Zurück zu den Filmen

Scanners Scanners (Kanada, 1981)

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: Keine Jugendfreigabe
Laufzeit: ca. 99 Minuten

Extras
Filmografien (selbstablaufender Text)

Regie:
David Cronenberg

Hauptdarsteller:
Stephen Lack (Cameron Vale)
Patrick McGoohan (Dr. Paul Ruth)
Michael Ironside (Darryl Revok)
Jennifer O'Neill (Kim Obrist)
Lawrence Dane (Braedon Keller)




Inhalt:

Ein junger Mann wird in einem Einkaufszentrum aufgegriffen, nachdem er eine Frau mit der Kraft seines Geistes beinahe geötet hat. Während einer Konferenz in der Firmenzentrale des Consec-Konzerns versucht ein Mann, die Gedanken eines anderen zu lesen, doch der entpuppt sich als stärker und schlägt zurück, so dass der Kopf des Gedankenlesers explodiert. Diese Männer gehören zu einer relativ kleinen Gruppe von Menschen, die aufgrund einer Mutation in der Lage sind, ihr Nervensystem mit dem anderer Lebewesen zu verschmelzen, ohne diese zu berühren. Auf diese Weise erlangen sie telepathische Fähigkeiten, können den Geist sowie die Körperfunktionen ihrer Opfer kontrollieren und sie im extremsten Fall sogar per Gedankenkraft töten. Man bezeichnet diese Menschen als "Scanners", und zumindest der Consec-Konzern betrachtet sie als Bedrohung. Dr. Paul Ruth und Sicherheitschef Braedon Keller haben den Auftrag, sich um diese Angelegenheit zu kümmern. Ruths Recherchen haben ergeben, dass die Scanners eine Untergrundorganisation aufgebaut haben, die von Darryl Revok befehligt wird, einem zwar geistesgestörten, aber extrem starken Scanner. Revok hat alle Scanners getötet, die Ruth für Consec anwerben konnte - er war es auch, der den Gedankenleser einen Kopf kürzer gemacht hat, um den letzten Scanner in Ruths Diensten zu eliminieren.

In dieser Situation ist Cameron Vale, der junge Mann aus dem Einkaufszentrum, Ruths letzte Hoffnung. Auch Vale ist ein sehr starker Scanner, aber er kann seine Gaben nicht beherrschen und leidet unter den unkontrolliert auf ihn einprasselnden Gedanken der Menschen in seiner Nähe. Diese Qualen teilt er mit den meisten seiner "Artgenossen", die deshalb in der Regel zu Psychopathen werden. Ruth bildet Vale aus und zieht ihn auf seine Seite, indem er ihm ein Mittel namens Ephemerol verabreicht. Mit diesem Medikament, das von Consec hergestellt wird, können die Kräfte der Scanners unterdrückt werden. Vale versucht nun, Revoks Organisation zu infiltrieren. Als er einen möglichen Kontaktmann aufsucht, wird dieser von Revoks Schergen erschossen, bevor Vale sie mit seinen überlegenen Kräften ausschalten kann. Vale liest die letzten Gedanken des Kontaktmanns und erfährt so, dass es eine zweite Gruppe von Scanners gibt. Diese betreiben Gruppensitzungen zur Geistesverschmelzung und können sich auf diese Weise vor den quälenden Stimmen der Außenwelt abschotten. Sie wollen sich Revok nicht anschließen und werden deshalb von ihm gejagt. Bei einem Treffen dieser Gruppe, an dem auch Vale teilnimmt, kommt es zu einem weiteren Angriff durch Revoks Killer, bei dem es erneut Tote gibt. Nur Vale und Kim Obrist können entkommen. Sie versuchen nun gemeinsam, Revoks Versteck aufzuspüren.

Es gelingt Vale, in eine Chemiefabrik einzudringen, wo große Mengen von Ephemerol in Revoks Auftrag produziert und für die Verschickung vorbereitet werden. Vale findet im Computer Hinweise auf das "RIPE"-Programm, aber der Zugang ist gesperrt. Als Vale und Kim Dr. Ruth in der Consec-Zentrale auf RIPE ansprechen, reagiert dieser geschockt, denn er selbst hat die Chemiefabrik einst erbaut, die jetzt von Revok missbraucht wird. Keller erweist sich als Verräter. Er hat inzwischen von Revok den Auftrag erhalten, Vale und Kim zu töten. Die können jedoch erneut entkommen. Keller erschießt Dr. Ruth, der versuchen wollte, RIPE zu stoppen. Über eine Telefonleitung verschmilzt Vale sein Nervensystem mit dem Computer, in dem die geheimen Daten zu RIPE gespeichert sind. Er findet Patientenlisten und die Namen der behandelnden Ärzte. Keller zwingt die Programmierer, die Selbstzerstörung des Computers auszulösen, weil er hofft, Vales Geist werde dabei ebenfalls zerstört werden. Der Scanner kann sich aber schnell genug zurückziehen und bringt gleichzeitig den Computer zur Explosion. Dabei kommt Keller um. Vale und Kim suchen nun einen der aufgelisteten Ärzte auf. Im Wartezimmer wird Kim vom ungeborenen Kind einer Patientin gescannt. Es wird klar, dass allen Patienten Ephemerol verschrieben wurde, und dass das Medikament die Scanner-Mutation bei Ungeborenen auslöst.

