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Haus der Verdammnis Stephen Kings Haus der Verdammnis (USA, 2002)
- Stephen King's Rose Red -

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 12
Laufzeit: ca. 245 Minuten

Extras
Originaldokumentationen "Bad House: The Making of Rose Red" und "Unlocking Rose Red: The Diary of Ellen Rimbauer", Fotogalerie

Regie:
Craig R. Baxley

Hauptdarsteller:
Nancy Travis (Prof. Joyce Reardon)
Matt Keeslar (Steve Rimbauer)
Kimberly J. Brown (Annie Wheaton)
Julian Sands (Nick Hardaway)
Matt Ross (Emery Waterman)
Judith Ivey (Cathy Kramer)
Kevin Tighe (Victor Kandinsky)
Emily Deschanel (Pam Asbury)
Melanie Lynskey (Rachel Wheaton)
David Dukes (Prof. Carl Miller)
Julia Campbell (Ellen Rimbauer)




Inhalt:

Joyce Reardon ist eine junge Professorin von der Universität Seattle. Ihr Fachgebiet ist die Parapsychologie, ein allgemein kaum ernst genommener Forschungszweig. Vor allem Prof. Carl Miller macht ihr das Leben schwer. Er setzt durch, dass ihr Vertrag nicht verlängert wird. Um endlich greifbare Beweise für die Existenz des Übernatürlichen gewinnen und alle Zweifler überzeugen zu können, wendet Joyce sich einem besonders lohnenden Objekt zu: Dem Spukhaus "Rose Red". Dieses Anwesen war 1907 mitten in Seattle von John Rimbauer, einem märchenhaft reichen Ölmagnaten, für dessen Frau Ellen erbaut worden und hatte schnell einen zweifelhaften Ruf erworben, weil es dort schon während der Bauphase mehrere Todesfälle gegeben hatte. In den Jahren nach der Fertigstellung waren immer wieder Menschen spurlos in Rose Red verschwunden, auch John Rimbauer hatte dort den Tod gefunden. Gleichzeitig war das Haus immer weiter gewachsen. Grund für die zahlreichen, teilweise recht bizarren An- und Umbauten war Ellen Rimbauers Überzeugung, sie werde nicht sterben, solange Rose Red noch nicht vollendet sei. Sie lebte in dem festen Glauben, das Haus habe ihr dies während einer Seance selbst mitgeteilt. Im Jahre 1950 war Ellen Rimbauer selbst in Rose Red verschwunden. Nach dem letzten bekannten Fall dieser Art, der sich 1972 bei einer Fremdenführung ereignet hatte, wurde das Haus geschlossen. Vieles davon weiß Joyce von Steve Rimbauer, dem letzten Nachkommen dieser Familie, mit dem sie eine Beziehung hat und der ihr den Zugang zu Rose Red ermöglicht. Andere Details hat sie Ellen Rimbauers Tagebuch entnommen.

"Rose Red" gilt unter Parapsychologen zwar als "Tote Zelle", weil schon seit Jahren keine Manifestation mehr beobachtet wurde, aber Joyce hofft, das Haus erwecken und dann Aufzeichnungen über Geistererscheinungen oder ähnliche Phänomene machen zu können. Zu diesem Zweck versammelt sie eine Gruppe aus sechs paranormal begabten Menschen, mit denen sie ein Wochenende in Rose Red verbringen will. Wichtigste Teilnehmerin ist Annie Wheaton, ein autistisches Mädchen mit extrem starken telekinetischen Kräften. Für Joyce ist Annie der Schlüssel zu Rose Red, und so scheut sie keine Kosten und Mühen, die Erlaubnis der Eltern zur Teilnahme Annies an dem Experiment zu erhalten. Rachel, Annies ältere Schwester, begleitet die Gruppe. Natürlich ist Prof. Miller über das Experiment informiert, und er setzt alles daran, es zu hintertreiben. Er schickt einen seiner Studenten nach Rose Red, der sich dort verstecken und alles beobachten soll. Der junge Mann muss allerdings feststellen, dass Rose Red keineswegs eine "Tote Zelle" ist und nicht einmal "schläft": Das Haus ist hellwach und wartet nur auf neue Opfer - es verschlingt die Seele des Studenten.

