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Saxana - Das Mädchen auf dem Besenstiel Saxana - Das Mädchen auf dem Besenstiel (Tschechoslowakei, 1972)
- Divka na kosteti -

DVD Regionalcode 2, Karussell
Altersfreigabe: FSK 6
Laufzeit: ca. 74 Minuten

Extras
Keine

Regie:
Vaclav Vorlicek

Hauptdarsteller:
Petra Cernocka (Saxana)
Jan Hrusinsky (Hans Blaha)
Vladimir Mensik (Schuldiener)
Jan Kraus (Miky Rousek)
Vlastimil Zavrel (Adamek)
Michal Hejny (Bujnoch)
Josef Blaha (Direktor der Zauberschule)
Jana Drbohlavova (Frau Peskova)
Jaromir Spal (Herr Blaha)
Stella Zazvorkova (Frau Vondrackova)




Inhalt:

Saxana besucht die Zauberschule der Unterwelt, hat aber überhaupt kein Interesse daran, Dinge oder Leute zu verhexen. Als sie sich bei der Examensprüfung einen Spickzettel angeln will, weil ihr der Spruch zur Verwandlung in einen Raben nicht einfällt, wird sie von der Lehrerin erwischt. Zur Strafe muss sie nachsitzen - 300 Jahre lang! Der Schuldiener versucht sie mit dem Hinweis zu trösten, dass das in der Menschenwelt gerade mal neun Generationen sind. Die neugierige junge Hexe, die noch nie in der Menschenwelt war, fragt den Schuldiener ein wenig aus. Der hält die Menschen zwar für hoffnungslos rückständig, weil sie keinerlei magische Fähigkeiten haben, verrät Saxana aber, wie man in die Oberwelt gelangen kann. Prompt liest sie die entsprechende Formel aus dem Zauberlexikon ab, verwandelt sich in eine Eule und verschwindet. Der zerknirschte Schuldiener wird vom Direktor dazu verdonnert, Saxana in die Menschenwelt zu folgen. Der Aufenthalt dort ist zwar auf 44 Stunden begrenzt, aber sicherheitshalber muss jemand auf die unerfahrene Hexe aufpassen. In Eulengestalt fällt Saxana dem Zoodirektor Blaha in die Hände. Er nimmt das Tier in einem Sack mit nach Hause, um es seinem Sohn Hans zu schenken. Der staunt nicht schlecht, als nicht etwa ein Vogel dem Sack entsteigt, sondern ein hübsches Mädchen, das noch dazu zaubern kann! Hans nimmt Saxana mit in die Schule, wo wenig später auch ihr Beschützer eintrifft. Von ihm erfährt sie, dass sie keinesfalls Weiberohr-Absud trinken darf, weil sie sonst nie wieder in die Unterwelt zurückkehren kann. Genau das ist aber ihr größter Wunsch: Sie hat die ganze Zauberei satt und möchte lieber lernen, wie man jemanden gern hat.

Während der Schuldiener sich mit seinem weiblichen Menschenwelt-Pendant anfreundet, hext Saxana der Lehrerin Nagezähne an. So werden Miky Rousek sowie dessen Kumpane Bjunoch und Adamek auf sie aufmerksam. Mit dem Versprechen, ihr ein Weiberohr zu beschaffen, bringen sie die etwas naive junge Hexe dazu, ihnen gegen die Lehrer zu helfen, denn wegen der Beschädigung eines Napoleon-Standbildes haben sie eine empfindliche Strafe zu erwarten. Saxana verwandelt das gesamte Kollegium samt Herrn Blaha in Kaninchen, wird aber betrogen. Die drei Tunichtgute denken gar nicht daran, ihr zu helfen. Stattdessen sperren sie sie in der Abstellkammer ein. Saxana flieht nach Hexenart auf einem Besen zu Hans, doch Rousek und seine Kumpane folgen ihr. Als sie zu dritt über Hans herfallen, verwandelt Saxana ihren Freund in eine Puppe, von der ihr allerdings nur der Kopf bleibt, da die Tunichtgute den Körper wegwerfen. Erneut fällt Saxana auf die Jungs herein. Diesmal führen sie sie ins Krankenhaus, wo man angeblich alle möglichen Körperteile erhalten kann. Saxana landet in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie, wo bald helle Aufregung herrscht, weil die Einzelteile des in einen Menschen zurückverwandelten Hans erst wieder zueinander finden müssen.

Nach erfolgreicher Flucht aus der Klinik erfährt Saxana vom Schuldiener, dass man durch einen Brunnen in die Unterwelt gelangen kann. Gemeinsam mit Hans stiehlt sie dort das Zauberlexikon, um den Lehrern die menschliche Gestalt zurückgeben zu können. Der Schuldiener hext den drei Jungs Hasenohren an, als sie die Kaninchen einsacken wollen, und schindet damit bei seiner neuen Freundin mächtig Eindruck. Dummerweise fällt den Jungs das Zauberlexikon in die Hände. Nach einer bizarren Verfolgungsjagd und diversen Verwandlungen gewinnt Saxana es jedoch zurück. Nachdem die Karnickel wieder Menschen sind, sind die 44 Stunden fast um. Da fällt einem Lehrer ein, dass "Weiberohr" eine Pflanze ist, die man auch unter dem Namen Quirlsalbei kennt. Zwar entwendet Rousek das einzige in der Schule vorhandene Exemplar, doch der Direktor, der in Hasengestalt beinahe in den Kochtopf gewandert wäre, hat eine Thermoskanne voller Quirlsalbeitee dabei. Den trinken Saxana und der Schuldiener gerade noch rechtzeitig aus - als der Zauberschuldirektor erscheint, hat er schon keine Macht mehr über die beiden. Das Zauberlexikon nimmt er ihnen aber ab. Saxana und der Schuldiener haben nun zwar keine Zauberkräfte mehr, dafür haben sie beide die Liebe gefunden...

Der Film:

Es gibt Filme, die ich trotz ihres Alters immer wieder anschauen kann - dieser hier gehört dazu. Was zuallererst auffällt, ist der vom Titel des Films abweichende Name der jungen Hexe. Sie wird im Film penetrant "Sexana" genannt. OK, die Schauspielerin ist wirklich sexy. Vielleicht hat ja auch jemand den Titel ("Das Mädchen auf dem Besenstiel") irgendwie falsch verstanden. Aber warum das Synchronstudio diese Änderung für erforderlich gehalten hat, erschließt sich mir nicht. Egal - da ich seit meiner Kindheit nur diese Version kenne, stört mich die Abweichung gar nicht.

Ich finde die tschechischen Märchenfilmklassiker einfach wunderbar. Sie haben einen ganz besonderen Charme, der nicht zuletzt dadurch entsteht, dass nicht einfach nur irgendwelche Märchen nachgespielt, sondern ganz eigene Geschichten erzählt werden. Im Fall von "Saxana - Das Mädchen auf dem Besenstiel" und der einige Jahre später entstandenen, von der Thematik her recht ähnlichen Serie Die Märchenbraut kommt noch die Vermischung phantastischer und alltäglicher Ereignisse hinzu. Die Märchenwelt und die Menschenwelt existieren parallel nebeneinander, man kann von der einen in die andere wechseln, und durch den Zusammenprall dieser grundverschiedenen Welten entstehen Verständigungsprobleme der besonderen Art, Verwechslungen und absurde Situationen. Die etwas naive Saxana hält eine Krankenschwester für ihre Schwester, und als sie zu einer Irren in ein Zimmer gesperrt wird, hält sie die verrückte Schwadroniererei ihrer Zellengenossin für durchaus schlüssig. Den Psychiater stört es wiederum nicht, zwei in Ochsen verwandelte Krankenpfleger zu sehen, denn wenn er überarbeitet ist, dann sieht er immer Rindviecher. Alles ganz normal also. Die wunderbar trockenen Kommentare in den entsprechenden Situationen sind zum Brüllen komisch.

Der Film hat zwar keine komplexe Story, ist gemächlich inszeniert und kann mit seinen relativ einfachen Spezialeffekten nicht sonderlich beeindrucken, aber das macht überhaupt nichts. Die sympathischen Figuren und die fantasievoll gestaltete Unterwelt reißen es allemal wieder raus. OK, Saxanas Perücke (ich nehme jedenfalls an, dass die Frisur nicht echt ist) sorgt eher für unfreiwillige Komik... Den Hexenmeister mit den vier Armen fand ich als Kind ganz schön gruselig. Er und viele Szenen dieses Films sind mir unvergesslich geblieben. Zum Beispiel die drei Jungs, die sich in Inder, Kardinäle und Fernfahrer verwandeln. Saxanas Fähigkeit, den Arm immer länger werden zu lassen. Die Lehrer, die plötzlich ihre menschliche Gestalt zurückerhalten und aus den Kaninchenställen hervorbrechen und der Schuldirektor, der sich gerade in dem Moment zurückverwandelt, als er per Hackebeilchen geschlachtet werden soll. Oder der kopflose Hans, der sich den Kopf einer Napoleon-Statue aufsetzt. Einfach köstlich.

Übrigens: Weiberohr / Quirlsalbei gibt's wirklich. Nur für den Fall, dass euch mal eine heiratswillige Hexe über den Weg läuft.

DVD-Features:

Leider ist außer ein paar Trailern zu anderen Märchenklassikern kein Bonusmaterial vorhanden. Viel unschöner ist aber der Zustand des Filmmaterials. Wurde da ein altes Magnetband abkopiert? Das Bild ist unscharf und verschwommen, die Farben sind matt. Verschmutzungen und Beschädigungen trüben den Filmgenuss noch weiter.



Saxana

300 Jahre nachsitzen - da kann man schonmal Spinnweben ansetzen.


Saxana

Hurra! Heute abend kommen wir wieder alle in die Zwangsjacke!


Saxana

Der Eindruck täuscht: Das sind keine Heiligen, sondern die drei Tunichtgute!


Saxana

Schuldirektor mit saurer Sahne und Preiselbeeren - daraus wird jetzt wohl doch nichts.


Saxana

Ist zwar nur ein Schuldiener, kann aber dennoch zaubern...


Saxana

...und so kann man die Tunichtgute künftig an den Ohren erkennen.


Saxana

Jetzt ist Schluss mit der Zauberei!


J. Kreis, 05.08.2010


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