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Der schweigende Stern Der schweigende Stern (DDR / Polen, 1960)

DVD Regionalcode 0, Icestorm Entertainment
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: ca. 95 Minuten

Extras
Biografien und Filmografien der Filmschaffenden (Text), "Der Augenzeuge berichtet", "Sozialisten im All" (Text), Bildergalerie

Regie:
Kurt Maetzig

Hauptdarsteller:
Günther Simon (Dr. Raimund Brinkmann)
Yoko Tani (Sumiko Ogimura)
Michail Postnikow (Prof. Arsenjew)
Kurt Rackelmann (Sikarna)
Oldrich Lukes (Prof. Hawling)
Ignacy Machowski (Soltyk)
Julius Ongewe (Talua)
Tang Hua-Ta (Dr. Tchen Yu)




Inhalt:

Ein seltsames, aus einem nicht von der Erde stammenden Material bestehendes, künstliches Artefakt wird in der Wüste Gobi gefunden. Es wird vermutet, dass ein Zusammenhang mit dem Tunguska-Ereignis besteht: Im Jahre 1908 hat sich in Sibirien eine gewaltige Explosion ereignet, für die bisher ein Komet verantwortlich gemacht wurde. Aber womöglich hat es sich ja um ein außerirdisches Raumschiff gehandelt, welches das Gobi-Artefakt kurz vor dem Absturz abgeworfen hat? Das Objekt wird untersucht und als Datenträger identifiziert. Die darauf gespeicherte Nachricht kann teilweise entschlüsselt werden. Sie kann nur von der Venus stammen. Also muss der Planet von intelligenten Wesen bewohnt sein - doch warum schweigen sie, als sich die Menschen nun bemühen, Kontakt mit ihren kosmischen Nachbarn aufzunehmen? Ein achtköpfiges internationales Forscherteam soll diese Frage klären. Im Jahre 1970 machen sich die Wissenschaftler mit dem russischen Raumschiff "Kosmokrator 1" auf den Weg zur Venus. Aufgrund kosmischer Störungen bricht der Funkkontakt zur Erde kurz vor dem Ziel ab. Unterwegs wird der Rest der außerirdischen Botschaft entschlüsselt. So erfahren die Forscher, dass die Wesen von der Venus die Eroberung der Erde und die Vernichtung der Menschheit geplant haben. Nach einer Flugdauer von etwas mehr als einem Monat und der gefahrvollen Durchquerung eines Asteroidenschwarms wird die Venus erreicht.


Der schweigende Stern

Das auf der Venus gelandete Raumschiff Kosmokrator 1


Brinkmann, der deutsche und in die Bordärztin Sumiko verliebte Pilot des Teams, fliegt mit einem Düsenelastokopter voraus, um nach einem geeigneten Landeplatz für den Kosmokrator zu suchen. Das Beiboot setzt direkt auf einer Art Energieleitung auf und explodiert. Brinkmann stürzt in eine Höhle, in der er winzige Roboter findet. Er kehrt wohlbehalten zu seinen Gefährten zurück, nachdem der Kosmokrator sicher gelandet ist. Aus den Informationen, die den Speichern der Mini-Roboter entnommen werden können, und durch die Erkundung des Landeplatzes werden erschreckende Erkenntnisse gewonnen. Auf der Oberfläche der Venus stehen seltsam geformte Anlagen, bei denen es sich um nichts anderes als Strahlenkanonen handelt, die unglaubliche Energiemengen akkumulieren und abstrahlen können - bis zur Erde. Die Energieleitungen führen zu einer Steuerzentrale. Doch nirgendwo sind Spuren der Venusbewohner zu sehen. Ihre Städte sind zerstört, die Planetenoberfläche ist radioaktiv verseucht. Nur Pflanzensamen, die immer noch keimfähig sind, können gefunden werden. Es stellt sich heraus, dass sich die Venusbewohner bei der Erprobung ihrer Strahlenkanonen selbst vernichtet haben.


Der schweigende Stern

Soltyk, Sumiko, Brinkmann und Hawling bei der Erkundung der Venus


Durch ein Versehen aktivieren die Forscher die Steueranlage. Die Kanonen beginnen mit der Umwandlung von Materie in Energie, um die Erde zu beschießen. Die elektronischen Systeme des Kosmokrators werden gestört. Kommandant Arsenjew wird schwer verletzt, Sumiko muss sofort operieren. Tchen Yu und Talua kehren zur Steuerzentrale zurück und können sie deaktivieren, doch dabei wird Tchen Yus Skaphander beschädigt, so dass er in der giftigen Venusatmosphäre erstickt. Die akkumulierten Energien wirken jetzt wie ein Katapult und schleudern den Kosmokrator ins All. Talua und Brinkmann, der seinen Gefährten mit einer kleinen Rakete zu Hilfe eilen wollte, stranden somit auf der Venus, während das Raumschiff zur Erde zurückkehrt. Die Überlebenden richten einen dringenden Appell an die Menschheit: Alle Nationen müssen zusammenarbeiten, um im All nach fremdem Leben zu suchen.