Auch Joyce und ihre Begleiter bemerken schnell, dass Geister in Rose Red unterwegs sind. Sie haben mehrere bedrohliche Begegnungen und Visionen, und schon in der ersten Nacht fordert das Haus sein erstes Opfer. Am nächsten Tag narrt es die Gruppe mit Täuschungen und Fallen, außerdem verändern die Räume sich ständig - ohnehin weiß niemand, wie viele Zimmer es in dem monströsen Haus überhaupt gibt. Es kommt zu weiteren Todesfällen. Die Gruppe kann das Haus nicht verlassen, denn Fenster und Türen lassen sich nicht mehr öffnen. Joyce scheint jedoch gern bereit zu sein, ihre Begleiter zu opfern, wenn das der Preis dafür ist, die ersehnten Beweise sammeln zu können. Es zeigt sich, dass das Haus die Menschen als Energiequelle nutzt. Annie ist dabei das zentrale Element, aber auch Steve erweckt das Interesse des Hauses. Er hatte als Kind eine Begegnung mit Ellen Rimbauer, hat diese Erinnerung aber ebenso verdrängt wie seine eigenen telepathischen Kräfte. Offenbar ist Ellen Rimbauer - möglicherweise ein Geist, vielleicht aber auch eine Untote - immer noch dabei, Rose Red weiter auszubauen, und sie sucht Opfer, die ihr dabei helfen sollen. Endlich gelingt es Steve, mentalen Kontakt mit Annie aufzunehmen. Annie setzt ihre telekinetischen Kräfte ein, um Fenster und Türen zu öffnen. Am Ausgang stellt Ellen Rimbauer sich Steve entgegen, doch der entzieht sich dem Fluch seiner Familie und flieht mit den anderen Überlebenden. Joyce, die inzwischen die Grenze zum Wahnsinn überschritten hat, bleibt in Rose Red zurück. Ihre Besessenheit wird ihr zum Verhängnis: Die Geister der Toten ziehen sie ins Jenseits. Annie läßt Felsbrocken auf Rose Red niederregnen und bricht somit die Macht des Hauses, das einige Monate später endgültig abgerissen wird.

Der Film:

Dies ist eine dreiteilige Miniserie, deren Drehbuch von Stephen King geschrieben wurde, d.h. es basiert nicht auf einem seiner Romane und es gibt auch keinen "Roman zum Film". Die Vorgeschichte, auf die in der Serie Bezug genommen wird und die man in einzelnen Rückblenden sieht, liegt dagegen in Romanform vor. Das Buch heißt Ellen Rimbauer - Mein Leben auf Rose Red und wurde angeblich von Joyce Reardon herausgegeben. Das ist natürlich nur ein Werbegag, es stammt auch nicht aus Kings Feder. Tatsächlich wurde es von Ridley Pearson geschrieben. Es schadet nicht, dieses Buch zu lesen, denn es macht vieles verständlicher, was in der Miniserie nur angedeutet wird. Es gibt ein reales Vorbild für "Rose Red": Das Winchester Hause in Kalifornien. Dieses Haus enthält wie "Rose Red" viele bizarr gestaltete Räume. Die Besitzerin wollte damit die Geister verwirren, von denen sie sich verfolgt fühlte. Die Serie wurde allerdings nicht in diesem Haus gedreht. Stephen King hat übrigens einen Cameo-Auftritt: Er spielt einen Pizzaboten. Auf dieser Doppel-DVD liegt die Miniserie in einem Stück vor, d.h. dass es sich um einen Dreiteiler handelt, der fürs Fernsehen produziert wurde, merkt man nur an der Schnittfolge. Das macht sich manchmal etwas störend bemerkbar; man sieht ab und zu sehr deutlich, wann wieder eine Werbe-Unterbrechung fällig war.