Vale und Kim werden von Revok betäubt, der ihnen aufgelauert hat. Als Vale aufwacht, findet er sich in Revoks Büro wieder und erfährt nun die Wahrheit. Vale und Revok sind Brüder, Dr. Ruth ist ihr Vater. Er hatte in den Vierzigerjahren ein Beruhigungsmittel namens Ephemerol entwickelt und an seiner eigenen schwangeren Frau getestet. Obwohl er wusste, was das Medikament aus den Ungeborenen macht, hat er es vier Jahre später auf den Markt gebracht, wo es sich aber nicht durchsetzen konnte - deshalb gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Scanners. Dem will Revok abhelfen: Durch die Ephemerol-Massenproduktion will er eine Scanner-Armee aufbauen und die Weltherrschaft an sich reißen. Revok will Vale auf seine Seite ziehen, denn die Brüder sind weit stärker als alle "jüngeren" Scanners. Als Vale sich weigert, kommt es zu einem grausamen Kampf, bei dem die Brüder sich gegenseitig mit ihren Scanner-Fähigkeiten zusetzen. Revok droht die Oberhand zu gewinnen, Vales Körper beginnt zu brennen. Vale versetzt jedoch seinen Geist in Revoks Körper. Als Kim ihn später findet, verkündet "Revok" mit Vales Gedanken und Stimme, er habe gewonnen.

Der Film:

Als dieser Film in die Kinos kam, war ich gerade mal 14 oder 15. Natürlich war er damals für mich "verboten", und natürlich habe ich die in die Filmgeschichte eingegangene Szene mit dem explodierenden Kopf dann doch gesehen. Das war ein wahrlich unvergesslicher Moment... Diese Szene ist zwar ein auch heute noch sehr überzeugender Splatter-Effekt, man sollte den Film aber nicht darauf oder auf die anderen teils explizit gezeigten Auswirkungen der Scanner-Kräfte reduzieren, denn die Gewaltszenen sind nicht Selbstzweck und dienen immer der Geschichte. So arg viel Blut fließt in diesem Film nun auch wieder nicht, und bis auf den Endkampf zwischen Vale und Revok halten sich die Maskenbildner nach dem geplatzten Kopf sogar eher zurück. Wenn von Filmen David Cronenbergs gesprochen wird, fällt immer wieder der Begriff "Body Horror". Damit ist die in diesen Filmen oft thematisierte Angst der Menschen vor körperlichen Abnormitäten, Veränderungen des eigenen Körpers durch Krankheit oder Mutation usw. gemeint. Auch in "Scanners" gibt es Mutanten, und es gibt von ihnen hervorgerufene, unangenehme "körperliche Veränderungen", aber als "Body-Horror-Film" würde ich ihn nicht bezeichnen. "Scanners" ist eigentlich kein Horrorfilm, eher ein Thriller mit Science Fiction-Elementen. Es finden sich sogar gesellschaftskritische Elemente; Parallelen mit dem Contergan-Skandal sind jedenfalls unübersehbar. Da eine relativ einfache Geschichte auf recht konventionelle Weise erzählt wird, ist "Scanners" vielleicht sogar untypisch für das Werk Cronenbergs - zumindest im Vergleich mit verstörenderen Filmen wie Videodrome, "Naked Lunch" oder "eXistenZ".

"Scanners" ist durchaus spannend. Durch die sparsam eingesetzten Schockmomente und die merkwürdigen Effekte, die mit dem "scannen" einhergehen (seltsame, pulsierende Geräusche, Grimassen und Verrenkungen sowohl des Scanners als auch seines Opfers) wird eine eigenartige, düstere Stimmung erzeugt. Es fällt aber schwer, sich mit Vale zu identifizieren und somit Anteil an seinem Schicksal zu nehmen. Der Schauspieler agiert meist viel zu lustlos, Michael Ironside macht seine Sache erheblich besser. Auch habe ich die Geschichte möglicherweise nicht ganz verstanden. Warum fühlt der Consec-Konzern sich von Revok bedroht, wenn der doch offensichtlich dort ein und aus geht, eine Sektion des Konzerns zur Ephemerol-Produktion einsetzt und die Computersysteme benutzt? Oder hat Revok den Konzern vielleicht schon längst mit seinen hypnotischen Kräften unterwandert? Wie passt Dr. Ruth da hinein? Er scheint die Erinnerung an die Vergangenheit komplett verdrängt zu haben und wird sich ihrer erst wieder bewusst, als Vale ihn darauf anspricht. Vielleicht hatte ja auch hierbei Revok seine Hände bzw. seine mentalen Kräfte im Spiel. Übrigens fiel mir bei der Szene, in der Vale sich von einer Telefonzelle aus mit einem Computer verbindet, gleich der Film Matrix ein. Vielleicht sind die sehr ähnlichen Szenen in "Matrix" ja als Hommage an "Scanners" gemeint?

Eine Sache konnte ich übrigens nicht herausfinden, vielleicht könnt ihr mir da weiterhelfen. Als Vale nach einem Kontaktmann zur Unterwanderung der Gruppe Revoks sucht, schaut er sich einige bizarre Skulpturen in einer Kunstausstellung an. Weitere interessante Skulpturen gibt es später im Atelier des Künstlers zu sehen (u.a. ein gigantischer Kopf, in dessen Innerem Vale und der Künstler sich unterhalten - nette Metapher). Ich wüsste gern, wer sich diese Kunstwerke ausgedacht hat. Ich könnte mir vorstellen, dass Cronenberg sie selbst hergestellt hat, aber Google konnte mir diese Vermutung bisher nicht bestätigen. Wisst ihr mehr darüber?

Die DVD:

Bonusmaterial, das meine Frage (siehe oben) beantworten könnte, ist leider nicht vorhanden. Die Bildqualität ist für einen so alten Film erstaunlich gut. Der Film ist uncut. Auf dem DVD-Backcover sind Szenenfotos abgebildet, die gar nicht zu diesem Film gehören. Mehr gibt's zur DVD nicht zu sagen...

J. Kreis, 07.06.2009


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang