The Cell


The Cell - Director's Cut (USA/D, 2000)

DVD Regionalcode 2, Kinowelt Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 105 Min.

Extras
- Audiokommentar des Regisseurs
- Isolierte Filmmusik-Tonspur
- Bonusfilm "Geteiltes Leid" (12:01 Min.)
- Geschnittene Szenen
- Style as Substance - Reflection on Tarsem (11:50 Min.)
- Visual Effects Dokumentationen
- Teaser und Trailer
- Filmografien (Text)
- Empathie-Test (Text)

Regie:
Tarsem Singh

Hauptdarsteller:
Jennifer Lopez (Catherine Deane)
Vince Vaughn (Peter Novak)
Vincent D'Onofrio / Jake Thomas (Carl Rudolph Stargher)
Tara Subkoff (Julia Hickson)




Inhalt

Das FBI jagt Carl Stargher, einen Serienmörder, der schon mehrere Frauen entführt und ermordet hat. Stargher tötet seine Opfer nicht sofort. Er hält sie ca. 40 Stunden lang in einer ausbruchssicheren gläsernen Kammer gefangen, die sich nach Ablauf der Frist mit Wasser füllt, so dass die Eingeschlossenen ertrinken. Permanent laufende Kameras filmen ihren Todeskampf. Anschließend präpariert Stargher die Leichen mit starken Bleichmitteln, so dass sie Puppen gleichen, und vergeht sich an ihnen. Dann legt er die Körper irgendwo ab. Dabei begeht er allerdings Fehler - möglicherweise absichtlich - die es dem FBI-Agenten Peter Novak ermöglichen, seine Spur aufzunehmen. Kurz nach der Entführung seines letzten Opfers Julia Hickson wird Stargher zu Hause aufgespürt. Das Versteck, in dem Julia gefangen gehalten wird, befindet sich jedoch irgendwo anders. Da es sich um ein vollautomatisches System handelt, wird Julia unweigerlich qualvoll sterben, wenn sie nicht rechtzeitig gefunden wird. Stargher kann nicht befragt werden, denn er fällt in ein virusbedingtes Koma, aus dem er nie wieder erwachen wird. Das FBI greift auf ein experimentelles Verfahren zurück, mit dem die Gehirne mehrerer Menschen miteinander vernetzt werden können. So ist es möglich, die virtuelle Gedankenwelt einer anderen Person zu "betreten". Die Kinderpsychologin Catherine Dean setzt diese Technik zur Therapie von Komapatienten ein, bisher allerdings mit wenig Erfolg. Sie erklärt sich bereit, in Starghers Bewusstsein einzudringen und dort nach Informationen über das Versteck zu suchen. Die geistige Verschmelzung ist nicht ohne Risiko, denn man erhält den Eindruck, man befinde sich körperlich in einer fremden Welt, die ganz nach dem Willen des "Wirts" gestaltet ist. Sollte Catherine den geistigen Kontakt zur Realität verlieren, wäre sie Stargher hilflos ausgeliefert. Würde sie in der virtuellen Realität sterben, dann wäre ihr Tod durchaus real.

Beim ersten Eindringen in Starghers Unterbewusstsein stellt Catherine fest, dass sich die Persönlichkeit des Killers aufgespalten hat. Sie begegnet der positiven Seite Starghers, die durch einen kleinen Jungen personifiziert wird, fühlt sich dann aber von seinem negativen Ich bedroht. Catherine unterbricht die Verbindung. Novak überredet sie, es noch einmal zu versuchen. Nach der zweiten Verschmelzung erfährt Catherine viel über Starghers Vergangenheit, aber nichts über sein letztes Opfer. Sie gerät immer mehr in den Bann von Starghers Persönlichkeit, bis sie an die Realität dessen zu glauben beginnt, was sie in seinem Geist erlebt. Sie verliert sich in den von Stargher erschaffenen bizarren Visionen und kann die Verschmelzung nicht mehr aus eigener Kraft beenden. Novak klinkt sich ein und hilft Catherine, in die Realität zurückzufinden. Außerdem sieht er ein Symbol, das offenbar sehr wichtig für Stargher ist. Dasselbe Symbol befindet sich in Starghers Wohnung. Das ist der entscheidende Hinweis, der es Novak ermöglicht, das Versteck mit der Folterkammer zu finden. Als er dort ankommt, ist die Glaszelle zwar schon geflutet, aber es ist Julia gelungen, Luft durch eine losgerissene Leitung zu schöpfen. Novak zerstört die Zelle und rettet die junge Frau.

