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Possession Possession (F / BRD, 1981)

DVD Regionalcode 2, Bildstörung
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 119 Minuten

Extras
Audiokommentar des Regisseurs und des Filmjournalisten Daniel Bird, "Die andere Seite der Mauer": Dokumentation mit Interviews des Regisseurs, der Produzentin, des Koautors und des Kameramanns, Bildergalerie, Trailer

Regie:
Andrzej Zulawski

Hauptdarsteller:
Isabelle Adjani (Anna / Helen)
Sam Neill (Mark / Doppelgänger)
Heinz Bennent (Heinrich)




Inhalt:

Mark und Anna leben mit ihrem Sohn Bob im geteilten Berlin der Achtzigerjahre. Ihre Ehe ist am Ende. Mark, ein Ordnungsfanatiker und Kontrollfreak, der für einen Geheimdienst arbeitet, ist nur selten zu Hause. Anna hat sich ihm entfremdet. Immer wieder kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden, unter denen vor allem das Kind leidet. Anna hat sich auf eine Affäre mit Heinrich eingelassen, einem Esoteriker, der sich für überlegen und unwiderstehlich hält. Als Mark das herausfindet, verlässt er Anna, nur um nach einigen Wochen des Alkoholdeliriums wieder zu ihr zurückzukehren. Er muss jedoch feststellen, dass Anna den kleinen Bob vernachlässigt und die Wohnung in ein Chaos verwandelt hat. Sie verschwindet immer wieder und ist dann weder bei Heinrich noch bei ihrer Freundin Margit zu finden. Mark findet eine andere Frau, die seinen Vorstellungen eher entspricht: Bobs Lehrerin, die Anna wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht. Da Mark annimmt, dass Anna noch einen zweiten Liebhaber hat, setzt er den Privatdetektiv Zimmermann auf sie an. Dessen Partner folgt Anna bis zu einer Altbauwohnung in Kreuzberg, direkt an der Mauer. Er dringt unter einem Vorwand in die Wohnung ein und entdeckt dort eine schleimige, tentakelbewehrte Kreatur, die offensichtlich von Anna versteckt und gepflegt wird, da sie noch nicht ausgewachsen ist.

Anna tötet den Mann und zerstückelt die Leiche. Zimmermann erleidet das gleiche Schicksal, als er seinem Partner nachspürt. Mark ahnt etwas und schickt auch Heinrich in die Altbauwohnung. Anna sticht mit einem Messer auf ihren Liebhaber ein. Er kann entkommen, ist aber schwer verwundet. Er trifft sich mit Mark, der die Gunst der Stunde nutzt, um Heinrich zu ermorden. Er lässt es wie einen Unfall aussehen. Anschließend sprengt er die verlassene Altbauwohnung - Anna ist bereits mit der Kreatur in die gemeinsame Wohnung zurückgekehrt und hat Margit getötet, die auf Bob aufpassen sollte. Mark will Anna helfen. Sie soll die Kreatur in Margits Wohnung verstecken. Mark entsorgt Margits Leiche und bringt Bob zu Helen. Als er Margits Wohnung betritt, sieht er, wie Anna mit der Kreatur kopuliert. Am nächsten Tag wird Mark von seinen Auftraggebern kontaktiert, aber er will nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie wissen jedoch über seine Taten Bescheid und wollen Anna verhaften. Durch eine spektakuläre Aktion verhilft Mark ihr zur Flucht, wird aber angeschossen. Er flieht, Anna folgt ihm mit der nun vollständig entwickelten Kreatur. Das Wesen ist ein Doppelgänger Marks. Anna und Mark sterben im Kugelhagel der Polizei bzw. begehen Selbstmord.

Dem Doppelgänger machen die Schüsse nichts aus. Er geht zu Helens Wohnung. Bevor sie ihn einlassen kann, erklingen Sirenen und ein Krieg scheint auszubrechen.

Der Film:

"Possession" ist zweifellos ein ungemein beeindruckender, verstörender Film, den man nicht so schnell vergisst. Aber ich habe lange vergeblich überlegt, welche Bedeutung er haben könnte. Im Internet findet man eine ganze Reihe von Reviews, die aber seltsam indifferent bleiben, so als ob die Rezensenten selbst nicht wüssten, wie sie den Film interpretieren sollen. "Possession" wird immer wieder als Ausdruck des Zeitgeists der Achtzigerjahre im geteilten Berlin bezeichnet. Das kann schon sein, jedenfalls sieht man so einiges von der Stadt, auch wird die damalige Atmosphäre recht gut eingefangen. Sollte der Film wirklich zum Teil unmittelbar neben der Mauer gedreht worden sein, dann kann man die DDR-Grenzsoldaten im Nachhinein nur bedauern. Ich möchte gar nicht wissen, was die armen Jungs damals in ihre Berichte geschrieben haben mögen...

