Zurück zu den Filmen

Das Millionenspiel

Smog
Das Millionenspiel (D, 1970)

Smog (D, 1973)

DVD - Regionalcode 2, ARD Video
FSK: 12 / 6
Laufzeit: ca. 95 Minuten ("Das Millionenspiel") bzw. 86 Minuten ("Smog")

Extras
Audiokommentar, Interview mit Wolfgang Menge, Dokumentation über Wolfgang Menge: "Geliebtes Ekel"

Regie:
Tom Toelle ("Das Millionenspiel")
Wolfgang Petersen ("Smog")

Hauptdarsteller ("Das Millionenspiel"):
Jörg Pleva (Bernhard Lotz)
Dieter Thomas Heck (Thilo Uhlenhorst)
Friedrich Schütter (Robert Moulian)
Dieter Hallervorden (Köhler)

Hauptdarsteller ("Smog"):
Marie-Luise Marjan (Elivra Rykalla)
Wolfgang Grönebaum (Franz Rykalla)
Hans Schulze (Grobeck)




Inhalt "Das Millionenspiel":

Showmaster Thilo Uhlenhorst moderiert eine der erfolgreichsten Sendungen des Fernsehsenders TETV: "Das Millionenspiel". Die Spielshow beginnt jeweils am letzten Freitag eines Monats. Der einzige (freiwillige) Kandidat muss an jedem der folgenden sieben Tage Kontrollstationen in ganz Deutschland erreichen. Seine Fortschritte werden von 24 Kamerateams beobachtet und im Fernsehen ausgestrahlt. Das Finale findet am siebten Tag auf einer großen Showbühne im Studio statt, wo das Vorankommen des Kandidaten auf einer großen Leinwand live übertragen wird. Erreicht der Kandidat dieses Ziel, gewinnt er eine Million DM. Er wird jedoch vom ersten Tag an von den drei Killern der Köhlerbande gejagt. Gelingt es den Jägern, den Kandidaten unterwegs oder im Finale zu töten, so erhalten sie eine fette Bonusprämie. Bei der Jagd müssen sie sich - ebenso wie der Kandidat - an bestimmte Regeln halten, sonst droht Punktabzug. Die Tötung des Kandidaten ist nach dem "Gesetz für aktive Freizeitgestaltung" zulässig. Der Kandidat flieht nicht durch irgendwelche Kulissen, sondern bewegt sich in der Öffentlichkeit. Jedermann darf ihm helfen, aber auch die Köhlerbande darf unterstützt werden. Es gibt zwar viele echte "hilfreiche Samariter", wie Uhlenhorst es ausdrückt, oft werden diese Situationen aber auch vom Sender insgeheim manipuliert. Es wäre fatal, wenn die Köhlerbande den Kandidaten zu früh erledigen würde; schließlich muss die Quote stimmen, und nur durch eine spannende Jagd bis zum Finale sind die hohen Zuschauerzahlen zu erreichen, die der Hauptsponsor (der Stabilelite-Konzern) erwartet.

Das Finale der 15. Folge von "Das Millionenspiel" findet in der Halle Gartlage in Osnabrück statt. Kandidat ist der junge Bernhard Lotz. Nach sieben Tagen voller Todesangst ist er aufgrund des Schlafmangels und schlechter Ernährung am Ende seiner Kräfte. Die Köhlerbande ist ihm immer dicht auf den Fersen. Robert Moulian, Verantwortlich für "Das Millionenspiel", muss mehrmals inszenierte Hilfestellungen für Lotz veranlassen, damit der es bis ins Studio schafft. Während Lotz verzweifelt vor Köhler und dessen beiden Kumpanen flieht, läuft die Show im Studio weiter: Tanz- und Musikeinlagen sorgen für Unterhaltung, Werbung wird eingeblendet, die Zuschauer werden nach ihrer Meinung zur Show gefragt und Uhlenhorst zerrt sogar Köhlers stolze Mutter vor die Kamera. Außenreporter berichten von den neuesten Entwicklungen, interviewen die "Barmherzigen Samariter" und holen auch Statements von den Killern und dem Kandidaten ein. Hinter den Kulissen brodelt es, denn Moulian weiß genau, dass er sich einen neuen Job suchen kann, falls Lotz scheitern oder vielleicht sogar vorzeitig aufgeben sollte.

