Zurück zu den Filmen

Troja Troja - Director's Cut (USA, 2004)
- Troy -

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 196 Minuten

Extras
"Troja im Rückblick", "Troja im Fokus", "Im Eifer des Gefechts", "Von Ruinen zur Realität", "Troja: Eine Odyssee der Effekte", "Der Angriff auf Troja", "Wasserski mit einem griechischen Kriegsschiff", USA-Kinotrailer

Regie:
Wolfgang Petersen

Hauptdarsteller:
Brad Pitt (Achilles)
Eric Bana (Hektor)
Brian Cox (Agamemnon)
Orlando Bloom (Paris)
Diane Kruger (Helena)
Peter O'Toole (Priamos)
Brendan Gleeson (Menelaos)
Rose Byrne (Briseis)
Sean Bean (Odysseus)
Saffron Burrows (Andromache)
Garrett Hedlund (Patroklos)
Julie Christie (Thetis)




Inhalt:

König Agamemnon von Mykene strebt nach der Herrschaft über den gesamten Mittelmeerraum. Nach und nach besiegt er die Herrscher aller Königreiche Griechenlands und verpflichtet sie, an seiner Seite zu kämpfen, falls er ihre Hilfe brauchen sollte. Agamemnons wichtigster Kämpfer ist Achilles, Sohn des Peleus und der Meeresnymphe Thetis. Achilles versteht sich allerdings nicht als Soldat des Großkönigs, er kämpft nur, um Ruhm zu erlangen. Es gibt nur einen Widersacher, den Agamemnon noch nicht bezwingen konnte: König Priamos von Troja. Troja und das von Agamemnons Bruder Menelaos beherrschte Sparta streben einen Friedensschluss an. Hektor und Paris, die Söhne des Priamos, sind zu Gast in Sparta. Paris verliebt sich in Helena, die schöne junge Frau des Königs, und entführt sie ohne Hektors Wissen nach Troja. Der gehörnte Ehemann bittet seinen Bruder um Hilfe und bietet Agamemnon somit einen willkommenen Anlass, um alle Könige Griechenlands zu einem Feldzug gegen Troja zusammenzurufen. Auch Achilles soll sich an diesem Feldzug beteiligen. Odysseus, der einzige König Griechenlands, den Achilles schätzt, soll ihn zur Teilnahme bewegen. Die Aussicht auf ewigen Ruhm ist ausschlaggebend: Achilles und seine Elitekämpfer, die Myrmidonen, schließen sich der gewaltigen Flotte an, die alsbald Richtung Troja segelt. Helena wird derweil in Troja freundlich aufgenommen, obwohl klar ist, dass ihre Entführung Krieg bedeutet. Hektor würde sie deshalb am liebsten zurück nach Sparta schicken. Priamos vertraut jedoch Apollon, dem Schutzgott Trojas, und begrüßt Helena wie eine Tochter. Als die Flotte der Achaier die Küste vor Troja erreicht, sind es Achilles und dessen Myrmidonen, die den Strand erobern.

Die anrückenden Troer unter Hektors Führung können nicht verhindern, dass die Myrmidonen den Apollo-Tempel schänden und die Priesterin Briseis gefangen nehmen. Sie wird zu Achilles gebracht, der die junge Frau freundlich behandelt. Seine Verachtung für Agamemnon verwandelt sich in Zorn, als der König die Eroberung des Strandes nicht nur als eigenen Verdienst feiert, sondern auch Briseis für sich selbst fordert. Der ärgerliche Held weigert sich daraufhin, am eigentlichen Angriff auf Troja teilzunehmen. Paris möchte ein Gemetzel abwenden und fordert Menelaos zum Zweikampf, wird aber besiegt und sucht bei seinem Bruder Schutz. Dieser tötet Menelaos und löst somit einen Sturmangriff der Griechen aus. Allerdings ist die Moral der Achaier ohne Achilles schwach, und so gelingt es Hektors Truppen, die Angreifer bis zu deren Schiffen zurückzudrängen. Am Abend greift Achilles ein, als einige Soldaten Briseis vergewaltigen wollen. Er bringt sie in sein Zelt. Die beiden verbringen die Nacht miteinander und Achilles verkündet, er werde mit ihr nach Griechenland zurückkehren. Noch in derselben Nacht überfallen die Troer das griechische Lager. Der Kampf zieht sich unentschieden bis zum Morgengrauen hin, dann führt Achilles plötzlich doch die Myrmidonen in die Schlacht und trifft auf Hektor. Zum Entsetzen wird Achilles von Hektor besiegt, doch als der dem Sterbenden den Helm abstreift, zeigt sich, dass der junge Patroklos, Cousin und Schüler des Achilles, die Rüstung des Helden benutzt hat. Hektor und Odysseus kommen überein, die Kämpfe für diesen Tag ruhen zu lassen.

