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Schlachthof 5 Schlachthof 5 (USA, 1972)
- Slaughterhouse-Five -

DVD - Regionalcode 2, Universal
FSK: 16
Laufzeit: ca. 99 Minuten

Extras
Kinotrailer, Bildergalerie

Regie:
George Roy Hill

Hauptdarsteller:
Michael Sacks (Billy Pilgrim)
Eugene Roche (Edgar Derby)
Ron Leibman (Paul Lazzaro)
Valerie Perrine (Montana Wildhack)




Inhalt:

Billy Pilgrim "springt" in der Zeit hin und her. Er ist aber kein Zeitreisender, da er keine Kontrolle über diese "Zeitsprünge" hat und nicht weiß, wie oder warum es dazu kommt. Er findet sich immer wieder in verschiedenen früheren oder späteren Momenten seines Lebens wieder. Besonders oft verschlägt es ihn in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Er war seinerzeit in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten und zusammen mit anderen Gefangenen nach Dresden in das Lager "Schlachthof 5" verlegt worden. Er hatte die Bombardierung Dresdens überlebt, war zur Leichenräumung verpflichtet worden und hatte mit ansehen müssen, wie sein einziger Freund standrechtlich erschossen wurde. Er hatte sich damals ohne eigene Schuld die Todfeindschaft des psychopathischen Soldaten Paul Lazzaro zugezogen.

Nach Kriegsende wird Billy zunächst mit Elektroschocks behandelt, denn seine traumatischen Erlebnisse haben ihn in einen fast katatonischen Zustand getrieben. Aus ihm wird dennoch ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er heiratet, wird Vater und genießt allgemeines Ansehen. Eines Tages überlebt er als einziger einen Flugzeugabsturz. Allerdings verliert er seine Frau - sie stirbt an den Folgen eines Autounfalls, den sie erleidet, als sie zu dem Krankenhaus rast, in dem Billy nach dem Absturz behandelt wird. Er lebt danach allein in seinem großen Haus.

Eines Nachts erscheint eine Energiesphäre, die ihn und seinen Hund auf den Planeten Tralfamadore entführt. Dort wurde eigens für ihn eine Wohnkuppel eingerichtet, denn in der Zyanid-Atmosphäre des Planeten könnte er nicht überleben. Die Tralfamadorianer sind für ihn unsichtbar. Sie beobachten ihn wie ein Tier in einem Zoo und versetzen wenig später das junge Starlet Montana Wildhack zu ihm in die Kuppel, um endlich die Paarung zweier Menschen beobachten zu können. Dazu kommt es schließlich auch, denn Billy und Montana sind sich sympathisch. Und so sind sie bald zu dritt - zu viert, wenn man den Hund mitzählt.

Billy eignet sich die Denkweise der Tralfamadorianer in Bezug auf den Ablauf der Zeit an. Die Tralfamadorianer können jeden beliebigen Moment der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sehen. Für sie "vergeht" die Zeit nicht - jeder einzelne Moment ist immer gegenwärtig und somit ewig. Ihre Lebensweisheit besteht darin, die unangenehmen Dinge zu ignorieren und sich auf die schönen zu konzentrieren, da die Ereignisse unveränderbar sind. So wird es auch Billy ermöglicht, alles zu wissen und allem mit größtem Fatalismus zu begegnen; selbst dem Moment seines Todes. Billy wird viele Jahrzehnte nach Kriegsende erschossen, während er vor einem Auditorium über Tralfamadore spricht.

Der Film:

Es ist unmöglich, die Handlung des Films "chronologisch" wiederzugeben (d.h. so, wie sie im Film erzählt wird), weil sie den Zeitsprüngen Billy Pilgrims folgt. Der Film ist deshalb bei weitem nicht so "einheitlich" wie obige Zusammenfassung; dort werden alle Zeitebenen miteinander vermischt. Die Szenen gehen oft nahtlos ineinander über - so wird z.B. mehrmals zwischen einer Versammlung des Lions Club, in der Billy zum neuen Vorsitzenden gewählt wird, und einer Episode aus dem Zweiten Weltkrieg gewechselt. Der Beifall, der in beiden Zeitebenen zu hören ist, ist das verbindende Element. Dieser Wechsel in den Handlungsebenen findet praktisch ständig statt. Mal wird eine Hand, die den gealterten Billy wachrüttelt, zur Hand eines Kriegskameraden im Gefangenentransport, mal wird Billy gleichzeitig bei der Hochzeit und auf dem Schlachtfeld fotografiert und so weiter. Man kann nicht sagen, welches die "Jetztzeit" des Films ist, denn er konzentriert sich nicht auf eine der vielen Handlungs- bzw. Zeitebenen, wenn auch den Ereignissen während des Zweiten Weltkriegs breiter Raum eingeräumt wird. Ereignisse aus Billys Leben vor und nach dem Krieg werden dagegen gestraffter, manchmal nur in Form kurzer Momentaufnahmen behandelt. Unklar bleibt auch, ob Billy wirklich "durch die Zeit springt", ob er (wie die Tralfamadorianer) in der Lage ist, jeden Moment seines Lebens zur gleichen Zeit zu erleben, oder ob es sich um den Wahn eines am Kriegstrauma leidenden Veteranen bzw. um die Folgen der beim Flugzeugabsturz erlittenen Schädelverletzungen handelt.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman des Schriftstellers Kurt Vonnegut. Den habe ich zwar gelesen, aber das ist schon sehr lange her und die Erinnerung ist verblasst. Ich kann deshalb nicht sagen, ob die Verfilmung gelungen ist oder nicht. Was die "Zeitsprünge" angeht, würde ich das bejahen, aber wenn ich mich recht erinnere, enthält der Roman noch weitere Handlungsebenen, die im Film weggelassen wurden. Wahrscheinlich ist das auch besser so, sonst wäre der Film wohl völlig unverständlich geworden. Der Roman ist, was die Kriegserlebnisse Billys angeht, autobiografisch. Praktisch alles, was Billy in dieser Zeit widerfährt, hat der Autor selbst erlebt. Vielleicht hat er ja selbst ein Kriegstrauma erlitten, das ihm das Gefühl vermittelte, "aus der Zeit herausgefallen" zu sein, nicht mehr "dazuzugehören" - nur waren bei ihm keine freundlichen Tralfamadorianer zur Stelle, um ihn in das zwar unfreie, aber sehr angenehme Dasein eines Ausstellungsstücks zu entführen. Wie ein Traumatisierter treibt Billy durchs Leben, ohne wirklich an etwas Anteil zu nehmen. Bei ihm ist es der tralfamadorianische Fatalismus. Wie würde man das wohl in der Realität bezeichnen?

Erstaunlicherweise "funktioniert" der Film trotz des schwierigen Aufbaus recht gut, man sollte aber den Roman kennen. Wenn man ihn nicht kennt, wird man sich wahrscheinlich am Schluss fragen, was das Ganze eigentlich sollte. Immerhin eignet sich das tralfamadorische Zeitverständnis gut für ein paar Gedankenspiele. Lustig ist übrigens, dass keineswegs in Dresden gedreht wurde (das war 1972 wohl nicht möglich - aus heutiger Sicht kaum noch zu verstehen), sondern in Prag. Wer schon einmal in einer der beiden Städte gewesen ist, wird das sofort erkennen. Der Film enthält einige geradezu groteske Szenen (z.B. die Amokfahrt von Billys Frau, Derbys wie eine unwichtige Nebensache dargestellte Erschießung), aber weit weniger Science-Fiction-Elemente, als man vielleicht erwarten würde. Dies ist eigentlich kein SF-Film, sondern ein Kriegsdrama.

Die DVD:

Es gibt leider kein erwähnenswertes Bonusmaterial zu diesem Film, aber wenigstens ist der DVD noch ein mehrseitiges Booklet beigelegt, das einige interessante Informationen zu Kurt Vonnegut, dem Roman usw. enthält. Man sollte es aber nicht lesen, wenn man den Film oder den Roman noch nicht kennt, da es Spoiler enthält. Mir ist aufgefallen, dass die letzte Szene des Films nur in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln vorliegt. Ist das eventuell eine Szene, die in der deutschen Kinoversion ursprünglich nicht vorhanden war?

J. Kreis, 12.06.2008


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