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Der Nebel Der Nebel - Limited Collector's Edition (USA, 2009)
- The Mist -

BluRay, Universum Film
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 126 Minuten

Extras
- Kinoversion und Director's Choice-Version mit Einleitung des Regisseurs (s/w)
- Entfallene Szenen mit optionalem Audiokommentar des Regisseurs (14:50 Min.)
- Making of "Der Nebel" (37:27 Min.)
- "Zähmung der Bestie" - Das Making of der Szene 35 (12:10 Min.)
- "Die Monster unter uns" - Ein Blick auf die Creature Effects (12:45 Min.)
- "Der Horror im Ganzen" - Die visuellen Effekte (16:03 Min.)
- Drew Struzan - Der Künstler (7:32 Min.)
- Webisodes (10:14 Min.)

Regie:
Frank Darabont

Hauptdarsteller:
Thomas Jane (David Drayton)
Marcia Gay Harden (Mrs. Carmody)
Laurie Holden (Amanda Dunfrey)
Toby Jones (Ollie Weeks)
Jeffrey DeMunn (Dan Miller)
Frances Sternhagen (Irene Reppler)
Andre Braugher (Brent Norton)
Samuel Witwer (Wayne Jessup)
Nathan Gamble (Billy Drayton)




Inhalt:

Die Kleinstadt Castle Rock, Maine, wird von einem schweren Sturm heimgesucht. Stromversorgung und Telefonverbindungen brechen zusammen. Ein merkwürdiger Nebel breitet sich allmählich über dem See aus und verhüllt bald die ganze Stadt. David Drayton fährt mit seinem kleinen Sohn Billy zum Supermarkt, um noch schnell einige Lebensmittel zu besorgen, bevor die Hamsterkäufe richtig losgehen. Der Laden ist bereits voll; Davids Freund Ollie Weeks hat an den Kassen alle Hände voll zu tun. Polizei, Feuerwehr und selbst die Soldaten vom nahen Militärstützpunkt rücken aus, Sirenengeheul erklingt. Plötzlich rennt ein Mann namens Dan Miller blutend und panisch in den Supermarkt. Er berichtet von etwas, das im Nebel lauert und bereits jemanden getötet haben soll. Tatsächlich sind Schreie zu hören, als der Nebel näher kommt. Die Erde bebt einige Sekunden lang, und als der Supermarkt ganz vom Nebel eingehüllt ist, verstummen draußen alle Geräusche. Die verängstigten Menschen verschließen alle Türen. Sie wissen zwar nicht, was im Nebel vor sich geht, wollen sich aber nicht nach draußen wagen.

Dass Millers Behauptung nur zu wahr ist, erfährt Drayton wenig später. Er sieht, wie das Rolltor des Lagerraums von etwas erschüttert wird, das offenbar einzudringen versucht. Als einige Männer das Tor öffnen, um nachzusehen, wird einer von klauenbewehrten Tentakeln gepackt, die Fleischfetzen aus ihm herausreißen und ihn schließlich nach draußen zerren. David und Ollie können ihn nicht festhalten; sie haben der schrecklichen Kraft der riesigen Tentakel nichts entgegenzusetzen. Die Männer verschließen das Tor und wollen die anderem Leute im Laden warnen, aber man glaubt ihnen nicht. Vor allem Brent Norton, Davids Nachbar, glaubt an einen schlechten Scherz auf seine Kosten. Die beiden haben einen gerichtlich ausgetragenen Nachbarschaftsstreit hinter sich, und Norton glaubt, David wolle sich auf diese Weise rächen. Er führt einige Leute nach draußen, um nach Hilfe zu suchen. Ein weiterer Mann, der an eine Sicherungsleine gebunden wird, will eine Waffe aus einem draußen geparkten Auto holen. Nortons Gruppe verschwindet spurlos im Nebel, und etwas scheint den Angeleinten zu packen. Als David die Leine zurückzieht, hängt nur noch der abgetrennte Unterleib daran...

