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Der Sternenwanderer Der Sternwanderer (GB/USA, 2007)
- Stardust -

DVD - Regionalcode 2, Paramount
FSK: 12
Laufzeit: ca. 122 Minuten

Extras
"Gute Omen" - Das Making-of von "Der Sternwanderer", Blooper Reel, Entfernte Szenen, Original Kinotrailer

Regie:
Matthew Vaughn

Hauptdarsteller:
Charlie Cox (Tristan Thorn)
Claire Danes (Yvaine)
Michelle Pfeiffer (Lamia)
Robert De Niro (Captain Shakespeare)
Mark Strong (Septimus)
Kate Magowan (Una)
Nathaniel Parker (Dunstan Thorn)
Sienna Miller (Victoria)
Melanie Hill (Straßengraben-Sal)
Jason Flemyng (Primus)




Inhalt:

Irgendwann Mitte des 19. Jahrhunderts: Das kleine englische Städtchen Wall trägt seinen Namen wegen der Nähe zu einer Mauer, die England vom magischen Reich Stormhold trennt. Eigentlich darf niemand diesen Wall überqueren, aber dem jungen Dunstan Thorn gelingt es doch. In Stormhold verbringt er die Nacht mit einer schönen Frau, die mit einer Zauberkette an den Wohnwagen der Hexe "Straßengraben-Sal" gekettet ist. Neun Monate später (Dunstan ist längst wieder nach England zurückgekehrt) erhält der junge Mann ein Andenken an diese Nacht: Der Wächter des Walls bringt ihm ein Körbchen, das an der Mauer abgelegt worden ist. Darin liegt ein Baby - Dunstans Sohn Tristan.

Als Tristan zu einem jungen Mann herangewachsen ist, schwärmt er für die schöne, aber hochnäsige Victoria. Gegen Victorias Verehrer Humphrey hat Tristan als einfacher Ladengehilfe eigentlich keine Chance, doch mit Hilfe eines romantischen nächtlichen Picknicks bringt er Victoria immerhin dazu, sich auf einen Handel einzulassen. Tristan soll ihr innerhalb einer Woche ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk bringen: Eine Sternschnuppe, deren Fall jenseits der Mauer die beiden beobachtet haben. Schafft er das, gehört Victoria ihm. Wenn nicht, wird sie Humphrey heiraten. Tristan, der für seine Liebe selbst Ozeane überqueren würde, macht sich sofort auf den Weg, wird aber vom Wächter der Mauer abgewiesen. Jetzt verrät Dunstan ihm das Geheimnis seiner Herkunft und gibt ihm einen Brief seiner Mutter, der in dem Körbchen gelegen hatte. Darin eingerollt ist eine "Babylon-Kerze". Wer sie entzündet, der wird sofort an den Ort versetzt, zu dem er sich am sehnlichsten hinwünscht. Tristan soll sich nun wünschen, zu seiner Mutter zu gelangen, und zündet die Kerze an. Allerdings findet er sich danach nicht etwa in den Armen seiner Mutter wieder, sondern in einem Krater im Reich Stormhold, in dessen Zentrum eine wunderschöne junge Frau liegt. Dies ist Yvaine, ein vom Himmel gefallener und Mensch gewordener Stern. Das ist auch die Erklärung für Tristans Kursabweichung. Insgeheim hatte er sich an den Ort gewünscht, wo er das Geschenk für Victoria finden würde. Tristan verspricht Yvaine, den Rest der Babylon-Kerze zu verwenden, um ihr die Rückkehr in den Himmel zu ermöglichen, wenn sie im Gegenzug bereit ist, ihn zu Victoria zu begleiten. Yvaine ist zwar nicht begeistert davon, die beschwerliche Reise mitzumachen, willigt jedoch ein. Die Ursache für ihren Sturz zur Erde nimmt Yvaine mit: Ein kristallklares Juwel, von dem sie getroffen worden ist.

