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Planet Terror Planet Terror - Limited Collector's Edition (USA, 2007)

DVD - Regionalcode 2, Senator
FSK: SPIO/JK
Laufzeit: ca. 101 Minuten

Extras
Audiokommentar, Audiospur mit Publikumsreaktionen, Kinotrailer, Bildergalerie, Featurettes ("10-Minuten-Filmschule", "Die Girls von Planet Terror", "Die Jungs von Planet Terror", "Casting Rebel Rodriguez", "Die Stunts von Planet Terror" "Der Freund, der Arzt und der Grundstücksmakler")

Regie:
Robert Rodriguez

Hauptdarsteller:
Freddy Rodriguez (El Wray)
Rose McGowan (Cherry Darling)
Marley Shelton (Dakota Block)
Josh Brolin (Dr. William Block)
Jeff Fahey (J.T. Hague)
Michael Biehn (Sheriff Hague)
Bruce Willis (Lt. Muldoon)
Naveen Andrews (Abby)




Inhalt:

Irgendwo im ländlichen Texas: Cherry Darling hat die Nase voll von ihrem bisherigen Job als Go-Go-Tänzerin. Sie kündigt, um künftig als Stand-up-Komikerin aufzutreten. Eigentlich wollte sie Ärztin werden, aber daraus ist nichts geworden. Seitdem hat sie den Glauben an sich selbst verloren; sie betrachtet all ihre Talente (zu denen vor allem eine geschmeidige Beweglichkeit gehört) als nutzlos. Als sie auf der Straße unterwegs ist, braust ein Militärkonvoi an ihr vorbei. Sie stürzt und verletzt sich am Bein, woraufhin sie in J.T. Hagues Grillrestaurant "The Bone Shack" Zuflucht sucht. Währenddessen erreicht der Konvoi eine alte Militärbasis. Die Soldaten, angeführt von Lt. Muldoon, sind süchtig nach dem Giftgas DC2 und treffen sich in der Basis mit Dealern, die einen Container mit dieser gefährlichen Substanz besitzen. Ihr Mittelsmann ist der Biochemiker Abby. Der treibt jedoch ein falsches Spiel, denn von den großen unter der Basis gelagerten DC2-Vorräten verrät er Muldoon nichts. Der bekommt dennoch Wind von der Sache und schnappt sich Abby. Um die Soldaten von sich abzulenken, schießt Abby auf den DC2-Container, so dass das Gas entweicht und sich in der ganzen Gegend verbreitet. Daraufhin verwandeln sich alle Menschen bis auf wenige Immune innerhalb kurzer Zeit in tobende, immer weiter mutierende Zombies, die sich am Fleisch der noch nicht Infizierten laben und überall für Chaos und Zerstörung sorgen.

Derweil begegnet Cherry im "Bone Shack" ihrem Ex-Freund El Wray, den sie vor Jahren verlassen hat, weil sie dachte, er glaube nicht an eine gemeinsame Zukunft mit ihr. Als die beiden mit El Wrays Abschleppwagen weiterfahren, kommt es zu einem Unfall, weil El Wray versucht, einem Zombie auszuweichen. Der Laster überschlägt sich, und bevor El Wray eingreifen kann, wird Cherry von den Zombies verschleppt. El Wray kann die Zombies zwar durch einige Schüsse vertreiben, aber erst, nachdem sie Cherry das rechte Bein abgerissen haben. El Wray bringt Cherry ins Krankenhaus, wo er von Sheriff Hague (J.T.s Bruder) festgenommen wird. El Wray hat eine nicht näher erklärte mysteriöse Vergangenheit (vermutlich als Angehöriger einer Army-Spezialeinheit) und dürfte gar keine Waffen besitzen. Die Zombie-Seuche breitet sich nun auch in der Stadt aus, vor allem natürlich im Krankenhaus, wo alle Verletzten eingeliefert werden. Das entstehende blutige Durcheinander hat zumindest für die Anästhesistin Dakota Block auch etwas Gutes, denn so kann sie vor ihrem wahnhaft eifersüchtigen Ehemann fliehen, den sie ohnehin verlassen wollte und der sie jetzt umbringen will. Daran wird er aber von einem Zombie gehindert, an dessen eitrigem Auswurf er sich infiziert.

