Zurück zu den Filmen

Silent Hill Limited Edition Silent Hill - Limited Edition (Kanada, Frankreich 2006)

DVD - Regionalcode 2, Concorde
FSK: 16
Laufzeit: ca. 121 Minuten

Extras
Featurettes: Ursprünge von "Silent Hill", Casting, Ausstattung, Stars and Stunts, Kreaturen von "Silent Hill", Choreographie der Kreaturen
Produktionsnotizen (Texttafeln), Cast & Crew - Infos (Texttafeln), Trailer, Bildergalerie

Regie:
Christophe Gans

Hauptdarsteller:
Radha Mitchell (Rose DaSilva)
Sean Bean (Christopher DaSilva)
Laurie Holden (Cybil Bennett)
Jodelle Ferland (Sharon DaSilva / junge Alessa Gillespie / Dämon)
Kim Coates (Thomas Gucci)
Alice Krige (Christabella)
Deborah Kara Unger (Dahlia Gillespie)




Inhalt:

Sharon, die neunjährige Adoptivtochter von Rose und Christopher DaSilva, ist eine Schlafwandlerin. Im Schlaf murmelt sie außerdem immer wieder den Namen der Stadt Silent Hill, kann sich danach aber an nichts mehr erinnern. Da eine Psychotherapie keine Besserung erbracht hat, sucht Rose nach einer anderen Möglichkeit, Sharon zu helfen. Sie fährt gegen Christophers Willen allein mit ihrer Tochter nach Silent Hill. Unterwegs wird sie von der Motorradpolizistin Cybil Bennett angehalten. In einer Kurzschlußreaktion gibt Rose Gas und rast auf die Stadt zu. Plötzlich sieht sie die Silhouette eines kleinen Mädchens auf der Straße. Sie verreißt das Lenkrad, der Wagen kommt von der Straße ab. Rose verliert das Bewusstsein. Als sie wieder zu sich kommt, ist Sharon verschwunden. Verzweifelt irrt Rose durch die menschenleeren Straßen der Stadt, sie folgt einer immer wieder schemenhaft auftauchenden Gestalt, die sie für ihre Tochter hält. Dichter Nebel liegt über Silent Hill, Ascheflocken fallen wie Schnee vom Himmel. Christopher ist derweil ebenfalls auf dem Weg nach Silent Hill. Man erzählt ihm, in den Kohlebergwerken unterhalb der Stadt habe sich vor 30 Jahren ein Unglück ereignet. Viele Menschen seien gestorben - manche Leichen seien nie gefunden worden. Seitdem ist die Stadt unbewohnbar, denn die unterirdischen Feuer brennen immer noch und die Luft ist von giftigen Dämpfen verpestet.

Rose stellt fest, dass sie Silent Hill nicht mehr verlassen kann. Jede stadtauswärts führende Straße endet vor einem Abgrund. Es scheint so, als sei Silent Hill aus der Welt herausgestanzt worden. Plötzlich erklingen Luftschutzsirenen, Dunkelheit bricht ein und gleichzeitig verändert die Stadt sich auf erschreckende Weise. Die Realität scheint sich aufzulösen und durch eine bizarre, bedrohliche Alternativwelt ersetzt zu werden. Rose wird von monströsen Kreaturen bedrängt, die nach kurzer Zeit aber plötzlich verschwinden. Übergangslos scheint alles wieder "normal" zu sein, soweit man das angesichts der ins Nichts führenden Straßen überhaupt sagen kann. Rose trifft zunächst auf Dahlia Gillespie, eine verwirrte alte Frau, die behauptet, sie habe ebenfalls ihre Tochter verloren, und dann auf Cybil, die mit ihrem Motorrad verunglückt ist und Rose festnehmen will. Doch da tauchen erneut groteske Wesen auf, die Cybil angreifen. Rose kann entkommen. Hier und da findet sie kleine Hinweise, die eigens für sie ausgelegt worden zu sein scheinen. Diese Hinweise führen Rose zu verschiedenen Orten der Stadt, an denen sie grauenhafte Entdeckungen macht. Außerdem scheint sie von Unbekannten verfolgt zu werden. Und immer wieder heulen die Luftschutzsirenen auf, zerfällt die Welt und wird durch eine von Ungeheuern bevölkerte andere Dimension ersetzt, in der Rose um ihr Leben kämpfen muss.