Es gibt allerdings noch andere, die sich für den Stern und das Juwel interessieren. Die uralten Hexen Lamia, Empusa und Mormo haben den Sturz des Sterns beobachtet. Sie setzen nun alles daran, Yvaines Herz in ihre Gewalt zu bringen, um es zu verschlingen und auf diese Weise ihre Jugend zurückzugewinnen. Gleichzeitig suchen die Königssöhne Primus und Septimus nach dem Juwel, das Yvaine an sich genommen hat. Die beiden sind die letzten Söhne des jüngst verstorbenen Herrschers von Stormhold. Die Frage der Thronfolge wurde durch Brudermord "vereinfacht", entscheidend wird jedoch der Besitz des Juwels sein, denn nur ein rechtmäßiger Erbe von königlichem Blut kann ihm seine ursprüngliche rubinrote Farbe zurückgeben. Von alldem ahnen Tristan und Yvaine nichts. Nachdem sie sich unterwegs nach Wall den ganzen Tag über gezankt haben, lässt Tristan seine Begleiterin in der Nacht an einen Baum gekettet zurück, um etwas zu essen zu holen. In seiner Abwesenheit wird Yvaine von einem Einhorn befreit und zu einem Gasthaus gebracht. Hierbei handelt es sich aber um eine Falle Lamias. Derweil schließt Tristan sich Primus an, denn im Traum haben Yvaines Sternenschwestern ihn vor der drohenden Gefahr gewarnt. Die beiden erreichen ebenfalls Lamias durch Magie entstandenes Gasthaus. Lamia tötet Primus, dann umschließt sie Tristan und Yvaine mit einem Feuerring. Mit Hilfe der Babylon-Kerze entkommen sie dennoch. Da sich beide zu ihrer jeweiligen Heimat gewünscht haben, bleiben sie auf halbem Weg mitten in den Wolken stecken. Dort gehen sie buchstäblich den Männern des gefürchteten Captain Shakespeare ins Netz. Diese Piraten jagen mit ihrem Flugschiff nach Blitzen, die sie anschließend verkaufen. Schon am nächsten Tag offenbart Shakespeare sich den beiden um ihr Leben bangenden Gefangenen als Schöngeist, der sich gern in Frauenkleider hüllt. Seinen schrecklichen Ruf hat er nur durch diverse Täuschungen erworben...

Shakespeare bringt die beiden mit seinem Schiff bis in die Nähe der verwunschenen Mauer. Unterwegs trainiert er Tristan im Schwertkampf und ergötzt sich an langen Gesprächen über England, das er für sein Leben gern einmal besuchen würde. Ihm bleibt nicht verborgen, dass Yvaine in Wahrheit ein gefallener Stern ist, und dass sie sich in Tristan verliebt hat. Auch Tristan merkt, dass ihm Victoria inzwischen nichts mehr bedeutet. Kaum sind sie wieder zu Fuß unterwegs, da fällt Tristan Straßengraben-Sal in die Hände. Sie verwandelt ihn in eine Maus, nimmt ihn aber bis zu jener Stadt mit, in der sein Vater ihn einst gezeugt hat. Die Hexe kann Yvaine wegen eines Fluchs, mit dem Lamia sie belegt hat, weder sehen noch berühren. Verzweifelt gesteht Yvaine Tristan ihre Liebe, da sie annimmt, dass er das in Mäusegestalt nicht hören wird. In der Stadt verwandelt die Hexe Tristan wieder in einen Menschen und lässt ihn laufen. Er hat durchaus verstanden, was Yvaine gesagt hat. Auch er hat längst begriffen, dass Yvaine seine wahre Liebe ist. Nach einer gemeinsam verbrachten Nacht nimmt Tristan eine Haarsträhne der noch schlafenden Yvaine an sich, um sie Victoria zu bringen. Er will nur sein Versprechen erfüllen - heiraten möchte er das arrogante Mädchen natürlich nicht. Es zeigt sich, dass Yvaines Haar jenseits der Mauer in Sternenstaub verwandelt wird. Das gleiche Schicksal würde auch Yvaine erleiden, sollte sie die Mauer überschreiten. Leider wird eine Botschaft Tristans falsch an Yvaine übermittelt, so dass sie glaubt, ihr Geliebter habe sie verlassen. Wie in Trance irrt sie zur Mauer. Auch Straßengraben-Sal trifft dort ein, allerdings unfreiwillig, denn ihre Sklavin Una - Tristans Mutter - hat den Wagen zur Mauer gelenkt. Sie schafft es gerade noch rechtzeitig, Yvaine aufzuhalten. Lamia erscheint, tötet Straßengraben-Sal und nimmt sowohl Yvaine als auch Una mit ins Hexenschloss.