Vermutlich wird man jeden merkwürdigen Dialog, jede übersteigerte Pose und jedes bizarre Ereignis als Metapher, Symbol, Allegorie, Gleichnis usw. bezeichnen können. Anna scheint sich nur aus Marks Umklammerung lösen zu können, indem sie seine ordentliche, heile Welt zerstört. Mark wiederum scheint Anna nicht zu lieben, ihm geht es mehr darum, dass alles in geordneten, korrekten Bahnen verläuft. Anna hat eine Fehlgeburt (siehe drittes Bild) - das soll wahrscheinlich den Verlust ihres Glaubens symbolisieren. Die Kreatur mutiert zu einer neuen, verbesserten Version von Mark, mit der Anna aber auch nicht leben kann (sie tötet sich am Ende selbst). Das Wesen will zu Helen (einer anderen Version von Anna) zurückkehren, aber die lässt ihn zunächst nicht ein, und dann geht die Welt unter. Oder so. Der Film liefert keine Erklärung für all diese rätselhaften Ereignisse.

Bleiben zwei Aspekte, die den Film selbst dann zu etwas Besonderem machen würden, wenn er völlig bedeutungslos wäre: Die Schauspieler und die Kreatur. "Over-Acting" ist gar kein Ausdruck für das, was vor allem Isabelle Adjani hier veranstaltet. Anna kreischt wie eine Furie, zuckt, stöhnt und windet sich, würgt diverse Körperflüssigkeiten hervor, irrt mit irrem Lachen und wildem Blick durch einen U-Bahn-Schacht - die Schauspielerin geht völlig aus sich heraus, man mag manchmal gar nicht hinsehen. Vor allem müsst ihr den Ton leise stellen, sonst könnten die Nachbarn auf den Gedanken kommen, dass ihr ernsthafte Probleme habt. Umso größer ist der Gegensatz, wenn sie als Helen auftritt, die stets ruhig und gefasst wirkt. Aber auch Sam Neill (meine Güte, so jung war der mal?) und Heinz Bennent spielen mit beeindruckender, allerdings oft heillos übertriebener Intensität - wenn man auch nie so recht begreift, was ihre Filmfiguren eigentlich wollen oder empfinden. Oder was ihre seltsamen Verhaltensweisen in der jeweiligen Situation bedeuten sollen.

Die von Carlo Rambaldi designte Kreatur (was auch immer sie symbolisieren soll), im wahrsten Sinne des Wortes ein unerklärlicher Fremdkörper in diesem Film, ist ein sehr schönes Beispiel für gelungene Spezialeffekte. Dieses zu Anfang hauptsächlich aus Tentakeln bestehende Ding, das sich im eigenen Blut und Schleim wälzt und allmählich menschliche Gestalt annimmt, so dass es Anna in einer der bekanntesten Szenen des Films begatten kann, taucht nach ungefähr einer Dreiviertelstunde erstmals auf und lässt den bis dahin schon ungewöhnlichen Film vollends ins Surreale kippen. Irgendwie hat mich all das an "Eraserhead" von David Lynch erinnert - einen Film, den ich ebenfalls nicht wirklich verstehe...

Die DVD:

Es gibt keine deutsche Synchronisation für "Possession". Man muss mit dem englischen Originalton Vorlieb nehmen. Deutsche Untertitel sind aber vorhanden. Im Audiokommentar (deutsch untertitelt) wird zwar nur selten auf die jeweilige Szene eingegangen, man erfährt aber doch so manches über den Produktionsprozess, die Gedanken des Regisseurs zum Gezeigten und die Arbeit mit den Schauspielern. Die Dokumentation "Die andere Seite der Mauer" (51:40 min.) ist eine gute Ergänzung. Sie enthält kein Hinter-den-Szenen-Material, sondern nur aktuelle Interviews, leider ohne Neill und Adjani. Hier spricht der Regisseur auch über seine anderen Filme, von denen Ausschnitte gezeigt werden. Und schließlich ist auch noch ein 44 Seiten dickes Booklet vorhanden. Es enthält Texte von Andrzej Zulawski, Jörg Buttgereit, Daniel Bird und Marcus Stiglegger.

Durch all dieses Bonusmaterial wird die Deutung des Films etwas erleichtert, obwohl praktisch niemand konkret wird. Anscheinend fällt es selbst dem Regisseur schwer, in einfachen Worten zu formulieren, was eigentlich ausgedrückt werden soll. Wenigstens wird klar, dass er seine gescheiterte Ehe und seine Probleme als Filmemacher in Polen aufarbeiten wollte.


Screenshots


Possession

Manchmal kann man einfach nicht vernünftig mit den Frauen reden.


Possession

Was auch immer es ist - es hat eindeutig zu viele... Tentakel.


Possession

Rote Körperflüssigkeiten - OK. Von mir aus auch weiße. Aber... grüne?!?


J. Kreis, 08.04.2010


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