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Phantom Kommando Phantom Kommando - Director's Cut (USA, 1985)
- Commando -

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: SPIO/JK
Laufzeit: ca. 88 (86) Minuten

Extras
Audiokommentar des Regisseurs, Nicht verwendete Szenen, Featurettes ("Pure Action", "Lass mal Dampf ab"), Fotogalerien

Regie:
Mark L. Lester

Hauptdarsteller:
Arnold Schwarzenegger (John Matrix)
Rae Dawn Chong (Cindy)
Dan Hedaya (Arius)
Vernon Wells (Bennett)
Alyssa Milano (Jenny Matrix)




Inhalt:

Vor einigen Jahren wurde Präsident Arius, Diktator des lateinamerikanischen Lands Val Verde, durch den Einsatz einer US-Spezialeinheit unter dem Kommando von Colonel John Matrix entmachtet. Nach dem Ende ihrer aktiven Dienstzeit haben Matrix und seine Leute neue Identitäten erhalten. Jetzt jedoch wird einer nach dem anderen ermordet, bis nur noch Matrix übrig ist. General Franklin Kirby, Johns ehemaliger Befehlshaber, ist die einzige Person, die Matrix' Versteck kennt - der Colonel lebt mit seiner Tochter in einem Haus in den Bergen. Kirby sucht Matrix auf und stellt zwei bewaffente Soldaten zum Schutz des Hauses ab, doch damit erfüllt er den Plan seiner Gegner: Sie wollten sich von ihm zu Matrix führen lassen. Bennett, einer von Matrix' ehemaligen Leuten, ist zum Verräter geworden und arbeitet für Arius. Er kannte aber nur das Versteck seiner Kameraden, nicht das seines Chefs. Er würde Matrix am liebsten töten, denn der hat Bennett seinerzeit wegen dessen sadistischer Grausamkeit aus der Spezialeinheit geworfen, aber Arius braucht Matrix noch. Der Colonel ist der einzige Mensch, dem der neue Präsident Val Verdes wirklich vertraut, und der gleichzeitig in der Lage wäre, den Präsidenten zu töten. Genau das soll Matrix tun, und um ihn gefügig zu machen, entführen Arius' Handlanger Johns Tochter Jenny.

Matrix wird in den nächsten Flieger nach Val Verde verfrachtet. Ein Scherge namens Sully überwacht den Abflug, ein zweiter geht mit in das Flugzeug. Matrix denkt allerdings gar nicht daran, mit den Kidnappern zu kooperieren. Unauffällig tötet er den Aufpasser, der ihn begleitet, und springt aus der startenden Maschine. Er hat nun bis zur Landung des Fliegers in Val Verde Zeit, um Jenny zu befreien - somit bleiben ihm nur 11 Stunden. Um Sully folgen zu können, muss Matrix selbst zum Kidnapper werden: Er schnappt sich das Auto der jungen Cindy. Es dauert zwar eine Weile, bis er die entsetzte Frau von der Lauterkeit seiner Absichten überzeugt hat (bis es soweit ist, muss er sich mit Sully in einem Einkaufszentrum herumschlagen und ihn weiter verfolgen), doch schließlich ist sie bereit, ihm zu helfen. Nachdem Matrix Sully und Cooke (Scherge Nr. 3) erledigt hat, findet er endlich die Spur zum Versteck des Ex-Diktators. Der unterhält eine Basis voller Söldner und schwerer Waffen auf einer Insel, wo er offenbar an seinen Umsturzplänen feilt.

Matrix bricht in ein Militaria-Geschäft ein, um sich mit Waffen einzudecken, wird dabei aber festgenommen. Cindy zerschießt den Gefangenentransporter mit einem Raketenwerfer und befreit ihn. Dann kapern die beiden ein Wasserflugzeug und fliegen zur Insel. Dort schaltet Matrix im Alleingang Dutzende von Söldnern sowie Arius aus. Bennett, dem es nur darum geht, seinen verhassten Chef zu töten, will Jenny beseitigen, doch das pfiffige Mädchen hat sich inzwischen befreit. Schließlich treffen Matrix und Bennett aufeinander. Letzterer hat zwar Jenny in seine Gewalt gebracht, aber Matrix packt ihn an der Ehre und fordert ihn heraus. Bennett glaubt gewinnen zu können, da er Matrix angeschossen hat. Daher lässt er sich auf einen Zweikampf ein. Er muss aber schnell feststellen, dass Matrix keineswegs geschächt ist, und wird besiegt. Die Hilfe des von Cindy per Funk herbeigerufenen General Kirby wird nicht mehr benötigt - Matrix hinterlässt ein Leichen- und Trümmerfeld. Der General würde Matrix gern wieder dienstverpflichten, aber der will nur seine Ruhe haben und zu seinem glücklichen Familienleben in der Einsamkeit zurückkehren.

