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Sweeney Todd Sweeney Todd Der teuflische Barbier aus der Fleet Street (USA, 2007)
- Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street -

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 112 Minuten

Extras
"Burton + Depp + Carter = Todd"

Regie:
Tim Burton

Hauptdarsteller:
Johnny Depp (Benjamin Barker / Sweeney Todd)
Helena Bonham Carter (Nellie Lovett)
Alan Rickman (Richter Turpin)
Jamie Campbell Bower (Anthony Hope)
Jayne Wisener (Johanna Barker)
Edward Sanders (Toby)
Timothy Spall (Beadle Bamford)
Sacha Baron Cohen (Adolfo Pirelli)
Laura Michelle Kelly (Lucy Barker / Bettlerin)




Inhalt:

Der Barbier Benjamin Barker lebt im 19. Jahrhundert glücklich mit Frau und Kind in London. Eines Tages wird der lüsterne Richter Turpin auf Barkers Frau Lucy aufmerksam. Um Barker aus dem Weg zu schaffen, verurteilt er ihn unter einem Vorwand zu lebenslanger Verbannung. Als Lucy ihn trotzdem nicht erhört, vergewaltigt Turpin sie. Nach 15 Jahren kehrt Barker mit Hilfe des jungen Seemanns Anthony Hope nach London zurück. Er ist jedoch nicht mehr derselbe Mann; Jahre des Grauens und der Not haben ihn gezeichnet. Unter dem Namen Sweeney Todd richtet er ein neues Barbiergeschäft in der Fleet Street ein. Sein Hass gegen Turpin und dessen Schergen Bamford wächst ins Unermessliche, als er von der Pastetenbäckerin Nellie Lovett - einer früheren Bekannten der Familie - erfährt, was mit Lucy geschehen ist: Nach der Vergewaltigung hat sie Arsen genommen. Johanna, Barkers Tochter, wurde von Turpin adoptiert. Der Richter hält sie wie eine Gefangene und beabsichtigt, sie zu heiraten. Sweeney Todd sinnt auf Rache und findet in Mrs. Lovett eine willige Komplizin. Sein erstes Opfer wird Adolfo Pirelli, den er in einem Barbierwettstreit bezwungen hat, um Kunden zu werben. Pirelli erkennt in Sweeney Todd seinen alten Lehrmeister und will ihn erpressen. Todd tötet ihn, aber wohin mit der Leiche? Da weiß Mrs. Lovett Rat, denn in der Stadt herrscht Fleischmangel. So dauert es nicht lang, bis es in ihrem Laden leckere Fleischpasteten mit einer ganz besonderen Füllung zu kaufen gibt. Nur eine verrückte Bettlerin ahnt, dass hier Böses vorgeht.

Derweil sieht Anthony zufällig die am Fenster sitzende Johanna und verliebt sich in sie. Turpin bemerkt das und bedroht den jungen Mann. Der lässt sich nicht abschrecken und plant, Johanna zu entführen. Todd soll ihm dabei helfen. Dummerweise platzt Anthony genau in dem Moment in Todds Geschäft, als Turpin sich dort rasieren lässt. Wutentbrannt verschwindet der Richter, denn ihm gefällt nicht, welche Freunde der Barbier hat. Als er obendrein erfährt, dass Johanna nur zu gern mit Anthony durchgebrannt wäre und Turpin niemals heiraten würde, lässt der Richter sie im städtischen Irrenhaus einsperren. Todd, der schon das Messer an der Kehle seines Erzfeinds hatte, muss nun nach einem anderen Weg suchen, um an Turpin heranzukommen. Bis es soweit ist, dehnt er seine Rachsucht auf alle Menschen aus. Ein Kunde nach dem anderen landet in den folgenden Tagen mit durchschnittener Kehle in Mrs. Lovetts Backstube. Das Pastetengeschäft floriert, Hilfe erhält Mrs. Lovett von Toby, einem Waisenjungen, der zuvor unter Pirellis Fuchtel gestanden hat. Der Junge weiß zwar nichts vom Tod seines früheren Herrn, ahnt jedoch, dass mit Todd etwas nicht stimmt. Mrs. Lovett ist wie eine Mutter für ihn, und er schwört, sie vor allem Bösen zu beschützen. Mrs. Lovett träumt ihrerseits von einer Zukunft mit Todd, den sie gern heiraten würde. Der Barbier ist jedoch nach wie vor nur von seinem Hass auf Turpin besessen.

