Zurück zu den Filmen

Der silberne Planet Der silberne Planet (Polen, 1988)
- Na srebrnym globie -

DVD Regionalcode 0, Ostalgica/AL!VE AG
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 157 Minuten

Extras
- Bildergalerie
- Hintergrunginformationen zum Film

Regie:
Andrzej Zulawski

Hauptdarsteller:
Jerzy Trela (Jerzy)
Iwona Bielska (Marta)
Jerzy Gralek (Piotr)
Andrzej Seweryn (Marek)
Grazyna Dylag (Ihezal)




Inhalt:

Eine Raumsonde stürzt auf einem Planeten ab. Auf dieser Welt leben primitive, menschenähnliche Wesen und Menschen von der Erde. Letztere machen sich die Primitiven mit einer Art Droge gefügig. Einer der Barbaren findet die Sonde und bringt sie den Menschen. Im Inneren der Sonde befinden sich Datenträger mit Filmaufzeichnungen. Sie zeigen Geschehnisse, die sich vor langer Zeit ereignet haben müssen. Die Filmaufnahmen sind von Raumfahrern gefertigt worden, die von der Erde geflohen sind, um ein neues Leben auf einem erdähnlichen Planeten anzufangen.

Jahrzehnte oder Jahrhunderte zuvor: Das Schiff der Flüchtlinge stürzt auf dem Planeten ab, der größte Teil der Ausrüstung wird zerstört. Die Überlebenden schlagen sich bis zum Meer durch und gründen dort eine Siedlung. Alle Kinder wachsen viel schneller heran, als es auf der Erde der Fall wäre. Ihren Traum von einer perfekten, freien Gesellschaft ohne Zwänge und Fanatismus können die Raumfahrer jedoch nicht verwirklichen. Stattdessen werden sie zum Gegenstand religiöser Verehrung ihrer eigenen Nachkommen. Jerzy, der letzte der Raumfahrer, schafft es nicht, die Erinnerung an die Erde wach zu halten und sein Wissen weiterzugeben. Die nachfolgenden Generationen fallen in die Primitivität zurück. Sie können Jerzy nicht mehr verstehen und halten ihn für einen Gott. Jahrzehnte nach dem Absturz führt das neue Oberhaupt des Stammes seine Krieger zu einer benachbarten Küste. In dem fremden Land gibt es zwar große Städte, doch dort leben nur schreckliche, geflügelte Wesen, die den größten Teil der Menschen töten und jetzt auch über deren Heimat herfallen. Der stark gealterte Jerzy verlässt die Siedlung und schickt die Raumsonde mit den Filmaufnahmen ins All. Damit enden die Aufzeichnungen.

Marek ist einer der Männer, die die Aufnahmen betrachtet haben. Er reist zu der fremden Welt. Die Menschen haben sich dort inzwischen stark vermehrt, aber sie werden von den geflügelten Wesen, den Scherne, verfolgt und getötet oder für grausige Experimente missbraucht. Die Scherne können Gedanken lesen und ihre eigenen Gedanken in den Geist der Menschen projizieren. Sie haben sich mit Menschenfrauen gepaart und Mischwesen gezeugt (Mortzy genannt), die sie als Handlanger einsetzen. Bei den Menschen hat sich eine komplexe Religion um Jerzy gebildet. Eine Priesterkaste hält die Macht in Händen. Alle warten auf die Wiederkehr des Messias, und als Marek landet, hält man ihn für den wiedergeborenen Jerzy. Tatsächlich gelingt es ihm, alle Scherne im Lebensraum der Menschen zu vernichten. Er lässt nur einen namens Awij am Leben, von dem er mehr über die Stadt der Scherne erfährt. Marek verliebt sich in Ihezal, die Tochter des Erzpriesters Malahuda. Er führt die Menschen übers Meer in die Stadt der Scherne, doch dort unterliegt er. Geschlagen kehrt er zurück. Die Menschen glauben nicht mehr an seine Göttlichkeit. Sie steinigen und kreuzigen ihn.

Doch möglicherweise sind all das auch nur die Drogenphantasien eines Mannes namens Jacek, der auf dem Planeten lebt, auf dem die Raumsonde abgestürzt ist...

