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Pandorum Pandorum (USA / D, 2009)

BluRay, Constantin Film
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 108 Minuten

Extras
- Making of - The World of Elysium
- Nicht verwendete, verlängerte und alternative Szenen
- Hauptfilm mit Storyboard-Einblendung
- Interviews
- Blick hinter die Kulissen
- Bildgalerien
- Darstellerinfos (Text)
- Audiokommentare

Regie:
Christian Alvart

Hauptdarsteller:
Dennis Quaid (Lt. Payton)
Ben Foster (Corporal Bower)
Antje Traue (Nadia)
Cam Gigandet (Corporal Gallo)
Cung Le (Manh)
Eddie Rouse (Leland)




Inhalt:

Ende des 22. Jahrhunderts leben weit über zwanzig Milliarden Menschen auf der Erde. Die natürlichen Ressourcen sind erschöpft, alle Menschen leiden unter der Wasser- und Nahrungsknappheit. Dann wird der erdähnliche Planet Tanis entdeckt. Ein gigantisches Raumschiff, die ELYSIUM, soll 60.000 Freiwillige in Kälteschlafkapseln zur neuen Heimat der Menschheit bringen. Mit an Bord ist eine riesige Genbibliothek, die auf Tanis zur Nachzucht der irdischen Flora und Fauna eingesetzt werden soll. Die ELYSIUM startet im Jahr 2174. Sie wird ihr Ziel erst nach 123-jährigem Flug erreichen. Es sind immer nur dreiköpfige Flugteams wach. Die anderen ruhen im künstlichen Hyperschlaf, bis ihre zweijährige Schicht beginnt. Schon kurz nach dem Start fängt die ELYSIUM eine Funkbotschaft von der Erde auf, in der mitgeteilt wird, die Besatzung des Schiffes sei alles, was von der Menschheit übrig sei. Tatsächlich ist die Erde trotz intensiver Scans nicht mehr zu finden. Der Planet scheint aus unbekannten Gründen völlig vernichtet worden zu sein.

Eines Tages werden Corporal Bower und Lieutenant Peyton vom Flugteam 05 aus dem Hyperschlaf geweckt. Niemand aus der Crew der vorherigen Schicht ist anwesend, der dritte Mann aus ihrer eigenen Crew fehlt ebenfalls - seine Schlafkammer ist leer. Bower und Peyton sind völlig orientierungslos. Sie wissen nicht, wieviel Zeit seit dem Start oder seit ihrer letzten Schicht vergangen ist, und sie können sich praktisch an nichts erinnern. Der Gedächtnisverlust ist eine Folge des langen Kälteschlafes; die Erinnerungen kehren nur nach und nach zurück. Bower vermutet, dass der Schiffscomputer sie erweckt hat, weil es zu einer schwerwiegenden Störung gekommen ist. Der Hauptreaktor funktioniert nicht mehr richtig und es steht kaum noch Energie zur Verfügung, außerdem kommt es immer wieder zu Energieausbrüchen. Der Reaktor wird bald ganz ausfallen, und das wäre das Ende der ELYSIUM. Bower und Peyton können die Brücke nicht erreichen, denn das Schott ihrer Kälteschlafsektion ist verschlossen. Es gelingt Peyton immerhin, eine Kommandokonsole mit Notstrom in Betrieb zu nehmen. So kann er Bower per Funk durch die engen Versorgungsschächte lotsen, die der einzige Weg nach draußen sind. Bower merkt schnell, dass viel mehr Zeit vergangen sein muss als gedacht, und dass in der ELYSIUM mehr als nur der Reaktor defekt ist. Er stößt auf die Leichen anderer Besatzungsmitglieder. So hat der dritte Mann seiner Schicht ebenfalls versucht, durch die Schächte zu kriechen, und ist dabei steckengeblieben. Ein anderer hängt in einer von vielen Fallen, die Unbekannte überall im Schiff aufgestellt haben. Bower wird von einer jungen Frau angegriffen. Sie flieht jedoch, als bizarre humanoide Wesen auftauchen, die in den Korridoren des Raumschiffes nach Beute jagen.

