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Pans Labyrinth Pans Labyrinth (Mexiko, Spanien, USA 2006)
- El laberinto del fauno -

DVD - Regionalcode 2, Senator Home Entertainment
FSK: 16
Laufzeit: ca. 115 Minuten

Extras
Audiokommentar des Regisseurs, Kinotrailer, Online-Bonus

Regie:
Guillermo del Toro

Hauptdarsteller:
Ivana Baquero (Ofelia)
Ariadna Gil (Carmen Vidal)
Maribel Verdu (Mercedes)
Sergi Lopez (Capitan Vidal)
Doug Jones (Pan)




Inhalt:

Im Jahre 1944, während der Zeit des "blauen Terrors" des Franco-Regimes in Spanien, zieht die kleine Ofelia mit ihrer schwangeren Mutter zu ihrem Stiefvater, dem grausamen Hauptmann Vidal. Der Hauptmann hat eine Militärbasis in einer verlassenen Mühle eingerichtet und führt von dort aus Krieg gegen eine Gruppe von Widerstandskämpfern, die sich in den Bergen eingenistet haben. Vidal, der bei der Verfolgung der Partisanen mit extremster Gewalt vorgeht, interessiert sich nur für eines: Die Geburt seines Sohnes. Carmen und erst recht Ofelia sind ihm gleichgültig. Schon auf dem Weg zu ihrem ungeliebten neuen Zuhause macht Ofelia, die ganz in der Welt ihrer Märchenbücher lebt, eine seltsame Entdeckung. Sie findet eine verwitterte Bildstele mit einer Öffnung, aus der ein riesiges Insekt hervorkriecht. Bei der Mühle gibt es ein uraltes Labyrinth aus zerfallenden Mauern. Ofelias Mutter leidet unter der Schwangerschaft. Deshalb wendet das Mädchen sich Mercedes zu, einer Dienerin des Hauptmanns, zu der sie Vertrauen fasst. Zufällig findet Ofelia heraus, dass Mercedes und Dr. Ferreiro, der ihre Mutter betreut, insgeheim mit den Partisanen zusammenarbeiten und diesen Versorgungsgüter zukommen lassen. Mercedes' Bruder gehört zu den Widerstandskämpfern.

Schon in der ersten Nacht erhält Ofelia Besuch: Das Rieseninsekt kommt in das Zimmer, das sie mit ihrer Mutter teilt. Als Ofelia das Wesen fragt, ob es eine Fee sei, und ihm eine entsprechende Abbildung in einem Märchenbuch zeigt, verwandelt das Insekt sich in eines dieser Fabelwesen und bedeutet dem Mädchen, ihm ins Labyrinth zu folgen. Im Zenrum des Labyrinths führt eine Wendeltreppe in einen Schacht, an dessen Grund Ofelia einem noch phantastischeren Wesen begegnet: Einem riesigen Faun. Er behauptet, Ofelia sei die verlorene Tochter des Königs der Unterwelt, und es sei seine Aufgabe, sie dorthin zurückzubringen. Doch vorher muss sichergestellt werden, dass die Seele der Prizessin nicht schon zu "menschlich" geworden ist. Deshalb muss Ofelia bis zur nächsten Vollmondnacht drei Prüfungen bestehen. Die erste Prüfung besteht darin, eine riesige Kröte zu besiegen, die im Wurzelwerk eines magischen Baumes sitzt und diesen langsam zerstört. Ofelia erfüllt diese Aufgabe, ruiniert dabei aber ein Festtagskleid, das ihre Mutter ihr genäht hat.

Die zweite Prüfung tritt Ofelia verspätet an, denn ihre Mutter erleidet einen Blutsturz. Der Faun ist nicht erfreut, gibt Ofelia aber eine Alraune, die sie unter das Bett ihrer Mutter legen soll. Tatsächlich geht es Carmen danach schnell besser. Doch Ofelia verpatzt die zweite Prüfung. Sie soll einen Dolch aus dem Reich eines eigenartigen Wesens holen, an dessen Tafel sie keinesfalls etwas essen darf. Da sie wegen der Sache mit dem Kleid am Vortag ohne Essen ins Bett musste, hat Ofelia so großen Hunger, dass sie zwei Weintrauben von der Tafel des Wesens isst. Dieses erwacht daraufhin und verfolgt Ofelia. Zwar hat das Mädchen den Dolch erbeutet und kann entkommen, doch der Faun ist zornig und verschwindet - auf Nimmerwiedersehen, wie er androht. Auch in der realen Welt spitzen die Ereignisse sich zu. Vidal kommt Dr. Ferreiro auf die Schliche und erschießt ihn. Carmen entdeckt die Alraune und wirft sie ins Feuer. Prompt setzen die Wehen ein, und da der Arzt tot ist, kann ihr nicht geholfen werden. Ein Sanitäter kann zwar das Baby retten, doch Carmen stirbt.