In der Zwischenzeit aktiviert Catherine die Verbindung mit Stargher zum dritten Mal. Sie will versuchen, den unschuldigen, kindlichen Teil seiner Persönlichkeit zu schützen. Zu diesem Zweck kehrt sie den Prozess um und holt Starghers Bewusstsein in ihren eigenen Geist, denn dort gelten ihre Regeln. Tatsächlich manifestieren sich beide Personifizierungen von Starghers Ich. Catherine muss aber erkennen, dass sie den "bösen" Stargher nicht eliminieren kann, ohne gleichzeitig den "guten" zu vernichten. Letzterer bittet um den Tod. Catherine erfüllt ihm diesen Wunsch. Starghers Körper stirbt ebenfalls. Somit konnte Catherine Stargher zwar nicht retten, aber sie hat gelernt, wie sie echten Zugang zu ihren Patienten erlangen kann.

Kommentar

In einem Film von Tarsem Singh nach der Story zu fragen, ist nicht besonders sinnvoll. Es sind die Bilder, auf die es ankommt! Immerhin: Es gibt eine Story. Man kann nicht umhin, mit den Opfern Starghers zu leiden und zu hoffen, dass zumindest Julia rechtzeitig gerettet wird. Abgesehen von Starghers perversen Vorlieben, seiner ausgeklügelten Tötungsmaschinerie und den von ihm angewandten Sexualpraktiken ist die Geschichte eher konventionell und nicht mal besonders spannend. Aber diese Kriminalstory wird immer wieder von einer anderen, sehr viel interessanteren Ebene überlagert. Wenn sich Catherine mit Starghers Geist vernetzt, betritt sie die Welt des menschlichen Unterbewusstseins, in der buchstäblich alles möglich ist. Der Film wird von den entsprechenden Szenen dominiert, man könnte sogar sagen, dass die realweltliche Handlung nur existiert, um möglichst viele Ausflüge in Starghers Geist zu ermöglichen. Dagegen habe ich aber nichts einzuwenden. Es wäre mir sogar lieber gewesen, wenn sich die Handlung (außer Anfang und Schluss) ganz in der dunklen, verdrehten Psyche des einerseits in Phantasien von eigener Größe schwelgenden, andererseits von inneren Dämonen gequälten Serienmörders abgespielt hätte! Nur im Director's Cut wird übrigens in aller Deutlichkeit gezeigt, was Stargher wirklich mit seinen Opfern anstellt. Man sieht, wie er sich an den auf seinem Rücken angebrachten Ringen über der präparierten Leiche seines letzten Opfers aufhängt, auf dem Bildschirm ihr Sterben beobachtet und sich dabei befriedigt... Ansonsten ist zwar die eine oder andere Gewaltspitze zu sehen, insgesamt ist die Gewaltdarstellung aber noch als moderat zu bezeichnen. Heute (2012) würde der Film wahrscheinlich eine 16er-Freigabe erhalten.

Regisseur, Effektspezialisten, Masken- und Szenenbildner, Kostümdesigner usw. konnten ihre Ideen voll ausleben. Auch die Musik schöpft aus dem Vollen und unterstützt die merkwürdige Atmosphäre sehr gut. Auf Logik, Naturgesetze oder auch nur Nachvollziehbarkeit musste nicht geachtet werden. Und so sind farbenprächtige, surreale Landschaften entstanden, die aus (Alp-)Träumen zu stammen scheinen - opulente Tableaus mit einer ganz eigenen, meist morbiden Ästhetik, die ich damals ungemein faszinierend fand. Vieles davon ist auch heute noch beeindruckend. Der eine oder andere digitale Spezialeffekt wirkt inzwischen aber doch etwas angestaubt. Ich kann eigentlich nur wiederholen, was ich zu The Fall, Tarsem Singhs zweitem Film, geschrieben habe: In der Welt von Starghers Geist ist alles überhöht oder stilisiert, die Farben sind satt und leuchtend, die Akteure nehmen betont theatralische Posen ein, die verschiedensten Stile vermischen sich. Zeitraffer, Zeitlupe und optische Verfremdungen werden immer wieder eingesetzt. Genau wie in "The Fall" stehen die mit Symbolen und Andeutungen vollgestopften Traumbilder aber nicht für sich allein. Sie haben eine Beziehung zur Realität, d.h. zu Starghers Vergangenheit. Erinnerungen an den brutalen Vater, eine beängstigende Taufzeremonie und andere traumatische Kindheitserlebnisse gehen über in Szenarien, in denen man verschiedene Versionen vom idealisierten Selbstbild des "bösen" Stargher sieht. Viele Details aus der Realität finden sich in abgewandelter Form auch hier wieder. Dieser Blick in die Seele eines Menschen, der selbst Opfer war und so zum Ungeheuer wurde, ist beunruhigend und fesselnd zugleich.