Christopher durchsucht gemeinsam mit Officer Thomas Gucci die Stadt Silent Hill. Guccis Leute haben Roses Auto und Cybils Motorrad entdeckt, aber von den Frauen fehlt jede Spur. Auch Silent Hill scheint völlig verlassen zu sein. Als Christoper auf eigene Faust weiter nach Hinweisen in alten Archiven sucht, stellt er fest, dass Sharon aus Silent Hill stammt, und dass sie oder ihre leibliche Mutter in irgend ein schreckliches Ereignis verwickelt gewesen sein müssen, das seinerzeit zum Untergang der Stadt geführt hat. Gucci verhindert jedoch, dass er zu tief in dieses Geheimnis eindringt, und setzt ihn quasi vor die Tür. Unverrichteter Dinge muss Christopher nach Hause zurückkehren. Inzwischen haben Rose und Cybil sich im "anderen" Silent Hill verbündet. Gemeinsam haben sie andere Menschen entdeckt, die in Silent Hill leben und immer dann, wenn die Dunkelheit hereinbricht, Zuflucht in einer Kirche suchen. Christabella, die Anführerin dieser Gruppe puritanischer Fanatiker, behauptet, Silent Hill sei von einem Dämon heimgesucht worden, dem man nur durch einen festen Glauben Widerstand leisten könne. Sie ist bereit, Rose und Cybil dorthin zu führen, wo der Dämon zu finden ist (es ist das Krankenhaus von Silent Hill). Als Christabella jedoch das Bild Sharons sieht, das Rose immer in einem Medaillon mit sich führt, beschuldigt sie Rose, eine Hexe zu sein. Denn Sharon gleicht Dahlias Tochter Alessa bis aufs Haar. Die Fanatiker wollen über Rose herfallen, doch Cybil hält sie solange auf, bis Rose den Weg zum "Kern" der Stadt gefunden hat, in dem der Dämon hausen soll.

Dieser Dämon zeigt sich ihr in der Gestalt eines kleinen Mädchens, das sowohl Sharon als auch Alessa gleicht. Die wahre Alessa wurde, wie der Dämon berichtet, vor 30 Jahren von Christabellas Fanatikern als Hexe verbrannt. Das Verbrennungsritual ist außer Kontrolle geraten, die Flammen haben auf die Kohleflöze übergegriffen. So wurde Silent Hill vernichtet. Alessa hat überlebt, ihr gesamter Körper ist jedoch von Brandnarben bedeckt. Zusammen mit dem Dämon, den man als dunkle Seite Alessas bezeichnen könnte, hat sie eine Alternativwelt erschaffen, um sich dort an ihren Peinigern zu rächen. Sie hat es jedoch nie geschafft, bis in die Kirche einzudringen. Sharon, das "Kind" Alessas (oder vielmehr die Inkarnation ihrer guten Seite), wurde vor neun Jahren ausgesetzt. Als Rose sie als Tochter erwählte, war ihr Weg nach Silent Hill praktisch vorgezeichnet. Jetzt nimmt Rose den Dämon in sich auf und betritt erneut Christabellas Kirche. Sie kommt zu spät, um Cybil zu retten - die junge Frau ist von den aufgehetzten Fanatikern verbrannt worden. Doch sie kann verhindern, dass Sharon das gleiche Schicksal erleidet. Rose versucht, den Menschen klarzumachen, dass sie von Christabella verführt worden sind. Das gelingt ihr zwar nicht, aber als die erboste Christabella Rose mit einem Dolch durchbohrt, werden die Menschen aufgerüttelt. Durch Roses Wunde wird die Essenz des "Dämons" freigesetzt. Mit der Erkenntnis der Fanatiker, dass sie die eigentlichen Sünder sind, kann Alessas Hass auch in die Kirche vordringen. Und sie rächt sich furchtbar an allen Fanatikern. Nur Dahlia, Rose und Sharon werden verschont.

Jetzt kann Rose Silent Hill verlassen. Sie bringt Sharon nach Hause. Doch Christopher, der dort schon auf sie wartet, kann sie nicht sehen. Denn nur wer tot ist, gelangt ins "andere" Silent Hill...

Der Film:

Ich könnte es kurz machen und sagen, dass "Silent Hill" die mit weitem Abstand beste mir bekannte Verfilmung eines Videospiels ist. Atmosphäre und Look der gleichnamigen Spieleserie werden perfekt wiedergegeben (siehe auch meine Reviews zu Teil 3 und Teil 4, an dieser Stelle möchte ich nicht näher auf die Spiele eingehen). "Silent Hill" gehört darüber hinaus als eigenständiger Film zu den besten Werken des Jahres 2006.

Ein paar mehr Worte will ich denn aber doch verlieren. Wie man obiger Zusammenfassung entnehmen kann, ist die Handlung recht komplex. Sie spielt sich auf drei Realitätsebenen und in zwei verschiedenen Zeiten ab. Sie ist deshalb für Zuschauer, die die Spiele nicht kennen, möglicherweise etwas undurchsichtig. Dass vieles nur angedeutet, aber nicht genau erklärt wird, mag ebenfalls zur Verwirrung beitragen. Zum Beispiel wird nicht ganz klar, inwieweit die unterschiedlichen "Dimensionen" wirklich voneinander getrennt sind und wieso es möglich ist, nicht nur vom "jenseitigen" Silent Hill ins "dunkle" Silent Hill, sondern von dort auch in die "reale Welt" vorzudringen. Oder wo Alessa sich eigentlich befindet und wie sie es geschafft hat, ein Kind zu bekommen bzw. sich selbst in einem Neugeborenen zu re-inkarnieren und dieses dann bei einem Waisenhaus auszusetzen. Oder wer der "Dämon" ist - ein übernatürliches Wesen, das Alessa geholfen hat, eine alternative Realität zu erschaffen, oder eine weitere Inkarnation ihrer selbst? Ist vielleicht alles nur eine durch giftige Dämpfe hervorgerufene Halluzination Christophers? Auch die geschichtlichen Hintergründe (die Ahnen der Stadtgründer waren Hexenjäger) werden nur kurz gestreift. Aber diese Überschneidungen, Unklarheiten und Geheimnisse gibt es auch in den Spielen. Sie gehören also quasi dazu. Dass am Ende des Films dann doch plötzlich recht viel in direkter Rede erklärt werden muss, damit das Durcheinander klar wird, ist für mich der einzige echte Kritikpunkt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Videospiel-Verfilmungen habe ich bei "Silent Hill" den Eindruck, dass da jemand wirklich verstanden hat, was das Charakteristische des Spiels ist, und dass er es hundertprozentig überzeugend für den Film umsetzen konnte. In diesem speziellen Fall ist das die verstörende Atmosphäre des Unheimlichen, Makabren und Grotesken im alptraumhaften, zerfallenden und verrottenden Labyrinth der "dunklen" Seite von Silent Hill, mit der im Grunde die kranke Psyche Alessas und der von ihr gefangen gehaltenen Seelen visualisiert wird. Erreicht wird dies nicht so sehr durch explizite Gewaltdarstellungen, sondern durch surreale Bilder, die direkt den Spielen entstammen könnten. Die Atmosphäre wird durch den genialen Sondtrack noch erheblich verstärkt. Die Musikstücke stammen, wenn ich mich nicht sehr irre, alle aus den Spielen und wurden für den Film allenfalls leicht abgewandelt. Wie in den Spielen hört man immer wieder unerklärliche Geräusche, maschinenhaften Lärm und dergleichen. Die gequälten, verzerrten Ungeheuer des "dunklen" Silent Hill sind natürlich durchaus bedrohlich, auch wenn sie nicht so eingesetzt werden, wie es in den meisten anderen Horrorfilmen der Fall ist. Auch hier wird der unkundige Zuschauer sich wahrscheinlich manchmal fragen, welchen Sinn das alles hat. Wer ist zum Beispiel "Red Pyramid"? Man könnte sagen: Er ist das personifizierte Schlechte Gewissen von Christabellas Fanatikern, das sich einfach nicht abschütteln lässt. Die gefangenen Seelen wehren sich mit aller Kraft gegen Alessas Einfluss, indem sie die eigene Schuld verleugnen. Aber immer wieder behält Alessa die Oberhand. Dann löst die scheinbare Realität sich buchstäblich auf und die Ungeheuer dringen ein, das heißt, die Sünder werden von ihrem Gewissen heimgesucht.