Der Film:

"Der Silberne Planet" basiert auf Romanen, die der Großvater des Regisseurs Anfang des 20. Jahrhunderts geschrieben hat. Als Betrachter dieses Films hat man diverse Probleme: Das Werk ist nur ein Fragment und der Regisseur lässt seine Protagonisten - noch mehr als in seinem Film Possession - wirre Monologe absondern, deren Sinn sich zumindest mir meistens nicht erschlossen hat, zumal nur der polnische Originalton vorhanden ist. Fragmentarisch ist der Film zwangsläufig geblieben, weil das polnische Kultusministerium im Jahre 1977 die Einstellung der Dreharbeiten und die Vernichtung aller Kostüme, Requisiten und Bauten befohlen hat (die Gründe für diese radikale Aktion sind mir nicht bekannt). Auch die bereits gedrehten Szenen hätten zerstört werden sollen, aber das konnte insgeheim verhindert werden, und so war es dem Regisseur zehn Jahre später möglich, wenigstens einen Rumpf des ursprünglich geplanten Films fertig zu stellen. Viele Szenen fehlen jedoch, sie wurden nie gedreht. An ihrer Stelle erzählt der Regisseur, was er hätte zeigen wollen. Dazu werden jeweils Kamerafahrten durch Prag, verschiedene Landschaften usw. gezeigt.

Ein noch viel größeres Problem sind die meist gebrüllten oder gestammelten Monologe. Welchen Inhalt sie haben? Das kann ich nicht sagen. Es scheint, als seien alle Charaktere entweder wahnsinnig oder als würden sie von Problemen gequält, die man nicht verstehen kann. Sie grübeln über religiöse Fragen nach, grämen sich über die Sinnlosigkeit des Daseins usw., dabei brechen sie manchmal in Tränen aus, winden sich auf dem Boden oder vollführen seltsame Gebärden... Zulawski muss die Schauspieler bis an ihre Grenzen getrieben haben - aber als Zuschauer fragt man sich nach der Bedeutung. Man begreift einfach nicht, was mit all dem Brimborium ausgedrückt werden soll. Das Verständnis wird auch noch dadurch erschwert, dass der Film nicht deutsch synchronisiert wurde, und dass es a) offenbar nicht zu allen Dialogen Untertitel gibt - vermutlich wussten die Übersetzer selbst nicht, was sie mit dem Gefasel anfangen sollten - und b) die Untertitel nicht synchron ablaufen, so dass man nicht immer weiß, wer was gesagt hat.

Dass es um religiösen Wahn, Fanatismus und dergleichen geht, ist klar. Die Entwicklung des merkwürdigen Glaubens, den die Nachkommen der abgestürzten Raumfahrer um ihre Vorfahren herum gestrickt haben, ist an sich schon faszinierend. Die Ausgestaltung des Ganzen aber noch viel mehr - die Faszination, die der Film ausübt, ist wahrscheinlich auf genau die Verständnisprobleme zurückzuführen, die ich dabei hatte. Der Kunstgriff, dass man das Geschehen in der ersten Phase des Films immer aus der Perspektive der Person sieht, die die Kamera hält, erweist sich als besonders wirksam. Hinzu kommen die phantastischen Kostüme und Masken, die interessanten Schauplätze (das primitive Dorf der ersten Generationen der Nachkommen, die unterirdische Stadt, vermutlich gedreht in einem alten Bergwerk) - der ganze Look des Films ist ungewöhnlich und beeindruckend. Ein Schwachpunkt sind nur die Scherne, die zu keinem Zeitpunkt überzeugend wirken. Die eigenartige, fremdartige Atmosphäre wird durch die getragene Musik noch verstärkt, allerdings setzt gegen Ende, wenn Jacek auftritt, plötzlich Rockmusik ein. Das passt irgendwie überhaupt nicht zusammen. Insgesamt muss ich sagen: Deutlich weniger pseudophilosophisches Gelaber, Streichung der Jacek-Handlungsebene und Ergänzung der fehlenden Szenen nicht durch Aufnahmen von Prag, sondern durch richtige nachgedrehte Szenen, und "Der Silberne Planet" wäre ein Film, den auch Banausen wie ich verstehen können. In der jetzigen Form ist er zwar interessant, aber hart an der Grenze zur Ungenießbarkeit.

DVD-Features:

Die Bildqualität ist leider nicht so berauschend, wie man an den Screenshots erkennen kann. Die Untertitel passen nicht immer zum Gesagten, manchmal blitzen sie auch nur so kurz auf, dass man sie gar nicht lesen kann. Das Bonusmaterial besteht aus einer Bildergalerie und 23 Texttafeln, die die Handlung und die Entstehungsgeschichte des Films zusammenfassen.



Der silberne Planet

Die ersten Generationen der Nachkommen auf dem fremden Planeten.


Der silberne Planet

Marek nimmt telepathischen Kontakt mit dem gefangenen Schern Awij auf.


Der silberne Planet

Angriff auf die Stadt der Scherne.


Der silberne Planet

Marek wird gekreuzigt.


Der silberne Planet

Jacek bittet um die Droge.


J. Kreis, 21.06.2010


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang