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Mutant Chronicles Mutant Chronicles - Limited Uncut Edition (USA, 2008)

DVD - Regionalcode 2, Splendid Film
FSK: SPIO/JK
Laufzeit: ca. 107 Minuten

Extras
Interviews, B-Roll, Trailer

Regie:
Simon Hunter

Hauptdarsteller:
Thomas Jane (Major Mitch Hunter)
Ron Perlman (Bruder Samuel)
Sean Pertwee (Captain Nathan Rooker)
Benno Fürmann (Leutnant Maximilian von Steiner)
John Malkovich (Constantine)
Anna Walton (Severian)




Inhalt:

In ferner Vergangenheit, am Ende einer Eiszeit, erscheint eine "Maschine" aus einer anderen Dimension auf der Erde. Sie verkörpert das "Un-Leben" und schickt sich an, alles Leben auf dem Planeten zu vernichten. In dieser Zeit leben schon Menschen auf der Erde, die die Maschine bekämpfen, aber zu unterliegen drohen. Einem Helden gelingt es, die verschiedenen Königreiche zu vereinen und den Feind zu besiegen. Die Maschine wird tief unter der Erde vergraben, der einzige Zugang wird versiegelt. Eine in den eisigen Gebirgen Osteuropas lebende Mönchsbruderschaft übernimmt die Aufgabe, das in den "Mutantenchroniken" niedergelegte Wissen über diese Geschehnisse zu bewahren und ein Artefakt zu verstecken, das den Chroniken zufolge zur Vernichtung der Maschine eingesetzt werden kann.

Im Jahre 2707 sind die natürlichen Ressourcen der Erde weitgehend erschöpft. Die Welt wird von den Konzernen Captiol, Bauhaus, Mishima und Imperial beherrscht. Die Konzerne führen Krieg um die letzten Rohstoffvorkommen. Unter anderem kämpfen Capitol und Bauhaus im ehemaligen Europa gegeneinander. Major Mitch Hunter und sein Freund Captain Nathan Rooker vom Konzern Capitol verteidigen eine Schützengrabenstellung gegen einen von Leutnant Maximilian von Steiner angeführten Angriffstrupp des Konzerns Bauhaus. Durch das Artilleriefeuer wird (von beiden Parteien unbemerkt) das Siegel der außerirdischen Maschine zerstört. Und so dauert es nicht lange, bis die Soldaten einen gemeinsamen Feind haben: Grausige Untote, deren Arme in messerscharfe Klingen verwandelt wurden und die nur schwer zu vernichten sind. Diese Mutanten metzeln die Soldaten nieder und verschleppen sie zur Maschine, wo sie ebenfalls in mordgierige Bestien verwandelt werden. Rooker deckt Hunters Flucht, muss aber zurückbleiben und gilt seitdem als vermisst. Innerhalb weniger Wochen vermehren die Mutanten sich massenhaft und überrennen die vereinten Streitkräfte der Konzerne. Die Konzernchefs beschließen im gemeinsamen Rat, die Menschheit zu den Kolonien auf anderen Planeten zu evakuieren - unzählige Millionen müssen jedoch zurückbleiben, denn der Platz in den Raumschiffen ist begrenzt.

In dieser Situation greift die Bruderschaft ein. Deren Oberhaupt Bruder Samuel glaubt an die Prophezeiung, der zufolge der legendäre Held wiederkehren wird. Mit Erlaubnis des Ratsvorsitzenden Constantine stellt er einen Kampftrupp zusammen, der die Maschine vernichten soll. Als Lockmittel für Freiwillige dienen Fahrkarten für Evakuierungsschiffe, die an beliebige Personen weitergegeben werden dürfen. Aus diesem Grund schließt sich auch Hunter dem Trupp an, die Tickets gibt er Rookers Frau und Tochter. Weitere Teammitglieder sind unter anderem Lt. von Steiner sowie Severian, eine junge Frau, die ihr ganzes Leben im Kloster der Bruderschaft verbracht und die "Mutantenchronik" behütet hat. Schon auf dem Weg zu der Maschine kommt es zu ersten Verlusten, weitere Tote sind in den unterirdischen Tunnels zu beklagen, die durch eine versunkene Stadt bis zur Maschine führen. Hunter trennt sich von der geschrumpften Gruppe, um Rooker zu retten, den er unter den Mutanten gesehen hat. Er ist jedoch gezwungen, seinen Freund zu erschießen. Nachdem auch Samuel gefallen ist, gerät Hunter selbst ins Räderwerk der Maschine. Er kann sich jedoch befreien, bevor er vollständig transformiert wird. Am Ende muss er allein gegen die Mutanten antreten, zu denen nun auch Samuel gehört. Es gelingt ihm, das Artefakt einzusetzen. Es stellt sich heraus, dass es sich um eine Art Aktivierungsschlüssel für einen Startmechanismus handelt, denn die Maschine ist nichts anderes als ein Raumschiff, das nun im All verschwindet.