Dort treffen schließlich auch Tristan und Septimus ein, die sich gegen die drei Hexen verbünden. Empusa und Mormo bleiben auf der Strecke, aber gegen die weit mächtigere Lamia kann Septimus nicht lange bestehen. Und so gesellt sein Geist sich zu seinen toten Brüdern, die das ganze Geschehen schon seit längerer Zeit beobachten. Tristan und Yvaine stellen sich Lamia, aber mit Waffen ist die Hexe nicht zu besiegen. Allerdings schreckt Lamia davor zurück, Tristan zu töten, denn dann würde Yvaines Herz brechen und wäre nicht mehr zu gebrauchen. Da Tristan sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, um Yvaine zu retten, erkennt der Mensch gewordene Stern, dass er sie wirklich liebt. Und so beginnt sie zu strahlen, wie Sterne es tun, wenn sie glücklich sind. Durch das Licht wird Lamia zerrissen. Tristan hebt das zu Boden gefallene Juwel auf. Unter seiner Berührung verfärbt es sich rot. Das ist kein Wunder, denn Una ist in Wahrheit die einzige Tochter des Königs von Stormhold. Sie wurde vor langer Zeit von Straßengraben-Sal entführt. Tristan, der rechtmäßige Thronerbe, wird bald danach gekrönt und herrscht achtzig Jahre lang gemeinsam mit Yvaine über Stormhold. Als sein Ende naht, versetzt er sich selbst und Yvaine mit Unas Hochzeitsgeschenk (einer Babylon-Kerze) in den Sternenhimmel. Dort sind sie für die Ewigkeit vereint, denn Yvaine hat Tristan ihr Herz geschenkt...

Der Film:

Es kommt selten vor, dass ich von einem Film restlos begeistert bin. "Der Sternwanderer" gehört zu diesen Filmen - es gibt schlicht und ergreifend nichts, was ich daran kritisieren könnte. Dies ist einer jener "Wohlfühl-Filme", die man immer wieder anschauen kann, ohne sich je zu langweilen. Und es ist einer jener Filme, bei denen man irgendwann plötzlich merkt, dass man die ganze Zeit mit einem Lächeln im Gesicht dasitzt, das auch nach dem Abspann noch anhält. Welches bessere Lob könnte es wohl geben? Es ist nur schade, dass der Film an den Kinokassen nicht annähernd den Erfolg hatte, den er verdient hätte. Vielleicht war die Konkurrenz zu groß - damals stand der Kinostart von "Der Goldene Kompass" kurz bevor, und möglicherweise ist "Der Sternwanderer" da ein bisschen untergegangen. Völlig zu Unrecht übrigens, denn er hat alles, was "Der Goldene Kompass" und andere seelenlose Machwerke wie z.B. "Eragon" nicht haben: Witz, Tempo, Romantik und Charme, vor allem aber: ein Herz. Wenn man das so sagen kann. Der Film ist ein wundervolles, bezauberndes, manchmal sogar poetisches Kinomärchen und allerbeste Unterhaltung. Ich betätige mich ungern als Prophet, aber ich würde sagen, dass man den Film im Gegensatz zu manch anderen modernen Produktionen irgendwann zu den Genreklassikern zählen wird. Ob der zugrunde liegende Roman von Neil Gaiman adäquat umgesetzt wurde, kann ich übrigens nicht beurteilen, denn ich habe ihn noch nicht gelesen. Ein Mangel, dem ich bald mal abhelfen muss, denn der Film macht wirklich Appetit auf das Buch.

"Der Sternwanderer" spielt in einer ganz anderen Liga als Bombast-Fantasy nach Art von Der Herr der Ringe. Was nicht heißen soll, dass ich diese Filme schlecht finde, denn das ist keineswegs der Fall. Hier gibt es keine Massenschlachten, keine schrecklichen Monster, bizarren Fabelwesen oder gruselige Dämonen/Geister/sonstiges Viehzeug. Spezialeffekte (auch digitaler Art) kommen zwar recht häufig zum Einsatz, schließlich "funktioniert" in Stormhold Magie, aber sie dienen immer der Geschichte und kommen nicht aufdringlich daher. Das gleiche gilt für die sparsam, aber effektvoll eingesetzte Action. Nein, diesen Film könnte man eher als "klassische Fantasy" bezeichnen, etwa in der Tradition von Krull, "Legende", "Der Dunkle Kristall" und anderen vergleichbaren Werken, die heutzutage praktisch nicht mehr gemacht werden. Upps! Da ist es mir doch rausgerutscht. Normalerweise vermeide ich Sätze lieber, die wie "früher war alles besser" klingen. Aber wahrscheinlich hat "Der Sternwanderer" mir gerade als Kontrastprogramm im Zeitalter der "heroischen Fantasy" und der Harry-Potter-Epigonen so gut gefallen. Auch Die Braut des Prinzen muss erwähnt werden (vgl. auch den Roman Die Brautprinzessin), denn die Parallelen zu diesem Film sind unübersehbar. Hier wie dort steht die Liebesgeschichte im Mittelpunkt. Man könnte sagen: "Der Sternwanderer" ist die bessere Brautprinzessin, denn hier gibt es keinen nervenden Erzähler, der dauernd die Handlung unterbricht und die Atmosphäre zerstört.

