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Sieben Sieben (USA, 1995)
- Se7en -

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 122 Minuten

Extras
Audiokommentare

Regie:
David Fincher

Hauptdarsteller:
Morgan Freeman (William Somerset)
Brad Pitt (David Hills)
Gwyneth Paltrow (Tracy Hills)
Kevin Spacey (John Doe)




Inhalt:

William Somerset, ein desillusionierter Detective der Mordkommission, wird kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Polizeidienst mit einem bizarren Fall konfrontiert: Er muss einen Serienmörder jagen, der seine Opfer nach den sieben Todsünden auswählt. Somerset fürchtet, diesen Fall nicht abschließen zu können, denn der Mörder hat all seine Taten schon seit mindestens einem Jahr so minutiös geplant und vorbereitet, dass er der Polizei immer mehrere Schritte voraus ist. Somersets Arbeit wird durch seinen über-ehrgeizigen neuen Partner David Hills mehr behindert als gefördert. Hills ist mit seiner Frau gerade erst in die Stadt gezogen und kann sich dem erfahrenen Detective nur schwer unterordnen. Erst nach einem von Tracy Hills arrangierten gemeinsamen Abendessen beginnt das Eis zu brechen. Tracy gesteht Somerset sogar, dass sie schwanger ist, und dass sie sich in der neuen Stadt nicht wohl fühlt.

Somerset und Hills arbeiten allmählich effektiver zusammen. Sie beginnen das Muster zu verstehen, nach dem der Serienmörder vorgeht. Um ihn in die Enge treiben zu können, muss Somerset alte Kontakte zum FBI aktivieren. Beinahe gelingt es den beiden Detectives, den Mörder zu fassen, doch er entkommt erneut. Immerhin kann jetzt seine Wohnung untersucht werden und man kennt seinen Namen: Er nennt sich John Doe. Natürlich handelt es sich dabei um eine Erfindung - ein Mann mit diesem Namen existiert nicht. Unbeeindruckt von diesem Rückschlag sucht Doe sich seine nächsten Opfer. Die Detectives ahnen nicht, dass sie selbst eine wichtige Rolle in den Plänen des Wahnsinnigen spielen sollen. Als seine Pläne sich der Vollendung nähern, marschiert Doe direkt ins Polizeirevier und lässt sich festnehmen. Er will ein vollständiges Geständnis ablegen, aber nur unter der Voraussetzung, dass Hills und Somerset ihn dorthin begleiten, wo er angeblich die beiden letzten Opfer versteckt hat. Die Detectives gehen auf dieses Angebot ein und fahren mit Doe in die Wüste.

Doe breitet seine verdrehten Gedanken vor Hills und Somerset aus. Er behauptet, die Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber der Sünde widere ihn an und er wolle durch seine Taten ein unvergessliches Zeichen setzen. Da taucht ein Lieferwagen auf, der ein Päckchen bringt. Doe wird von Hills in Schach gehalten, Somerset öffnet das Päckchen.


(Spoilerwarnung: Bitte nur weiterlesen, wenn ihr den Film schon kennt!)


Spoiler


Darin findet er Tracys abgetrennten Kopf. Doe gesteht Hills, er habe Tracy getötet, kurz bevor er sich gestellt habe. Somerset erkennt, dass Hills dazu gebracht werden soll, Doe zu erschießen. Er redet Hills ins Gewissen, dem Mörder diesen Wunsch nicht zu erfüllen, doch Doe hat sich sein vorletztes Opfer gut ausgesucht. Hills wird zur Verkörperung des Zorns, den er nicht beherrschen kann - und drückt ab. Damit wird Doe selbst zum letzten Opfer. Seine Sünde war der Neid...

Der Film:

Alle paar Jahre kommt ein Film in die Kinos, der neue Maßstäbe setzt, vielleicht sogar ein Genre neu definiert, und in späteren Jahren immer wieder als Klassiker zitiert wird. Sieben gehört wegen seiner beklemmenden Atmosphäre, wegen des für Hollywood ungewohnt "bösen" Finales und wegen des eigenwilligen, "schmutzigen" Looks eindeutig in diese Kategorie. Um all jenen, die den Film noch nicht kennen, den Spaß nicht zu verderben, habe ich in obiger Zusammenfassung auf viele Details verzichtet. Wie John Doe wirklich vorgeht und was er mit seinen Opfern anstellt, müsst ihr euch schon selbst ansehen. Mir ist das Ende lange Zeit nicht aus dem Kopf gegangen, und bis heute halte ich Sieben für einen der "gemeinsten" Filme aller Zeiten - wobei "gemein" eigentlich nur bedeutet, dass eine zu keinem Zeitpunkt vorhersehbare Handlung konsequent durchgezogen und nicht dem (von mir natürlich geteilten) Wunsch des durchschnittlichen Kinogängers nach einem versöhnlichen Happy-End geopfert wird.

Das minimalistische DVD-Cover passt sehr gut zum Film bzw. zu dessen dunkler Atmosphäre. Es gibt nur wenige "schöne" Orte in der (fiktiven?) Welt dieses Films, und selbst die haben immer irgend einen "Haken" - so wie die nette Wohnung der Hills, die in regelmäßigen Abständen durch in der Nähe vorbeilärmende Züge zum Erbeben gebracht wird. Überhaupt spielt der ununterbrochene, allgegenwärtige Lärm eine große Rolle. Es regnet praktisch dauernd, Dreck und Zerfall herrschen überall. Die Stadt scheint ein größtenteils verrotteter, heruntergekommener Ort zu sein, in dem sich praktisch nur zwielichtige, bösartige oder bestenfalls teilnahmslose Gestalten tummeln, sie ist eine Brutstätte für Perversionen und Verbrechen jeglicher Art. Kein Wunder, dass Somerset dort wie ein Fremdkörper wirkt - oder sehen wir die Stadt nur so, wie Somerset sie sieht?

Ohne die hervorragenden Schauspieler wäre Sieben allerdings nicht halb so gut. Morgan Freeman ist natürlich über jeden Zweifel erhaben, aber auch Brad Pitt macht seine Sache sehr gut. Die Art und Weise, wie er den etwas unbeherrschten David Hill spielt, macht seine Reaktion am Schluss des Films erst glaubwürdig. Nicht zuletzt tragen auch die teilweise ziemlich drastischen Gewaltdarstellungen zur bedrohlichen Atmosphäre bei, ohne jedoch zum Selbstzweck zu werden. John Does Taten werden ja auch nie direkt gezeigt; man bekommt stattdessen nur die Folgen zu sehen.

Sieben ist ein Meisterwerk, das man einfach gesehen haben muss.

Die DVD:

Diesen Film gibt es in verschiedenen Versionen. Die Single-Disc-Edition enthält als Bonusmaterial nur vier verschiedene Audiokommentare, wobei das Wort "nur" zu negativ klingt. Die Kommentare im Einzelnen: Die Stars (mit David Fincher, Brad Pitt, Morgan Freeman), Die Story (mit Richard Dyer, Andrew K. Walker, Richard Francis-Bruce, Michael DeLuca, David Fincher), Der Film (mit Darius Khondji, Arthur Max, Richard Francis-Bruce, Richard Dyer, David Fincher), Der Ton (mit Ren Klyce, Howard Shore, Richard Dyer, David Fincher)

J. Kreis, 10.04.2007
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