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OSS 117 OSS 117 - Der Spion, der sich liebte (Frankreich, 2006)
- OSS 117: Le Caire nid d'espions -

DVD Regionalcode 2, Koch Media
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 95 Minuten

Extras
Audiokommentar von Regisseur Michel Hazanavicius und Jean Dujardin, Originaltrailer

Regie:
Michel Hazanavicius

Hauptdarsteller:
Jean Dujardin (Hubert Bonisseur de La Bath - Agent "OSS 117", alias Lucien Bramard)
Berenice Bejo (Larmina El Akmar Betouche)
Philippe Lefebvre (Jack Jefferson - Agent "OSS 283")
Aure Atika (Prinzessin Al Tarouk)
Francois Damiens (Raymond Pelletier)
Constantin Alexandrov (Leventi Setine)




Inhalt:

Keine Frau kann Hubert Bonisseur de La Bath, einem französischen Top-Agenten mit der Codebezeichnung "OSS 117", widerstehen. So landet auch Prinzessin Al Tarouk, Nichte des jüngst von Nasser gestürzten ägyptischen Königs Farouk, in seinem Bett. Von ihr erbeutet er einen Umschlag mit Geheimunterlagen, zu denen ein Foto gehört. Es zeigt die Leiche Jack Jeffersons, des für Ägypten zuständigen Agenten Nr. OSS 283. Jack, Huberts bester Freund, hat seit einem Monat nichts mehr von sich hören lassen, jetzt ist sein Schicksal klar. Hubert soll die Lage in Kairo klären und für Ruhe im Nahen Osten sorgen. In diesem Hexenkessel bekämpfen sich Agenten aller Großmächte, muslimische Extremisten (die "Adler von Keops") sorgen für zusätzliche Probleme, und obendrein ist der russische Frachter KAPOV spurlos verschwunden. Hubert reist nach Kairo und tritt unter dem Decknamen Lucien Bramard als Jeffersons Geschäftspartner auf. Jack hatte zur Tarnung eine Hühnerzucht betrieben. Huberts Kontaktperson ist Larmina El Akmar Betouche, Jeffersons "Sektretärin". Sie führt ihn in die besseren Kreise der Gesellschaft ein.

OSS 117 muss mehrere Anschläge der lokalen Agenten-Kamarilla abwehren (auch seine alte "Freundin", die Prinzessin, mischt wieder mit) und des Nachts für Ruhe sorgen - was es mit dem heulenden Mann auf dem Minarett auf sich hat, erfährt er erst am nächsten Tag: Er hat den Muezzin niedergeschlagen. Das bringt das Fass zum Überlaufen; die Adler von Keops sind nun zum Losschlagen bereit. Larmina lockt Hubert in eine Falle, denn auch sie gehört zu den Untergrundkämpfern. Hubert wird mit einem Gewicht am Bein ins Meer geworfen, kann sich aber befreien. Unter Wasser entdeckt er die sterblichen Überresten von Larmias Vater, der von den Keops-Adlern ermordet worden ist. Bei einem Abstecher zu den Russen erfährt Hubert, dass in Kairo finstere Waffengeschäfte abgewickelt werden. Nachdem er die Behörden vor den Extremisten gewarnt hat, fällt OSS 117 einer Gruppe von Alt-Nazis in die Hände. Deren Chef, Oberst Moeller, lockt Hubert in eine Pyramide, wo er auch Larmia gefangen hält. Moeller will sich rächen: Hubert und Jack haben vor zehn Jahren die Pläne für die V2-Rakete erbeutet und dabei einen gewissen Oberst von Umsprung getötet - Moellers besten Freund. Für Jacks Tod ist Moeller aber nicht verantwortlich.

Es gelingt Hubert, sich und Larmia zu befreien, wobei er gleichzeitig die Nazis für immer in der Pyramide einsperrt. Larmia nimmt an, dass nur ein Mann vom Tod ihres Vaters profitiert: Der Imam der Adler von Keops. Da sie sich an ihm rächen will, hilft sie Hubert. Sie horcht den Imam aus und bringt in Erfahrung, dass die Waffenübergabe noch am selben Abend erfolgen soll. Nachdem er auch noch seinen Hühnerzucht-Rivalen ausgeschaltet hat, begibt sich Hubert zum Pier, wo die mit Waffen beladene KAPOV schon bereit liegt. Es zeigt sich, dass Jack hinter allem steckt. Er ist keineswegs tot, sondern hat sich nur einen lukrativeren Job gesucht. Jack will dem Imam die Freude überlassen, Hubert zu töten. Doch Larmia knockt den Geistlichen aus. Jack wird von Prinzessin al Tarouk erschossen, der er die Waffen versprochen hatte. Sie wollte ihrem Vater damit helfen, wieder an die Macht zu kommen, doch der Imam hatte Jack ein besseres Angebot gemacht. Während eines Catfights zwischen Larmia und der Prinzessin erschießt Hubert letztere eher zufällig. Danach sprengt er die KAPOV und glaubt, damit die Ordnung in Ägypten wiederhergestellt zu haben. Tatsächlich verhängt Nasser wegen der ungeklärten Explosion den Ausnahmezustand...