Natürlich muss man selbst etwas romantisch veranlagt sein, um von der abenteuerlichen Liebesgeschichte in den Bann gezogen zu werden. Die durch die Bank schlichtweg phantastischen Schauspieler, die flotte Inszenierung, der mitreißende Soundtrack, die herrlichen Landschaftsaufnahmen und Sets, die liebevolle Ausstattung und die prächtigen Kostüme machen es einem aber wirklich leicht. Beim Lob der Schauspieler weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Claire Danes und Charlie Cox geben ein sehr schönes Paar ab; sie sind einfach liebenswert. Ihre Wortgefechte und bissigen Kommentare geben dieser Beziehung die nötige Würze, damit das Ganze nicht kitschig wird. Michelle Pfeiffer sieht (verjüngt) nicht nur klasse aus, sondern ist in einigen Szenen sogar richtig bedrohlich. Robert De Niro als Captain Shakespeare und seine Piratenmannschaft sorgen für köstliche Highlights. Man sieht De Niro die Spielfreude in jeder einzelnen Szene an, und selbst wenn Captain Shakespeares Figur manchmal vielleicht etwas allzu tuntig wirkt, so kauft man sie De Niro dennoch ab. Mein Favorit ist aber Mark Strong als Septimus. Einen solch sinistren und doch charismatischen, fast sympathischen Bösewicht hat man schon lange nicht mehr gesehen. Sein Kampf als "Leiche" gegen Tristan ist eine der vielen verblüffenden Ideen dieses Films. Schwarzer Humor und Selbstironie, genial repräsentiert durch die Geister der verstorbenen Prinzen, kommen auch nicht zu kurz.

Ich kann diesen Film nicht nur jedem Fantasy-Freund wärmstens empfehlen, sondern auch all jenen, die mit Fantasy nichts anfangen können. Wie so oft kann ich nur dazu raten, dem englischen Originalton den Vorzug vor der deutschen Synchronisation zu geben. Die deutschen Sprecher sind zwar nicht schlecht, aber irgendwie verlieren die Dialoge im Deutschen doch einiges an Wortwitz und Esprit. Außerdem kommt man nur beim englischen Original in den Genuss, Ian McKellens Erzählstimme zu hören.

Die DVD:

Nein, ich habe mich nicht verschrieben: Es heißt wirklich "Das Making-of von...". Jedenfalls steht es so auf dem DVD-Cover und im DVD-Menü. Das Making of ist ca. eine halbe Stunde lang. Zwar wird auf den Produktionsprozess nur sehr kurz und knapp eingegangen, aber immerhin bekommt man mehr zu sehen als nur Interviews (auch Neil Gaiman kommt zu Wort - er scheint die Verfilmung sehr zu mögen) und Filmszenen. Es werden einige Aufnahmen von den Dreharbeiten, Stuntproben usw. gezeigt und man bekommt den Bau der Sets zu sehen. Mir war zum Beispiel nicht klar, dass das Piraten-Luftschiff tatsächlich fast vollständig in Originalgröße gebaut worden ist. Ich finde es nur ein bisschen schade, dass das Making of keinerlei Interviews mit Robert De Niro und Michelle Pfeiffer enthält.

Neben dem ca. 5 Minuten langen "Blooper Reel" (eine witzige Zusammenstellung schief gegangener Szenen) und dem auf dem DVD-Cover nicht erwähnten Kinotrailer findet man im Bonusmaterial außerdem ein paar nicht verwendete Szenen. Insgesamt sind sie auch nur ca. 5 Minuten lang, aber eine davon ist sehr interessant. Es handelt sich um die erweiterte Schluss-Szene. Man sieht einen hochbetagten Tristan, der auf dem Sterbebett liegt. Yvaine ist um keinen Tag gealtert (sie ist schließlich ein unsterblicher Stern) und hält die Babylon-Kerze bereit. Ums Bett herum stehen die schon erwachsenen Nachkommen des Königspaares. Man muss aber sagen, dass diese Szene zu Recht nicht verwendet wurde. Im Kinotrailer kann man übrigens eine weitere Szene sehen, die es nicht in den Film geschafft hat. Darin stehen alle drei Hexen verjüngt vor einem Spiegel.

J. Kreis, 29.10.2008


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