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Malevil Malevil (Frankreich/Deutschland, 1981)

DVD - Regionalcode 0, Ostalgica/AL!VE AG
FSK: 12
Laufzeit: ca. 115 Minuten

Extras
Dokumentationen, Hörbuch "The Thinking Machine", Trailer, "Backstage" (Texttafeln), Slideshow

Regie:
Christian de Chalonge

Hauptdarsteller:
Michel Serrault (Emmanuel Comte)
Jean-Louis Trintignant (Fulbert)




Inhalt:

Der Bauer Emmanuel Comte, seine Haushälterin, deren geistig zurückgebliebener Sohn und einige Mitarbeiter sowie Bekannte aus dem nahen Dorf halten sich gerade im Weinkeller von Chateau Malevil in Südfrankreich auf, als plötzlich der Strom ausfällt. Geräusche schrecklicher Zerstörungen sind von draußen zu hören, und nach einem Lichtblitz bricht extreme Hitze aus. Als die Verhältnisse sich nach einiger Zeit etwas normalisieren, wagen die Menschen sich nach draußen - noch spricht niemand es aus, aber im Grunde wissen alle, was geschehen ist: Ein Atomkrieg muss ausgebrochen sein. Im Schutz der meterdicken Mauern und einer Felswand, in deren Schatten das Schloss liegt, haben sie den Atomschlag überlebt. Malevil ist noch bewohnbar, sogar einige Stalltiere leben noch. Das Land ringsum ist jedoch in eine Wüste verwandelt worden. Das Nachbardorf existiert nicht mehr, vom Wald stehen nur noch verkohlte Stümpfe und die Felder sind von einer Ascheschicht bedeckt. Nachdem sie den ersten Schock überwunden haben, beginnen die Menschen mit dem Wiederaufbau und pflanzen in den nächsten Monaten Getreide, Gemüse usw. an. Sie haben Glück: Es gibt keinen Fallout. Comte wird von der kleinen Gemeinschaft zum Anführer ernannt, da er vor dem Fall der Bombe Bürgermeister war.

Die Bewohner Malevils sind jedoch nicht allein. Marodierende Banden fallen über die noch nicht einmal reifen Getreidefelder her. Comte und seine Leute haben keine Wahl; sie müssen sich wehren und töten einige der kaum noch als menschlich zu bezeichnenden Diebe. Doch auch in einem nur wenige Kilometer von Malevil entfernten Eisenbahntunnel leben noch Menschen. Sie hausen in den Waggons eines entgleisten Zuges und werden von Fulbert tyrannisiert, einem religiösen Eiferer, der alle Vorräte unter Kontrolle hält und sich einiger bewaffneter Schergen bedient, um die Menschen einzuschüchtern. Als die Bewohner Malevils eines Tages auf diese Gruppe stoßen, kommt es rasch zum Konflikt. Fulbert sieht seine Machtposition bedroht, denn die gründet sich hauptsächlich auf seine Behauptung, die Tunnelbewohner seien die einzigen Überlebenden. Sie erkennen nun aber, dass auch eine andere Lebensweise möglich ist. Zwei der Frauen, die von Fulbert und dessen Getreuen regelmäßig vergewaltigt werden, versuchen zu fliehen. Eine von ihnen schafft es tatsächlich bis Malevil, doch dadurch spitzt sich der Konflikt nur noch mehr zu. Comtes Leute, die lediglich am Austausch von Waren interessiert sind, müssen erneut zu den Waffen greifen.

Es gelingt den Bewohnern Malevils, den ersten Großangriff der Tunnelbewohner abzuwehren. Alle Angreifer bis auf zwei werden getötet. Die Überlebenden werden gefangen genommen und sind nur zu gern bereit, sich Comte anzuschließen, denn die Situation im Tunnel ist durch Fulberts Wahnsinn und die Ankunft neuer Marodeure schlimmer geworden. Comte tritt Fulbert persönlich entgegen. Dabei schlägt die Stimmung der Tunnelbewohner endgültig zu Comtes Gunsten um. Comte erschießt Fulbert, danach siedeln einige Tunnelbewohner nach Malevil um. Dort kehrt mit der Zeit so etwas wie Normalität ein. Es gelingt sogar, einen improvisierten Funksender in Betrieb zu nehmen. Doch dann erscheint plötzlich eine Hubschrauberstaffel. Die Überlebenden werden aufgefordert, alles zurückzulassen und einzusteigen. Die meisten - darunter Comte - folgen dem Aufruf. Sie werden evakuiert und zu einer Dekontaminationsstelle gebracht. Man teilt ihnen mit, die durch den Atomkrieg zerstörten Länder seien für wissenschaftliche Experimente vorgesehen. Nur einzelne Bewohner Malevils fliehen über den Fluss.

Der Film:

Dieser Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Robert Merle aus dem Jahre 1972. Besonders in den ersten Minuten hält er sich auch sehr genau an die Romanvorlage. Danach gibt es zwar einige Abweichungen, aber die kann man vernachlässigen. So gibt es im Roman noch Überlebende im benachbarten Dorf La Roque und die Zerstörungen werden allgemein nicht als so schlimm beschrieben, wie es im Film gezeigt wird. Im Roman wird außerdem sehr viel mehr Wert auf die zwischenmenschlichen Beziehungen sowie später auf die Vorbereitungen zur Verteidigung Malevils und auf den Kampf mit den herumstreifenden Plünderern gelegt, die Momo im Roman töten. Comtes Kindheitserinnerungen fehlen im Film ganz, aber das schadet nicht. Übrigens findet sich im Film leider nur sehr wenig von Merles feinem Witz wieder. Obwohl kaum auf die einzelnen Personen, ihre Hintergrundgeschichten usw. eingegangen wird, versteht man doch auch in der Verfilmung irgendwie gleich, wer sie sind und was sie empfinden. Ihre erste Reaktion: Infolge des Schocks verstummen sie. Es ist Comte, der dann anregt, man solle doch vielleicht wieder anfangen, miteinander zu sprechen...