Während Dakota sich ihren Sohn schnappt und durch die Zombiehorden zu ihrem Vater fährt (wo der Junge sich versehentlich selbst erschießt), müssen sich auch El Wray und Hagues Polizeitruppe mit den immer zahlreicher werdenden Mutanten herumschlagen. Schließlich fahren sie mit El Wrays Truck zum Krankenhaus, das inzwischen eher einem Schlachthaus ähnelt. El Wray holt die mit einem Holzbein versorgte Cherry heraus, dann fahren alle gemeinsam zum "Bone Shack", wo J.T. auch schon Probleme mit Zombies hatte. Hier finden Cherry und El Wray endlich wieder zueinander, denn in El Wrays Lederjacke, die Sherry damals mitgenommen hatte, ist immer noch der Verlobungsring, den El Wray ihr hatte geben wollen und von dessen Existenz sie nichts geahnt hatte. Es treffen noch einige weitere Überlebende (u.a. Dakota) ein, und als Sheriff Hague von einem seiner eigenen Leute verletzt wird, übernimmt El Wray das Kommando. Mit diversen Fahrzeugen fliehen die Überlebenden vor den anstürmenden Zombies, werden aber bald von Lt. Muldoons Leuten abgefangen und zur Militärbasis gebracht, wo weitere Immune unter "Quarantäne" gehalten werden.

Auch Abby sitzt hier hinter Gittern. Von ihm erfahren El Wray und seine Freunde, dass das Gift (Codename "Project Terror") zur Säuberung feindlich besetzter Gebiete entwickelt wurde. DC2 ist Gift und Gegengift zugleich. Muldoons Soldaten haben sich bei einem Afghanistan-Einsatz mit DC2 infiziert und sind nun auf eine ständige Zufuhr dieser Substanz angewiesen, um nicht zu mutieren. Abby war damit beschäftigt, ein Gegenmittel zu entwickeln. Als es den Überlebenden nun gelingt, aus dem Gefängnis zu entkommen und Muldoon sowie einige seiner Schergen zu töten, will Abby das Antidot aus dem Labor retten, um zu verhindern, dass die ganze Welt von Zombies überrannt wird. Daraus wird aber nichts, denn er wird von den Soldaten erschossen. Auch El Wray wird getötet. Vorher bringt er Cherry aber noch dazu, wieder an sich selbst zu glauben. Im Kampf gegen die Zombies kommen der Ex-Go-Go-Tänzerin ihre "nutzlosen Talente" gut zupass: Mit einem an den Beinstumpf montierten Sturmgewehr plus Granatwerfer mäht sie die Ungeheuer reihenweise nieder. Die tödlich verwundeten Gebrüder Hague sprengen sich und die Basis in die Luft. Cherry und die anderen Überlebenden entkommen mit einem Hubschrauber. Dort lauert der zombifizierte Dr. Block zwar seiner Frau auf, wird aber von deren Vater erschossen.

An der mexikanischen Küste richten die Überlebenden sich eine Zuflucht ein. Hier können sie sich mit dem Rücken zum Meer gegen eine Welt voller Zombies verteidigen. Cherry, inzwischen mit einer Gatling-Kanone als Prothese versorgt und Mutter von El Wrays Tochter, sucht in den zerstörten Städten nach den wenigen Immunen, um diese ebenfalls in Sicherheit zu bringen.

Der Film:

Um diesem Film etwas abgewinnen zu können, muss man (wie ich) mit den Horror-Exploitationfilmen der Siebziger- und Achtzigerjahre aufgewachsen sein. Denn "Planet Terror" ist nichts anderes als eine wunderbare Hommage an dieses Genre. Eine Parodie der Zombiefilm-Welle ist "Planet Terror" aber nicht, denn obwohl er sich selbst nicht ernst nimmt (was spätestens ab der Szene klar sein dürfte, als El Wray mit einem Mini-Motorrad davondüst), huldigt er doch zu sehr den typischen Horror-Elementen und zeigt zu viel Gewalt, Blut und Eingeweide, als dass man sagen könnte, er würde sich über diese Versatzstücke lustig machen. Nur wenn man "Planet Terror" als Hommage an alte Filme dieser Art betrachtet, versteht man auch, warum das Filmmaterial so bearbeitet wurde, dass es so aussieht, als enthalte es massenweise Verschmutzungen, Beschädigungen usw. - man soll den Eindruck erhalten, man befinde sich im Kino und bekäme einen alten Film vorgeführt. Kinogänger jüngerer Generationen dürften vom künstlich auf alt getrimmten Bildmaterial zumindest irritiert sein. Kinder: Euer DVD-Player ist nicht kaputt. Das Bild soll so aussehen!

