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Der Biss der Schlangenfrau Der Biss der Schlangenfrau (GB, 1988)
- The Lair of the White Worm -

DVD - Regionalcode 2, Concorde Home Entertainment
FSK: 16
Laufzeit: ca. 89 Minuten

Extras
Keine

Regie:
Ken Russell

Hauptdarsteller:
Amanda Donohoe (Lady Sylvia Marsh)
Peter Capaldi (Angus Flint)
Hugh Grant (Lord James D'Ampton)
Sammi Davis (Mary Trent)
Catherine Oxenberg (Eve Trent)




Inhalt:

Der junge schottische Archäologiestudent Angus Flint ist zu Besuch bei Mary und Eve Trent, die seit dem mysteriösen Verschwinden ihrer Eltern die Führung einer kleinen Familienpension übernommen haben. Auf dem Gelände des Hauses, an dessen Stelle früher ein Kloster gestanden hat, gräbt Angus das Bodenmosaik eines römischen Tempels aus. Darunter wiederum entdeckt er einen enorm großen, ungewöhnlich geformten Knochen. Es scheint sich um den Schädel eines gewaltigen Reptils zu handeln. Bei einem Fest im Schloss des neuen Gutsherrn James D'Ampton, zu dem Angus seine beiden Freundinnen begleitet, stößt er auf Parallelen zu einer lokalen Legende, der zufolge ein Urahn des jungen Lords ein Drachentöter gewesen ist: Er soll dem "Weißen Wurm", der in der nahen Höhle Stonerich Cavern gehaust haben soll, den Kopf abgehackt haben. Merkwürdigerweise wird die Taschenuhr von Marys und Eves Vater in eben dieser Höhle gefunden. Was die jungen Leute nicht ahnen: Die Legende ist wahr, und der "Weiße Wurm" ist nicht tot - wie der Volksmund schon sagt, leben beide Hälften weiter, wenn man einen Wurm zerteilt.

Der "Weiße Wurm" ist der uralte heidnische Gott Dionin und wird seit Jahrhunderten von seiner Priesterin, einer unsterblichen Schlangenfrau, mit Menschenopfern versorgt. Dieses Schicksal haben auch Marys und Eves Eltern erlitten. Die Priesterin tarnt sich als Adlige namens Lady Sylvia Marsh. Nach dem Ende ihres Winterschlafs kehrt Lady Sylvia in ihren Landsitz Temple House zurück und sucht neue Opfer. Sie kann Menschen mit ihrem Giftbiss lähmen und in eine Art Vampir verwandeln. Diese "Behandlung" lässt sie einem Tramper und dem örtlichen Polizeioffizier angedeihen. Außerdem stiehlt sie den Schädel und entführt Eve, um sie Dionin als jungfräuliches Opfer darzubringen. Auch James macht die Bekanntschaft der verführerischen Lady Sylvia, doch als er zusammen mit seinen Freunden Stonerich Cavern untersucht, und als es Eve gelingt, ihren Freunden in einem telefonischen Hilferuf einen Hinweis auf Dionin zu geben, zieht er die richtigen Schlüsse. Er erkennt, dass man die Schlangenfrau und ihre Brut mit Schlangenbeschwörermusik "hypnotisieren" kann. Auf diese Weise lockt er Lady Sylvia aus ihrem Haus, so dass Angus und Mary dort nach Eve suchen können. Sie entdecken aber nur die bereits in einen Schlangenvampir verwandelte Mutter der Mädchen.

Mary wird gebissen, aber Angus kann das Gift aussaugen. Er bewahrt es auf und lässt es später analysieren, um ein Gegengift zu erhalten. James hackt den Schlangenvampir, der der Musik zu seinem Schloss gefolgt ist, mit einem Bihänder in zwei Hälften. Von Lady Sylvia fehlt aber jede Spur. Am nächsten Tag wird Mary vom ebenfalls verwandelten Polizeioffizier ins Temple House gelockt. Angus folgt ihr, besiegt den uniformierten Vampir mit Hilfe von Dudelsackmusik und injiziert sich das Gegengift. Auch er wird von Lady Sylvia gebissen und in die Kavernen unterhalb von Temple House geschleppt. Dort bereitet die Schlangenfrau das Opferritual für Dionin vor. Sie kann es jedoch nicht vollenden, denn inzwischen hat James Giftgas in bestimmte fast vollständig verschüttete Erdspalten in Stonerich Cavern eingeleitet und den Schlangengott auf diese Weise vorzeitig aus seinem Versteck getrieben. Er hatte korrekt vermutet, dass es eine unterirdische Verbindung zwischen der Höhle und Temple House gibt. Die Schlangenfrau will Eve dennoch dem in einem Brunnenschacht erscheinenden Dionin zum Fraß vorwerfen, aber Angus dreht den Spieß um. So wird die Schlangenfrau inniger mit ihrem Gott vereint, als sie es sich vorgestellt hatte. Angus wirft eine Handgranate hinterher, so dass auch der Weiße Wurm sein Ende findet.

Angus verabreicht auch Eve das Gegengift und glaubt, dass nun alles wieder in Ordnung ist. Doch da erhält er einen Anruf aus dem Krankenhaus. Dort hat man ihm das falsche Serum ausgehändigt, tatsächlich hat er sich und Eve nur ein Mittel gegen Arthritis gespritzt...

Der Film:

Dieser Film basiert auf einem Roman von Bram Stoker, den ich nicht kenne. Ich vermute aber mal, dass er nicht so selbstironisch und mit schwarzem Humor voll gestopft ist wie dieser Film. Obwohl "Der Biss der Schlangenfrau" in der ungeschnittenen Version einige ziemlich blutige Szenen enthält, ist er eher eine Persiflage als ein echter Horrorfilm, was aber keineswegs heißen soll, dass er albern oder sonst wie missraten wäre. Ganz im Gegenteil: Die Mischung aus mysteriösen heidnischen Kulten, Schlangen-Vampirismus und britischem Humor funktioniert ganz wunderbar, es kommt ein sehr unterhaltsamer, spannender Film dabei heraus. Und das, obwohl die Story so manche Lücke aufweist. Was wurde zum Beispiel aus dem Tramper und aus dem Vater der Mädchen? Wenn er geopfert wurde, warum dann nicht auch die Mutter? Was haben christliche Nonnen in der Zeit der Römer verloren? Warum klaut Lady Sylvia nur die Schallplatte mit der Schlangenbeschwörermusik und erledigt James nicht gleich endgültig? Wozu braucht sie den Schädel? Warum vampirisiert sie die Leute - sollte sie sie nicht opfern? Doch halt, für letzteres gibt's eine Erklärung. Sie braucht Jungfrauen für die Opferzeremonie. Dieses Ritual allerdings scheint dann doch eher sinnlos zu sein oder nur ihrem persönlichen Vergnügen zu dienen. Man stelle sich vor: Bei der Zeremonie muss eine Jungfrau mittels eines geschnitzten Riesendildos defloriert und aufgespießt werden, den die Schlangenfrau sich umschnallt...

Dass der Film trotzdem bestens unterhält, liegt zum Großteil an Amanda Donohoe und ihrer äußerst sehenswerten Darstellung einer... tja... wie soll ich's nennen... Schlangen-Vampir-Domina (originelle Idee übrigens)? Man merkt ihr die Spielfreude richtig an, und so wirkt ihre Verruchtheit genauso überzeugend, wie ihre "schlängelnden" Bewegungen sexy sind. Ihre trockenen Kommentare sind einfach köstlich. Geradezu genial ist die Szene, in der sie gerade mit einem heidnischen Ritual beginnen will, wobei sie den Schädel der Riesenschlange in die Höhe reckt, während eines ihrer gelähmten Opfer zu ihren Füßen liegt - dann klingelt's an der Tür und ihr voller Pathos vorgetragener Text endet abrupt mit einem deftigen Fluch... Natürlich nächtigt sie in einem Korb, hasst Mungos und hat für ihre Mitmenschen meist nur giftige Kommentare übrig. Ein Kruzifix bespuckt sie wortwörtlich mit Gift - eine gar nicht mal so unbrisante Szene. Auch die schon erwähnten blutigen Szenen können sich sehen lassen, die Effekte sind gut gemacht. Viele davon sind in Visionen der Menschen zu sehen, die mit Sylvias Gift in Berührung kommen. Sie werden durch optische Verfremdungen und schnelle Schnitte entschärft, aber es gibt ja die "Pause"-Taste.

Aber auch die anderen Schauspieler liefern gute Leistungen ab. Mein Held ist natürlich Angus, der Mann von den Orkneys. Wenn er dudelsackspielend ins Temple House eindringt und auf diese Weise den vampirisierten Polizisten zur Strecke bringt, danach den als Späher ausgeschickten Mungo, der von Lady Sylvia zerfetzt wurde, ins Gesicht geschmissen bekommt und anschließend ordentlich gebissen wird, dann ist das schon kaum zu toppen, aber es kommt noch besser. Er trägt nämlich einen Kilt und liefert beim Endkampf gegen Dionin die Antwort, was die Schotten eigentlich darunter tragen. Ganz einfach: Handgranaten. Herrlich. Außerdem kann man in diesem Film einen jungen Hugh Grant als leicht snobistischen Landadligen bewundern. Die deutsche Synchronisation lässt leider wieder mal einiges zu wünschen übrig. Der englischen Version ist auf jeden Fall der Vorzug zu geben. Zum Glück wurde wenigstens der schmissige Folksong während Lord D'Amptons Party, mit dem die Geschichte des Weißen Wurms erzählt wird, nicht synchronisiert.

Die DVD:

Entgegen der Angaben auf dem Cover (dort steht "gekürzte Fassung") ist die DVD-Version dieses Films ungeschnitten. Die Wege der FSK sind manchmal unergründlich - obwohl der Film auf DVD eine 16er-Freigabe erhalten hat, ist er mit der alten 18er-Version auf VHS identisch. Bonusmaterial gibt es leider nicht.

J. Kreis, 27.07.2008


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