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OSS 117 OSS 117 - Er selbst ist sich genug (Frankreich, 2009)
- OSS 117: Rio ne repond plus -

DVD Regionalcode 2, Koch Media
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 107 Minuten

Extras
- Audiokommentar (Regisseur und Hauptdarsteller)
- Making of: Karneval in Rio (24:21 Min.)
- Entfallene Szenen (6:10 Min.)
- Outtakes (11.07 Min.)
- Die Premiere: Pulverfass Provinz (11:07 Min.)
- Trailer und Teaser

Regie:
Michel Hazanavicius

Hauptdarsteller:
Jean Dujardin (Hubert Bonisseur de La Bath - Agent "OSS 117", alias Noel Flantier)
Louise Monot (Dolores Koulechov)
Rüdiger Vogler (Professor von Zimmel, alias Octavio Pela Luerdo)
Alex Lutz (Friedrich von Zimmel, alias Heinrich von Zimmel)
Reem Kherici (Fräulein Frieda alias Carlotta)
Ken Samuels (William Trumendous - "Bill")




Inhalt:

Man schreibt das Jahr 1967. Nachdem er in Gstaad eine schöne Comtesse vor der zudringlichen Bande eines gewissen Mr. Li beschützt hat, macht sich Hubert Bonisseur de La Bath, Frankreichs Top-Geheimagent mit der Codenummer OSS 117, auf den Weg nach Rio de Janeiro. Dort soll er Professor von Zimmel treffen. Dieser Alt-Nazi versteckt sich seit dem Ende des zweiten Weltkrieges in Brasilien, wo er Ringkämpfe organisiert. Jetzt will er Frankreich erpressen, denn er besitzt einen Mikrofilm mit den Namen französischer Nazi-Kollaborateure. Der Geheimdienst ist bereit zu zahlen, OSS 117 soll das Geld überbringen. In Rio gibt sich OS 117 als Journalist Noel Flantier aus und muss sich mit diversen Chinesen auseinandersetzen, die sich dafür rächen wollen, dass er ihre zu Mr. Lis Bande gehörenden Verwandten erschossen hat. Vor einem wird er von seinem alten Freund, dem CIA-Agenten Bill Trumendous gerettet. Im Hotel macht sich die schöne Carlotta an ihn heran, verschwindet aber sogleich wieder. Wenig später wird er zur Geldübergabe auf eine Aussichtsplattform zitiert, gerät dort aber ins Kreuzfeuer. Unbekannte retten ihn, die sich als Mossad-Agenten vorstellen. Er soll mit Oberstleutnant Dolores Koulechov zusammenarbeiten, um von Zimmel festzunehmen, damit ihm in Israel der Prozess gemacht werden kann.

Am nächsten Tag muss OSS 117 einen weiteren Anschlag deutscher und chinesischer Killer abwehren. Dann fragt er in der deutschen Botschaft vergeblich nach einer Liste alter Nazis. Zusammen mit Dolores sucht er Trumendous auf, der zwar nicht weiß, wo von Zimmel lebt, aber immerhin Informationen über dessen Sohn Heinrich hat. Von Zimmel jr. lebt in einer Hippiekommune und ist bereit, den beiden Agenten bei der Suche nach seinem verhassten Vater zu helfen. Nach einer Nacht voller Harmonie, Drogen und freier Liebe, die OSS 117 bei den Hippies verbringt, geht es per Flugzeug weiter nach Brasilia. Dort lebt ein Geschäftspartner des Professors, über den man an Heinrichs Vater herankommen könnte. Der Pilot ist aber ein weiterer trauernder Hinterbliebener der von OSS 117 niedergemetzelten Chinesen und springt ab. OSS 117 bringt eine Notlandung zustande, und nach einem beschwerlichen Marsch durch den Dschungel ist Brasilia endlich erreicht. Heinrich findet heraus, dass sein Vater noch am selben Abend auf einem Kostümball erscheinen will. Verkleidet schmuggelt man sich dort ein. Merkwürdig nur, dass alle Gäste (bis auf OSS 117 und Dolores) in SS-Uniform erscheinen - auch Heinrich, der sich als glühender Anhänger seines Vaters outet, und Carlotta, die ebenfalls für von Zimmel arbeitet. Dessen Ziel besteht in der Errichtung des Fünften Reichs.