Als Achilles vom Tod seines jugendlichen Freunds erfährt, kennt sein Zorn keine Grenzen mehr. Er fordert Hektor zum Zweikampf heraus, tötet den Prinzen, und schleift die Leiche mit seinem Streitwagen bis zu den Schiffen. In der Nacht sucht König Priamos ihn heimlich auf, um die Herausgabe des Leichnams zu erbitten, damit dieser angemessen beigesetzt werden kann. Achilles ist einverstanden und sichert den Troern außerdem einen zwölftägigen Waffenstillstand zu. Während dieser Zeit ersinnt der listenreiche Odysseus einen Plan, wie die unbezwingbar scheinende Stadt doch noch erobert werden kann. Alle Schiffe werden in eine Bucht verlegt, am Strand lässt man Leichen zurück, die den Eindruck erwecken sollen, die Achaier seien einer Seuche erlegen. Außerdem errichten sie ein gigantisches hölzernes Pferd. Die Troer halten dies wie erwartet für eine Opfergabe an die Götter und bringen das Pferd in die Stadt. In der Nacht entsteigen dem hohlen Koloss Dutzende Griechen, die die Tore Trojas öffnen, so dass das gesamte Heer eindringen kann. Die Griechen richten ein Blutbad unter der Stadtbevölkerung an, Agamemnon lässt die Stadt niederbrennen. Achilles beteiligt sich nicht an dem Gemetzel. Er sucht Briseis, um sie in Sicherheit zu bringen. Briseis tötet Agamemnon, der zuvor Priamos ermordet hat. Paris streckt Achilles mit Pfeilen nieder und führt Briseis zu einem Geheimtunnel, der ins Hinterland führt. Durch diesen Tunnel können viele Troer entkommen, angeführt von Andromache, Hektors Frau, sowie Aenaeas, der das Schwert Trojas trägt. Auch Paris und Helena fliehen auf diesem Weg.

Am nächsten Tag ist Troja vernichtet, der tote Achilles wird auf einem riesigen Scheiterhaufen verbrannt - sein Name ist unsterblich geworden.

Der Film:

In Homers Ilias dauert der trojanische Krieg zehn Jahre, die Geschichte endet mit Hektors Tod. Die Eroberung der Stadt mit Hilfe des trojanischen Pferds kommt in der Ilias gar nicht vor, auf sie wird in der Odyssee und in Vergils Aenaeis eingegangen. Der Film "Troja" verknüpft diese Elemente, andere wichtige Bestandteile aus Homers Epos werden weggelassen oder verändert. So dauert der Krieg im Film nur wenige Wochen, Agamemnon kehrt nicht nach Hause zurück, um dort im Bad von Klytämnestra ermordet zu werden, sondern wird von Briseis getötet. Die olympischen Götter nehmen bei Homer aktiv am Kampf teil und unterstützen mal die eine, mal die andere Seite. Die Götter sind zentraler und unverzichtbarer Bestandteil der Ilias. Durch den Streit der Göttinnen um die Frage, wer die Schönste sei, ist der Krieg der Sage nach ja auch erst ausgebrochen. Zwar spielt der Götterglaube auch im Film eine gewisse Rolle, aber er enthält kein "übernatürliches" Element; die Götter kommen nicht vor. Auch Achilles' Unverwundbarkeit wird nur angedeutet: Ein durch die Ferse geschossener Pfeil bringt ihn zu Fall, dann wird er von weiteren Pfeilen durchbohrt. Die zieht er sich aber wieder heraus, so dass es für die Soldaten, die ihn finden, so aussieht, als sei er an dieser einen Wunde gestorben. Mit der Ilias wird also recht frei umgegangen, daher ist auch im Abspann zu lesen, dass der Film von Homers Werk lediglich "inspiriert" worden sei. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn wer die Ilias gelesen hat (ich bin gerade dabei), der weiß, dass man diesen Stoff unmöglich 1:1 hätte verfilmen können. Von "historischer Korrektheit" muss man angesichts einer Geschichte, die in die Sagenwelt gehört, sowieso nicht sprechen.

