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Phenomena Phenomena (Italien, 1985)

DVD - Regionalcode 0, Dragon Film Entertainment
FSK: Ungeprüft
Laufzeit: ca. 111 Minuten

Extras
Trailer, Filmografien (Texttafeln)

Regie:
Dario Argento

Hauptdarsteller:
Jennifer Connelly (Jennifer Corvino)
Daria Nicolodi (Frau Brückner)
Donald Pleasence (Professor John McGregor)
Patrick Bauchau (Inspektor Rudolf Geiger)




Inhalt:

Die junge Amerikanerin Jennifer Corvino, Tochter eines berühmten Filmschauspielers, wird in ein Mädcheninternat in der Nähe von Zürich geschickt. In dieser Gegend treibt seit geraumer Zeit ein Mörder sein Unwesen, der junge Mädchen verschleppt und tötet. Inspektor Rudolf Geiger ermittelt in diesen Mordfällen, tappt aber im Dunkeln. Auch Prof. McGregor, ein von Geiger hinzugezogener Entomologe, der sich unter anderem mit den am Verwesungsprozess beteiligten Insekten beschäftigt, kann keine entscheidenden Hinweise liefern. Man kennt nur die ungefähre Größe des Areals, in dem der Täter sich stets bewegt. Jennifer lebt sich in der neuen Umgebung nur schwer ein. Ihre einzige Freundin im Internat ist ihre Zimmergenossin Sophie. Die anderen Mädchen fürchten sich vor Jennifer und verspotten sie, denn sie hat einige seltsame Eigenschaften. Sie ist nicht nur Schlafwandlerin - dieses überwunden geglaubte Leiden beginnt schon in der ersten Nacht im Internat neu - sondern hat auch eine besondere Beziehung zu Insekten. Anders als die meisten Menschen fürchtet sie sich nicht vor diesen Tieren, sie liebt sie sogar und glaubt, dass alle Insekten auf ihre Emotionen reagieren.

Während ihres ersten Anfalls von Schlafwandlerei kommt Jennifer zum Schauplatz eines weiteren Mordes. Sie erwacht und flieht voller Panik vom Tatort. Dabei begegnet sie einem Schimpansen, der sie zu Prof. McGregor führt. Der Wissenschaftler ist seit einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt, der Affe - es ist eine Schimpansendame namens Inge - wurde darauf dressiert, ihm zu helfen. McGregor und Jennifer freunden sich an. Am Tatort eines weiteren Mordes, den Jennifer ebenfalls in Trance beobachtet (das Opfer ist ausgerechnet Sophie), findet sie einen Handschuh voller Maden. Nach einem EEG-Test, zu dem man Jennifer im Internat gezwungen hat, weil man sie für verrückt hält, besucht sie den Professor wieder. Sie ist noch aufgeregt und zornig - und die vielen Insekten in McGregors Labor reagieren auf diese Stimmung. Der Professor erkennt Jennifers telepathische Begabung und identifiziert die Maden am Handschuh des Täters als Larven einer Fliege, die sich ausschließlich von menschlichen Leichen ernährt. Er kommt auf die Idee, dass eine solche Fliege Jennifer zum Mörder führen könnte. Tatsächlich kann Jennifer der Fliege zu einem verlassenen Haus folgen, in dem der Mörder möglicherweise gelebt hat. Es steht jetzt jedoch leer. Inspektor Geiger scheint Wind von Jennifers und McGregors Ermittlungen bekommen zu haben, denn er setzt sich auf die Fährte des Mädchens.

In der Nacht wird McGregor ermordet. Inge beobachtet die Tat und flieht in den Wald, wo sie ein Rasiermesser findet. Die entsetzte Jennifer will nun die Schweiz verlassen und bittet Morris Shapiro, den Agenten ihres Vaters, telefonisch um Hilfe. Als die Internatsleiterin (Frau Brückner) auftaucht und behauptet, Jennifer solle bei ihr übernachten, weil der nächstmögliche Flug erst für den Folgetag gebucht werden konnte, schöpft Jennifer zunächst keinen Verdacht. Frau Brückner will Jennifer jedoch genauso beseitigen, wie sie es mit McGregor und inzwischen auch mit Inspektor Geiger gemacht hat - sie will ihren entstellten Sohn schützen, der die verschwundenen Mädchen auf dem Gewissen hat. Jennifer kann sich befreien und gelangt auf der Suche nach einem Telefon in den Keller des Hauses, wo der angekettete Inspektor schmachtet. Sie stürzt in einen Pfuhl voller verwesender Leichenteile, in dem Frau Brückner sie ertränken will. Geiger kann sich befreien und stürzt sich auf die Rasende. Jennifer flieht, verfolgt von dem grauenhaft aussehenden und offenbar geistesgestörten Kind. Sie versucht mit einem Boot zu fliehen, kann den Jungen, der mit einer Art Lanze auf sie losgeht, aber nicht abschütteln. In Todesangst ruft sie ihre wahren Freunde zu Hilfe: Ein riesiger Insektenschwarm zerfrisst den Jungen. Da taucht auch Shapiro auf, wird aber von Frau Brückner geköpft. Erneut scheint Jennifers Schicksal besiegelt zu sein, doch da erscheint Inge und tötet die Verrückte mit dem Rasiermesser.