Mit allerletzter Kraft und tatkräftiger Hilfe seitens TETV erreicht Lotz schließlich das Studio, doch dort erwartet ihn die "Todesspirale": Eine Röhre aus schusssicherem Glas mit drei Öffnungen, durch die die Mitglieder der Köhlerbande jeweils einen Schuss auf ihn abgeben dürfen. Tatsächlich wird Lotz einmal getroffen, während er die Röhre durchquert, aber die Wunde ist weit harmloser als sein Erschöpfungs- und Schockzustand. Nachdem das Überleben des Kandidaten ärztlich unter notarieller Aufsicht festgestellt wurde, darf ein zufrieden grinsender Moulian ihm den Scheck über eine Million Mark in die kraftlosen Hände drücken. Uhlenhorst verabschiedet sich von seinem Publikum, aber in einer Woche beginnt die 16. Folge der Show - der nächste Freiwillige wartet schon auf seinen Einsatz.

Inhalt "Smog":

Im Winter 1973 bildet sich im Ruhrgebiet eine Inversionswetterlage, durch die Smog entsteht. Franz Rykalla muss morgens eine Schmierschicht von den Scheiben seines Autos entfernen, bevor er zur Arbeit fahren kann, macht sich ansonsten aber auch dann noch keine Sorgen, als aufgrund der immer schlechter werdenden Messwerte Smogalarm der Stufe 1 ausgelöst wird. Konkrete Maßnahmen werden ohnehin nicht ergriffen und kaum jemand hält es für nötig, freiwillig auf das Auto zu verzichten. Die ungünstige Wetterlage hält vier Tage lang an, und die Werte werden immer schlechter. Der über dem ganzen Ruhrgebiet liegende giftige Nebel löst sich nicht auf, wohl aber die nicht säureresistenten Nylonstrümpfe der Damen. Schließlich kommt es zu den ersten Krankheits- und Todesfällen, so dass die Behörden Smogalarm der Stufe 2 auslösen müssen - sehr zum Missfallen des Industriellen Grobeck, dem Chef der GLOBAG. Er befürchtet Verluste, sollte er gezwungen werden, die Produktion zu drosseln. Die Proteste besorgter Bürger interessieren ihn nicht, zumal die meisten Menschen die qualmenden Fabrikschlote der GLOBAG gern in Kauf nehmen, solange die Firma Wohlstand in die Region bringt.

Bis zum vierten Tag wird die Lage katastrophal: Straßen müssen komplett gesperrt werden, so dass ein Verkehrschaos entsteht. Alle Krankenhäuser sind überfüllt, so dass Notlazarette für die um Luft ringenden Kranken eingerichtet werden müssen. Eine Fluchtwelle setzt ein; vor allem Frauen und Kinder werden mit Sonderzügen in nicht betroffene Regionen evakuiert. Auch Opa Rykalla plant die Flucht in die Eifel und kramt sicherheitshalber schonmal seine alte Gasmaske aus dem Keller hervor. Die Proteste gegen die GLOBAG werden schärfer und es scheint nichts zu geben, was man gegen den Smog tun könnte. Dann endlich bessert sich das Wetter, der Smog zieht ab. Für die kleine Tochter der Familie Rykalla ist es zu spät: Das Baby stirbt an Pseudokrupp.

Die Filme:

