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Quarantäne Quarantäne (USA, 2008)
- Quarantine -

DVD Regionalcode 2, Sony Pictures Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 86 Minuten

Extras
Audiokommentar des Regisseurs und des Produzenten, "Locked in - The Making of Quarantine", "Dressing the Infected - Robert Halls Make-Up Design", "Anatomy of a Stunt"

Regie:
John Erick Dowdle

Hauptdarsteller:
Jennifer Carpenter (Angela Vidal)
Steve Harris (Scott Percival)
Jay Hernandez (Jake)
Columbus Short (Danny Wilensky)




Inhalt:

Die junge TV-Journalistin Angela Vidal und ihr Kameramann Scott Percival machen eine Reportage über die Feuerwehr von Los Angeles. Sie dürfen sogar bei einem Einsatz mitfahren, bei dem es sich, wie man annimmt, um einen medizinischen Notfall handelt. Die Feuerwehr ist zu einem alten Mietshaus gerufen worden, weil in einer Wohnung furchterregende Schreie gehört worden sind. Zwei Polizisten sind schon vor Ort, die verstörten Mieter versammeln sich in der Eingangshalle. Als die Wohnung geöffnet wird, greift die anscheinend völlig verwirrte Bewohnerin einen der Polizisten an und beißt ihn, dann stößt sie einen Feuerwehrmann in den Treppenschacht. Danny Wilensky, der andere Polizist, ist gezwungen, die tobende Frau zu erschießen. Ärztliche Hilfe und Polizeiverstärkung wird angefordert und rückt auch an, betritt das Haus aber nicht. Stattdessen wird das gesamte Gebäude von außen hermetisch abgeriegelt. Alle Ausgänge und Fenster werden verschlossen, Telefonleitungen und Kabelanschluss werden gekappt, selbst der Handyempfang wird gestört und schließlich wird auch der Strom abgestellt. Scharfschützen werden auf den umliegenden Gebäuden postiert und erschießen ohne Vorwarnung jeden, der versucht, das Mietshaus zu verlassen. Derweil zeigen die Gebissenen Krankheitssymptome, die einer der Mieter (ein Tierarzt) als Tollwut deutet. Es muss sich aber um eine mutierte Form dieser Viruserkrankung handeln, denn sie entwickelt sich innerhalb von Stunden, nicht etwa erst nach Tagen oder Wochen.

Als die verzweifelten Eingeschlossenen erfahren, dass öffentlich behauptet wurde, das Mietshaus sei vollständig evakuiert worden, beschließen Angela und Scott, alles weiter zu filmen, damit die Wahrheit ans Licht kommt. Es gibt noch weitere Erkrankte in dem Haus, die plötzlich aggressiv werden und andere Menschen anfallen. Allmählich macht sich Panik breit, und als Beamte der Seuchenschutzbehörde das Gebäude betreten, gerät die Situation vollends außer Kontrolle. Noch während sie einige der Erkrankten untersuchen, beginnen diese zu toben. Mehrere Menschen werden gebissen. Sie verwandeln sich innerhalb kurzer Zeit in tollwütige Bestien mit übermenschlichen Kräften und fallen über die Gesunden her, um sie zu zerfleischen. Diese wehren sich nach Kräften, werden aber immer weiter dezimiert. Es scheint kein Entkommen aus dem abgeriegelten Haus zu geben, aber der Hausmeister (der wenig später ebenfalls infiziert wird) erinnert sich an einen Zugang zur Kanalisation. Die Schlüssel dazu sind in seinem Büro. Letzten Endes schaffen es nur Angela und Scott bis dorthin, aber der Rückweg zum Kanalrohr im Erdgeschoss ist von den rasenden Tollwütigen versperrt.

Angela und Scott fliehen ins Dachgeschoss, wo sie ein bizarres Labor und unzählige Zeitungsausschnitte finden. Anscheinend hat hier jemand, der Mitglied einer Weltuntergangssekte war, an einem Supervirus geforscht und dabei Material verwendet, das aus einem Institut für Biowaffenforschung gestohlen worden ist. Wie es scheint, waren die Forschungen erfolgreich; das Virus ist durch Laborratten im ganzen Haus verbreitet worden. Als die beiden einem Geräusch nachgehen, das vom Speicher kommt, werden sie von einem weiteren Infizierten attackiert. Nachdem dieser Scott angenagt hat, zerrt er auch Angela in die Finsternis.