Das im Film gezeigte Ende ist aber eine ziemlich krasse Entstellung, mit der ich nicht so recht einverstanden bin, da sie die ganze bis dahin erzählte Geschichte entwertet. Im Roman ist nicht die Rede davon, dass sich Reste der Zivilisation erhalten haben könnten. Im Film scheint es dagegen so zu sein, dass es noch geordnete Strukturen, ein Staatswesen oder dergleichen gibt, und dass keineswegs die ganze Welt im nuklearen Feuer untergegangen ist. So ärgerlich ich diese Änderung finde: Dadurch wird ein Kritikpunkt relativiert, den ich beim Roman anzubringen hatte. Ich fand es nämlich unlogisch, dass die Natur sich so rasch regeneriert und dass kaum jemand an Strahlenkrankheit leidet. Wenn man davon ausgeht, dass es eben nicht zu einem globalen Atomkrieg gekommen ist, dann wird das wenigstens ein bisschen glaubwürdiger. Und immerhin wird das ohnehin schon recht zynische Szenario mit den kurz nach der Katastrophe neu aufflammenden Kämpfen um die letzten Ressourcen (oder auch nur um Macht) dadurch noch bitterer: Wofür haben die Leute sich gegenseitig getötet, wenn die Rettung so nah war? Ihr ganzes Kämpfen um die Vorherrschaft, ihr Streben nach neuen Formen des Zusammenlebens war sinnlos.

Ansonsten habe ich an dem Film wenig bis gar nichts auszusetzen. Natürlich muss man sein Alter berücksichtigen und darf deshalb keine Untergangsszenarien mit viel Pyrotechnik oder sonstigen Spezialeffekten erwarten. So ist der Film nicht angelegt. Das Thema wird mit viel mehr Zurückhaltung angegangen als z.B. in The Day After. Von der Atombombenexplosion sieht man nichts, schließlich sind die Überlebenden ja auch im Keller. Man sieht nur die Folgen - und die wurden effektvoll genug in Szene gesetzt. Mich würde sowieso mal interessieren, wo der Film gedreht wurde und wieviel von der verwüsteten Landschaft nicht real ist. Kulissen? Matte-Paintings? Man kann es nicht genau sagen, und das spricht wohl schon für sich. Auch die (wenigen) Kampfszenen sind alles andere als spektakulär, was auch sehr gut so ist, denn die Überlebenden sind keine Actionhelden, sondern Bauern und einfache Leute, die irgendwie mit den radikal veränderten Verhältnissen zurechtkommen müssen. Insoweit ist der Film also genauso wenig effekthascherisch wie der Roman. Würde der Film heute gedreht werden, dann könnte man sich vor Atomexplosionen, effektvollen und in Zeitlupe dargestellten Vernichtungsorgien, stilvollen Martial-Arts-Kampfszenen und ekligen Strahlenkrankheits-Mutationen vermutlich nicht mehr retten. Aber ich gerate schon wieder in die Gefahr, gleich zu schreiben, dass früher alles besser war (was natürlich stimmt)...

Die DVD:

Ein paar Bemerkungen zu Bild- und Tonqualität: Es ist zwar irgendwie verständlich, dass man sich nicht die Mühe macht, Verschmutzungen und andere Bildstörungen bei einem so alten Film, der wahrscheinlich nicht so wahnsinnig oft verkauft werden wird, digital zu entfernen. Macht auch nichts, denn insgesamt ist die Bildqualität noch akzeptabel. Wenigstens den Ton hätte man aber verbessern können. Der Aufwand wäre sicher nicht groß gewesen; selbst Amateure hätten es mit der entsprechenden Software geschafft, die vielen Knackser und anderen Tonfehler zu bereinigen.

Seltsamerweise wird die französische Sprachfassung, die man ebenfalls auf dieser DVD findet, als Bonusmaterial bezeichnet. Dabei ist es einfach nur derselbe Film mit französischem Ton. Das übrige Bonusmaterial ist nicht besonders aufregend, eine Dokumentation zum Film oder wenigstens eine "Making of"-Featurette sucht man vergebens. Stattdessen gibt es zwei sehr kurze Dokumentarfilme aus den Fünfzigerjahren, in denen Atombombentests in der Wüste von Nevada gezeigt werden. Unfassbarerweise hat man damals tatsächlich Soldaten ins Explosionsgebiet geschickt - die sollten Angriffe simulieren. Neben den Trailern (auch zu anderen Filmen dieses Labels), einer selbstablaufenden Diashow, die u.a. auch Bilder von den durch Atombomben zerstörten japanischen Städten enthält, sowie ein paar Texttafeln zu Trintignant und Merle ist noch das "Hörbuch" erwähnenswert, das sich im MP3-Format auf der DVD befindet und nur genutzt werden kann, wenn man einen PC besitzt. "Hörbuch" ist zuviel gesagt, tatsächlich handelt es sich um die nur wenige Minuten lange Story "The Thinking Machine" von Jacques Futurelle, die von jemandem vorgelesen wird (englisch), der offenbar eine furchtbar verstopfte Nase hat. Ist zwar ganz amüsant, hat aber mit "Malevil" rein gar nichts zu tun. Es geht darin um einen gewissen Professor Van Dusen, der die Ansicht vertritt, dass man jedes beliebige Problem allein unter Anwendung simpler Logik lösen kann. Um diese These zu beweisen, besiegt er einen Schach-Champion, ohne jemals zuvor Schach gespielt zu haben.

J. Kreis, 28.01.2009


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