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Baron Münchhausen Die Abenteuer des Baron Münchhausen (GB, 1988)
- The Adventures of Baron Munchhausen -

DVD - Regionalcode 2, Columbia Tristar Home Video
FSK: 12
Laufzeit: ca. 121 Minuten

Extras:
Filmografien (Texttafeln), Kinotrailer

Regie:
Terry Gilliam

Hauptdarsteller:
John Neville (Karl Friedrich Hieronymus Baron von Münchausen)
Sarah Polley (Sally Salt)
Jonathan Pryce (Horatio Jackson)
Eric Idle (Desmond / Berthold)
Oliver Reed (Vulcan)
Uma Thurman (Venus / Rose)




Inhalt:

Ende des 18. Jahrhunderts. Eine Stadt wird von einer türkischen Armee belagert. Zur Ablenkung und Belustigung des Volkes wird ein Theaterstück aufgeführt, in dem es um die Abenteuer des Barons Münchhausen geht. Da man im Zeitalter der Aufklärung lebt, sind diese phantastischen Geschichten nur noch ein Possenspiel wert - was den echten Baron so sehr in Rage bringt, dass er auf die Bühne stürmt und selbst zu erzählen beginnt, was er erlebt hat, und was, wie er behauptet, zum Krieg mit den Türken geführt hat. Seine Erzählung ist so lebendig, dass Realität und Fiktion sich zu vermischen beginnen. Münchhausen berichtet, er habe eine Wette gegen den Sultan der Türken gewonnen und dessen Schatzkammer leergeräumt. Seitdem fordere der Sultan seinen Kopf, auch jetzt noch sei er hinter ihm her. Da gerät das Theater unter Beschuss, das Publikum flieht. Nur die kleine Sally bleibt zurück und rettet den unter den Trümmern liegenden Baron vor einem unheimlichen Todesengel, der bereits dabei ist, Münchhausens Seele zu rauben. Der Baron ersinnt einen Plan, um die Stadt zu retten. Auf einer Kanonenkugel reitend, zerstört er einige Geschütze der Türken, und am nächsten Tag fliegen er und Sally mit einem aus Damenunterwäsche zusammengenähten Heißluftballon los, um die einstigen Diener des Barons zu finden: Berthold, Adolphus, Albrecht und Gustavus. Der Baron braucht die außergewöhnlichen Fähigkeiten dieser Männer, um den Krieg zu gewinnen.

Die Reise geht zum Mond, wo der größenwahnsinnige Mondkönig den ersten Diener des Barons gefangen hält: Berthold, den Mann, der schneller rennen kann als eine Gewehrkugel fliegt. Nur mit Hilfe der Mondkönigin, die sich in den Baron verliebt hat (obwohl er für sie die Größe einer Maus hat), kann Berthold befreit werden. Das aus einer Locke ihres Haares geknüpfte Seil reicht allerdings nicht bis zur Erde hinab, und so stürzen die drei in das feurige Reich des Gottes Vulcan, der Albrecht, den stärksten Mann der Welt, in seine Dienste genommen hat. Der Baron stürzt sich in einen heftigen Flirt mit Venus, der Gattin Vulcans, und vergisst alles andere. Um den Baron wieder zur Besinnung zu bringen, stachelt Sally die Eifersucht Vulcans an. Der wirft die vier Menschen kurzerhand in einen Mahlstrom. Die Gefährten stürzen durch den Mittelpunkt der Erde und werden von einem gigantischen Seeungeheuer verschluckt. Im Bauch des Monsters liegen einige Schiffswracks, und in einem davon hausen die beiden letzten Diener des Barons, Adolphus und Gustavus. Der eine ist ein Scharfschütze, der einer meilenweit entfernten Fliege ein Auge ausschießen kann, der andere kann mit einem Atemzug wahre Stürme entfesseln.

Wieder ist es Sally, die den Baron an seine Mission erinnern muss, als dieser sich in ein Kartenspiel mit dem Todesengel einlässt, der dem Baron ständig auf der Spur geblieben ist. Zu guter Letzt kommt auch noch Bucephalus hinzu, das alte Streitross des Barons. Münchhausen verabreicht dem Seeungeheuer eine Prise Schnupftabak, so dass dieses die Gefährten ausniest, und zwar ganz in der Nähe der belagerten Stadt. Nun könnte der Baron seine Leute in den Kampf führen, doch diese sind in den Jahren der Trennung alt geworden und glauben, sie hätten ihre besonderen Fähigkeiten verloren. Erst als Münchhausen sich ganz allein ins Lager der Türken begibt und sich freiwillig aufs Schafott legt, kommen seine Diener zur Besinnung und greifen ein. Gemeinsam schlagen sie die türkische Armee in die Flucht und ziehen danach im Triumph durch die Stadt. Doch da wird Münchhausen hinterrücks vom Bürgermeister niedergeschossen, der seine eigenen Abmachungen mit dem Sultan treffen wollte. Man ruft einen Arzt, aber nur Polly kann erkennen, dass es sich dabei in Wahrheit um den Todesengel handelt, der dem Baron die Seele entreißt.