Der Film:

In der englischsprachigen Wikipedia habe ich gelesen, dieser Film sei in Europa in einer "unvollendeten Form" veröffentlicht worden. Ich weiß nicht, ob da was dran ist und ob es sich bei dem Film, der hierzulande auf DVD vertrieben wird, um diese unfertige Version handelt. Ich neige dazu, es zu glauben, denn was man hier zu sehen bekommt, hat bei mir den Eindruck erweckt, als ob anstelle der "richtigen" Effekte, die noch in Arbeit sind, nur so etwas wie Platzhalter eingebaut worden wären. Das gilt vor allem für die computergenerierten Effekte, insbesondere für die Explosionen. Aber auch so manches virtuelle Set sieht aus, als hätte ein mittelprächtig begabter Grafiker sich nach Feierabend an einem Aldi-PC ausgetobt. Gut, ich habe auch gelesen, dass es sich um einen unabhängig finanzierten Film mit einem vergleichsweise kleinen Budget handelt. Aber hätte man das Geld nicht sinnvoller einsetzen können? Zum Beispiel hätte man die Gage für den ohnehin völlig verzichtbaren Auftritt John Malkovichs einsparen und in bessere Spezialeffekte investieren können. Oder in eine bessere Filmmusik. Der Film sieht einfach nur billig aus und klingt wie ein uraltes Videospiel. Aber auch sonst wirkt der Film irgendwie unvollständig, vor allem flaut die Spannung nach einem eigentlich ganz ordentlichen Auftakt sehr bald rapide ab und versandet dann in billigster Klopperei. Auch mit noch so tollen Effekten wäre bei diesem wirren Drehbuch und diesen mageren schauspielerischen Leistungen vermutlich kein besserer Film herausgekommen. Man höre und staune: Benno Fürmann macht sich als schneidiger deutscher Offizier unter den zumeist eher lustlos agierenden anderen Schauspielern sogar ganz gut. Das ändert aber nichts daran, dass alle "Helden" blass und austauschbar bleiben.

Der Film basiert auf einem gleichnamigen Rollenspiel. Dieses Spiel kenne ich nicht, hatte ehrlich gesagt noch nie zuvor etwas davon gehört. Habe ein wenig im Internet darüber recherchiert. Offenbar wird sowohl im Spiel als auch im Film davon ausgegangen, dass auf der Erde alle Maschinen aufgrund zur Neige gegangener Ressourcen und wegen eines Einflusses, der Computer lahmlegt (letzteres wird im Film nicht erwähnt), mit Dampfkraft betrieben werden. Dieses Szenario ist der einzige Grund, warum ich den Film nicht als Totalverlust bewerte, denn es mag zwar unwahrscheinlich sein, dass eine Dampfmaschine ein Raumschiff antreiben kann, aber die endzeitliche "Steampunk"-Atmosphäre, die so entsteht, ist wenigstens mal was Neues. Die eine oder andere Einstellung erfreut trotz des niedrigen Budgets durchaus das Auge. Da bekommt man fliegende Mannschaftstransporter zu sehen, bei denen vor dem Start erstmal Kohlen geschippt werden müssen, damit die Kessel angeheizt werden können. Derweil steigt schwarzer Qualm aus einem Schlot auf. Dann der Start: Das Riesending erhebt sich auf Säulen aus Dampf, während drinnen altertümliche Hebel bewegt, Periskope bedient werden usw. - herrlich bescheuert das Ganze! Alle Farben im Film wurden so bearbeitet, dass die Palette nur aus Grau-, Braun- und Sepiatönen besteht. Hinzu kommt dann noch eine Ausstattung, die an die Zeit des ersten Weltkriegs gemahnt. Und so darf man sich nicht wundern, einen vermutlich von Verdun inspirierten Grabenkrieg zu sehen, in dem mit Bajonetten und Gas gekämpft wird. Seltsamerweise muss ich zugeben: Wenigstens das funktioniert, so unlogisch es auch ist! Das meinte ich, als ich von einem ordentlichen Auftakt sprach.

