Zurück zu den Filmen

Pathfinder Pathfinder - Fährte des Kriegers Extended Edition (USA/Kanada, 2007)
- Pathfinder -

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: Keine Jugendfreigabe
Laufzeit: ca. 102 Minuten

Extras
Audiokommentar des Regisseurs, 7 nicht verwendete Szenen mit optionalem Audiokommentar des Regisseurs, 7 Featurettes ("Der Anfang", "Das Design", "Die Herstellung", "Die Aufnahme", "Die Stunts", "Aufnahme und Action!", "Marcus Nispel am Set von Pathfinder", "Clancy Brown: Ein Heldenkult"), Konzeptioneller Trailer, Kinotrailer

Regie:
Marcus Nispel

Hauptdarsteller:
Karl Urban (Ghost)
Moon Bloodgood (Starfire)
Russell Means (Pathfinder)
Clancy Brown (Gunnar)




Inhalt:

Jahrhunderte vor der "offiziellen" Entdeckung des amerikanischen Kontinents durch Christoph Kolumbus erreichen Drachenboote der Wikinger die nordamerikanische Küste. Die Wikinger machen dort genau das, wofür sie auch in Europa gefürchtet und verhasst sind: Sie morden, plündern und brandschatzen. Dabei lassen sie einen der ihren zurück: Einen kleinen Jungen, der von den Ureinwohnern gefunden und aufgenommen wird. 15 Jahre später betrachtet sich der inzwischen zum Mann herangewachsene ehemalige Wikinger, der jetzt den Namen "Ghost" trägt und zum Stamm der Wampanoag gehört, als Sohn der Indianer, die ihn gefunden haben. Er wird aber nicht von jedem akzeptiert und muss sich den Respekt des Stammes erst verdienen. Die schöne Starfire verliebt sich jedoch in ihn. Ghost besitzt ein "Erbstück" seines früheren Lebens: Ein mit Runen verziertes Schwert der Nordmänner. Pathfinder, ein weiser Indianer mit seherischen Fähigkeiten, sagt voraus, dass Ghost eine Prophezeiung erfüllen wird. Er wird die Geschichte der Wampanoag verändern.

Eines Tages, als Ghost auf der Jagd ist, kommen die "Drachenmänner" zurück. Sie metzeln alle Dorfbewohner nieder. Als Ghost zurückkehrt, findet er nur noch zerstückelte Leichen vor und kommt gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie sein Ziehvater von Gunnar, dem Anführer der Wikinger, getötet wird. Auch Ghost gerät in Gefahr, doch es gelingt ihm, den Wikingern zu entkommen. Schwer verletzt wird er vom Stamm des Pathfinders gefunden und in dessen Dorf gebracht, wo er gesund gepflegt wird. So bringt dieser Stamm sich selbst in Gefahr, denn Gunnar hat nur ein Ziel: Alle Ureinwohner auszurotten, um das Land besiedeln zu können - und er kann Gunnars Spuren zum Dorf des Pathfinders folgen. Natürlich denkt Ghost keine Sekunde lang daran, sich seinem ehemaligen Volk anzuschließen, an das er ohnehin nur schlechte Erinnerungen hat: Sein eigener Vater hatte ihn damals ausgepeitscht, weil er sich geweigert hatte, sich am Gemetzel zu beteiligen. Stattdessen gibt er sich ganz seiner Rachsucht hin.

Als Ghost wieder auf den Beinen ist, warnt er den Stamm vor der drohenden Gefahr. Während die Indianer nach Osten fliehen, stellt Ghost sich den Wikingern entgegen, wobei er durch Starfire und einen etwas zurückgebliebenen Indianer mehr behindert als unterstützt wird. Auch Pathfinder und ein kleiner Kriegertrupp, der seine Ehre wiederherstellen will, pfuschen Ghost ins Handwerk. Er kann zwar einige Wikinger töten, da er ein stabiles Schwert besitzt, aber die Indianer haben der überlegenen Bewaffnung und Panzerung der Nordmänner nichts entgegenzusetzen. Bis auf Ghost, Starfire und Pathfinder werden alle Krieger getötet. Pathfinder wird zu Tode gefoltert. Auf diese Weise soll Ghost gezwungen werden, den Nordmännern den Weg zum nächsten Dorf zu zeigen. Als Gunnar droht, auch Starfire foltern zu lassen, geht Ghost zum Schein auf die Forderung ein. Er lockt den Wikingertrupp jedoch ins Gebirge, wo er dafür sorgt, dass die ganze Horde von einer Lawine in den Tod gerissen wird. Nun muss er nur noch Gunnar im Zweikampf besiegen, was ihm auch gelingt. Danach schließen Ghost und Starfire, die zum neuen Pathfinder wird, sich den überlebenden Indianern an.

Der Film:

Inzwischen hält man die Anwesenheit der Nordmänner in Amerika ja für eine gesicherte historische Tatsache. Man nimmt an, dass sie Amerika um das Jahr 1000 n.Chr. herum erreicht haben. Die Frage ist: Was wollten sie dort? Und warum haben sie - ganz im Gegensatz zu den Konquistadoren und Kolonisten - fast keine Spuren hinterlassen? Dieser Film, bei dem es sich um ein vermutlich sehr freies Remake eines Abenteuerfilms aus dem Jahre 1987 sowie um die Verfilmung eines Comics handelt (weder den alten Film noch den Comic kenne ich), beantwortet diese Frage auf zwar nicht besonders originelle, aber doch wenigstens unterhaltsame Weise.

Von der Story darf man wirklich nichts erwarten. Im Grunde hat man es sich nur mit der üblichen Rache-Geschichte zu tun, gewürzt mit ein bisschen Liebesromantik und einem winzig kleinen Schuss "Selbstfindung des Helden". Eigentlich geht letzterer Aspekt völlig unter, d.h. bei Ghost ist kein innerer Konflikt erkennbar. Für ihn scheint es nur darauf anzukommen, wie er die Wikinger besiegen kann. Das Geschwafel von "ich muss meinen Weg finden" usw. hat keinen tieferen Sinn. Auf mich wirkt das Ganze wie eine Verwurstung von Motiven aus "Rambo", "Die Hard" und Conan. Dass der Regisseur den Film nach eigener Aussage gern ganz ohne Dialoge gedreht hätte, sagt wohl schon genug, und so bekommt man gut anderthalb Stunden lang hauptsächlich Action und Gemetzel geboten. Aber auch da zeigen sich gravierende Schwächen, vor allem wegen der für die heutige Zeit so typischen hektischen, verwackelten Kameraführung in den Kampfszenen. Dennoch hat die Action durchaus ihre Wirkung, langweilig ist "Pathfinder" jedenfalls nicht. Dass es dem meist halbnackten Ghost gelingt, ganze Gruppen von schwer gepanzerten, bis an die Zähne bewaffneten und berittenen Wikingern im Alleingang auszuknipsen, darf man dabei ganz einfach nicht in Frage stellen. Und man darf sich nicht fragen, wie er sich seine beeindruckenden Kampfkünste mit einer Waffe, die bei den Indianern gänzlich unbekannt ist, wohl angeeignet haben mag. Vielleicht wurde er ja schon als Kind bei den Wikingern trainiert. Na, und wie er es schafft, am Schluss die Lawine zu überleben, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Dass der Film trotzdem einen nicht zu unterschätzenden Schauwert hat, liegt einerseits am interessanten Gegensatz zwischen Indianern und Wikingern, vor allem aber an den Wikingern selbst. Ich habe zwar keine Ahnung, ob die Nordmänner in diesem Film historisch korrekt dargestellt werden, aber im Grunde ist das egal. Man könnte auch sagen: Im Film werden die Wikinger so gezeigt, wie sie in den Augen der Indianer erscheinen, die so etwas noch nie gesehen haben. Deshalb sind sie praktisch alle überlebensgroß, ungemein furchteinflößend und fast nicht menschlich. Sie erinnern übrigens stark an die Uruk-Hai aus Der Herr der Ringe, zumal man nur sehr selten ihre Gesichter sieht. Sie sind fast immer hinter ihren übertrieben martialisch verzierten Helmen (und natürlich auch hinter ihren Bärten) verborgen. Die Indianer, deren Hüttendöfer übrigens laut der Wikipedia tatsächlich so ausgesehen haben, wie es im Film gezeigt wird, sind für diese mythischen Ungeheuern gleichenden Kampfmaschinen nur Schlachtvieh - das ist keine übertriebene Darstellung, wenn man bedenkt, dass die Eingeborenen nur mit Holzstöckchen und Feuersteinwaffen ausgerüstet sind. Ob es nötig war, alle Farben digital so zu überarbeiten, dass man oft meint, man hätte es mit einem Schwarzweißfilm zu tun, darüber kann man wohl geteilter Ansicht sein. Ich finde jedenfalls, dass dadurch und durch den Einsatz von Nebel und Dunkelheit sowie durch die Sprache der Nordmänner (sie sprechen Isländisch) doch eine ganz gute Atmosphäre erreicht wird, die das - in den Augen der Indianer - Fremdartige der Wikinger noch unterstreicht. Auch die explizite Gewaltdarstellung trägt dazu bei und ist deshalb akzeptabel. Dummerweise wird es durch diese Darstellung noch unglaubwürdiger, dass Ghost überhaupt eine Chance gegen die Wikinger hat...

Insgesamt muss man leider sagen, dass "Pathfinder" einer von diesen allzu einfach gestrickten Filmen ist, die man sich besser mit abgeschaltetem oder zumindest durch Zufuhr einiger Bierchen gedimmtem Hirn anschauen sollte. Befindet man sich in einem solchen Zustand, kann man sich ganz gut durch ihn unterhalten fühlen.

Die DVD:

Die "Extended Edition" ist gut 9 Minuten länger als die Kinoversion. Es handelt sich vor allem um Handlungsszenen. In den Kampfszenen wurde darüber hinaus viel CGI-Blut eingefügt.

Die obige Auflistung des Bonusmaterials erweckt den Eindruck, dass die DVD randvoll mit Dokumentationen sei. Dem ist nicht so. Die nicht verwendeten Szenen sind zwar nicht ganz uninteressant (man sieht z.B., wie Ghost auf der Jagd von einem Puma angefallen wird), aber im Film hätte man sie wirklich nicht gebraucht. Die Featurettes sind alle nur zwischen zwei und sechs Minuten lang und enthalten nicht viel mehr als kurze, schnell zusammengeschnittene Schnipsel aus Interviews, Filmszenen und Behind-the-Scenes-Material. Der "konzeptionelle Trailer" muss lange vor Beginn der Dreharbeiten entstanden sein, denn darin ist Ghost ein Jugendlicher und wird nicht von Karl Urban gespielt, außerdem sieht der darin vorkommende Wikinger viel "konventioneller" aus als die Halb-Orks des fertigen Films.

J. Kreis, 10.09.2007
Seitenanfang