Das fiktive Kinoerlebnis fängt schon mit dem Fake-Trailer zu einem brutalen Actionfilm mit dem Titel "Machete" an, der vor dem Hauptfilm abläuft. Diesen Film gibt es (noch?) nicht, auch das ist wieder eine herrliche Anspielung auf derartige Machwerke aus den Siebzigern und Achtzigern: Söldner- und Rächerfilme gab es damals ja wie Sand am Meer. Dann gibt es immer wieder mal Gewackel und ähnliche Störungen, so als ob der Filmvorführer am Projektionsgerät herumfummeln würde. Schließlich schmort sogar der Film durch und es wird eine Entschuldigung wegen einer "fehlenden Filmrolle" eingeblendet. Das ist nicht nur ein Gag; mit diesem Kunstgriff erspart der Regisseur sich die in solchen Filmen sonst übliche Zusammenführung der Überlebenden in ihrer letzten Zuflucht. Wenn der Film wieder anfängt, sind bereits alle im "Bone Shack" angekommen und haben auch schon einen missglückten Ausbruchsversuch hinter sich. All das - also die Aneinanderreihung typischer Horrorfilm-Klischees und die "fehlende Filmrolle" - ist zwar durchaus gelungen, es macht "Planet Terror" aber auch zu einem etwas uneinheitlichen Werk. Man sollte sowieso keinen Film mit tiefschürfender Handlung erwarten. "Planet Terror" soll einfach Spaß machen. Er ist deshalb ein Sammelsurium von Zitaten und Anspielungen, verrückten Ideen, absurd ausufernder Action und bizarrer Situationen. Ideen wie Cherrys MG-Bein (komplett mit Rocket-Jump!), Dakotas Versuch, mit gelähmten Händen Auto zu fahren oder J.T.s ständige Suche nach der weltbesten Barbecue-Soße, die erst durch einige Spritzer seines eigenen Blutes perfekt wird, sind einfach köstlich.

Man könnte sich jetzt darüber aufregen, dass der Film gewaltverherrlichend sei und zu viele / zu explizite Tötungs-, Fress- und Verstümmelungsszenen enthalte, dafür aber nur ein Minimum an Handlung. Das mag alles zutreffen, aber irgendwie stimmt es doch nicht. Meiner Meinung nach will Regisseur Rodriguez nicht Gewalt verherrlichen usw. - nein, er will sich quasi vor den Schundfilmen vergangener Zeiten verbeugen. Wenn man zur richtigen Generation gehört, dann macht man diese Verbeugung mit, und zwar selbst dann, wenn man diese Filme heute gar nicht mehr so toll findet. Nostalgische Verklärung wirkt halt manchmal Wunder! Natürlich ist das alles albern, natürlich wirkt die Gewalt selbstzweckhaft, und natürlich ist das Schund. Aber unterhaltsam, perfekt gemacht und manchmal sogar brillant ist es trotzdem, oder gerade deswegen. Klar ist aber auch, dass man so nur denken kann, wenn man nicht grundsätzlich etwas dagegen hat, vermodernde oder zerplatzende Körper, schmelzende Penisse (köstlich in dieser Szene: Quentin Tarantino persönlich), gevierteilte Menschen und dergleichen auf der Leinwand zu sehen.