Bower begegnet noch anderen Überlebenden und verbündet sich schließlich mit Manh, einem Mitglied des Agrarteams, und mit der jungen Frau, die ihn angegriffen hatte. Ihr Name ist Nadia, sie ist eine der für die Genbibliothek zuständigen Biologen. Sie geht davon aus, dass es sich bei den Kannibalen um mutierte Menschen handelt. Alle Besatzungsmitglieder der ELYSIUM wurden durch so genannte "Beschleuniger" genetisch manipuliert, um eine schnelle Anpassung an die neuen Umweltbedingungen auf Tanis zu erreichen. Offenbar wurden vor längerer Zeit aus unbekannten Gründen zahlreiche Schläfer erweckt, und diese bzw. deren Nachkommen haben sich nun an die Verhältnisse im Raumschiff angepasst. Auf dem Weg zum Reaktor müssen sich die drei Menschen immer wieder der Kannibalen erwehren. Schließlich fallen sie dem Koch Leland in die Hände. Er ist schon seit sehr langer Zeit wach und hat sich in einem sicheren Bereich verschanzt. Bower kann ihm klar machen, dass das Schiff kurz vor der Vernichtung steht. Leland verzichtet daher darauf, die drei Menschen zu verspeisen, und schließt sich ihnen an. Außerdem erzählt er ihnen, was nach dem Start der ELYSIUM geschehen ist. Ein Mitglied der damaligen Rumpfcrew ist wahnsinnig geworden und hat die beiden anderen umgebracht. Dann hat er zahlreiche Schläfer erweckt, um sie zu missbrauchen, zu foltern und zu manipulieren. Aus Überdruss hat er sich dann aber in den Kälteschlaf zurückgezogen und das Schiff sowie die Erweckten sich selbst überlassen. Diese sind in der langen Zeit mutiert, sie können sich aber auf normalem Wege vermehren.

Allmählich kehren Bowers Erinnerungen zurück. Er weiß nun, dass Peyton nicht der ist, für den er sich ausgibt. Tatsächlich leidet Peyton bereits an immer schlimmer werdenden Wahnvorstellungen. Bestandteil seiner Halluzinationen ist ein Corporal namens Gallo, mit dem er schließlich verschmilzt - in Wahrheit ist er Gallo, und er ist derjenige, der damals seine Kameraden getötet und danach Gott gespielt hat. Derweil erreichen Bower und seine Freunde den Reaktor. Ausgerechnet den Reaktorraum haben sich die Mutanten als Nest ausgesucht. Nachdem es Bower in letzter Minute gelungen ist, den Reaktor neu zu starten, so dass alle Systeme des Schiffes wieder mit Energie versorgt werden, müssen die vier Menschen fliehen. Manh fällt einem Mutantenkind zum Opfer. Leland erreicht die Zentrale als erster und wird von Peyton getötet, der dort schon vorher angekommen ist. Als Bower und Nadia eintreffen, öffnet Peyton die Sichtblenden der Kommandokanzel. Es stellt sich heraus, dass die ELYSIUM schon seit 800 Jahren auf dem Meeresgrund des Planeten Tanis liegt - somit sind mindestens 923 Jahre seit dem Start vergangen! Peyton dreht völlig durch, es kommt zum Kampf. Dabei wird die Kanzel beschädigt, Wasser dringt ein. Bower und Nadia können das Schiff mit einer Kälteschlafkammer (die gleichzeitig als Rettungskapsel dient) verlassen. Der seit dem Reaktorneustart wieder voll funktionsfähige Bordcomputer erkennt den Hüllenbruch und die drohende Flutung des Schiffes. Daher werden alle noch funktionsfähigen Kälteschlafkammern ausgestoßen. Somit bricht das Jahr 1 des Planeten Tanis an. Die Bevölkerung beläuft sich auf 1213 Menschen.