Den Menschen wird klar, dass sie tatsächlich von mörderischen Bestien belagert werden und das Gebäude nicht verlassen können. Sie verbarrikadieren die Fensterfront des Ladens so gut wie möglich. In dieser Situation findet Mrs. Carmody, eine geistesgestörte Religionsfanatikerin, mit ihrem Gefasel von biblischen Plagen, mit denen die Menschen für ihre Sünden bestraft werden sollen, bei vielen Eingesperrten Gehör. Man beginnt sie für eine Auserwählte mit seherischen Fähigkeiten zu halten, denn ihre Vorhersagen treffen ein: In der Nacht wird ein Fenster von riesigen Insekten durchbrochen, die den giftigen Heuschrecken aus der Offenbarung des Johannes gleichen. Wesen, die Flugsauriern ähneln, folgen ihnen. Es gelingt zwar, die Bestien mit improvisierten Fackeln zu vertreiben, aber zwei Menschen sterben und ein Mann erleidet schreckliche Verbrennungen. Carmody wird jedoch von einem Insekt verschont. Mit ihren unausgesetzten wirren Predigten schüchtert sie die meisten Menschen derart ein, dass sie schließlich zu allem bereit sind. Nur David, Ollie, Miller, eine alte Lehrerin namens Irene Reppler, deren junge Kollegin Amanda Dunfrey, der junge Soldat Wayne Jessup und wenige andere bleiben vernünftig.

David führt Freiwillige in die nahe Apotheke, um Medikamente für den Brandverletzten zu holen. Sie stoßen auf einen Militärpolizisten, der von spinnenartigen Wesen als lebender Brutkasten für ihren Nachwuchs benutzt wird. Vor seinem Tod sagt er etwas, das darauf schließen lässt, dass das Militär für die Katastrophe verantwortlich ist. Nicht alle aus Davids Gruppe schaffen es zurück in den Markt, was Carmodys Position weiter stärkt. Jessup gesteht, etwas von einem Projekt namens "Arrowhead" gehört zu haben. Im Militärstützpunkt wurden gerüchteweise Experimente durchgeführt, bei denen Tore zu anderen Dimensionen geöffnet werden sollten. Carmody schiebt Jessup die Schuld für die Katastrophe in die Schuhe. Seine Unschuldsbeteuerungen verhallen ungehört. Er wird getötet und den Ungeheuern als Menschenopfer dargebracht. Als David und seine Gefährten am nächsten Tag heimlich fliehen wollen, werden sie von Carmody aufgehalten und als Abtrünnige bezeichnet. Sie verlangt Davids Sohn und Amanda als weitere Menschenopfer, mit denen Gottes Zorn besänftigt werden soll. Die fanatisierte Menge greift an, doch da erschießt Ollie die Predigerin. Ohne sie stellt der Mob keine Gefahr mehr dar.

Nur David, Billy, Amanda, Miller und Reppler schaffen es bis in Davids Landrover. Sie fahren zunächst zum Haus der Draytons, doch dieses wurde ebenso von den Kreaturen heimgesucht wie der Rest der Stadt; Davids Frau ist tot. Die Überlebenden fahren so lange weiter, bis ihnen das Benzin ausgeht, doch der Nebel scheint endlos zu sein. Gigantische Ungeheuer durchstreifen die zerstörte, menschenleere Stadt. Alle Erwachsenen entscheiden sich für einen schnellen Tod. Die Vorstellung, von den Kreaturen zerrissen oder bei lebendigem Leib von innen heraus zerfressen zu werden, ist zu grauenhaft. David erschießt seine Gefährten und Billy. Für sich selbst hat er keine Kugel mehr übrig, deshalb verlässt er den Wagen und stellt sich den Bestien. Doch da erscheinen Panzer und Soldaten aus dem sich allmählich hebenden Nebel. David sieht, wie das Militär effektiv gegen die Kreaturen vorgeht und Überlebende evakuiert. Die Erkenntnis, seinen Sohn und seine Freunde völlig umsonst getötet zu haben, lässt ihn zusammenbrechen.

Der Film:

"Der Nebel" ist die Verfilmung einer gleichnamigen Novelle von Stephen King. Die Story hat allerdings ein nicht ganz so böses Ende wie der Film - oder vielleicht ein noch böseres. In der Novelle erschießt David seine Begleiter und seinen Sohn nicht. Allerdings gibt es keine Anzeichen für ein Ende des Nebels; ganz New England scheint von Monstern heimgesucht zu werden. Die letzten Überlebenden wollen am Ende der Geschichte einem vagen Hinweis auf mögliche Hilfe folgen, den sie im Radio gehört haben, aber sie wissen nicht, ob nicht vielleicht die ganze Welt betroffen ist. Somit gibt es in der Story noch Hoffnung für David und seinen Sohn, aber vielleicht keine Hoffnung für die Welt...

