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Robin Hood Robin Hood - König der Diebe (USA, 1991)
- Robin Hood - Price of Thieves -

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 12
Laufzeit: ca. 149 Minuten

Extras
Audiokommentare, Dokumentation: "Robin Hood: The Myth, the Man, the Movie", Im Gespräch mit den Darstellern, Bryan Adams live in Slane Castle, Irland, Fotogalerie, Trailer

Regie:
Kevin Reynolds

Hauptdarsteller:
Kevin Costner (Robin of Locksley)
Morgan Freeman (Azeem)
Mary Elizabeth Mastrantonio (Lady Marian Dubois)
Christian Slater (Will Scarlett)
Alan Rickman (Sheriff von Nottingham)




Inhalt:

Im Jahre 1191, nach dem von König Richard Löwenherz angeführten erfolglosen 3. Kreuzzug, befinden sich viele Kreuzfahrer in Gefangenschaft im Heiligen Land. Einem davon, dem jungen englischen Adligen Robin of Locksley, gelingt die Flucht. Er befreit dabei den maurischen Krieger Azeem, der daraufhin das Gelübde ablegt, Robin zu beschützen. Gemeinsam kehren die beiden ungleichen Gefährten nach England zurück, doch dort ist Robin heimatlos. Sein Vater, von dem er sich wegen der Kreuzfahrt zerstritten hatte, ist einer Verschwörung zum Opfer gefallen. Der grausame Sheriff von Nottingham und einige Barone planen, den König zu stürzen. Robins Vater hatte sich geweigert, sich den Verrätern anzuschließen. Daraufhin war er von ihnen mit Hilfe des korrupten Bischofs als Teufelsanbeter gebrandmarkt und ermordet worden, seine Ländereien hatte man beschlagnahmt. Robin tötet mehrere Soldaten des Sheriffs, die einen Jungen verfolgen, und gilt seitdem als geächtet.

Robin sucht Lady Marian auf, die Schwester eines im Heiligen Land gestorbenen Freundes, die er auf dessen Wunsch hin beschützen soll. Allerdings bringt er sie dadurch nur in den Verdacht, mit ihm gemeinsame Sache zu machen. Robin muss fliehen, als Sir Guy of Gisbourne auftaucht, Cousin und Oberscherge des Sheriffs, der schon einmal mit Robin aneinander geraten ist. Robin und Azeem verstecken sich in Sherwood Forest, wo es angeblich spukt. Die beiden stellen schnell fest, dass die "Geister" durchaus real sind: Eine von Little John angeführte Bande von Gesetzlosen macht den Wald unsicher. Robin besiegt Little John im Stockkampf und gewinnt so seinen Respekt. Als "Robin Hood" setzt er sich an die Spitze der Banditen und gibt ihrem Dasein einen neuen Sinn: Den Kampf gegen die Willkürherrschaft des Sheriffs, dessen Umsturzpläne Robin bald durchschaut.

Robins Leute richten sich eine Basis im Wald ein, trainieren den Kampf und überfallen künftig systematisch alle Reichen, die Sherwood Forest durchqueren wollen, um das Diebesgut anschließend an die Armen zu verteilen. Als Marion eines Tages zu Gast bei Robin ist, verliebt sie sich in ihn. Der Sheriff geht mit Gewalt gegen die Armen vor, treibt dadurch aber nur noch mehr Gefolgsleute in die Arme der Gesetzlosen. Die Hexe Mortianna, eine Vertraute des Sheriffs, weiß Rat: Keltische Söldner werden angeheuert. Der Übermacht der wilden Kelten sind die Gesetzlosen nicht gewachsen. Robins Dorf im Wald wird zerstört, viele seiner Leute werden gefangen genommen, er selbst gilt als tot. Jedenfalls behauptet das der Sheriff, der Marian heiraten will. Sie willigt ein, denn er droht, andernfalls die gefangenen Kinder töten zu lassen.

Auch Will Scarlett ist dem Sheriff in die Hände gefallen. Er bietet ihm an, herauszufinden, ob Robin Hood wirklich tot ist. Robin und seine engsten Gefährten haben den Angriff überlebt und sind frei. Als Will sie findet, stellt sich heraus, was der Grund für seinen Hass auf Robin ist. Er ist sein Halbbruder, aber ihr gemeinsamer Vater hatte Scarletts Mutter verlassen, da Robin sie abgelehnt hatte - sein Vater hatte sich ihr nach dem Tod von Robins Mutter zugewendet. Jetzt allerdings akzeptiert Robin seinen Bruder. Daraufhin schließt Scarlett sich ihm an. Gemeinsam lassen sie die Hochzeitsfeier des Sheriffs platzen und verhindern die Hinrichtung der Gefangenen. Robin tötet den Sheriff im Zweikampf. Als Mortianna ihn hinterrücks erstechen will, schaltet Azeem sie mit einem gezielten Säbelwurf aus. Damit hat er sein Gelübde erfüllt. Jetzt können Robin und Marian heiraten, aber die Zeremonie wird doch noch einmal unterbrochen: König Richard Löwenherz erscheint und gibt den beiden seinen Segen.