Der Film:

Pandorum ist der Name der Psychose, unter der die Besatzungsmitglieder der ELYSIUM leiden. Aufgrund des langen Aufenthalts im Weltraum entwickeln sie paranoide Wahnvorstellungen; sie halluzinieren und werden aggressiv gegen andere Menschen.

Schon komisch: Manchmal sieht man kurz hintereinander Filme, die sich sehr ähneln. In diesem Fall ist das Cargo, ein ebenfalls 2009 produzierter und im April 2010 auf BluRay erschienener Film, den ich erst vor einer Woche gesehen habe. "Cargo" kommt übrigens aus der Schweiz, "Pandorum" ist eine deutsch-amerikanische Koproduktion. Während "Cargo" Informationen aus dem Internet zufolge nur umgerechnet ca. 3,5 Mio. Euro gekostet hat, soll "Pandorum" ein Budget von 30 bis 40 Mio. Dollar gehabt haben...

Die Ausgangssituation ist in beiden Filmen fast dieselbe, nur erfüllt "Pandorum" die Erwartungen des Zuschauers besser als "Cargo". Das betrifft einerseits die Spezialeffekte, die doch in einer ganz anderen Liga spielen als jene der schweizerischen Produktion (die ich damit aber gar nicht abwerten will), und andererseits den Gegenstand der Bedrohung - sprich: Die Monster. In beiden Filmen wird dieselbe Erwartungshaltung geweckt, d.h. der Zuschauer soll sich vor dem im Dunkeln lauernden Bösen fürchten. In "Cargo" stellt sich jedoch heraus, dass der gefährliche Unbekannte, auf den die Protagonistin während ihrer einsamen Schicht stößt, gar nicht so bedrohlich ist. Es ist kein Monster, sondern nur ein alter Mann mit Bart, der gleich nach seiner Entdeckung den Löffel abgibt. Nicht so in "Pandorum". Da wimmelt das Schiff nur so vor grässlich mutierten Kannibalen. Und genau das ist das Problem. Denn die Hauptdarsteller sind die meiste Zeit nur damit beschäftigt, vor den überstarken und extrem schnellen Wesen davonzulaufen oder von ihnen attackiert zu werden, und das Ganze wird durch exzessiven Einsatz von Wackelkamera und Zeitraffer auch noch so unübersichtlich, dass man kaum etwas erkennt. Ein paar Verfolgungsjagden weniger und etwas mehr Handlung hätten dem Film gut getan. Bei all der Action bleibt kaum Zeit für eine Ausarbeitung der Story oder der Charaktere.

Das ist schade, denn der Film hätte durchaus Potenzial. Er beginnt jedenfalls unglaublich stark. Die kurze Einführung, der Abflug der ELYSIUM und Bowers offensichtlich extrem schmerzhaftes Erwachen aus dem Hyperschlaf, gemischt mit Traumszenen von seiner Frau in strahlend weißem Licht - diese Szenen sind ungemein beeindruckend. Auch das allmähliche Herantasten an die unerwartete, komplett unbekannte Situation und die Versuche, aus dem abgeschlossenen Raum zu entkommen, wissen zu gefallen. Ebenso wie Bower weiß man zunächst nicht, was in der ELYSIUM geschehen sein mag und auf welche Gefahren er in den düsteren, teils zerstörten, verrottenden und zerfallenden Räumen und Korridoren des Schiffes stoßen mag. Diese Anfangsphase ist spannend, es entsteht eine unheimliche Atmosphäre und man erwartet die nächsten Szenen mit gespannter Erwartung. Dann wird Bower von Nadia angesprungen (warum läuft die eigentlich barfuß, wenn nebenan mehrere mit Stiefeln gefüllte Schuhschränke stehen?) und von den Mutanten gejagt - und der Film kippt. Von diesem Moment an geht es nur noch um den Kampf gegen die Monster, unterbrochen durch einige etwas zu geschwätzige Szenen, in denen die Geschehnisse der Vergangenheit rekapituliert werden. Da geht die Originalität verloren. Immerhin sorgt der Plot-Twist am Ende noch einmal für einige gute Momente, und vor allem gibt es ein Happy End. Ich liebe Happy Ends.