Ansonsten hält sich der Film jedoch recht genau an die Story-Vorlage. Vor allem wird Mrs. Carmodys fanatischer Wahn gut umgesetzt. Es ist ja eine von Kings Stärken, die Innenwelt seiner Protagonisten - vor allem der Wahnsinnigen und Verdrehten - so plastisch und glaubwürdig darzustellen, dass man fast meint, man sei "im Kopf" dieser Personen. Das gerät im Film zwar nicht ganz so eindrucksvoll, aber zumindest bleibt der Zuschauer bei Mrs. Carmodys Hetzpredigten nicht unbeteiligt. Man beginnt sie derart zu hassen, dass man spontan applaudieren möchte, als Ollie sie erschießt! Interessanterweise ist die Charakterzeichnung bei dieser durch und durch negativen Figur besser umgesetzt als bei den positiven Figuren. Natürlich kann man Davids totale Verzweiflung am Ende gut nachvollziehen, aber er und alle anderen bleiben doch etwas blass. Meine heimliche Favoritin ist die toughe alte Lehrerin. Sie bietet der Fanatikerin Paroli, indem sie ihr vorschlägt, ihr eine biblische Behandlung angedeihen zu lassen: Sie würde sie steinigen, allerdings nicht ganz stilgerecht mit Konservendosen. Später fackelt sie eine Riesenspinne mit einer Spraydose ab. Cool!

Ebenfalls gut getroffen: Die Atmosphäre der allmählich anwachsenden Bedrohung. Zu Beginn denken alle nur an eine Naturkatastrophe, und selbst als die Einsatzkräfte ausrücken, wird angenommen, der Sturm habe eben mehr Schäden angerichtet als gedacht. Derweil breitet sich der Nebel aus, aber man beachtet ihn kaum. Dass mehr dahinterstecken muss, merken die Menschen zwar sehr bald, aber die Gefahr hat zunächst kein Gesicht. Die Furcht entsteht eher durch das Gefühl des Eingeschlossenseins und der Isolation, der Ratlosigkeit und Ungewissheit. Die Menschen wissen nicht, was draußen vor sich geht. Im Nebel könnte sich alles mögliche verbergen. Als die Bedrohung dann konkret wird, erhalten wir die ganze Bandbreite menschlicher Reaktionen. Manche leugnen die Gefahr und kommen darin um, andere versuchen rational mit der Situation umzugehen, die meisten aber lassen sich von jemandem verführen, der ihnen zwar irrationale, aber einfache und auf verquere Weise irgendwie logisch klingende Erklärungsmöglichkeiten bietet (Seitenhiebe auf religiösen Fundamentalismus in den USA?). Dabei merken sie nicht, oder wollen es nicht wahrhaben, dass sie gezielt manipuliert werden.

Carmody mag in ihrem Wahn wirklich glauben, das Seelenheil ihrer Gemeinde retten zu müssen, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt geht es ihr nur noch darum, die kleine Welt zu erhalten, die sie selbst erschaffen hat. Sie hat eine Machtposition erreicht und will diese nicht mehr aufgeben. Wer sich nicht einfügt oder ausbrechen will, muss vernichtet werden. Es ist eine Binsenweisheit, dass die dünne Tünche der Zivilisation schnell abblättert, wenn Menschen in Panik oder Extremsituationen geraten, und dass man ihnen nur genug Angst einjagen muss, um sie zum Äußersten zu treiben. Ein Spritzer Gruppenzwang hinzu, dann noch schnell einen Sündenbock ausfindig gemacht, und schon hat man die schönste Lynchjustiz wie in einer der eindrucksvollsten Szenen des Films (Jessups Ermordung). Entsprechend düster ist der Grundton von "Der Nebel", und echte Erlösung gibt es nicht. Deshalb ist das ebenso gnadenlose wie konsequente Film-Ende meiner Meinung nach sogar besser als das ungewisse Ende der Novelle. Ganz schön mutig, dem Zuschauer ein Happy-End zu verweigern! Nur - welche Botschaft soll durch das Auftauchen von Panzern und Hubschraubern bei gleichzeitigem Verschwinden des Nebels vermittelt werden? David hätte ja einfach nur im Supermarkt ausharren müssen, dann wären er und alle anderen gerettet worden. Sein mutiger Alleingang wurde nicht belohnt, sondern hat zu seiner Vernichtung geführt. Außerdem meine ich, dass die Aussichtslosigkeit der Situation nicht überzeugend genug vermittelt wird. Die Überlebenden sitzen im Auto, um sie herum herrscht Ruhe. Dass David dann seine Freunde und sogar seinen Sohn erschießt, wirkt ein ganz klein wenig unmotiviert. Wenn sie in unmittelbarer Gefahr gewesen wären, d.h. wenn sich von allen Seiten Riesenspinnen oder so genähert hätten - OK. Aber so? Hm.

