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Screamers Screamers - Tödliche Schreie (Kanada/USA/Japan, 1995)
- Screamers -

DVD - Regionalcode 2, Columbia Tristar Home Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 104 Minuten

Extras
Filmografien (Texttafeln), Trailer

Regie:
Christian Duguay

Hauptdarsteller:
Peter Weller (Joseph A. Hendricksson)
Jennifer Rubin (Jessica Hanson)
Andy Lauer ("Ace" Jefferson)
Ron White (Chuck Elbarak)
Roy Dupuis (Becker)
Charles Powell (Ross)




Inhalt:

Ein mit Nuklearwaffen geführter Krieg hat den ehemals paradiesischen Bergbauplaneten Sirius 6B in eine lebensfeindliche, radioaktiv verstrahlte Wüste verwandelt. Ein Überleben ist nur noch in Bunkern möglich. Die Ursache für den Krieg war ein Streit zwischen der profitgierigen Betreibergesellschaft NEB (New Economic Block) und der Bergarbeiterallianz über die Weiterführung der Berynium-Gewinnung. Dieses Material ist zwar extrem wertvoll, da es zur Lösung sämtlicher Energieprobleme beiträgt, aufgrund der von ihm abgegebenen Strahlung ist der Abbau aber sehr gefährlich. Dieser Konflikt hat auch zu politischen Spannungen auf der Erde geführt. Um den überlegenen NEB-Streitkräften Paroli bieten zu können, hat die Allianz eine neue Waffe entwickelt: die so genannten "Screamers". Diese Maschinen bauen sich in völlig autarken und autonomen unterirdischen Fabriken praktisch selbst - nach der Aktivierung der ersten Fabrik ist dort kein Mensch mehr gewesen. Die ursprünglichen Screamers sind kleine Kampfroboter, die mit rotierenden Klingen ausgestattet sind, sich unter der Erdoberfläche fortbewegen und ihr Opfer mit schrillem Gekreisch anspringen, um es zu verstümmeln und zu töten. Diese Screamers sind kaum mehr als bewegliche Minen. Sie sind nur mit geringer Intelligenz ausgestattet, auch können sie nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden. Sie attackieren einfach jedes Lebewesen, das in ihre Reichweite kommt, und zerren die Überreste unter die Erde. Zum Schutz gegen die Screamers dienen Impulsgeber, die den Herzschlag des Trägers maskieren. Die NEBs haben diesen Schutz nicht.

Im Jahre 2078 leben nur noch wenige Menschen auf Sirius 6B. Die zusammengeschmolzenen und erschöpften Militäreinheiten beider Seiten haben kaum noch Kontakt untereinander oder mit ihren Hauptquartieren, Versorgungsgüter werden knapp, und überall sind die Screamers unterwegs. Allmählich kommen die Kampfhandlungen zum Erliegen, aber niemand weiß, was wirklich auf dem Planeten vorgeht. Tatsächlich sind die Screamers dabei, sich weiterzuentwicklen und neue, noch gefährlichere Varianten von Kampfmaschinen zu produzieren. Eines Tages nähert sich ein NEB-Soldat einer Basis der Allianz. Bevor er den Bunker erreicht, wird er von Screamers abgefangen und zerstückelt. Er hatte eine Botschaft für Colonel Hendricksson bei sich, den Kommandeur der Allianzstreitkräfte auf Sirius 6B. Die Botschaft kann geborgen werden. Sie enthält ein Friedensangebot des NEB. Zwei Allianz-Offiziere sollen zu Verhandlungen ins NEB-Hauptquartier kommen. Hendricksson gibt die Nachricht an die Erde weiter und erhält von dort die Nachricht, dass auch auf dem Planeten Triton 4 Berynium gefunden worden sei. Verhandlungen mit dem NEB über einen sicheren Abbau seien bereits im Gange. Wenig später stürzt ein Truppentransporter der Allianz auf Sirius 6B ab. Von "Ace" Jefferson, dem einzigen Überlebenden, erfährt Hendricksson, dass er vermutlich schon seit Jahren belogen worden ist. Der Krieg tobt auch schon auf Triton 4, und wie es scheint, sollen die Siedler von Sirius 6B einfach sich selbst überlassen werden.