Drehbuchautor der Filme "Das Millionenspiel" und "Smog" ist Wolfgang Menge, aus dessen Feder auch fast alle Drehbücher der Krimiserie "Stahlnetz" stammen und der mit dem "Ekel Alfred" aus der Serie "Ein Herz und eine Seele" einen der bekanntesten Charaktere der deutschen Fernsehgeschichte geschaffen hat. Allerdings stammt die Idee zu "Das Millionenspiel" nicht von Menge, sondern von Robert Sheckley. Dessen Story "Der Tod spielt mit", die ich nicht kenne, ist sowohl die Grundlage dieses Films als auch des Romans Menschenjagd von Richard Bachman (Pseudonym von Stephen King) und der Verfilmung The Running Man. "Das Millionenspiel" und "Smog" sind so gestaltet, dass man den Eindruck hat, eine reale Show bzw. eine echte Reportage über tatsächlich stattfindende Ereignisse zu sehen. Spielszenen, bei denen ebenfalls ein sehr realistischer Ansatz gewählt wurde, wechseln sich mit scheinbar dokumentarischem Material ab. Bekannte Fernsehgesichter treten auf (wenn auch unter anderem Namen), Werbung wird eingeblendet und viele Dialoge sind improvisiert, was den Eindruck des Realismus noch verstärkt. Offensichtlich wurden vor allem bei "Das Millionenspiel" ganz normale Leute aus dem Publikum interviewt, deren unverfälschte Antworten das Geschehen noch echter wirken lassen. Angeblich war das Resultat bei der Erstausstrahlung der beiden Filme so überzeugend, dass danach allen Ernstes Leute angerufen haben, die sich als Kandidat (oder sogar als Jäger) für das Millionenspiel bewerben wollten bzw. die wegen des Smogs besorgt waren.

Die ganze Millionenspiel-Show ist aufgebaut wie irgend eine Sendung der Siebzigerjahre (mit einem tollen Soundtrack übrigens) und wirkt deshalb viel glaubwürdiger, als es ein "reiner" Spielfilm sein könnte. Es wird immer wieder zwischen der Flucht des "sympathischen Leverkuseners", der Show im Studio und den Geschehnissen hinter den Kulissen gewechselt. Anders als "The Running Man" kann man "Das Millionenspiel" also auf keinen Fall als Actionfilm bezeichnen. Obwohl man keine oberflächliche Unterhaltung dieser Art erwarten darf, ist die Jagd doch packend genug, und ohnehin reicht schon die pure Faszination des Spiels mit Fiktion und Wirklichkeit, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Jörg Pleva macht als gehetzter, aber auch ziemlich geldgieriger Kandidat eine gute Figur. Er hat ja nun auch ein recht ausdrucksstarkes Gesicht. Echte Sportreporter wie der noch sehr junge Heribert Fassbender kommen zum Einsatz. Damals, als diese Leute sehr bekannt waren, muss der Film geradezu schockierend gewesen sein. Nicht so bekannt war Dieter Hallervorden, der hier den Killer Köhler spielt. "Nonstop Nonsens" gab es da noch nicht, d.h. "Didi" war noch nicht auf die Rolle des Blödel-Komikers festgelegt. Es spricht für seine schauspielerischen Fähigkeiten, dass seine Darstellung eines skrupellosen Mörders auch heute immer noch überzeugt. Den Vogel schießt aber natürlich Dieter Thomas Heck ab, der ganz genauso auftritt wie in der "Hitparade", die er jahrelang moderiert hat. Sein legendäres "Meine Damen und Herren", seine typische Sprechweise, sein ganzes heuchlerisches, jovial-schmieriges Gehabe... genial.

Dieser trotz seines Alters auch heute noch absolut sehenswerte Film ist geradezu prophetisch für das, was uns heute im so genannten Reality-TV geboten wird. Wir kennen Serien über Auswanderer, Promi-Familien, erfolglose Bauherren, überforderte Eltern usw., bei denen man oft auch nicht weiß, was echt und was gestellt ist und die auf das Bedürfnis der Zuschauer abzielen, irgendwelche Leute scheitern zu sehen. In Castingshows, Ekel-Games und anderen Grausamkeiten werden Leute nach Strich und Faden zur Gaudi des Publikums fertig gemacht. Die Zuschauer wollen es, dann kriegen sie es auch - Sensationsgier und Quotengeilheit sind in der realen Medienwelt fest verankert. Der einzige Unterschied zum Millionenspiel: Es werden noch keine Menschen getötet. Wobei die Betonung auf "noch" liegt, denn Sendungen, in denen gezeigt wird, wie Extremsportler sich die Knochen brechen, oder wie Leute von Tieren verletzt werden, gibt es ja schon. Die Gesellschafts- und Medienkritik Wolfgang Menges wurde also schon fast von der Realität eingeholt. In der fiktiven Welt des Millionenspiels bemüht man sich zumindest noch, Mitgefühl für Lotz zu wecken und ihn, wenn auch nur vorgeblich, mit Respekt zu behandeln. Uhlenhorst lobt die "Samariter", die Hilfeleistungen für den Kandidaten werden positiv bewertet. Wenn ich aber in realen Sendungen sehe, wie ein Herr Dieter B. aus H. sich in Beleidigungen und Niveaulosigkeiten ergeht, oder wie Leute im Dschungelcamp durch Schleim kriechen, in Maden wühlen usw., dann kann ich nur sagen: Was Primitivität, Zynismus, Heuchlerei und Menschenverachtung angeht, so wurde "Das Millionenspiel" schon längst überholt.

"Smog" wirkt womöglich noch mehr wie eine echte Fernsehsendung, denn es gibt relativ wenige Spielszenen mit den Familien Rykalla und Grobeck oder in den Behörden, und die könnte man auch für dokumentarisch halten. Der Film besteht hauptsächlich aus fiktiven Reportagen, TV-Sondersendungen, Interviews usw., außerdem wurde sicherlich auch Filmmaterial von realen Geschehnissen (Autounfälle, Straßensperrungen usw.) verwendet. Filmmusik wird nur äußerst sparsam eingesetzt. Das Ergebnis ist mindestens ebenso faszinierend wie in "Das Millionenspiel", vielleicht noch faszinierender, weil das Thema noch näher an der Realität ist. Man hat tatsächlich das Gefühl, Zeuge einer immer schlimmer werdenden Umweltkatastrophe zu werden, und man atmet buchstäblich auf, wenn der Nebel sich am Schluss endlich lichtet. Man könnte "Smog" also fast für eine reale Dokumentation halten, und dieser Effekt wird lustigerweise noch durch das Alter des Films verstärkt. Jüngere Zuschauer werden es vielleicht nicht wissen, aber Smog-Alarm gab es bis in die Neunzigerjahre hinein wirklich, und zwar tatsächlich zuerst im Ruhrgebiet. Als dieser Film entstand, war Umweltschutz praktisch kein Thema. Die Flüsse im Land waren Kloaken, hochgiftige Pestizide wurden überall großzügig eingesetzt und kaum jemand machte sich Gedanken darüber, wie man die Verschmutzung hätte verringern können. Inzwischen ist das zum Glück etwas anders. Vielleicht atmen wir hierzulande heute wirklich bessere Luft als in meiner Kindheit.

Der "Bildungsaspekt" kommt in diesem Film deutlicher zum Ausdruck als in "Das Millionenspiel", und auch der "moralische Zeigefinger" erhebt sich drohender. Durch die fiktiven TV-Sendungen erfährt man, was eine Inversionswetterlage überhaupt ist und wie Smog entsteht. Politiker und Beamte sind hilflos, ihr Krisenmanagement ist chaotisch, die Wurzeln des Übels bleiben unangetastet. Um die gut gemeinten, aber sehr naiven Vorschläge der Moderatoren, wie man zur Verbesserung der Luftqualität beitragen könnte, kümmert sich niemand, jedenfalls stehen die Autos mit laufendem Motor vor den Schildern der Fahrverbotszone. Die Wirtschaft schert sich einen feuchten Fiedlerfurz um die Auflagen der Warnstufe 2, alle Nikotinsüchtigen rauchen kräftig weiter und bis zum Schluss qualmen die Schlote der GLOBAG fröhlich vor sich hin. Schließlich will man nicht, dass die Firma ins Ausland abwandert. Die Medien stürzen sich gierig auf die neue Sensation und scheuen auch vor Panikmache nicht zurück, während die Verantwortlichen auf teilweise sehr zynische Weise versuchen, die Situation zu verharmlosen. Als der Nebel sich lichtet, wird sofort zur Tagesordnung übergegangen. Zum Glück wird die Gesellschafts- und Medienkritik aber doch zurückhaltend genug vermittelt, so dass sie nicht zu aufdringlich wirkt. Und nebenbei bemerkt: Klingt der ganze Ablauf nicht allzu vertraut? An alldem hat sich selbst nach über 35 Jahren nichts geändert.