Nach einiger Zeit findet Anthony heraus, wohin Johanna gebracht wurde und überbringt Todd diese Nachricht. Der Barbier schleust den jungen Seeman in der Tarnung eines Perückenmachers in die Irrenanstalt ein, denn dessen Leiter verkauft die Haare seiner Schützlinge an eben solche Geschäftsleute. So kann Anthony seine Angebetete befreien, aber Todd hintergeht ihn. Ihm geht es nur darum, Turpin in seine Fänge zu bekommen, und so informiert er den Richter darüber, dass Johanna in seinem Barbiergeschäft versteckt werden soll. Toby findet heraus, woraus die Pasteten wirklich gemacht werden, und flieht in die Kanalisation. Bamford erscheint, um die Backstube zu untersuchen, wird aber von Todd ermordet. Anthony bringt Johanna ins Barbiergeschäft und lässt sie dort allein, um eine Kutsche für die Flucht zu beschaffen. Das Mädchen versteckt sich in einer Truhe. Die Bettlerin dringt ins Barbiergeschäft ein und wird von Todd überrascht. Er durchschneidet ihre Kehle und lässt die Leiche verschwinden, als auch Turpin eintrifft. Nun ist der Moment der Rache da! Als auch Turpin tot ist, wird Todd auf Johanna aufmerksam, die die Morde beobachtet hat, aber er erkennt sie nicht. Er verschont sie nur, weil er in der Backstube nach dem Rechten sehen muss. Als er das Gesicht der toten Bettlerin im Licht sieht, erkennt Todd in ihr seine Frau Lucy. Er begreift, dass Mrs. Lovett ihm die Wahrheit verschwiegen hat - Lucy hat zwar Arsen genommen, ist aber nicht gestorben, sondern hat nur den Verstand verloren. Da ihn nicht interessiert, dass Mrs. Lovett nur aus Liebe zu ihm gelogen hat, stößt er sie ins Feuer, wo sie verbrennt. Todd hält die Leiche seiner Frau in den Armen und bemerkt nicht, dass Toby hinter ihm einem Kanalisationsschacht entsteigt. Der Junge hebt Todds Rasiermesser auf und durchschneidet ihm die Kehle, um sich für Mrs. Lovetts Tod zu rächen.

Der Film:

Sweeney Todd ist eine fiktive Figur aus einem Groschenroman, der Mitte des 19. Jahrhunderts erschienen ist. Der Film basiert aber nicht direkt auf diesem Roman, sondern auf einem erfolgreichen Musical aus dem Jahre 1979. So gibt es denn recht viele (und lange) Gesangs-Szenen in diesem Film. Und genau diese Szenen sind es, die dafür sorgen, dass der ansonsten grandiose Film mir nicht so richtig gefallen hat - obwohl ich vorher wusste, was mich erwartet. Dabei können z.B. Johnny Depps und Helena Bonham Carters Gesangsstimmen sich durchaus hören lassen, d.h. schlecht sind die Gesangs-Szenen beileibe nicht. Nur sind die Melodien nicht nach meinem Geschmack, außerdem hat es mich jedes Mal irgendwie "rausgeworfen", wenn plötzlich wieder jemand anfing zu singen. Will sagen: Dadurch wurde immer wieder die Stimmung zerstört, in die der Film mich bis dahin versetzt hatte. Und das lag nur an der Tatsache, dass jemand singt, nicht an der Musik selbst, denn die passt ganz gut zur Düsterkeit des Films. Irgendwann habe ich diese Szenen sogar als Qual empfunden, vor allem jene mit Anthonys schmalzigem Liebeslied. Dass der Funke bei mir nicht übergesprungen ist, liegt also vermutlich nur an meinem Musikgeschmack. Grundsätzlich habe ich nichts gegen Musical-Filme, jedenfalls dann, wenn die Musik ein unverzichtbarer Bestandteil des Films ist, wie etwa in The Rocky Horror Picture Show. In "Sweeney Todd" habe ich das anders empfunden, da hatte ich den Eindruck, dass Film und Gesang sich gegenseitig sogar stören. Immerhin: Wenigstens wird kaum getanzt, und zum Glück ist niemand auf die Idee gekommen, den Gesang deutsch zu synchronisieren.