Leider verlässt sich der Regisseur nicht auf die Wirkung der Geschichte und der schauspielerischen Leistungen. Er belässt es nicht dabei, nur die für einen FSK-16-Film überraschend expliziten (und maskenbildnerisch sehr gut gemachten) Auswirkungen der Monster-Angriffe zu zeigen und höchstens mal einen Schatten im Nebel erscheinen zu lassen. Stattdessen werden viele Kreaturen in aller Ausführlichkeit gezeigt, und das tut dem Film nicht gut. Die Rieseninsekten gehen ja noch so eben, vielleicht auch die Tentakel, aber die Flugsaurier und die Spinnen wirken eher unfreiwillig komisch. Darüber hinaus sieht man ihnen zu deutlich an, dass sie in den meisten Szenen nur aus Pixeln bestehen. Diese Effekte sind nicht alle gut gelungen, sie zerstören die Glaubwürdigkeit. Die Kreaturen können dann gar nicht mehr furchteinflößend sein. Dass die verschiedenen Viecher ein interessantes Design haben, reißt es nicht heraus. Schade, denn ansonsten ist der Film wirklich klasse.

Übrigens: Ist euch aufgefallen, was David zu Beginn des Films für ein Bild malt? Das ist Roland, die Hauptfigur das "Dunkler Turm"-Zyklus von Stephen King - komplett mit Turm, Tür und Rose...

BluRay-Features:

...dieses Bild wurde von Drew Struzan gemalt, einem Künstler, dessen Werke ihr alle kennt. Das kann ich ruhig behaupten, denn Struzan malt vor allem Filmplakate. Unzählige weltberühmte Filme wurden auf diese Weise von ihm illustriert - und die Plakate für Blade Runner, die Indiana Jones-Filme, Krieg der Sterne und andere Großproduktionen kennt nun wirklich jeder. Ein kurzer Beitrag im Bonusmaterial würdigt die Arbeit des Künstlers.

Das weitere Bonusmaterial ist erfreulich informativ (Laufzeiten siehe oben). Nimmt man das Making of, die drei Featurettes und die drei Webisodes zusammen, dann erhält man eine gut gemachte Dokumentation in Spielfilmlänge, die die Bezeichnung "Making of" durchaus verdient. Hier erzählen nicht nur ein paar Beteiligte die Handlung des Films nach. Stattdessen wird ein guter Einblick in den Produktionsprozess vermittelt. Zentrale Figur ist der Regisseur, dem man gern glaubt, dass ihm der Film wirklich wichtig ist. Man sieht, mit welchem Enthusiasmus er bei der Sache ist. Er und viele andere Mitarbeiter des Produktionsteams erklären dem Zuschauer, was sie tun und wie sie es tun, das Ganze wird dann auch gezeigt. In den Webisodes führt der Regisseur den Zuschauer quasi durch verschiedene Sets. Die Entstehung der Kreaturen und sonstigen Effekte wird ebenfalls ausführlich vorgestellt. Im Making of kommt sogar Stephen King höchstpersönlich mehrmals zu Wort.

Die acht Deleted Scenes sind nicht weiter interessant, es handelt sich in der Regel nur um Erweiterungen von Szenen, die ohnehin schon im Film vorhanden sind. In der verlängerten Form hätten sie dem Film vielleicht sogar eher geschadet.

Der eigentliche Clou ist aber die vom Regisseur bevorzugte Schwarzweiß-Fassung des Films, die ebenfalls zum Bonusmaterial gehört. Bis auf die Farbgebung ist der Film mit der Kinoversion identisch. In der Einleitung zu dieser Fassung erklärt der Regisseur, dass er mit "Der Nebel" an alte Horrorfilme aus den Sechzigern und Siebzigern anknüpfen und deren "Feeling" einfangen wollte. Und dieses Feeling kommt in der Schwarzweiß-Fassung tatsächlich ganz gut rüber; witzigerweise wirken die CGI-Effekte in Schwarzweiß sogar besser als in Farbe.


J. Kreis, 11.08.2010


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