, disguised as another dude" unglaublich genial verkörpert, ein echter Lichtblick in diesem Film. Den vollen Genuss hat man aber nur, wenn man die englische Sprachversion wählt. In der deutschen Version geht der von Downey bzw. Lazarus verwendete Slang natürlich komplett verloren. Viele Gaststars geben sich ein Stelldichein. Meist in Cameo-Auftritten, manche haben aber auch tragende Rollen. Allen voran Tom Cruise in der Rolle als großkotziges Arschloch. Es ist gar nicht so leicht, ihn mit Halbglatze, Sonnenbrille, Brusthaartoupet und Fettleibigkeit überhaupt zu erkennen. Hat er sich extra ein paar Pfunde angefressen? Ist die dichte Körperbehaarung echt? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Egal: Durch diese Rolle ist er enorm in meiner Achtung gestiegen. Seinen Tanz als Möchtegern-Rapper sollte man unbedingt mal gesehen haben. Aber auch Matthew McConaughey als treuer Agent (gibt es so etwas wirklich?) und Nick Nolte als unechter Vietnam-Veteran können sich sehen lassen. Frank Black nervt dagegen eigentlich nur.

In diesem Film kriegt wirklich jeder sein Fett weg, aber letzten Endes ist der Humor doch zu platt, als dass man von intelligenter Satire sprechen könnte. Hintergründiger Humor scheint Ben Stillers Sache nicht zu sein, er kommt immer mit dem Holzhammer. Vor allem aber knirscht die Story an allen Ecken und Enden. So passt das Gag-Feuerwerk nicht so recht zu den Identitäts- und Selbstfindungsproblemen Speedmans und seines Kumpans Lazarus. Nach der bereits erwähnten Werbung und den Fake-Trailern kommt eine aufwändig produzierte, hervorragend gemachte Vietnamkriegsszene, die mehr und mehr aus dem Ruder läuft, bis dann zum (fiktiven) Filmteam umgeblendet wird. So klasse diese Szene in einem "richtigen" Kriegsfilm wäre, so unpassend wirkt sie hier. Das scheint auch dem Regisseur aufgefallen zu sein, denn die Gewalt ist in dieser Szene geradezu comichaft überzeichnet. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass der Film frei ab 16 und nicht ab 18 ist. Anscheinend haben unsere Sittenwächter kein Problem damit, wenn Kopfschüsse mit literweise in den Himmel spritzendem Blut, von Bajonetten zerfetzte Bäuche mit herausquellenden Gedärmen und abgefetzte Hände gezeigt werden - es handelt sich ja nur um die Spezialeffekte des "Films-im-Film". Wären es Spezialeffekte für den "echten" Film, hätte die Sache sicher anders ausgesehen.

Eine Ansammlung meist witziger, manchmal zum Brüllen komischer, oft aber auch missglückter oder peinlicher Szenen - aber kein guter Film. Das ist "Tropic Thunder". Wer weiß? Vielleicht hätte ein kleineres Budget dem Film gut getan, denn manchmal erstickt er in genau der brachialen Action, die er doch eigentlich parodieren wollte...

Die DVD:

Die Steelbook Edition enthält eine Reihe relativ kurzer Featurettes, die zusammengenommen einige ganz nette Einblicke in den Produktionsprozess gewähren.

"Blowing Shit up" (ca. 6 Minuten) beschäftigt sich mit der Vorbereitung der pyrotechnischen Effekte. Höhepunkt ist natürlich die gewaltige Explosion zu Beginn des Films. "The Hot LZ" (ca. 6 Minuten, LZ = Landing Zone) zeigt die Entstehung der Vietnamkriegsszene, mit der der Film anfängt. Unfassbar, was für ein Aufwand für eine Szene betrieben wurde, die mit dem eigentlichen Film gar nichts zu tun hat. "The Cast of Tropic Thunder" (insg. ca. 22 Minuten) ist eine Zusammenstellung von Interviews, Filmszenen (auch nicht verwendete und schiefgegangene Szenen) und Hinter-den-Szenen-Material, die auf jeweils einen Hauptdarsteller zugeschnitten ist. Der Make-up-Test mit Tom Cruise enthält eine optionale Einführung von Ben Stiller und Greg Hayden und zeigt, wie Tom Cruise in voller Maske seinen Rapper-Tanz probt. Dieser Tanz war angeblich Cruises eigene Idee. Auch "Full Mags" (ca. 18 Minuten) enthält eine Einführung von Stiller und Hayden. Gezeigt wird eine Dialogszene aus dem Film zwischen Stiller und Downey jr. mit unzähligen Abwandlungen des Texts, Improvisationen und kleinen Scherzen der Schauspieler. Hinzu kommen zwei Fake-Trailer: Einer zu dem Dokumentarfilm, für den Tugg Speedman den Oscar erhält, und einen, in dem Stiller, Downey jr. und Black ein Video herstellen wollen, um virales Marketing für "Tropic Thunder" zu machen. Stillers Neffe soll ihnen sagen, was man als jugendlicher Nerd heutzutage cool findet. Das Ganze gipfelt darin, dass Blacks Kopf explodiert. Eine Wohltat.

J. Kreis, 16.01.2010


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