Daraufhin beschließt Hendricksson eigenmächtig, dem Angebot des NEB zu folgen und das dortige Hauptquartier aufzusuchen. Der etwas geschwätzige Jefferson begleitet ihn, sein Freund Chuck Elbarak übernimmt in seiner Abwesenheit das Kommando. Unterwegs begegnen Hendricksson und Jefferson einem kleinen Jungen namens David, der einen Teddybären trägt. Sie fragen sich zwar, wie der Junge den Krieg überleben konnte, nehmen ihn aber mit. Als sie einen Außenposten der NEB-Basis erreichen, die von den Soldaten Becker und Ross bewacht wird, werden ihnen die Augen geöffnet. Becker erschießt David, aber er hat keinen Menschen getötet, sondern eine neue Screamers-Variante zerstört. Becker erklärt, dass die Screamers eine neue Strategie verfolgen. Scheinbar hilflose kleine Jungen hängen sich an Menschen, um sich zu deren Verstecken führen zu lassen und diese zu vernichten. So ist es auch der NEB-Basis ergangen. Becker und Ross, die sich zusammen mit der Schwarzmarkthändlerin Jessica Hanson in den unterirdischen Stockwerken der Basis versteckt haben, sind die einzigen Überlebenden. Jessica führt die vier Männer ins NEB-Hauptquartier, doch es ist menschenleer und voller "David"-Screamers. Der Verfolgungswahn in der Gruppe wächst, denn wenn die Screamers menschliche Gestalt haben können, dann könnte jeder ein Screamer sein. So denkt anscheinend auch Becker, denn er ersticht Ross - aber der war wirklich ein Mensch.

Die Rückkehr zum Allianz-Bunker gerät zum Debakel, denn auch dort sind inzwischen die David-Screamers eingedrungen und haben die gesamte Besatzung getötet. Dutzende der Roboter greifen an und können nur mit Mühe abgewehrt werden. Jefferson wird von Becker getötet, der ebenfalls ein Screamer ist. Hendricksson zerschießt die Killermaschine. Da nun nichts mehr übrig ist, was ihn auf Sirius 6B hält, will Hendricksson den Planeten mit einem Shuttle verlassen, das für ihn im Gebirge versteckt wurde. Unterwegs verliebt er sich in Jessica, deren Menschlichkeit für ihn außer Frage steht, nachdem er ihr Blut gesehen hat - um ganz sicher zu sein, hat er ihr in die Hand geschnitten. Im Hangar wird Hendricksson von einer weiteren Screamers-Variante angegriffen. Diese trägt Chuck Elbaraks Gesicht. Hendricksson kann auch diesen Gegner besiegen. Es stellt sich heraus, dass das Shuttle nur Platz für eine Person bietet. Hendricksson würde ihn Jessica überlassen, doch die weigert sich. Eine zweite Jessica, die plötzlich auftaucht, ist weniger zögerlich. Entsetzt muss Hendricksson feststellen, dass er es mit Screamers zu tun hat, und die sind perfekte Menschenkopien aus Fleisch und Blut. Aber möglicherweise sind sie zu perfekt, denn die erste Jessica erwidert Hendrickssons Gefühle und stellt sich ihrem "Zwilling" entgegen. Sie wird zwar getötet, verschafft Hendricksson aber die Gelegenheit, ihr nicht so freundliches Ebenbild zu vernichten. Jetzt kann er zur Erde fliegen. Mit an Bord ist ein Teddybär wie jener, den "David" dabei hatte... und das Ding beginnt sich zu bewegen.

Der Film:

Wie so mancher bessere SF-Film basiert auch "Screamers" auf einer Idee des Schriftstellers Philip K. Dick. In diesem Fall ist es die Kurzgeschichte "Variante zwei", deren Handlung im Film trotz einiger Abweichungen recht genau wiedergegeben wird. Der wichtigste Unterschied besteht darin, dass der Krieg in der Kurzgeschichte nicht auf einem fernen Planeten stattfindet, sondern auf der Erde, wo er zwischen den USA und der Sowjetunion geführt wird. Auf der Erde kämpfen die Menschen verzweifelt gegen immer neue Varianten der Roboter, der einzige noch nicht von ihnen heimgesuchte Ort ist eine Mondbasis. Der Variante-zwei-Roboter (auch in der Story eine junge Frau) ist zwar täuschend menschenähnlich, aber im Gegensatz zu Jessica entwickelt er keine Gefühle für den Protagonisten (Major Hendricks), sondern benutzt ihn nur, um an die Fluchtrakete heranzukommen. Nachdem Variante zwei abgeflogen ist, kommt Hendricks zu der bitteren Erkenntnis, dass er die Auslöschung der Menschheit herbeigeführt hat. Ganz so düster ist der Film nicht. Man hat wohl gemeint, den Zuschauern ein etwas weniger pessimistisches Ende bieten zu müssen: Es gibt zahlreiche menschliche Kolonien, Hendricksson hat beim Flug zur Erde nur eine eher harmlose Variante der Screamers dabei, und außerdem sind die weiterentwickelten Screamers so menschlich, dass sie auch Gefühle haben und zu Helfern ihrer einstigen Opfer werden können, wobei sie dann sogar gegeneinander kämpfen.