Der Film:

"Quarantäne" ist die Neuverfilmung des spanischen Films "Rec" aus dem Jahre 2007. Wenn man eine der recht zahlreichen negativen Kritiken zu "Quarantäne" liest, dann stellt man fest, dass der Film vorwiegend deshalb so schlecht bewertet wird, weil er eigentlich kein richtiges Remake ist, sondern nichts anderes als eine uninspirierte Kopie ohne eigene Ideen, ein zweites Aufwärmen genau derselben Geschichte ohne irgendwelche Überraschungen oder Besonderheiten. Nun, ich kenne "Rec" nicht, so dass dieser Kritikpunkt für mich wegfällt. Dennoch konnte "Quarantäne" mich nicht hundertprozentig überzeugen. Das liegt allerdings weniger an der Grundidee oder an der Ausführung, sondern vor allem an der Hauptdarstellerin (Jennifer Carpenter). Sie kann machen was sie will: Sie nervt immer. Zu Beginn des Films wegen ihres kieksigen Kleinmädchengehabes, in der zweiten Hälfte durch ihr permanentes übertriebenes Gekreisch. Besonders durch letzteres ist der Film in der Endphase nur schwer zu ertragen.

Ansonsten gibt es wenig auszusetzen. Durch die Begrenzung des Handlungsschauplatzes auf das Innere eines relativ kleinen sowie ziemlich alten und schäbigen Mietshauses, in dem die mehr oder weniger hilflosen Protagonisten zusammen mit einer anwachsenden Gruppe reißender Bestien eingesperrt sind, entsteht eine düstere Atmosphäre der ständig anwachsenden Bedrohung, die ab einem bestimmten Zeitpunkt in kompletten Terror und totale Panik umkippt. Das funktioniert sehr gut, unterstützt wird der realistische Touch durch den konsequenten Verzicht auf Filmmusik und die Verwendung einer Handkamera. Man sieht immer nur genau das, was Scott mit seiner Kamera aufnimmt (oder was die Kamera immer noch aufnimmt, wenn er sie nicht mehr tragen kann). Das führt zu einer äußerst gelungenen und ziemlich heftigen Szene: Scott muss nämlich eine der Infizierten mit der Kamera erschlagen, und es sind einige Schläge nötig, bis das Ungeheuer sich nicht mehr regt. Danach muss erst einmal die Linse saubergewischt werden... Am Ende wird dann nicht etwa lang und breit erklärt, was es mit dem Ursprung der Seuche auf sich hat. Stattdessen schwenkt Scott die Kamera eher planlos über die verschiedenen Laborutensilien und Zeitungsausschnitte - der Zuschauer muss sich also selbst einen Reim darauf machen. "Quarantäne" ist somit ein gutes Beispiel für den sinnvollen Einsatz einer Handkamera, und zum Glück wird das Gewackel nicht zu sehr übertrieben.

Ein paar kleine Logik-Bugs wären noch zu erwähnen. Warum schickt die Seuchenschutzbehörde nur einen Dreimanntrupp (mit einem einzigen Sturmgewehr) in das Haus, wenn doch ganz offensichtlich genau bekannt ist, wie gefährlich die Krankheit ist? Antwort: Damit es bald noch ein paar Infizierte mehr gibt, die durch die Gegend toben. Warum lehnt sich der Hausmeister an eine Glastür, obwohl er ganz genau weiß, dass dahinter ein Infizierter steht, der sich in wenigen Minuten in eine Bestie verwandeln wird? Antwort: Damit es für Angela und Scott nicht allzu leicht wird; der Hausmeister weiß ja, wo der Schlüssel zur Kanalisation ist, die beiden müssen ihn aber erst mühsam suchen. Aber egal: Der Film entwickelt nach einem eher geruhsamen Start ein immer höheres Tempo und geizt nicht mit gezielt eingesetzten Schockmomenten, die umso effektvoller sind, als man wegen der "Ego-Perspektive" so in die Geschehnisse hineingezogen wird, als ob man selbst vor Ort wäre. Wenn man es dann noch schafft, die enervierend hysterische Hauptdarstellerin auszublenden, kann man sich über einen kurzen, knackigen Horrorfilm freuen. Nebenbei bemerkt: Da es außer Kopfschüssen, offenen Brüchen, viel Blut und brutaler Gewalt sogar die eine oder andere Fress-Szene gibt, kann ich mich über die 16-er-Freigabe nur wundern. Andere Filmen wurden wegen sowas schon indiziert.

Die DVD:

Die drei Featurettes (siehe oben) sind insgesamt nur ca. 21 Minuten lang, man kann sich also vorstellen, dass das keine umfassenden Dokumentationen sind. Die Beiträge sind dennoch ganz interessant, denn man kann sich die aufwändig gestalteten Masken mal genauer ansehen und man erkennt, dass größtenteils mit "traditionellen" maskenbildnerischen Effekten gearbeitet wurde - das finde ich immer lobenswert, vor allem dann, wenn das Ergebnis so perfekt ausfällt wie hier. Außerdem wird gezeigt, dass das Mietshaus kein reales Gebäude ist, sondern ein einziges großes Filmset. Zu guter Letzt wird genauer auf einen Stunt eingegangen (eine Infizierte stürzt in den Treppenschacht); auch hier also wieder "echte Handarbeit" und keine Computereffekte. Sehr schön!

J. Kreis, 07.12.2009


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