Wer die Spiele kennt, wird sich in diesem Film sofort "zu Hause" fühlen: Der Wiedererkennungs-Effekt jeder einzelnen Szene ist geradezu genial. Das fängt schon mit den ersten Tönen des Soundtracks an, geht dann mit den Straßen und Gebäuden Silent Hills weiter - und wenn die Sirenen zu heulen anfangen, weiß jeder Gamer, was jetzt kommen wird. Viele der ungewöhnlichen Blickwinkel und Kamerafahrten könnten ebenso gut auch im Spiel vorkommen, praktisch alle Räume hat man in dieser Form als Spieler selbst schon einmal durchsucht. Auch Elemente wie die allgegenwärtige, von einer Taschenlampe nur unzureichend erhellte Finsternis, die beim Auftauchen von Monstern wie wild rauschenden Radios (oder Roses Handy - das ist die modernisierte Film-Variante), die Hinweise, denen Rose wie bei einer Schnitzeljagd folgen muss usw. - all das wird erfahrenen Spielern sehr bekannt vorkommen. Das dürfte auch so beabsichtigt gewesen sein, und das waren nur wenige Beispiele - tatsächlich sind mir noch sehr viel mehr Parallelen und Anspielungen aufgefallen. Die meisterhaft designten Kreaturen (selbst die Zombie-Krankenschwestern fehlen nicht) sind ein weiteres Schmankerl, und auch Splatter-Fans kommen beim extrem blutigen Showdown auf ihre Kosten - dass der Film dennoch eine FSK-16-Freigabe erhalten hat, finde ich deshalb recht erstaunlich. Wer die Spiele nicht kennt, darf sich dennoch auf zwei Stunden bester Grusel-Unterhaltung freuen, denn der Film ist keine sklavische Nacherzählung eines Spiels, sondern hat seine eigene Identität. Mit dem zentralen Thema unterschiedlicher Mutter-Tochter-Beziehungen hat er sogar eine eigene, neue Geschichte zu erzählen.

Ich könnte endlos so weitermachen. Ich könnte mich zum Beispiel noch für die tollen schauspielerischen Leistungen begeistern. Aber schaut euch den Film doch einfach selbst an - ihr werdet sicher nicht enttäuscht sein. "Silent Hill" ist ein spannender, visuell äußerst interessanter Film mit einer beispiellosen Atmosphäre, die euch in ihren Bann ziehen wird.

Die DVD:

Die "Limited Edition" besteht aus zwei Discs im Steelbook. Die Single-Disc-Edition hat ein anderes Coverbild. Bei den Extras ist nur das aus sechs Featurettes bestehende, insgesamt ca. eine Stunde lange "Making of" erwähnenswert. Schade - gerade bei diesem Film hätte ich mir viel mehr Zusatzmaterial gewünscht.

Die Einzelbeiträge des "Making of" bestehen zwar hauptsächlich aus der für derartige "Dokumentationen" üblichen Zusammenstellung von Filmszenen, Interview-Ausschnitten und Einblicken in die Dreharbeiten, aber sie enthalten doch einige interessante Informationen. So hatte ich beispielsweise gedacht, die meisten Kreaturen seien am Computer entstanden. Dem ist nicht so! Es wurden vorwiegend "traditionelle" Tricktechniken verwendet. Unter dem Latex-Ganzkörperkondom der armlosen Kreatur, die von Cybil niedergeschossen wird, steckt zum Beispiel ein ausgebildeter Tänzer, der für die sehr seltsamen Bewegungen dieser Kreatur verantwortlich ist. Im "Making of" sieht man, wie er diese Bewegungen ohne Maske probt - und das wirkt fast noch verstörender... Auch "Red Pyramid", die "grauen Kinder" und natürlich die Krankenschwestern werden durch echte Menschen dargestellt und nicht von Computergrafiken.

Das "Making of" geht auch recht ausführlich auf das Set-Design, auf die hauptsächlich von den Schauspielern selbst gemachten Stunts und auf andere Aspekte der Produktion ein. Außerdem erfährt man, dass einige der Beteiligten (Drehbuchautor, Regisseur) wohl selbst Gamer sind und die Spiele kennen. Das überrascht mich nicht, denn man merkt dem Film an, dass er von Leuten gemacht wurde, die Ahnung von / Repekt vor den Spielen haben.

J. Kreis, 27.11.2006
Seitenanfang