Der Professor hat OSS 117 bereits erwartet, denn die ganze Geschichte mit der Geldübergabe war nur ein Ablenkungsmanöver. In Wahrheit hat von Zimmel OSS 117 nur nach Rio gelockt, um zwei Mikrofilme aus dessen Brust herausoperieren zu können, die er selbst vor Jahren dort eingepflanzt hat: Einen mit der besagten Namensliste und einen zweiten mit Informationen über Bankkonten, auf denen gewaltige Nazi-Vermögen lagern. Der Professor hatte dem Agenten seinerzeit ein Elixier verabreicht, das ihn alles vergessen ließ, und ihn so als lebendigen Tresor benutzt. Mit Dolores' Hilfe kann sich OSS 117 befreien und die Nazis besiegen. Der Professor entkommt. OSS 117 verfolgt ihn bis zu einem Wasserfall, wo er von heftigem Schwindel gepackt wird: Seit einem tragischen Zirkusunfall leidet der Agent unter Höhenangst. Die Kontrahenten stürzen ab und erwachen wenig später im selben Krankenzimmer. Dem Professor gelingt erneut die Flucht. Als OSS 117 sich noch einmal mit Bill trifft, muss er erfahren, dass die CIA den Auftrag hat, von Zimmel (der wichtige Informationen anzubieten hat) vor dem Mossad zu schützen. Wieder sorgt ein Li-Banden-Familienmitglied für genug Ablenkung, so dass OSS 117 und Dolores Bill ausschalten und den alten Nazi bis zur Christusstatue verfolgen können.

Von Zimmel will sich von der Statue stürzen. OSS 117 besiegt seine Höhenangst und rettet von Zimmels Leben. Er überlässt ihn dem Mossad, womit er Dolores' Herz gewinnt. Für die Rückeroberung der Namensliste (auf der auch sein Chef erscheint) winkt OSS 117 die Aufnahme in die Ehrenlegion. Doch zunächst erhält er einen neuen Auftrag. Er soll nach China reisen, denn dort hält ein gewisser Mr. Li 50 Franzosen gefangen und will nur mit OSS 117 verhandeln...

Der Film:

Nicht lange nach dem zweiten Weltkrieg ist der erste Roman einer Reihe von Agententhrillern mit der Hauptfigur Hubert Bonisseur de La Bath alias OSS 117 erschienen. Autor war der Franzose Jean Bruce. Die Romane wurden verfilmt; der erste Film ist sogar noch vor dem ersten Kino-Abenteuer James Bonds entstanden. Sowohl die Romane als auch die Filme sind "ernst" gemeinte Thriller. Im Jahre 2006 erschien mit OSS 117 - Der Spion, der sich liebte eine Parodie dieser Filme, die so erfolgreich war, dass ein zweiter Teil nicht allzu lange auf sich warten ließ. Machart und Klischees der alten Agentenfilme werden aber eigentlich gar nicht veralbert oder persifliert, sondern nur genauso verwendet, wie es damals der Fall war - und dadurch entsteht witzigerweise gerade erst der Humor. Das Ganze geschieht auf so liebevolle Art und Weise, dass man auch von einer Hommage sprechen kann. "Er selbst ist sich genug" spielt in den Sechzigern und hat genau den Look dieser Zeit. Bühnenbilder, Ausstattung, Musik, Kostüme, Fahrzeuge, Frisuren usw. wurden originalgetreu nachempfunden. Alles ist schön bunt und poppig - genau wie damals. Aber nicht nur das: Bei den Effekten wurde genauso vorgegangen. Auf moderne Tricktechnik wurde fast völlig verzichtet, stattdessen fahren z.B. Autos stets vor Rückprojektionen, "erschossene" Gegner fliegen durch die Luft, als wären sie von einem Elefanten getreten worden, aber Blut ist keins zu sehen (OSS 117 kriegt natürlich nie auch nur einen Kratzer ab), und die Bildqualität ist manchmal absichtlich so grobkörnig (z.B. bei Huberts Erinnerungen an seine Zeit als Zirkusartist), dass man wirklich glauben könnte, einen Film aus den Sechzigern zu sehen. Man muss übrigens weder die alten Agentenfilme noch "Der Spion, der sich liebte" kennen, um "Er selbst ist sich genug" genießen zu können.

"Er selbst ist sich genug" ist nicht als beliebige Abfolge witziger Szenen angelegt, sondern funktioniert durchaus als eigenständiger Film mit richtiger Story, Spannungsaufbau und Happy-End. Wie James Bond reist OSS 117 nach einer kurzen Einführungsszene und dem Missions-Briefing zu exotischen Schauplätzen, wo er diversen undurchsichtigen Gestalten und schönen Frauen begegnet. Gegner sind wieder mal die Nazis, diesmal kommen aber als Running-Gag die Angehörigen der Mr.-Li-Gang dazu, die immer wieder für unerwartete Wendungen im Handlungsverlauf sorgen. Außerdem muss sich OSS 117 sowohl mit Hippies als auch mit den Gefahren des Dschungels herumschlagen (man kann nicht sagen, was schlimmer für ihn ist) und am Ende einen größenwahnsinnigen Superschurken unschädlich machen. Klingt eigentlich alles so, als habe man es mit einem neuen Abenteuer James Bonds zu tun, oder? Die Story selbst macht den Film also nicht zur Parodie. Vielmehr könnte man sie ebensogut für einen "ernsthaften" Agentenfilm verwenden - wäre da nicht die Mischung aus Slapstick, Situationskomik und köstlichen Dialogen, vor allem aber die von Jean Dujardin schlichtweg perfekt verkörperte trottelig-charmante Hauptfigur, deren politische Unkorrektheit immer hart an der Grenze des Tolerierbaren entlangschrammt.