Positiv hervorzuheben sind die Effekte, die Sets und nicht zuletzt die Schauspieler. Die ELYSIUM sieht innen wie außen großartig aus, Computergrafiken sind nicht als solche zu erkennen. Die großen Sets wirken jederzeit überzeugend. Man sieht dem Schiff richtig an, wie alt es schon sein muss. Es wurde viel mit realen Kulissen gearbeitet, und auch mit "klassischen" maskenbildnerischen Effekten, was ich immer lobenswert finde. Die Mutanten sind beeindruckend hässlich und furchteinflößend (soweit man das bei der hektischen Schnittfolge sagen kann), außerdem geht der Film nicht zimperlich mit der Gewaltdarstellung um. Dennis Quaids Figur hat zwar bis gegen Ende des Films kaum mehr zu tun, als über Funk zu fragen, ob Bower noch da ist, aber am Ende darf er noch einmal aufdrehen. Ben Foster hält sich ebenfalls nicht zurück, man kann seine Leiden, z.B. beim schon erwähnten Erwachen aus dem Kälteschlaf, quasi nachempfinden. Besonders beeindruckt war ich aber von Antje Traue, einer deutschen Schauspielerin, die ich bisher gar nicht kannte. Sie verkörpert die ebenso wortkarge wie kampfstarke (und sehr sexy daherkommende) Überlebende, die auch verletztliche Seiten hat, ganz hervorragend. Wobei ich mich allerdings fragen muss, von wem Nadja erweckt wurde und wo die Wissenschaftlerin solch enorme Kampfkünste erlernt hat. Auch andere Fragen bleiben offen, z.B. erfährt man nicht, was wirklich mit der Erde geschehen ist, woher der Koch weiß, was Gallo getan hat, oder warum Manh eine fremde Sprache spricht.

Die BluRay:

Richtige Filmdokumentationen sind zwar nicht vorhanden, aber wenn man das "Making of" (die übliche Werbe-Featurette), den "Blick hinter die Kulissen" (unkommentierte Aufnahmen der Dreharbeiten verschiedener Szenen) und die Interviews (z.T. schon im "Making of" enthalten) zusammennimmt, kommt man immerhin auf eine Gesamtlaufzeit von 45 Minuten und erhält einen fragmentarischen Einblick in den Produktionsprozess. Zum Beispiel sieht man, wie die Mutanten-Masken entstanden sind und dass weitläufige Kulissen im Originalmaßstab gebaut wurden. Die Interviews sind offensichlich ursprünglich viel länger gewesen - warum wurden die nicht in voller Länge verwendet? In der jetzigen Form haben sie kaum mehr Inhalt als Lobhudeleien und das Wiederkäuen der Handlung. Lustig: Bei den Dreharbeiten wurde ziemlich viel deutsch gesprochen.

Man kann sich den Film mit Audiokommentaren und mit Storyboard-Einblendungen anschauen, aber das habe ich noch nicht ausprobiert. Hinzu kommen zahlreiche nicht verwendete Szenen, die aber meist uninteressant sind. Nur eine ist erwähnenswert: Darin überlebt Peyton den Wassereinbruch. Gallo, sein imaginiertes Alter Ego, ist ebenfalls anwesend. Gallo fragt Peyton, was er jetzt tun wolle, da er doch Captain der ELYSIUM sei (alle anderen Menschen wurden ja hinauskatapultiert). Daraufhin setzt Peyton ein unangenehmes Grinsen auf...


J. Kreis, 28.04.2010


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