Die Serie erzählt eine klassische Spukhaus-Geschichte und geht recht ausführlich auf die Ereignisse ein, die zu dem Spuk geführt haben. Das Szenario ist interessant, und die Idee, Leute mit unterschiedlichen paranormalen Begabungen zur Erweckung eines vermeintlich schlafenden Spukhauses anzuwerben, ist nicht schlecht. Leider ist das Ergebnis nicht hundertprozentig überzeugend. Zwar erfüllen viele Szenen durchaus ihren Zweck und sorgen für wohlige Gänsehaut, aber für einen richtigen Gruselschocker, der einem den Schlaf raubt, reicht das bei weitem nicht. Es wird die übliche Kost geboten: Täuschungen und Geistererscheinungen, unheimliche Räume, lauernde Schatten, unerwartet erscheinende leichenhafte Fratzen und dumme Opfer, die die eigenen Regeln (nie allein durch Rose Red wandern!) nicht befolgen. Die Atmosphäre ist nicht bedrohlich genug, irgendwie fehlt der Miniserie das gewisse Etwas. Die Länge - ca. vier Stunden! - ist dagegen der Spannung nicht abträglich. Im Gegenteil: Durch die ausführliche Vorstellung der Hauptpersonen und der Vorgeschichte wird man recht gut in den Bann des Films gezogen. Die Effekte sind meist solide, teilweise sogar richtig gut gelungen. Das riesige, düstere Haus mit seinen eigenartigen labyrinthischen Räumen ist besonders beeindruckend.

Man muss sich allerdings fragen, warum Joyce Reardon sich überhaupt die Mühe macht, Rose Red zu untersuchen. Schließlich hat sie mit Annie den lebenden Beweis dafür, dass es übersinnliche Phänomene gibt - zur Überzeugung der Skeptiker wäre es völlig ausreichend, wenn Annie ein paar Gegenstände herumfliegen lassen würde. Unklar ist auch, warum die Gruppe im Haus bleibt, wenn allen klar ist, dass der Aufenthalt dort gefährlich ist. Dies erkennen sie ja noch rechtzeitig, bevor Türen und Fenster sich nicht mehr öffnen lassen. Außerdem habe ich ein Problem mit der Hauptdarstellerin: Joyce Reardon ist von Anfang an so unsympathisch, dass man es gar nicht abwarten kann, bis diese zickige Verrückte endlich bekommt, was sie verdient. Auch die anderen Figuren wirken allzu übertrieben, wobei ich sagen muss, dass Emery und seine überprotektive Mutter sehr zu meiner Erheiterung beigetragen haben. Irgendwie passt vieles in dieser Serie nicht richtig zusammen, das hätte ich bei einer Story von Stephen King nicht erwartet. Schade! Da wäre mehr drin gewesen. Für eine gemütliche Gruselnacht ist die Serie aber OK.

Die DVD:

Das "Making of" ist ca. 28 Minuten lang und besteht aus der üblichen Mischung aus Interviews und kurzen Blicken hinter die Kulissen. Immerhin kommt auch Stephen King persönlich zu Wort. Man sieht, wie Thornwood Castle - die reale Location für die Dreharbeiten - verändert und durch große, wunderbar detailreiche Sets ergänzt wurde. Man kann auch ein paar Blicke auf die Entstehung der Masken und Puppen werfen. Außerdem erfährt man, dass der Schauspieler David Dukes während der Dreharbeiten gestorben ist.

Die zweite Featurette, ca. 21 Minuten lang, ist ein recht kurioses Ding. Ich vermute, dass dieser Beitrag seinerzeit als Werbung für die Miniserie gedacht war. Sie ist wie eine Dokumentation aufgebaut, d.h. es wird so getan, als ob sich alles, was man in der Serie sieht, wirklich ereignet habe. Auf pseudodokumentarische Weise wird Ellen Rimbauers Leben nacherzählt, dann kommen einige "Spezialisten" zu Wort, die sich über Rose Red usw. auslassen. Dazu gehören auch eine Dr. Joyce Reardon und ein Steve Rimbauer - beides sind nicht die Schauspieler aus der Serie, aber natürlich auch keine realen Personen. Es wird praktisch auch Werbung für das von "Dr. Reardon" herausgegebene Buch gemacht, das ich oben bereits erwähnt habe. Ich finde es ganz schön heftig, wie die Zuschauer hier in die Irre geführt werden. Für einen Werbegag geht das meiner Meinung nach zu weit.

J. Kreis, 28.03.2008
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