Und was da zu sehen ist, spottet jeder Beschreibung. Die Gore-Effekte sind einfach genial. Nur manchmal erkennt man etwas zu deutlich, dass manches davon am Computer entstanden ist. Beim größten Teil dieser Szenen wurden aber klassische maskenbildnerische Effekte verwendet. Hinzu kommt eine bestens aufgelegte Darstellertruppe mit einer manchmal coolen und manchmal verletzlichen Rose McGowan, die dem Begriff "sexy" eine neue Bedeutung verleiht. Also: Wer sich noch an seine Jugend in den Siebzigern und Achtzigern erinnert, kein Problem mit herumfliegenden Körperflüssigkeiten oder makabrem Humor hat und sich an der auf Retro getrimmten Machart nicht stört, dem wird dieser Film vermutlich die Freudentränen in die Augen treiben. Mir ist's jedenfalls so ergangen.

Die DVD:

Die ungekürzte Kinoversion von "Planet Terror" ist derzeit (Mai 2008) nur in der relativ teuren und angeblich auf 30.000 Stück limitierten "Collector's Edition" erhältlich, sie trägt das SPIO/JK-Siegel. Die preiswertere DVD mit FSK 18 enthält eine um mehrere Minuten gekürzte Version des Films. Die Collector's Edition lohnt sich aber trotzdem, wenn man den Film mag, denn schon die Verpackung ist so liebevoll aufgemacht wie dieser selbst. Die Metallbox erinnert ein bisschen an einen Henkelmann: Man klappt sie nicht auf, sondern nimmt oben einen Deckel ab, auf dem ein ausklappbarer Griffbügel befestigt ist! Der Aufdruck ist genauso auf alt getrimmt (in Rheinhessen sagt man dazu: "verschammeriert") wie der Film, die Silberlinge stecken noch in einer Hülle aus gewollt billig aussehender Pappe. In diesem Pappendeckel stecken ein paar Gimmicks: Ein Rezept für J.T.s Barbecue-Soße, eine mit "Blut" gefüllte Plastikhülle (ich will gar nicht wissen, was dieses rote Zeug wirklich ist), die ein Bild Cherrys enthält, sowie eine Postkarte. Die DVDs haben eine besondere Beschichtung. Reibt man ein bisschen drüber, riecht's plötzlich nach verbranntem Gummi...

Abgesehen von diesen Gimmicks gibt es auch eine ganze Menge an recht interessantem Bonusmaterial. Der Audiokommentar zum Film ist schon sehr interessant, denn Robert Rodriguez hat wirklich zu jeder Szene etwas zu sagen. Es gibt noch eine weitere Tonspur, auf der Publikumsreaktionen zu hören sind. Der Sinn des Ganzen hat sich mir nicht so recht erschlossen; ich habe mir aber auch nur die ersten Minuten angehört. Außer Gelächter und Gegröle ist da nichts zu hören. Auf DVD Nr. 2 findet man sechs Featurettes mit Laufzeiten zwischen ca. 5 und ca. 16 Minuten, insgesamt ergibt das eine abendfüllende Dokumentation, in der ausführlich auf die verschiedenen Figuren und ihre Darsteller sowie die Entstehung der diversen Spezialeffekte eingegangen wird. Auch hier steuert Rodriguez wieder viele interessante Informationen bei, und man erfährt, warum Dakotas Sohn anscheinend doch überlebt (ihr müsst euch den Abspann bis zum Ende anschauen, da kommt noch eine Szene): Der Junge ist der Sohn des Regisseurs, und Rodriguez wollte dem Kind keine Alpträume bereiten, d.h. er wollte ihm nicht sagen, dass er im Film stirbt. Also wurden alternative Szenen bis zum Schluss mit ihm gedreht. Die sind im Bonusmaterial auch zu sehen.

Witzig übrigens auch: Rodriguez hat verschiedenen Freunden Rollen in diesem Film gegeben, zum Beispiel einem Arzt - der spielt den Kollegen von Dr. Block - und einem Grundstücksmakler! Letzterer ist ein gutes Beispiel dafür, dass man sich den Film auch mal im englischen Original ansehen sollte, denn viele Schauspieler sprechen mit breitem texanischen Akzent. Das geht in der deutschen Synchronisation natürlich verloren. Last but not least: Tammy, Dakotas Freundin, von deren Kopf nur die leere Hirnschale übrigbleibt, wird von "Fergie" gespielt, der Sängerin der "Black Eyed Peas". Dass all diese Leute offenbar viel Spaß bei den Dreharbeiten haben, ist in den Featurettes gut zu erkennen.

J. Kreis, 21.05.2008
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