Der Film:

"Phenomena" ist eine seltsame Mischung aus italienischem Giallo-Thriller, Mystery und Splatter. Irgendwie typisch für einen Film des Giallo-Subgenres ist die wirre Story, bei der es vor allem darum geht, den Zuschauer bezüglich der Identität des Mörders, von dem man immer nur einen Schatten, das Mordwerkzeug oder ähnliches sieht, in die Irre zu führen. Die Logik ist dabei zweitrangig, außerdem konzentriert der Film sich mehr auf Jennifer als auf den Mörder oder seine Taten. Obwohl der Film einige explizite Gewaltdarstellungen enthält, stehen diese nicht im Vordergrund und wirken eigentlich eher so, als habe Argento sie eingebaut, weil das Publikum so etwas von diesem Regisseur erwartet. Dementsprechend lustlos sind sie inszeniert. Das Haupt-Augenmerk liegt auf Jennifers Trancezuständen, und diese Szenen können durchaus überzeugen. Man muss aber sagen, dass die schauspielerischen Fähigkeiten der noch sehr jungen Jennifer Connelly zwar insgesamt beachtlich sind, aber nicht ausreichen, um den Film allein zu tragen. Er hat deshalb im Mittelteil einige Längen. Am Schluss wird dann aber ein richtiges Effekt-Feuerwerk abgebrannt; die Szene, in der Jennifer in eine widerliche Leichengrube fällt, ist nicht von schlechten Eltern. Erst am Ende stellt sich etwas Spannung ein, zuvor kann man allenfalls von einer leichten Grusel-Atmosphäre sprechen. Argento klaut übrigens ungeniert bei sich selbst. So erinnert das Mädcheninternat mit seinen leicht abgedrehten Insassen auffallend an einen ähnlichen Ort in dem älteren Film "Suspiria", auch einige Geräuscheffekte scheinen mir aus diesem Film zu stammen.

Es müssen einige Haken geschlagen werden, bis am Ende eine trotzdem nicht so recht überzeugende, an den Haaren herbeigezogene Auflösung herauskommt. Einige Handlungselemente scheinen mir nicht so recht zusammenzupassen bzw. es kommt mir so vor, als hätte die Geschichte eigentlich anders verlaufen sollen, als sie dann letztlich umgesetzt wurde. Es gibt zum Beispiel einiges, was darauf hindeutet, dass Jennifer nicht zufällig in dieses Internat in der Schweiz geschickt wurde, und dass es eine engere Beziehung zu dem Mörder gibt, als sie ahnt. Warum zum Beispiel kennt Shapiro sich so genau in der Schweiz aus? Warum reist er überhaupt an? Warum greift er während der Fahrt zur Pistole? Was weiß oder befürchtet er also? Mit wem genau ist Jennifers Mutter seinerzeit durchgebrannt und was wurde aus ihr? Warum weiß Geiger, dass er Jennifer folgen muss, wenn er den Mörder finden will? Was das ständige Geschwätz vom "Schweizer Transsylvanien" und dem Fön soll, der die Leute angeblich in den Wahnsinn treiben kann, weiß ich auch nicht.

Insgesamt könnte man mit dem Film durchaus noch zufrieden sein, wenn nicht die Musik wäre. Ich spreche jetzt nicht vom Soundtrack der Gruppe Goblin. An dem gibt es nichts auszusetzen, er trägt gut zur Erzeugung einer traumartigen Atmosphäre bei. Nein, Argento ist auf die unglaubliche Schnapsidee gekommen, manche Szenen mit Heavy Metal von Iron Maiden zu unterlegen! Wenn Jennifer zum Beispiel verzweifelt versucht, in Frau Brückners Haus an das Telefon heranzukommen, kreischt der Sänger los und die Gitarren werden geschrubbt. Das passt sowas von absolut überhaupt nicht, dass die entsprechenden Szenen total zerstört werden. Es ist mir völlig schleierhaft, was den Regisseur da geritten hat - es war jedenfalls eine krasse Fehlentscheidung. Aber es ist schon interessant zu sehen, wie groß der Einfluss der Filmmusik sein kann.

Die DVD:

Auf dieser DVD wurde die ungekürzte Version des Films veröffentlicht. Einige Szenen mussten deshalb nachsynchronisiert werden, und offenbar waren die ursprünglichen Sprecher nicht mehr verfügbar. Die neue Sprecherin für Jennifer Connelly... hm, wie drücke ich mich jetzt aus? Sie kann sprechen, das stimmt. Aber was sie sagt, klingt so, als würde sie einen Kochtopf auf einem Shopping-Kanal anpreisen. "Unpassend" zu sagen, wäre noch geschmeichelt. Leider stören einige Verschmutzungen und Beschädigungen das ansonsten akzeptable Bild. Mit dem Bonusmaterial sieht's noch mauer aus: Ein paar Texttafeln sowie ein englischer und ein italienischer Trailer. Wenigstens steckt die Papphülle noch in einem Schuber und enthält auch ein ausführliches Booklet. Das hätte man aber lieber einem etwas fähigeren Übersetzer in die Hand geben sollen...

J. Kreis, 19.04.2008
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