Trotz dieser Unterschiede ist "Screamers" ein nettes Stück Endzeit-SF mit den für Philip K. Dick so typischen Handlungselementen der sich verselbständigenden Roboter, der Unmöglichkeit, echte Menschen von Kopien zu unterscheiden und der Frage, was man denn überhaupt noch für real halten kann. Was die Screamers mit ihren Opfern anstellen, wird uns im Film recht deutlich vor Augen geführt, so dass ich mich über die FSK-16-Freigabe wundere. Die Angewohnheit der Screamers, die Toten unter die Erde zu zerren, wird logisch und mit drastischen Worten erklärt: Durch das verwesende Gewebe entsteht Gas, das sie zur Energiegewinnung nutzen, und aus bestimmten Körperflüssigkeiten können sie ein prima Schmiermittel für ihre rotierenden Klingen machen. Dass man die Roboterfabrik nie zu sehen bekommt, so dass man nicht so genau weiß, was die Screamers da überhaupt anstellen, trägt viel zu ihrem geheimnisvollen Nimbus bei. "Screamers" ist zwar eine Low-Budget-Produktion, aber die Mischung aus realen Drehorten, Modellen und Matte-Paintings funktioniert in diesem Film sehr gut, d.h. es wurde nicht nur in irgendwelchen heruntergekommenen Fabrikhallen und Tunnels gedreht. Die zerstörte Welt vermag in jeder Szene zu überzeugen. Für die Screamers gilt das nicht immer. Solange es sich nur um den kleinen Typ 1 der "Autonomous Mobile Swords" handelt, von dem man wegen seiner Fortbewegungsweise ja meist nicht viel zu sehen bekommt, gibt es kein Problem. Sobald aber die weiterentwickelten Screamers auftauchen, bei denen es sich offensichtlich um Stop-Motion-Puppen handelt, geht die Glaubwürdigkeit verloren. Das sind aber nur kleine Schwächen, ansonsten können sich die Spezialeffekte wirklich sehen lassen.

An den Schauspielern gibt es nichts zu bemängeln. Charakterkopf Peter Weller ist einfach ein Garant für hervorragende Leistungen, jedenfalls nimmt man ihm die Rolle des etwas grantigen Colonels mit gutem Herzen problemlos ab. Aber auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Besonders gefallen hat mir Jennifer Rubin als toughe Jessica, und das nicht nur, weil die Dame einfach gut aussieht. Die Beziehung zwischen Hendricksson und Jessica entwickelt sich vielleicht etwas zu schnell und es wäre nicht unbedingt nötig gewesen, den Screamer vom Typ Becker in Shakespeare-Zitaten reden zu lassen. Da beides aber wohl einfach verdeutlichen soll, wie "menschlich" die Roboter bereits geworden sind, kann man es tolerieren. Insgesamt ist "Screamers" ein spannender SF-Film mit düsterer Atmosphäre, guter Ausstattung, ausreichend Action und mehr herumfliegenden Körperteilen, als man bei einem Film mit einer 16er-Freigabe erwarten würde. Parallelen mit Terminator sind natürlich offensichtlich, aber wenn hier jemand "abgeschrieben" hat, dann war es eher James Cameron, der sich von Philip K. Dick hat inspirieren lassen. Wer sich für andere Filme nach Kurzgeschichten bzw. Romanen dieses Autors interessiert, dem lege ich besonders Blade Runner ans Herz, aber auch "Total Recall", A Scanner Darkly und Minority Report können sich sehen lassen. Nicht so gut gelungen finde ich dagegen Impostor.

Die DVD:

Leider gibt es kein erwähnenswertes Bonusmaterial, daher kein Kommentar an dieser Stelle.

J. Kreis, 19.06.2009


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