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Ran Akira Kurosawas RAN 2-Disc Special Edition (Japan / Frankreich, 1985)

DVD - Regionalcode 2, Universal
FSK: 12
Laufzeit: ca. 155 Minuten

Extras
Dokumentation "AK" (Akira Kurosawa) von Filmemacher Chris Marker, Original Kinotrailer

Regie:
Akira Kurosawa

Hauptdarsteller:
Tatsuya Nakadai (Großfürst Hidetora Ichimonji)
Akira Terao (Fürst Taro Takatora Ichimonji)
Jinpachi Nezu (Fürst Jiro Masatora Ichimonji)
Daisuke Ryu (Fürst Saburo Naotora Ichimonji)
Mieko Harada (Dame Kaede)




Inhalt:

Der greise Großfürst Hidetora Ichimonji herrscht über einen großen Teil des Landes und besitzt drei Burgen. Er spürt die Last des Alters und teilt das von ihm eroberte Reich unter seinen drei Söhnen auf. Taro, den ältesten Sohn, erklärt er gleichzeitig zum Oberhaupt der Familie Ichimonji. Nur seinen Titel als Großfürst und die Insignien seiner Macht will Hidetora behalten. Saburo, der jüngste Sohn, sieht voraus, dass die Brüder sich bald untereinander bekämpfen werden, um die Vorherrschaft zu gewinnen. Er warnt seinen Vater, geht aber zu weit und beleidigt ihn, indem er Hidetoras Vertrauen in den Zusammenhalt der Familie als Narrheit verspottet. Dafür wird er von Hidetora verbannt. Er sucht Zuflucht in einem benachbarten Fürstentum.

Saburos Warnungen erweisen sich schnell als begründet. Taro, der von seiner Ehefrau Kaede angestachelt wird, verlangt, dass Hidetora sich ihm unterordnet und vertreibt ihn aus seiner Burg. Auch bei Jiro, dem zweiten Sohn, kann Hidetora nicht bleiben, denn dieser verlangt, dass Hidetora auf seine Leibgarde verzichten soll. Als Hidetora sich in die dritte Burg zurückzieht, wird er von den Truppen seiner Söhne überfallen. Seine Garde wird niedergemetzelt. Er selbst überlebt, aber sein Geist verwirrt sich. Er irrt heimatlos in der Einöde umher, wo er von seinem Hofnarren und seinem letzten treu gebliebenen Vasallen gerettet wird. Die drei verstecken sich in der Ruine einer Burg, die Hidetora einst selbst zerstört hat.

Noch während des Überfalls auf die dritte Burg wird Taro im Auftrag seines Bruders Jiro ermordet. Jiro übernimmt die Macht und heiratet Kaede. Als Saburo mit einer kleinen Streitmacht zurückkehrt, um seinen Vater in Sicherheit zu bringen, stiftet Kaede Jiro zum Angriff an. Es gelingt Saburos Soldaten, Jiros Armee in Schach zu halten. Saburo selbst findet Hidetora und versöhnt sich mit ihm, wird dann aber in Jiros Auftrag aus dem Hinterhalt erschossen. Hidetora verfällt endgültig dem Wahnsinn und stirbt. Kaede gesteht, dass es ihr Ziel war, die Ichimonjis zu vernichten, da Hidetora einst ihre gesamte Familie ausgelöscht hat. Dafür wird sie von einem Vasallen Jiros enthauptet. Gleichzeitig fallen die Armeen der benachbarten Fürsten ins Land ein. Jiros Streitkräfte werden besiegt.

Der Film:

Wenn diese Handlung euch bekannt vorkommt, dann täuscht ihr euch nicht: "Ran" erzählt die Geschichte von Shakespeares Tragödie "König Lear" und versetzt sie ins Japan des 16. Jahrhunderts. Ihr dürft von diesem Film keine flotten Actionszenen, markigen Oneliner oder andere Elemente des Hollywood-Historienkinos erwarten. Der Film gleicht eher einem Theaterstück für die Leinwand. Es gibt natürlich beeindruckende Massenszenen mit Hunderten von Komparsen, aber der Schwerpunkt liegt dabei nicht auf der Action. Eher könnte man diese Szenen als bildgewaltige Schlachtengemälde bezeichnen: In langen und eher ruhigen Einstellungen wird gezeigt, wie Massen von Soldaten zu Pferde und zu Fuß, gekleidet in die Farben der verschiedenen Fürstenhäuser, aufeinander einstürmen. Der eigentliche Kampf ist nur selten zu sehen, die Folgen allerdings - Tod und Zerstörung - werden sehr deutlich gezeigt. Der Untergang überkommener Strukturen und das Chaos, das der Schwäche autokratischer Herrscher folgt, ist denn wohl auch das eigentliche Thema des Films.

Interessant sind neben der, wie ich annehme, historisch genauen und sehr opulenten Ausstattung vor allem auch die Darstellungen der Werte des feudalen Japan und der menschlichen Konflikte. Im Mittelpunkt steht natürlich Großfürst Hidetora, und er wird von Tatsuya Nakadai sehr eindrucksvoll verkörpert. Auch die Landschaft trägt zum Gesamteindruck bei - üppig grüne Hügel am Anfang, am Ende nur noch Vulkanasche. Obwohl man ihn nie sieht, wurden viele Szenen nämlich an den Hängen des Fujiama gedreht. Insgesamt ein sehr beeindruckender Film, der allerdings etwas gewöhnungsbedürftig ist und schon wegen seiner Länge nichts für Zwischendurch ist.

Die DVD:

Das Bonusmaterial besteht aus einer ca. 70-minütigen Dokumentation, die zwar kein "Making of" im eigentlichen Sinne ist, aber doch recht deutlich zeigt, wie Akira Kurosawa gearbeitet hat. Der größte Teil dieses Beitrags besteht aus unkommentierten Aufnahmen von den Dreharbeiten, aber ein Kommentar ist auch gar nicht nötig, denn die Bilder sprechen für sich. Nur selten wird etwas mit einem Off-Kommentar (englisch mit deutschen Untertiteln) erklärt.

J. Kreis, 31.12.2006
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