Die Kinoversion war trotz vieler Auslassungen zwar noch recht lang, aber nicht lang genug. Man hatte kaum Gelegenheit, sich mit den verschiedenen Hauptfiguren zu identifizieren, ihre Gefühle und Motivationen blieben unklar. Das war eine der großen Schwächen des Films - man war zwar vom gewaltigen Schlachtengetümmel beeindruckt, wurde aber nicht mitgerissen, weil die emotionale Seite (die "Seele", wenn man so will) fehlte. Man konnte einfach nicht mitfiebern. Die zweite Schwäche bestand darin, dass die Schlachten aufgrund der angestrebten niedrigen Altersfreigabe nicht den richtigen Biss hatten. Der ca. eine halbe Stunde längere Director's Cut macht bezüglich dieser beiden Kritikpunkte vieles besser. Alle Hauptfiguren werden jetzt viel ausführlicher vorgestellt, die Charakterzeichnung erhält mehr Tiefe, alles wird verständlicher und so kommt vor allem Gefühl in die Sache. Die Schlachten sind wuchtiger, "schmutziger" und blutiger - sie entsprechen damit auch viel mehr den Beschreibungen in der Ilias, die noch weit expliziter sind, was die Gewaltdarstellung anbelangt. Gestaltete sich das Warten auf die nächste Kampfszene in der Kinoversion noch zu einem eher langweiligen Geduldsspiel, so kann man jetzt den ganzen Film unterhaltsam finden, denn endlich ist es dem Zuschauer nicht mehr egal, wer gegen wen kämpft und wer am Ende stehen bleibt.

Ein einziges Problem gibt es aber immer noch: Achilles ist immer noch eine zickige Diva. Er schmollt die meiste Zeit nur in seinem Zelt und feiert am Schluss einen veritablen Wutanfall ab. Und den Kampf gegen Hektor, den einzigen Vernünftigen in Trojas Mauern, den man unwillkürlich ins Herz schließt, gewinnt dieser Unsympath dann auch noch. Man versteht einfach nicht, was Achilles umtreibt. Warum kämpft er für Agamemnon? Wenn es ihm um die Ehre geht: Wäre es nicht viel ehrenvoller, sich gegen diesen Welteroberer zu stellen? Gut, wenn man voraussetzt, dass Achilles selbst glaubt, für den Kampf geboren zu sein, und dass er seinen Namen unsterblich machen will, kann man nachvollziehen, warum er an Agamemnons Feldzug teilnimmt. Sein Verhalten während dieses Feldzugs wird aber immer noch nicht verständlicher...

Die vielen Charakterszenen werten den Film also erheblich auf. Die Schauspieler liefern allesamt Bestleistungen ab - mit Ausnahme von Diane Krüger vielleicht, aber die gute Frau muss ja ohnehin nicht viel mehr tun, als gut auszusehen. Aber seien wir ehrlich: Was wollen wir bei einem Sandalen- oder Monumentalfilm wirklich sehen? Na klar: Zünftige Kämpfe und prächtige Kulissen. Diesbezüglich kann "Troja" definitiv punkten, das war schon in der Kinoversion so, im Director's Cut wird noch mehr davon geboten. Beeindruckende Massenschlachten und dynamische Einzelkämpfe (im Director's Cut ohne "gebremsten Schaum"), riesige und zum großen Teil echte, nicht am Computer entstandene Kulissen sowie eine aufwändige, prächtige Ausstattung lassen den Film zu einem optischen Genuss werden. Insgesamt ist der Director's Cut von "Troja" gute Unterhaltung, die zwar immer noch ein bisschen "dünn" wirkt, aber definitiv mehr überzeugt als die Kinoversion.

Die DVD:

Die oben aufgelisteten Featurettes sind allesamt schnell geschnittene Zusammenstellungen aus Interviews, Filmszenen und Blicken hinter die Kulissen. Wolfgang Petersen leitet den Film mit einigen Anmerkungen zu den Unterschieden zwischen Kinoversion und Director's Cut ein, dann folgen fünf zwischen 11 und 23 Minuten lange Beiträge, in denen es nicht nur um die Dreharbeiten, den Bau der Kulissen, die Stunts, CGI-Effekte, Waffen usw. geht, sondern auch um Schliemann und seine Suche nach Troja, die Ilias und so weiter. Abgerundet wird das Ganze durch ein paar Späßchen, die sich die Programmierer mit Computergrafiken erlaubt haben. So sieht man zum Beispiel, wie keine Kriegsschiffe, sondern Hunderte von Gummi-Enten gen Troja schippern...

Insgesamt erfährt man zwar durchaus so einiges über den Produktionsprozess, aber eine richtige Dokumentation stelle ich mir anders vor.

J. Kreis, 26.03.2008
Seitenanfang