Als Mercedes merkt, dass Vidal ihr Geheimnis kennt, flieht sie in die Berge, wobei sie Ofelia mitnimmt. Doch Vidal wartet im Wald bereits auf sie. Ofelia wird eingesperrt, Mercedes wird verhört. Die Dienerin entkommt, wird im Wald von berittenen Soldaten gestellt und von den Leuten ihres Bruders gerettet. Die letzte Nacht ist angebrochen: Es ist Vollmond. Da taucht der Faun erneut in Ofelias Zimmer auf und gibt ihr eine letzte Chance. Sie soll ihren neugeborenen Bruder holen und ins Labyrinth bringen. Diese Tat gelingt ihr, denn zur gleichen Zeit greifen die Partisanen die Mühle an. Der Faun verlangt das Blut des Babys - nur durch dieses Opfer ist es angeblich möglich, die Unterwelt zu erreichen. Ofelia weigert sich, woraufhin der Faun verschwindet. Da taucht Vidal auf, der Ofelia gefolgt ist. Er schießt das Mädchen nieder und verlässt das Labyrinth mit seinem Sohn. Doch draußen warten schon die siegreichen Partisanen und töten ihn. Ofelias Blut tropft in den Schacht. Plötzlich findet sie sich im Reich ihres Vaters wieder, zu dessen Seite ihre Mutter sitzt. Auch der Faun ist da. Ofelias Vater erklärt, sie habe die letzte Prüfung bestanden, indem sie lieber sich selbst als das Blut eines Unschuldigen geopfert habe, nun dürfe sie heimkehren. In der realen Welt stirbt Ofelia in Mercedes' Armen.

Der Film:

Wenn ihr euch diesen Film anschauen wollt, dann solltet ihr wissen, dass der von der Werbung erweckte Eindruck nicht ganz richtig ist. Ophelias Erlebnisse mit Pan (der nur wegen Übersetzungsproblemen diesen Namen trägt, im Original heißt er nicht so) und den zu erledigenden Prüfungen, also die Phantastik-Elemente des Films, sind nämlich auf eher kurze Szenen beschränkt. Wer erwartet, vor allem ein Fantasy-Effektspektakel zu sehen, der wird möglicherweise enttäuscht sein. Dennoch solltet ihr euch diesen faszinierenden und recht ungewöhnlichen Film keinesfalls entgehen lassen, denn einerseits haben die wenigen märchenhaften Szenen es wirklich in sich, andererseits sind die "realen" Geschehnisse auf ihre Weise mindestens genauso fesselnd. Handwerklich perfekt, hervorragend ausgestattet und untermalt von einem wunderbaren Soundtrack erzeugt er eine ganz eigentümliche Atmosphäre und enthält Bilder, die man im Gedächtnis behält.

Traum und Realität sind in diesem Film auf verzwickte Weise miteinander verbunden. Man kann zu keinem Zeitpunkt sagen, dass Ofelia sich alles nur einbildet, denn das, was sie erlebt, wirkt in die Realität hinein. Die Alraune ist real und hat den von Pan vorhergesagten Effekt, das Labyrinth samt Schacht gibt es wirklich, Ofelia konnte aus dem abgeschlossenen und bewachten Zimmer entkommen. Dass niemand außer ihr den Faun sehen kann, muss nicht bedeuten, dass er nicht existiert - und dass ihr Körper am Ende sterben muss, damit ihr Geist ins "unterirdische Reich" gelangen kann, wäre ebenfalls plausibel. Hinzu kommen merkwürdige Übereinstimmungen zwischen Realität und vermeintlicher Traumwelt. Es handelt sich meist nur um Details, die man vielleicht gar nicht gleich wahrnimmt (der Regisseur weist im Audiokommentar darauf hin). Besonders deutlich wird das bei Ofelias Abenteuer bei dem "Kinderfresser": Dessen Tafel ähnelt dem Festbankett des Hauptmanns, und er sitzt an dessen Platz. Über den Symbolgehalt all dieser Szenen könnte man vermutlich ganze Essays schreiben. Ich begnüge mich mit dem Hinweis auf ihre visuelle Kraft; besagter "Kinderfresser" ist eine der beeindruckendsten Filmkreaturen, die ich je gesehen habe. Hat der Film also ein Happy-End oder nicht? Ist Ofelia nur in irreale Traumwelten geflohen und am Ende gestorben oder erreicht sie wirklich ihre eigentliche Heimat? Ist all das im Grunde nichts anderes als eine andere Version des christlichen Erlösungsglaubens? Das muss jeder für sich entscheiden.