Soviel dazu. Wer einen anderen Musikgeschmack hat, wird den Film vielleicht sogar lieben. Sehenswert ist er auf jeden Fall, denn Tim Burton wäre nicht Tim Burton, wenn es ihm nicht gelungen wäre, aus der Geschichte ein rabenschwarzes Märchen für Erwachsene zu machen. Düsternis und Tragik bleiben vom Anfang bis zum Schluss erhalten. Der Film endet mit Sweeney Todds Tod - Burton hätte durchaus noch ein paar Minuten dranhängen und eine Art Happy-End einbauen können, denn Johanna überlebt ja und vermutlich wird ihr die Flucht mit Anthony gelingen. Alle Personen, die den beiden Übel wollen könnten, liegen mit durchschnittener Kehle in Mrs. Lovetts Backstube. Aber das wäre dann doch ein zu versöhnliches Ende für diese bittere Geschichte gewesen. Burtons unverwechselbarer Stil prägt auch diesen Film. Opulente Kostüme, eine gedeckte Farbpalette (hier leuchtet sozusagen nur das Rot des Blutes), die morbide Stadt, Vermischung von Traum und Realität, übertrieben oder stilisiert dargestellte Figuren, bizarrer Humor - das sind die Zutaten, die man von einem Tim-Burton-Film erwartet, und diese Erwartung wird nicht enttäuscht. Ich war nur von der Gewaltdarstellung irritiert. Ich hätte nicht erwartet, in einem FSK-16-Film zu sehen, wie Kehlen in Nahaufnahme durchschnitten werden, wobei der Lebenssaft nur so herausspritzt... Johnny Depp beweist wieder einmal, dass er weit mehr kann als nur gut auszusehen, und Helena Bonham Carter ist eine ebenbürtige Partnerin. Auch die anderen Schauspieler liefern beeindruckende Leistungen ab. Geradezu überrascht (und zwar positiv) war ich von Sacha Baron Cohen, den ich bisher nur als "Borat" kannte.

Insgesamt hat der Film also einen sehr zwiespältigen Eindruck bei mir hinterlassen. Letzten Endes muss ich zwar sagen: Mein Fall ist die Mixtur aus Splatter und Musical nicht, aber das kann man kaum als allgemein gültiges Werturteil betrachten. Ihr müsst euch wohl oder übel euer eigenes Bild machen...

Die DVD:

Die ca. 26 Minuten lange Featurette "Burton + Depp + Carter = Todd" besteht zwar hauptsächlich aus Interviews und nur kurzen Blicken hinter die Kulissen, dennoch ist sie durchaus informativ. Ich hätte zum Beispiel nicht gedacht, dass Johnny Depp schon für die Hauptrolle festgestanden hat, bevor irgendjemand wusste, ob er überhaupt singen kann... Die Probleme, die die meisten Schauspieler mit dem Gesang hatten, hätte ich auch nicht für so schwerwiegend gehalten, denn man bemerkt nichts davon im Film.

J. Kreis, 24.12.2008


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