Der Film:

Was man nicht alles erfährt, wenn man ein bisschen im Internet recherchiert: Hubert Bonisseur de La Bath alias OSS 117 ist die Hauptfigur einer Romanserie des französischen Autors Jean Bruce. Man könnte meinen, diese Agentenromane seien nach dem Vorbild von Ian Flemings James Bond entstanden, aber dem ist wohl nicht so. Die ersten Romane der Reihe sind schon lange vor dem ersten 007-Roman entstanden. Als der britische Superspion mit der Lizenz zum Töten durch die Verfilmungen so richtig populär wurde, entstanden auch Filme mit OSS 117 in der Hauptrolle; sechs an der Zahl zwischen 1956 und 1968. Das waren allerdings echte Thriller nach der Machart der James Bond-Filme. Ist "OSS 117 - Der Spion, der sich liebte", ein weiterer Film nach diesem Strickmuster? Weit gefehlt: Dies ist sowohl eine köstliche Parodie als auch eine Hommage an alte Agentenfilme. Zwar werden sämtliche typischen Agentenfilm-Klischees durch den Kakao gezogen, doch das geschieht auf geradezu liebevolle Art und Weise. Das geht mit der unglaublich detailverliebten Ausstattung los, die den Film allein schon sehenswert macht. Wüsste man es nicht besser, könnte man glauben, auch dieser Film sei irgendwann in den Fünfzigerjahren oder höchstens Mitte der Sechziger entstanden. Alle Kostüme, Frisuren, Requisiten, Fahrzeuge, natürlich auch die Musik und selbst die Spezialeffekte entsprechen perfekt dem damaligen Look bzw. Sound. So fahren Autos stets vor Rückprojektionen und die Schauspieler kurbeln so heftig am Lenkrad herum, dass das Fahrzeug eigentlich im Graben landen müsste...

Der Aufbau folgt dem für James Bond-Filme typischen Ablauf: Nach einer Einführungsszene folgen die Opening Credits, dann wird dem Agenten in aller Kürze seine Mission erklärt. Es folgt eine Reise zu exotischen Schauplätzen, OSS 117 steigt natürlich nur in Luxushotels ab und begegnet schönen Frauen sowie sinistren Schurken aller Couleur. Es fehlt nicht einmal die Szene, in der er bedeutungsschwangere Dialogzeilen mit seinen künftigen Gegnern austauscht, ironisch gebrochen durch die Anwesenheit eines unbedarften Hühnerzüchters, der mit dem ganzen Agentenkram gar nichts zu tun hat und lieber einen heben gehen würde. Im Grunde ist die Geschichte nicht dümmer oder schlechter als die eines "ernsthaften" Agentenfilms. Es gibt einen echten Kriminalfall, der am Ende auch gelöst wird. Wäre da nicht die von Jean Dujardin so wundervoll verkörperte trottelig-charmante Hauptfigur, könnte man "Der Spion, der sich liebte" jederzeit auch für einen Bestandteil der James Bond-Reihe halten. Die Titelfigur ist ein absolut von den eigenen Fähigkeiten überzeugter möchtegern-Macho mit Kolonialherren-Allüren, der allerdings selbst die simpelsten kriminalistischen Zusammenhänge nicht erkennt und in Kairo keinen einzigen Fettnapf auslässt. Kein Wunder, dass Larmia ihn gern auspeitschen würde, fragt er sie (eine Muslimin) doch frech, welcher absurde Glaube wohl den Alkohol verbieten könnte... Trotz seiner eher unsympathischen Charakterzüge kann man ihm aber doch nicht böse sein, und da er keineswegs eine solch heillos überzeichnete Figur ist wie z.B. "Austin Powers", gerät der Film nicht zur cartoonhaften Slapstick-Persiflage. Der augenzwinkernde Humor lässt nie den Respekt vor dem Genre vermissen.

Auf dem DVD-Cover prangt Oliver Kalkofes Konterfei, denn er hat offenbar die deutschen Texte verfasst, außerdem leiht er der Hauptfigur seine Stimme. Das klingt jetzt schlimmer, als es ist, denn wenn man es nicht wüsste, würde man es fast nicht bemerken. Kalkofes Stimme passt eigentlich sogar ziemlich gut zum Hauptdarsteller. Er greift zum Glück nur selten unter die Gürtellinie und bemüht sich nicht, lustiger als das Original zu sein. So kann man sich das gefallen lassen.

Die DVD:

Die Single-Disc-DVD hat als Bonusmaterial nur einen Audiokommentar zu bieten, für den ich mir noch keine Zeit genommen habe. Es gibt aber auch eine Doppel-DVD sowie eine BluRay-Version mit umfangreichen Extras.



Screenshots


OSS 117

Larmina und OSS 117 haben den Gegner fest im Blick!


OSS 117

OSS 117 ermittelt auf Biegen und Brechen!


J. Kreis, 16.03.2010


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