Hubert Bonisseur de La Bath ist zwar unfähig, unbeholfen, ahnungslos und ziemlich schwer von Begriff, aber das hält ihn nicht davon ab, sich für einen unbesiegbaren Superagenten zu halten und seiner gesamten Umwelt mit herablassender Macho-Allüre zu begegnen. Er ist ein frauen- und schwulenfeindlicher, erzspießiger Rassist und kann über die langhaarigen Jugendlichen der Hippie-Kommune nur den Kopf schütteln. Er merkt gar nicht, wie er von einem Fettnapf in den nächsten stapft und hält sich für unwiderstehlich. Diesmal aber eckt er mit seiner selbstgefälligen Art viel mehr an als in seinem ersten Abenteuer und muss sich von Dolores richtig Paroli bieten lassen. Wie üblich erkennt er selbst die einfachsten Zusammenhänge nicht und geht unglaublich naiv vor. So führt ihn einer seiner ersten Wege in Rio in die deutsche Botschaft, wo er sich nach einer Liste mit den Namen und Adressen von Alt-Nazis erkundigt und gar nicht begreifen kann, dass die Deutschen so etwas nicht in der Schublade liegen haben. Eigentlich ist OSS 117 ein unerträgliches Arschloch, aber irgendwie kann man ihm nie böse sein und schließt ihn schnell ins Herz. "Er selbst ist sich genug" ist zwar ein besserer Film als "Der Spion, der sich liebte", aber er ist eben deswegen nicht ganz so lustig. Ein klamaukiges Gag-Feuerwerk nach dem Vorbild von "Die nackte Kanone" oder "Austin Powers" darf man jedenfalls nicht erwarten.

Erneut liefert Oliver Kalkofe sowohl den deutschen Text als auch Jean Dujardins deutsche Synchronstimme. Wenn man das nicht wüsste, würde man es fast nicht bemerken. Kalkofe bemüht sich zum Glück nicht, "witzig" zu sprechen, denn das würde nicht zur Hauptfigur passen. Ob alle Wortspiele treffend übersetzt wurden, kann ich nicht beurteilen, denn von meinem Schulfranzösisch ist nicht viel übrig. A propos, vielleicht könnt ihr mir helfen: Was ist an dem Namen "Noel Flantier" eigentlich so lustig?

Die DVD:

Durch das Making of, bei dem ebenso wie im Film oft mit Splitscreens gearbeitet wird, werden einige interessante Einblicke in die Dreharbeiten vermittelt. So wurde tatsächlich in Rio de Janeiro gedreht, was sicher nicht unerheblich zur guten Stimmung im Produktionsteam beigetragen hat. Der Rassismus der Hauptfigur ist ebenfalls ein Thema. Man kann dem Regisseur beipflichten, wenn er sagt, dass das schon deshalb kein Problem ist, weil wirklich jeder aufs Korn genommen wird, auch und gerade Frankreich.

Die nicht verwendeten Szenen sind nicht weiter interessant. So bekommt man z.B. zu sehen, dass OSS 117 noch ins abgestürzte Flugzeug zurückläuft, um Heinrichs Gitarre zu retten, oder dass er zuerst die leicht geschürzte Dolores, dann aber seinen speziellen Freund aus der Hippiekommune imaginiert, um sich von den Schmerzen der Mikrofilm-Operation abzulenken... Die Outtakes bestehen vor allem aus Szenen, die Jean Dujardin verpatzt hat, weil er einfach nicht ernst bleiben kann.

Hinzu kommt eine Featurette über verschiedene Premierefeiern in Frankreich. Regisseur und Schauspieler haben sich dabei den Fragen des Publikums gestellt, und dabei sind einige witzige Antworten herausgekommen.



Screenshots


OSS 117

Bill (rechts): "You asslicking Cocksucker! Motherfucking Son of a Bitch!" Hubert (links): "Ja, genau, haha!"


OSS 117

Dolores und OSS 117 gut getarnt auf der SS-Kostümparty.


OSS 117

Fräulein Frieda und Prof. von Zimmel: Mit solch überzeugenden Argumenten hat man gut Lachen!


OSS 117

Das wird jetzt ein bisschen weh tun...


OSS 117

Wilde Verfolgungsjagden, knisternde Erotik - das ist OSS 117!


OSS 117

Showdown überm Stigma - jetzt nur nicht nach unten gucken!


J. Kreis, 17.08.2010


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