Unter den Schauspielern ragt Vincent D'Onofrio nicht nur physisch hervor (der Mann ist fast zwei Meter groß). Er verkörpert die unterschiedlichen Facetten von Starghers Persönlichkeit perfekt. Natürlich tragen Maske und Kostüme nicht unerheblich zu diesem Eindruck bei. Dennoch ist seine Wandlungsfähigkeit phänomenal, und er schafft es sogar, beinahe so etwas wie Sympathie für das von ihm gespielte Ungeheuer zu wecken. Während Vince Vaughns Figur immerhin durch die Backstory ein wenig Profil gewinnt - Novak will Julia um jeden Preis retten, um sein fatales Versagen in einem früheren Fall auszugleichen, außerdem wurde er möglicherweise als Kind selbst missbraucht - bleibt die von Jennifer Lopez gespielte Hauptfigur Catherine sehr blass. Das stört aber nicht, denn es reicht völlig, dass sie in den farbenprächtigen Bühnenbildern posiert und dabei eine gute Figur macht. Mehr muss Frau Lopez gar nicht leisten...

DVD-Features

Ohne den Kurzfilm "Geteiltes Leid" von Ivar Leon Menger wäre das Bonusmaterial nicht weiter erwähnenswert: Die Featurette "Style as Substance" enthält hauptsächlich Lobhudelei, immerhin aber einen Satz, der den Film recht treffend beschreibt: "Zu weit gehen" war das Ziel. In relativ kurzen Einzel-Featurettes werden Interviews, Hinter-den-Szenen-Material und Storyboards zu sechs Effektszenen im Multi-Angle-Vergleich angeboten. Die acht geschnittenen bzw. alternativen Szenen mit optionalem Audiokommentar des Regisseurs sind völlig vernachlässigbar. Hinzu kommt neben ein paar Textinfos eine Art Psychotest. Ihr müsst 20 Fragen beantworten und bekommt dann mitgeteilt, wie hoch euer "Empathie-Level" ist, d.h. wie ausgeprägt eure Emotionale Intelligenz ist und ob ihr geeignet wärt, wie Catherine Deane in den Geist eines anderen Menschen einzudringen.

Der Kurzfilm "Geteiltes Leid" hat mich längere Zeit beschäftigt, denn er hat eine wahrhaft böse Pointe. Der Film steht in voller Länge bei Youtube zur Verfügung. Er handelt von einem Lebensmüden, der scheinbar zufällig bei einem jungen Mann anruft. Dieser lässt sich auf ein Gespräch ein. Es stellt sich heraus, dass der Anrufer gerade einen Mord begangen hat. Die weibliche Leiche ist kurz im Hintergrund zu sehen. Der junge Mann heuchelt Verständnis, um den Anrufer vom Selbstmord abzuhalten, bis er am Ende erfährt, warum ausgerechnet er angerufen wurde. Der Täter hat einfach die erste Kurzwahltaste des Telefons seines Opfers betätigt...


Screenshots


The Cell

Starghers Vorgehensweise ist immer dieselbe. Erst ertränkt er sein Opfer...


The Cell

...dann bleicht er es...


The Cell

...dann bereitet er sich auf den Höhepunkt vor...


The Cell

...dann beschafft er Nachschub.


The Cell

Catherine bereitet sich auf die Bewusstseinsverschmelzung vor.


The Cell

In Starghers Geist begegnet sie zunächst der unschuldigen Seite...


The Cell

...dann dem negativen Aspekt.


The Cell

Der "böse" Stargher gewinnt Kontrolle über Catherine.


The Cell

Danach ist Catherine nur noch ein Dekorationsobjekt.


The Cell

Eine weitere Facette von Starghers Persönlichkeit freut sich darauf, Novak zu foltern.


The Cell

Dem unschuldigen Stargher zeigt sich Catherine als Erlöserin...


The Cell

...dem Killer aber als gnadenlose Rächerin.


The Cell

Stargher glaubt noch in der Niederlage zu triumphieren...


The Cell

...doch während Novak Julia Hickson aus der Wasser-Zelle befreit...


The Cell

...rettet Catherine Starghers unschuldige Seite vor dem Bösen, indem sie ihn ertränkt.


J. Kreis, 18.12.2012




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