Aber was hilft's? Irgendwann geht es nur noch darum, dass die Helden nach und nach ins nicht vorhandene Gras beißen und sich wilde Schwert(!)kämpfe mit den Mutanten liefern. Man hastet durch die unvermeidlichen Höhlen, am Schluss entfleucht der böse Feind ins All. Toll. Und was sollte das alles? Dummerweise hat die dünne, unspannende Story auch noch zahlreiche Löcher: Wenn es einen Schlüssel zur Vernichtung bzw. Vertreibung der Maschine gibt, warum wurde der nicht schon beim ersten Kampf gegen die Mutanten eingesetzt? Wie haben die Menschen der Urzeit es geschafft, das riesige Ding so tief zu verbuddeln? Warum ist der Schlüssel, d.h. die Startvorrichtung, außerhalb der Maschine (wenn ich mich nicht irre, bleibt dieser Teil auf der Erde zurück)? Wenn es den vereinten Königreichen seinerzeit gelungen ist, die Mutanten zu besiegen, warum gelingt das nicht auch den vermutlich weit mächtigereren vereinten Konzernen? Warum sind Kämpfer zu Fuß mit knöchernen Armklingen der geballten Feuerkraft einer modernen, mit Panzerfahrzeugen ausgestatteten Armee überlegen? Wenn die Mutanten primitive Untote sind, warum kann einer von ihnen ein Evakuierungsschiff steuern? Warum sind die Mutanten leichter zu töten, wenn man sie mit einem Schwert durchbohrt, als wenn man sie mit Blei vollpumpt? Die körperlichen Schäden dürften bei beiden Tötungsarten zumindest ähnlich sein. Und so weiter und so weiter...

Der Film hat nicht mal eine FSK-18-Freigabe erhalten. Das ist für mich unverständlich, vor allem im Vergleich mit anderen Filmen. Gut, aufgrund der Kampfweise der Mutanten werden diverse Gliedmaßen abgetrennt, Köpfe durchbohrt und so weiter. Aber all das wirkt aufgrund der billigen Spezialeffekte eher lächerlich, außerdem ist alles meist wegen der allgegenwärtigen Dunkelheit, der hektischen Schnittfolge und der Wackelkamera kaum zu sehen. Wer übertriebene Gewalt als Kaufargument betrachten würde, dürfte also auch in dieser Hinsicht enttäuscht werden.

Die DVD:

Hinsichtlich der im Handel erhältlichen Versionen blicke ich nicht so ganz durch. Ungekürzt ist jedenfalls nur die "Limited Uncut Edition". Diese enthält als Bonusmaterial eine ca. 25 Minuten lange Zusammenstellung kurzer Interviewschnipsel, die allesamt wenig aussagekräftig sind und höchstens erkennen lassen, dass die Schauspieler sich nicht wirklich mit dem Produkt identifizieren. Sie wirken genauso lustlos wie im Film selbst. Hinzu kommen ca. 7 Minuten unkommentierter Aufnahmen von den Dreharbeiten ("B-Roll"), bei denen auch Requisiten, Modelle und Storyboards gezeigt werden. Auch der Trailer ist vorhanden. Wegen dieses Trailers hatte ich die DVD eigentlich gekauft - ganz im Gegensatz zum Film ist er flott geschnitten, actionreich und sieht gut aus. So kann man getäuscht werden...

J. Kreis, 12.11.2008


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