Der Film:

Diese Verfilmung des Robin Hood - Mythos dürfte durch die britische Fernsehserie Robin of Sherwood aus dem Jahre 1984 inspiriert worden sein. Genau wie diese Serie enthält auch der Film eine actionreiche und humorvolle - aber nicht infantil-witzige - Mischung aus zumindest andeutungsweise vorhandener historischer Korrektheit (obwohl es sehr vieles gibt, was man am hier gezeigten Bild des Mittelalters aussetzen könnte), Liebesdrama, Freiheitskampf und Magie. Ebenso wie die Serie wirkt der Film einerseits "echter" als ältere Versionen der Geschichte, weil an Originalschauplätzen (Burgen und Schlösser) und in der freien Natur gedreht worden ist, weil auch Armut oder Elend gezeigt werden, weil die Schauspieler sich auch mal schmutzig machen dürfen - und auch deshalb, weil sie keine Strumpfhosen tragen... Andererseits werden - ebenfalls im Gegensatz zu den älteren Verfilmungen, die es vor der Serie gegeben hat - sogar gewisse Fantasy-Elemente mit eingebracht, was dem Ganzen ein ganz besonderes Flair verleiht. Das war bei der genannten Serie ganz genauso. Es gibt aber noch mehr Parallelen: Aus Nasir, dem Assassinen in Robins Gruppe (Serie) wird der Maure Azeem (Film) - und der Film-Sheriff ist womöglich noch cholerischer, auf jeden Fall aber noch erheblich durchgeknallter als sein Pendant in der Serie. Alan Rickman spielt diese selbstironisch angelegte Figur einfach köstlich und stellt wieder einmal unter Beweis, dass die Bösewichte meist die interessanteren Figuren sind. Jedenfalls spielt Alan Rickman den Hauptdarsteller Kevin Costner problemlos an die Wand.

Natürlich hat der Film seine eigene Note, was schon mit den einleitenden Szenen und Robins Kreuzfahrer-Hintergrund anfängt. Azeems ironische Kommentare und sein morgenländisches Wissen, mit dem er seine europäischen Freunde wie Barbaren aussehen lässt, gehören auch dazu. Insgesamt kann man sagen: Obwohl es schon -zig Verfilmungen dieser uralten Geschichte gibt, ist diese Interpretation doch wieder etwas Neues und macht schon wegen des hohen Aufgebots bestens aufgelegter Stars viel Spaß. Sean Connerys Cameo-Auftritt als König Richard Löwenherz am Ende des Films ist dann sozusagen das Sahnehäubchen. Insgesamt ist der Film sehr unterhaltsames und stimmungsvolles Popcorn-Kino mit einem tollen, mitreißenden Soundtrack. Über diverse kleinere Schwächen (Beispiel: Costners für einen Briten so untypischer US-amerikanischer Akzent) sieht man da gerne hinweg.

Diese DVD enthält eine um 12 Minuten verlängerte Version des Films. Das ist zwar ganz nett, denn bei diesen Szenen handelt es sich vor allem um Material zum Sheriff von Nottingham, aber es führt auch zu Problemen. Gut ist, dass man mehr über Vergangenheit und Absichten des Sheriffs erfährt. Er ist der Sohn Mortiannas und erfüllt eigentlich ihre Pläne: Sie will ihren Nachkommen auf dem Thron von England sehen. Um diesem Vorhaben wenigstens den Hauch von Legalität verleihen zu können, muss der Sheriff Lady Marian heiraten, die eine Cousine des Königs ist. In einer Szene trifft er sich mit den Baronen und verspricht ihnen die Aufteilung des Landes. Nicht so gut ist, dass in diesen Szenen noch sehr viel mehr "Magie" vorkommt und mit diversen ekligen Dingen herumhantiert wird - und dass Alan Rickman noch mehr zu Over-Acting neigt. Wegen dieser neuen Szenen musste der Film komplett neu synchronisiert werden - und das hat ihm nicht gut getan. Man sollte sich also lieber die englische Originalfassung ansehen.

Die DVD:

Neben ausführlichen Audiokommentaren gibt es auf DVD Nr. 2 der Special Edition eine ca. 31-minütige Dokumentation, in der es zwar auch um den Film, vor allem aber um die Frage geht, wer Robin Hood eigentlich war. Hat er wirklich gelebt oder ist er nur eine Legendenfigur? Erzählt wird das Ganze von einem eingentümlich salbungsvoll auftretenden Pierce Brosnan. Witzig: Es werden sogar einige Leute im realen Nottingham interviewt, die sich für Nachkommen Robin Hoods halten oder angeblich wissen, wo sein Grab ist...

Dann findet man noch eine ca. 20 Minuten lange Zusammenstellung von Interviews aller Hauptdarsteller, in denen sie etwas zu ihren Rollen und zur Arbeit am Film erzählen. Es handelt sich hauptsächlich um gegenseitiges Honig-ums-Maul-schmieren. Von Morgan Freeman erfährt man, wie er als Kind mit Pfeil und Bogen gespielt hat und wie man diese Utensilien am besten herstellt.

Die Fotogalerie und der Trailer sind nicht weiter erwähnenswert. Hinzu kommt ein Ausschnitt eines Livekonzerts, das Bryan Adams in Slane Castle, Irland, gegeben hat. Da gibt er den aus dem Film stammenden Song "(Everything I do) I do it for you" vor einem sichtlich ergriffenen Publikum zum Besten. Insgesamt also eine eher magere Ausstattung, die kaum etwas über den Entstehungsprozess des Films verrät und auch den "historischen" Robin Hood nur andeutungsweise behandelt. Die tollen Audiokommentare lassen aber keine Wünsche offen.

J. Kreis, 22.05.2007
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