Wie schon gesagt ist der Film aber noch auf einer zweiten Ebene überaus fesselnd, nämlich in der Darstellung der Verhältnisse in Spanien zur Franco-Zeit. Interessanterweise gibt es nur hierbei explizite Gewaltszenen - und was da gezeigt wird, ist so starker Tobak, dass ich mich über die FSK-16-Freigabe ein wenig wundern muss. Da wird ein Gesicht zertrümmert (wie in "Irreversible"), Menschen wird aus nächster Nähe in den Kopf geschossen und so weiter. Allerdings sind diese Gewaltszenen notwendig, um die Grausamkeit Vidals und den Gegensatz zu Ofelias Welt zu verdeutlichen. Die schauspielerischen Leistungen sind einfach klasse. Sergi Lopez spielt den faschistischen Hauptmann trotz einer manchmal beinahe karikaturhaften Übertreibung so überzeugend, dass er auch in eigentlich harmlosen Szenen ungemein bedrohlich wirkt. Gerade die Szenen, in denen er im Mittelpunkt steht, lassen erkennen, welcher Wert auf kleinste Details gelegt wurde. Die Art, wie er z.B. seine Handschuhe zurechtzieht (dazu dann das überdeutliche Knarren des Leders) oder wie er die Uhr seines Vaters repariert usw., überhaupt seine ganze Körpersprache machen deutlich, was für ein gefühlloser, pedantischer, auf totale Kontrolle bedachter Mensch er ist. Ariadna Gil (Carmen) hat ebenfalls einige enorm starke Szenen. Man nimmt ihr sofort ab, dass sie sich befreien und sogar den Hauptmann außer Gefecht setzen kann. Dem gegenüber bleibt Ivana Baquero (Ofelia) etwas blass, aber das ist bei den herausragenden Leistungen der anderen Schauspieler kein Vorwurf. Pan ist eine ambivalente Figur, und es ist schon erstaunlich, dass Doug Jones es trotz der Maske schafft, diese Figur gleichzeitig sympathisch und gefährlich erscheinen zu lassen.

Die DVD:

Einziges erwähnenswertes Extra dieser DVD ist der Audiokommentar des Regisseurs. Es gibt den Film auch in einer "Limited Edition", die massenweise Bonusmaterial enthält.

Aber auch der Audiokommentar kann sich sehen bzw. hören lassen. Guillermo del Toro spricht zwar leicht akzentbehaftetes Englisch, ist aber doch gut zu verstehen. Außerdem sind deutsche Untertitel vorhanden. Wie oben bereits erwähnt, weist der Regisseur den Zuschauer auf all die vielen Details hin, die man zunächst vielleicht gar nicht wahrnimmt, und erläutert deren Bedeutung. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf frühere Filme del Toros (z.B. "Cronos" und "The Devil's Backbone") sowie auf Filme anderer Regisseure und Bücher wie "Alice im Wunderland". Er verrät auch seine eigene Interpretation des Geschichte - wie ich ist er der Meinung, dass Ofelias "Traumwelt" durchaus real ist. Darüber hinaus erfährt man viel über den Entstehungsprozess. Es ist unglaublich, wie viel Wert auf Kameraführung, Farbgebung und dergleichen gelegt worden ist. Man muss sich so etwas wirklich mal von einem Regisseur erklären lassen, um zu begreifen, worin sich ein lieblos abgedrehter Massenware-Film von einem echten Meisterwerk wie "Pans Labyrinth" unterscheidet...

J. Kreis, 15.08.2007
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