Der Film:

Laut Wikipedia ist "Der schweigende Stern" der erste SF-Film der DEFA. Er basiert auf Stanislaw Lems Roman "Die Astronauten", den ich nicht kenne. Ich finde ihn hauptsächlich deshalb interessant, weil man sich heute gar nicht mehr so richtig bewusst macht, dass es seinerzeit auch auf "unserer" Seite des Großen Teichs und jenseits des Eisernen Vorhangs, und nicht nur in den USA, SF-Filme gegeben hat. Für ein leicht wehmütiges Schmunzeln sorgt die Vorstellung, die man sich damals, Anfang der Sechzigerjahre, von einer zukünftigen Welt gemacht hat. Damals herrschte noch Aufbruchsstimmung in der bemannten Raumfahrt! Mehrere Sputniks hatten die Erde umkreist, einer davon mit der Hündin Laika an Bord, und Juri Gagarin bereitete sich darauf vor, als erster Mensch ins All zu fliegen (das geschah 1961). Auffällig dabei ist, dass die damalige Sowjetunion all diese Erfolge für sich verbuchen konnte - zum großen Ärger der Amerikaner. So ist es kein Wunder, dass die USA der UdSSR auch in diesem Film hinterherhinken, und zwar auch in ideologischer Hinsicht, aber das ist ein anderes Thema.

Nun liegt die Handlungszeit des Films nicht allzu weit in der Zukunft, so dass klobige Computerbänke, blinkende Lämpchen anstelle von Bildschirmen und Roboter, die so tolle Tricks wie Wettervorhersagen und Schachspiele drauf haben, gar nicht so weit von der Realität der Siebziger entfernt sind. Das Ganze steht aber im merkwürdigen Gegensatz zu der Annahme, die Menschheit könne in zehn Jahren riesige Raumschiffe mit interplanetarer Reichweite, künstlicher Schwerkraft und dergleichen konstruieren. Da muss man schon mal grinsen, wenn man sieht, wie in so einem Wunderwerk der Technik dann noch mit Schraubenziehern an der Elektronik gearbeitet wird, oder wie ein Techniker sich bemüht, einem Roboter so etwas wie eine "Seele" einzubauen - bei dieser Seele handelt es sich um ein Bauteil, das verdächtig nach einem altertümlichen Transistor aussieht. Von diversen Logik-Bugs, wissenschaftlichen Unmöglichkeiten und anderen Fehlern ganz zu schweigen.

Ein weiterer Grund für mein Interesse ist die Tricktechnik (Kostüme, Ausstattung, Matte-Paintings usw. zähle ich einfach mal dazu). Vergleicht man das Werk mit US-amerikanischen Filmen der damaligen Zeit, z.B. Alarm im Weltall und Metaluna 4 antwortet nicht, oder auch der einige Jahre jüngeren TV-Serie Star Trek, dann kann man kaum Qualitätsunterschiede feststellen. Ganz offensichtlich wurde ein sehr großer Aufwand betrieben, um das Niveau dieser Filme zu erreichen. Vor allem das Innere des Raumschiffs Kosmokrator (genialer Name übrigens) sowie die bizarren Landschaften auf der Venus wirken selbst heute noch akzeptabel. Nicht alle Effekte sind so gut gelungen. Man kann zum Beispiel die Drähte erkennen, an denen die kleinen Venus-Roboter baumeln, und wenn die Venus mit Bodenfahrzeugen erkundet wird, dann sieht man allzu deutlich, dass da kleine Modelle durch nicht sehr viel größere Dioramen gezogen werden.

Thema des Films ist die Angst der Menschen vor dem Atomkrieg. Nicht umsonst steht Sumiko im Mittelpunkt, eine am Ende des Zweiten Weltkriegs in Hiroshima geborene Japanerin, deren Erbgut infolge atomarer Verstrahlung so schwer geschädigt ist, dass sie keine Kinder bekommen darf, und die den Anblick, den die in den Stein gebrannten Schatten der Venusianer bieten, nur allzu gut kennt. Wie oben bereits erwähnt ist der Film nicht ganz frei von sozialistischem Gedankengut, aber das steht nicht so im Vordergrund, dass es irgendwie stören würde. Natürlich sind die Amis dagegen, dass ihr Landsmann Hawling sich an der Kosmokrator-Mission beteiligt, natürlich saufen sie selbst bei wichtigen Besprechungen allesamt Whiskey, und natürlich wünschen sich die Russen nichts anderes als eine friedliche, fruchtbare und freundliche Zusammenarbeit mit allen Nationen...

Leider agieren die Schauspieler oft zu hölzern, werden die Charaktere nicht gut genug ausgearbeitet und bleiben ihre Beziehungen untereinander zu irrelevant, als dass man von dem Film wirklich mitgerissen werden könnte. Auch kommt das Ende etwas überhastet. Erst nach der Hälfte des Films wird die Venus überhaupt erreicht, dann geht alles ganz schnell. 20 Minuten mehr hätten dem Film vielleicht gut getan.

Die DVD:

Das Bonusmaterial besteht hauptsächlich aus Texttafeln, die einige Hintergrundinformationen zum Film und zum Produktionsteam (Regisseur, Szenenbildner Alfred Hirschmeier und Trickkameramann Ernst Kunstmann) enthalten. Leider haben sich einzelne Fehler eingeschlichen, so bricht der Text z.B. an einer Stelle einfach ab und wird nicht fortgesetzt. Die Bildergalerie enthält acht Szenenbildentwürfe. Hinzu kommen zwei zeitgenössische Beiträge aus der Sendung "Der Augenzeuge". Der erste (1:26 Minuten) befasst sich mit einem Besuch britischer Schauspieler in den Babelsberg-Studios, in denen gerade "Der schweigende Stern" gedreht wird. Der zweite (0:37 Minuten) zeigt ebenfalls ein klein wenig hinter-den-Szenen-Material. Grund: Die westdeutsche Zeitung "Der Kurier" hatte damals von einem "Fehlstart einer Rakete in der Sowjetzone" berichtet. Gemeint war natürlich der "Kosmokrator 1"...


J. Kreis, 16.02.2010


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