Beide Filme sind aber auch ein sehenswertes Stück Zeitgeschichte: Wer die Siebziger noch selbst erlebt hat, wird sich über die Kleidung, die Autos, die Technik und das jugendliche Alter bekannter TV-Gesichter köstlich amüsieren. Wer sie nicht erlebt hat, wird ob derartiger Verirrungen und Rückständigkeiten vermutlich den Kopf schütteln. Insgesamt kann ich nur eine deutliche Kaufempfehlung aussprechen. "Das Millionenspiel" ist ein zeitloser Klassiker, den man einfach mal gesehen haben muss. Ihn nicht zu kennen, wäre eine echte Bildungslücke. "Smog" ist eine mehr als nette Dreingabe. Auch dieser Film, den man seinerzeit noch als Science Fiction betrachtet hat, gehört in jede Sammlung.

Die DVD:

Die DVD-Box enthält beide Filme in gesonderten Papphüllen. Zusätzlich zu den beiden Silberlingen mit den Filmen ist noch eine dritte DVD mit dem Bonusmaterial vorhanden. Schon merkwürdig, dass es mit dem DVD-Release von "Das Millionenspiel" so lange gedauert hat. Im Booklet ist zu lesen, rechtliche Probleme seien der Grund gewesen. Offenbar hatte Wolfgang Menge gar keine Rechte an Sheckleys Kurzgeschichte. Anscheinend hat man sich jetzt erst geeinigt. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass man den Film zunächst einmal gar nicht weiter verbreiten wollte, denn soviel ich weiß, hat er seinerzeit bei der Erstausstrahlung für einen echten Skandal gesorgt. Egal: Jetzt ist er ja zu haben, und zur Feier dieses Anlasses wurde "Smog" gleich mitveröffentlicht. "Das Millionenspiel" hat eine für einen Film diesen Alters überraschend gute Bildqualität, nur beim Ton hapert es an der einen oder anderen Stelle. Dann knackt und knistert es, als seien die Boxen kaputt. Die Bildqualität von "Smog" ist nicht so berauschend, was aber auch am ewigen Nebel liegen kann. Der Ton ist etwas dumpf, aber akzeptabel.

Zum Bonusmaterial gehört ein Audiokommentar zu "Das Millionenspiel" von Jörg Pleva, der leider oft überhaupt nicht zu dem passt, was sich gerade im Film abspielt. Er unterhält sich die meiste Zeit lediglich mit Hanns-Georg Rodek (Zeitungsjournalist) über die Filmindustrie. Hintergrundinformationen zum Film sind Mangelware. Die ca. 44 Minuten lange Dokumentation "Geliebtes Ekel" befasst sich ganz mit Wolfgang Menges Leben und Werk und ist recht interesssant. Man bekommt Ausschnitte aus einigen Serien und Filmen nach Büchern Menges zu sehen - nicht zu glauben, was der Mann alles geschrieben hat. Glaubt man den Aussagen einiger Weggefährten Menges, die in der Dokumentation zu Wort kommen, dann ist er zwar menschlich nicht unbedingt pflegeleicht (man könnte es auch drastischer ausdrücken), aber immer ehrlich und vor allem ein brillanter Journalist und Autor.

Die Dokumentation stammt wohl aus dem Jahr 2004 und enthält zeitgenössische Interviews mit Menge, in denen er trotz seines damaligen Alters von 80 Jahren wirklich fit wirkt. Ganz anders verhält es sich beim ca. 19 Minuten langen "Interview", das Menges Sohn Jakob vermutlich einige Jahre später geführt hat. Ich verstehe nicht, warum man den deutlich gealterten Mann nochmal vor die Kamera zerren musste, denn er kann kaum eine der Fragen beantworten, die ihm gestellt werden. Er gibt nur Allgemeinplätze von sich und kann sich gar nicht an die Zeit erinnern, in der "Das Millionenspiel" und "Smog" entstanden sind. Das "Interview" hat praktisch keinen Informationswert - abgesehen davon, dass man überdeutlich erkennt, wie sehr Menge bereits vergreist ist.

J. Kreis, 28.04.2009
Seitenanfang