Der Film:

Dies ist einer der wenigen Schwarzenegger-Filme, die ich bis jetzt noch nicht kannte. Filme dieser Art - testosterongesättigte Ballerfilme mit markigen Machismo-Sprüchen - konnte man wohl nur noch in den Achtzigern drehen. Heute wirkt manches davon fast unfreiwillig komisch, allerdings muss man im Fall von "Phantom Kommando" zugestehen, dass die Gewaltdarstellung so übertrieben ist, dass es beinahe wie eine Parodie des Söldnerfilm-Subgenres wirkt. Außerdem kommt auch ein wenig Selbstironie vor, etwa wenn Cindy sich bei der Prügelei zwischen Matrix und Cooke darüber beschwert, dass diese Typen offenbar zu viel rohes Fleisch essen. Arnold Schwarzenegger durfte in diesem Film erstmals nach Conan und Terminator wenigstens in den ersten Minuten etwas spielen, das vom Schema der stoischen, unaufhaltsamen Kampfmaschine abweicht. Und so sieht man ihn in der (seinerzeit) ungewohnten Rolle des liebenden Familienvaters. Diese Phase ist aber bald vorbei, danach hat Schwarzenegger nur noch die Aufgabe, alles aus dem Weg zu räumen, was zwischen ihm und seiner Tochter steht. Mehr Inhalt hat der Film schlicht und ergreifend nicht, für ein bisschen Auflockerung sorgt nur Rae Dawn Chong in der Rolle des für die Witzigkeit zuständigen Sidekicks. Allerdings darf sie auch mal hinlangen, was wegen des zunächst verkehrt herum gehaltenen Raketenwerfers für Erheiterung sorgt.

Die Action ist schon in den ersten 75 Minuten ordentlich. Man bekommt genau das geboten, was man erwartet: Arnie, immer mit einem kernigen Oneliner auf den Lippen, zerlegt und zerschnetzelt alles und jeden auf mehr oder weniger interessante Weise. Er lässt seine legendären Muskeln spielen, wenn er z.B. einen Schurken am telefonieren hindert, indem er einfach die ganze Telefonzelle herausreißt, oder wenn er ein umgekipptes Auto wieder aufrichtet, um damit weiterzufahren. Da merkt man schon, dass der Film sich selbst nicht wirklich ernst nimmt, und das ist auch ganz gut so, sonst könnte man die explizite Gewalt nur schwer ertragen. Aber all das ist noch gar nichts. In der letzten Viertelstunde, nachdem Matrix die Insel erreicht hat, geht es erst richtig los. Genauer gesagt: Da fliegt so viel Blei durch die Luft und es wird so viel Pyrotechnik abgefackelt, dass der Film sich dankenswerterweise komplett von der Realität verabschiedet. Völlig unbeeindruckt von den gegnerischen Salven schreitet Arnold durch die Reihen der lustig durcheinanderpurzelnden Söldner wie der Schnitter durchs Korn. Er wird von keiner einzigen Kugel auch nur angekratzt, während er selbst sogar dann noch auch weit entfernte Böslinge zielsicher umnietet, wenn er sein Maschinengewehr einhändig auf sie richtet. Nö, ist schon klar, solche Muskelberge wie die von Arnold dämpfen natürlich jeden Rückstoß.

Aber wer erwartet von so einem Film schon Logik, tiefgründige Dialoge oder eine komplexe Handlung? Ich nicht. Deshalb kann ich auch "Phantom Kommando" goutieren, ohne auf die im Grunde nahe liegende Idee zu kommen, ihn als reaktionär, gewaltverherrlichend oder menschenverachtend zu betrachten. Arnold ist in dieser Rolle sowieso einfach unübertrefflich, er ist sichtlich gut in Form und er spielt ein wenig mit den Klischees des Actionfilm-Genres. Wer sich auf hirnlose, nur geringfügig durch eine rudimentäre Handlung unterbrochene Action einlassen kann, der ist mit diesem relativ kurzen Film bestens bedient. "Phantom Kommando" geht gleich ohne lange Vorrede los, hängt im Mittelteil ein klein wenig, und endet in einem brachialen Showdown mit einem der vermutlich größten Bodycounts der Filmgeschichte.

Die DVD:

Diese DVD enthält sowohl die Kinoversion als auch den ca. zwei Minuten längeren Director's Cut. Ich verstehe allerdings nicht, warum pro Version ein Silberling verwendet werden musste... Bei den neuen Szenen des Director's Cut handelt es sich vor allem um zwei eher verzichtbare neue Dialoge zwischen Matrix und Cindy, außerdem um wenige erweiterte Gewaltszenen. Die Dialoge wurden für die DVD nicht synchronisiert, so dass die Sprache mitten im Film zum Englischen (untertitelt) wechselt. Man erfährt zum Beispiel, dass Jennys Mutter bei der Geburt gestorben ist. Im Grunde verdient das nicht die Bezeichnung "Director's Cut", aber wer - wie ich - Filme gern in der gänzlich ungeschnittenen Fassung sehen möchte, kommt dennoch auf seine Kosten.

Da auf jedem der beiden Silberlinge eine Version des Films liegt, steht auch bei beiden ein Audiokommentar zur Verfügung. Ich habe nur kurz reingehört und nehme an, dass für beide Versionen der gleiche Audiokommentar verwendet wurde. Die drei Deleted Scenes sind vernachlässigbar. In der einzig erwähnenswerten erklärt General Kirby einem Polizisten, dass er sich Matrix nicht in den Weg stellen sollte, weil der Mann mit einer Naturgewalt vergleichbar sei. Die Fotogalerien sind selbstablaufend und mit der Filmmusik unterlegt. Es gibt einige Szenenfotos sowie Aufnahmen von den Dreharbeiten. Die Featurettes sind kurz (ca. 15 und ca. 7 Minuten), es handelt sich um die übliche wenig aussagekräftige Zusammenstellung von Interviews (fast alle aus 2007), Filmszenen und kurzen Szenen vom Set.

J. Kreis, 26.04.2008
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