Damit endet die Erzählung des Barons, der erklärt, dies sei nur einer von vielen Momenten gewesen, in dem er dem Tod ein Schnippchen geschlagen hätte. Jetzt führt er die begeisterten Bürger an, um die Stadttore zu öffnen. Auch der Bürgermeister und seine Wachen können dies nicht verhindern. Als die Tore geöffnet werden, finden die Menschen das Lager der Türken verlassen vor - der Feind ist geflohen. Bevor man von Münchhausen eine Erklärung fordern kann, verschwindet er im Sonnenuntergang...

Der Film:

Einen Adligen mit dem Namen Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen hat es wirklich gegeben, er ist im Jahre 1797 gestorben. Ob er jedoch wirklich ein "Lügenbaron" war, d.h. ob er alle nach ihm benannten phantastischen Geschichten wirklich erzählt bzw. niedergeschrieben hat, darf bezweifelt werden. Tatsächlich gehört das wohl ebenso ins Reich der Legende wie die Abenteuer, die er erlebt haben soll. Wahr ist, dass er an zwei Kriegen gegen die Türken teilgenommen hat. Die ihm zugeschriebenen Texte stammen aber wohl aus zahlreichen anderen, teilweise viel älteren Quellen, und wurden im Lauf der Zeit immer weiter ausgeschmückt. Der Film ist natürlich alles andere als eine historisch korrekte Verfilmung des Lebens Münchhausens, er ist auch keine getreuliche Wiedergabe der bekannten "Lügengeschichten". Damit keine falschen Erwartungen entstehen, muss man sich gleich zu Anfang klar machen, dass eine ganz neue Geschichte erzählt wird, die lediglich altbekannte Elemente enthält. Dazu gehören zum Beispiel die Wette mit dem Sultan um eine Flasche Tokaier, die außergewöhnlichen Fähigkeiten der Diener des Barons, der Ritt auf der Kanonenkugel, die Reise zum Mond und so weiter. Vieles kommt nur als kleiner Gag am Rande vor und wird vom Unkundigen vielleicht gar nicht als Element aus Münchhausens Geschichten erkannt, etwa die Szene, in der er sich am eigenen Zopf aus den Fluten des Meeres zieht.

In diesem Film geht es hauptsächlich um die Frage, welche Stellung die Fantasie in einer rationalistischen, materialistischen Welt noch haben kann. Dafür eignet sich die Figur des "Lügenbarons", der sich seine eigene Welt erfindet und der bezeichnenderweise immer dann jünger aussieht, wenn er gerade eines seiner verrückten Abenteuer erlebt, natürlich besonders gut. Ein etwas nervendes Kind darf auch nicht fehlen, d.h. vielleicht ist der ganze Film nur das Fantasieprodukt der kleinen Sally (grauenhafte Synchronstimme übrigens), die der Realität entfliehen will. Dass Münchhausen sich am Schluss quasi in Luft auflöst, würde dafür sprechen. Leider ist der Film an sich gar nicht so fantasievoll. Gut, die für Terry Gilliam so typischen verrückten Gestalten, der ziemlich derbe Grundton und die unglaublich üppige Ausstattung sind sehr interessant. Ich finde den Film ja auch nicht schlecht, denn es gibt durchaus einige tolle Szenen (vor allem gefallen mir die Abenteuer in Vulcans Reich). Aber irgendwie will der Funke doch nicht so recht überspringen, man wartet eigentlich nur darauf, welches unmögliche Erlebnis Münchhausens als nächstes kommen wird. In diesem Film ist schon erkennbar, was Gilliams späteren Film Brothers Grimm geradezu unterträglich werden lässt: Bei all der klamaukigen Action bleiben Handlung, Charakterentwicklung und ironischer Humor so ziemlich auf der Strecke. Kein Wunder, dass der Film damals ziemlich katastrophal gefloppt ist.

In diesem Film kann ein recht großes Staraufgebot bewundert werden. Besonders überrascht war ich von einem Cameo-Auftritt des Ex-Police-Sängers/Bassisten Sting. Er hat eine der witzigeren Szenen, denn er spielt einen heroischen Offizier, der mehrere feindliche Kanonen im Alleingang zerstört hat und sichtlich stolz auf sich selbst ist, dann aber exekutiert werden soll, weil der Bürgermeister meint, die normalen Soldaten könnten durch solche Heldentaten demoralisiert werden. Ich muss mich übrigens über die niedrige Altersfreigabe wundern, denn in diesen Film rollen mehrere Köpfe.

Die DVD:

Die Texttafeln mit Auflistungen bisheriger Werke des Regisseurs und einiger Schauspieler sowie den Trailer als echtes Bonusmaterial zu bezeichnen, ist wohl etwas übertrieben...

J. Kreis, 10.07.2007
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